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Eine Frau verschwindet
von Cécile Tlili
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Erscheinungstermin 11.05.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Als Alice von ihrem Mann verlassen wird, ist sie schockiert. Sie ist ratlos, weiß nicht, wie sie vor ihrer Tochter die Fassung bewahren soll. Sicher ist nur, dass sie nicht im gemeinsamen Haus bleiben kann. Ohne ihrem Mann oder ihrer Tochter viel zu erklären, mietet sie sich eine unscheinbare Zwei-Zimmer-Wohnung, weit genug entfernt, um den beiden nicht versehentlich über den Weg zu laufen. Tagsüber geht sie zur Arbeit, nachts streift sie schlaflos durch die Stadt, bis sie ihrer Nachbarin Siham begegnet. Die ist gerade mal zwanzig, macht eine Ausbildung in der Krippe und versucht, sich aus den engen Strukturen ihrer Familie zu lösen. Obwohl die Lebenslagen der Frauen kaum unterschiedlicher sein könnten, erkennen die beiden bald, dass sie die Suche nach Freiheit verbindet, und es entsteht eine unerwartete Freundschaft.
Als Alice von ihrem Mann verlassen wird, ist sie schockiert. Sie ist ratlos, weiß nicht, wie sie vor ihrer Tochter die Fassung bewahren soll. Sicher ist nur, dass sie nicht im gemeinsamen Haus...
Eine Anmerkung des Verlags
Sperrfrist: Bitte nicht vor dem 11.05.2026 öffentlich besprechen.
Herzlichen Dank!
Achtung! Der Text ist unredigiert und unkorrigiert.
Sperrfrist: Bitte nicht vor dem 11.05.2026 öffentlich besprechen.
Herzlichen Dank!
Marketing-Plan
eBuch Buch der Woche Mai 2026
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Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783036950952 |
| PREIS | 22,00 € (EUR) |
| SEITEN | 144 |
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Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Zwei Frauen, ein Wunsch: Freiheit und Selbstbestimmung
Alice ist geschockt, als ihr Mann ihr völlig unerwartet mitteilt, dass er sich von ihr trennen möchte.
Sie flieht für ein paar Tage nach Korsika, um dies zu verarbeiten. Wie soll sie das ihrer Tochter beibringen?
Zurück in Paris, nimmt sie sich heimlich eine kleine Wohnung; nicht weit weg von ihrem Zuhause, aber ohne die Gefahr, sich im Alltag zu begegnen. Während Alice tagsüber wie gewohnt zur Arbeit ins Labor geht, wird sie nachts von Schlaflosigkeit geplagt. Als sie eines Nachts betrunken nach Hause kommt, nimmt ihre junge Nachbarin Siham sie bei sich auf. Und Alice kann zum ersten Mal ruhig schlafen ... Daraufhin bekommt sie länger Asyl bei Siham, sie schlafen beide in der kleinen Wohnung. Auch Siham, gerade mal Anfang Zwanzig, befindet sich in einer schwierigen Situation.
Aus der einen Nacht wird eine längerfristige Verbindung. Trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe merken die beiden Frauen, dass sie einander guttun und gegenseitig unterstützen können.
„Eine Frau verschwindet“ von Cécile Tlili ist mit nur 144 Seiten ein sehr kurzer Roman, ich würde fast sagen, wir bekommen hier „nur“ einen kurzen Einblick ins Leben der beiden Protagonistinnen. Vieles bleibt offen, auch das Ende.
Der Autorin gelingt es jedoch gut, sich in der kurzen Zeit in die beiden Frauen hineinzuversetzen.
In Alice und ihre Reaktion nach der unerwarteten Trennung kann man sich gut einfühlen:
„Weißt du, ich habe das auch durchgemacht. Die Verleugnung, die Schockstarre. Eine Trennung ist wie die Trauer um jemanden, der nicht gestorben ist.“
Siham wirkt anfangs etwas undurchsichtiger, doch gegen Ende nimmt ihre Geschichte eine Wendung, die zeigt, dass auch sie einen unbändigen Wunsch nach Leben, Freiheit und Selbstbestimmung in sich trägt.
Ein kurzer, aber intensiver Roman über weibliche Solidarität und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag & an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚
Maria H, Rezensent*in
"Eine Frau verschwindet" ist ein kurzer, aber doch recht intensiver Roman. Da ist Alice, deren Mann sich von ihr trennen möchte und dies vollkommen überraschend. Da ist die Tochter und wie soll man ihr dies mitteilen? Wie soll man selbst mit dieser Situation umgehen? Alice packt eine Tasche und fährt für einige Tage nach Korsika um Abstand zu gewinnen. Wieder in Paris sucht sie sich ein kleines Appartment, geht tagsüber zur Arbeit, ignoriert aber die Nachrichten ihres Mannes. Nachts kann sie nicht schlafen und läuft viel durch die Straßen. Als sie eines Nachts betrunken nach Hause kommt, hilft ihr die junge Nachbarin und nimmt sie mit in ihre Wohnung. Auch Siham befindet sich in einer schwierigen famililären Situation. Die beiden Frauen geben sich gegenseitig Halt und unterstützen sich.
Der Roman ist sehr intensiv geschrieben und lässt am Ende einiges offen. Ich habe ihn gerne gelesen und empfehle ihn auch gerne weiter.
Rezensent*in 1900875
Eine Frau verschwindet überzeugt mit klarer, präziser Sprache und einer eindringlichen Geschichte über Neuanfang und Freiheit. Kurz, aber wirkungsvoll erzählt – auch wenn der Preis für den Umfang etwas hoch erscheint.
Lisa K, Buchhändler*in
Alice Gefühlschaos ging mir ab der ersten Seite nah, ihre Lethargie war allzu verständlich und doch habe ich sie manchmal wachrütteln und ihr Mut zusprechen wollen, dass es weitergeht, trotz allem! Tlilis Buch erzählt vom Verlorengehen und wieder auftauchen, von Schmerz und Hoffnung - sehr eindrücklich und bewegend!
Das Schweigen hinter der perfekten Fassade: Was passiert, wenn ein Mensch, den man zu kennen glaubt, von einem Moment auf den anderen spurlos verschwindet? Cécile Tlili entwirft in „Eine Frau verschwindet“ genau diese Szenerie und die dazu entstehenden Fragen auf. Aus der Sicht des Ehemanns und des Umfelds beginnt eine Suche, die schnell tiefer geht als eine rein polizeiliche Ermittlung. Es geht um die Risse in einer Ehe, um all das, was jahrelang nicht ausgesprochen wurde, und um die beunruhigende Frage: Wer ist die Person eigentlich wirklich, die morgens neben einem aufwacht?
Beim Lesen hat mich vor allem dieses beklemmende Gefühl gepackt, wie verdammt echt sich das alles anfühlt. Es gibt keinen lauten Knall, keine Action - das Drama entfaltet sich leise zwischen den Zeilen. Man sieht förmlich vor sich, wie die Fassade dieser Beziehung bröckelt. Das Buch lebt von Andeutungen und Widersprüchen, was die Stimmung unglaublich undurchdringlich macht.
Ich muss zugeben: Zwischendurch hätte ich mir manchmal mehr feste Anhaltspunkte gewünscht, um der Geschichte besser folgen zu können . Aber genau diese Unsicherheit wohin die Erzählung geht, ist wohl der Kern des Ganzen. Es ist ein ehrliches und teils schmerzhaftes Porträt über die Einsamkeit, die selbst in einer Partnerschaft empfunden werden kann.
★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Rezensent*in 1848730
Ein kurzes, aber nachhallendes Buch über zwei Frauen, die aus gewohnten Umgebungen gerissen werden. Auf der einen Seite eine Trennung, die sich existenziell anfühlt. Auf der anderen Seite gibt es einen gezwungen Neustart in einem anderen Land, was tatsächlich existentiell ist.
Als sich beide Leben kreuzen, drängen sich Fragen über Abhängigkeit, Klassismus, patriarchale Doninanz und Diskriminierung auf, die die Autorin aber gekonnt unmoralisch verhandelt.
Obwohl das Buch mit etwas über 170 Seiten eher kurz ist, hat es mich nachhaltig bewegt.
Es fordert die Lesenden in Empathie heraus. Teilweise sind die Handlungen der Protagonisten schwer auszuhalten, aber sehr menschlich. Die Autorin schafft es neue Perspektiven zu eröffnen, die helfen können, weniger egozentriert und dadurch liebevoller zu denken.
Ein Roman über Freundschaft und Halt. Kompromisslos, ohne Fragen, ohne Antworten.
Einfach da sein. Füreinander.
„Eine Frau verschwindet“ von Cécile Tlili
Verlag: Kein & Aber
Trennung. Schmerz.
Freiheit und Selbstbestimmung.
Alice wird von ihrem Mann verlassen. Doch bevor er geht, flieht sie Hals über Kopf nach Korsika. Wie soll sie mit dieser Situation umgehen? Wie soll sie es ihrer Tochter erklären? Antworten findet sie dort keine, also kehrt sie nach Paris zurück. Nicht in ihr trautes Heim, stattdessen mietet sie sich eine Wohnung. Sie reagiert nicht auf die Anrufe und Nachrichten ihres Mannes, zieht sich zurück und versucht, irgendwie mit der Leere umzugehen.
„Hier bin ich wieder, habe mich zwischen Existenzen verlaufen, die aufeinanderprallen drohen, und fürchte den Zusammenstoß ebenso, wie ich mich danach sehne.“ (Kapitel 1/Pos.193)
Tagsüber geht Alice ihrer Arbeit nach, doch nachts streift sie schlaflos durch die Straßen, getrieben von Gedanken, die sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Als sie eines Nachts betrunken und vollkommen erschöpft vor ihrem Wohnkomplex ankommt, nimmt eine junge Nachbarin sie auf. Und dort, in der kleinen Wohnung, auf dem harten Boden kann sie endlich schlafen.
Aber auch Siham hat Probleme. Ihr Cousin möchte sie ihrer Freiheit, alleine zu wohnen und selbständig zu Leben berauben; er möchte die junge „reine“ Frau sein Eigentum nennen. Von der restlichen Familie bekommt sie keine Unterstützung.
Ein aussichtsloser Kampf?
Alice und Siham sind komplett unterschiedliche Charaktere und dies betrifft nicht nur den Altersunterschied.
Cécile Tlili lässt uns eintauchen in die Gefühle einer Frau, die nicht das Ende der Liebe beweint, sondern den Bruch des Versprechens eines gemeinsamen Lebens betrauert.
Sie zeigt uns auf, wie schwer es junge Menschen aus anderen Kulturen haben, die gerne selbstbestimmt ihr Leben in Freiheit leben wollen. Wie sich deren familiäre Probleme anfühlen, den Druck der Familie mit 20 bereits verheiratet und Mutter zu sein. Kontrolle und Bevormundung setzen die junge Frau enorm unter Druck. Sie fühlt sich gefangen innerhalb der Familie. Ihr Bedürfnis nach Unabhängigkeit ist groß und Alice versucht Siham zu helfen, so wie diese ihr über die schlaflosen Nächte geholfen hat.
Dennoch verbindet sie etwas Tieferes: Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenssituationen teilen sie eine innere Zerrissenheit. Siham im Kampf um ihre Freiheit, Alice im schmerzhaften Verlust ihres bisherigen Lebens.
Ihr Wunsch nach Unabhängigkeit ist groß und Alice beginnt, ihr zu helfen. So, wie Siham ihr zuvor geholfen hat.
Zwei Frauen, die sich gegenseitig Halt geben, obwohl sie selbst kaum wissen, wohin ihr eigener Weg sie führt.
Ein Roman über Frauenfreundschaft, Halt und Hoffnung. Über das Gefühl der Einsamkeit ohne die vertraute Zweisamkeit.
Die Autorin versteht es auf wenigen Seiten eine intensive, nachhallende Geschichte zu erzählen, die nicht loslässt.
Mit einem offenen Ende das Raum lässt, für all das ungesagte zwischen den Zeilen.
Zusammen ist man weniger allein: Ein Mann trennt sich von seiner Frau. Die Frau verschwindet. Dazwischen steht die Tochter, die gerade die Pubertät erreicht.
Alice zieht sich zurück wie ein verwundetes Tier, sie flieht nach Korsika. Um festzustellen, dass ihre Wunden mit ihr gereist sind. Als sie zurückkommt, versteckt sie sich in einer eigenen kleinen Wohnung und hinter nächtlichen Eskapaden mit viel Alkohol. Wundersamerweise wird sie am tiefsten Punkt ihres seelischen und körperlichen Elends von ihrer Nachbarin Siham gerettet und aufgenommen.
Siham ist zwanzig Jahre jünger, macht eine Ausbildung zur Erzieherin und versucht vor allem, sich vor einer arrangierten Heirat mit einem Cousin zu retten. Und jetzt kann Alice ihr helfen, gegen die Ansprüche der Verwandtschaft zu bestehen. Beide werden sich einer selbständigen Zukunft stellen. Und Alice wird einen Weg zu ihrer Tochter finden. Eine elegante Geschichte, die nicht viele Worte braucht, um von Kummer, Sehnsucht, Hoffnungen und Lösungen eindringlich zu erzählen.
Janina S, Rezensent*in
Auf Cécile Tlilis „Eine Frau verschwindet“ steht „Roman“, aber eigentlich würde ich die Geschichte eher als Novelle bezeichnen. Es treffen hier zwei Frauen aufeinander. Die eine – gut situiert, Laborassistentin, in ihren 40ern, Mutter einer Teenagerin – wurde gerade von ihrem Mann verlassen und mietet sich eine kleine Wohnung in einem erschwinglichen Stadtteil. Die andere – gerade erst erwachsen, Migrantin – macht gegen den Willen ihres herrischen Cousins und ihrer Tante eine Ausbildung zur Erzieherin, um eigenständig zu sein, und zieht in das Einzimmerappartement unter der älteren Frau. Als die eines Abends alkoholisiert und auf der Flucht vor einem übergriffigen Mann im Hausflur liegt, lässt die jüngere sie im ihrer Wohnung schlafen, auf Kissen auf den Boden. Und weil die Frau seit ihrer Trennung nicht schlafen kann, wird das einmalige Arrangement zur Gewohnheit, die Matratze von oben in die untere Wohnung geholt, und die ältere Frau geht nur noch zum Zähneputzen und Umziehen in ihre eigenen vier Wände.
Natürlich kann so ein Freundschaftsdienst nicht ganz einseitig bleiben, weshalb die ältere der jüngeren Frau bald auch an deren Fronten Unterstützung bieten wird, ihr helfen will, sich aus den sie unterdrückenden Familienverhältnissen zu befreien. Doch schätzt sie deren Lage und Anliegen richtig ein?
Zwei Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen, aus ungleichen Gesellschaftsschichten und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen unterstützen sich gegenseitig völlig bedingungslos und ohne etwas zu hinterfragen. Das ist quasi ein prototypischer Gegenentwurf zu toxischer Weiblichkeit und schon irgendwie eine unerhörte Begebenheit, oder? Und einen zentralen Wendepunkt gibt es auch, und was für einen!
Für einen Roman fehlte es mir etwas an Hintergründen und Charakterzeichnung. Gerade von der jüngeren Frau erfahren wir doch recht wenig, und so ganz klar wurde mir nicht, was die beiden letztlich eigentlich zueinander führt. Aber als Novelle gelesen bin ich fein damit und finde jetzt, in der Nachbetrachtung, immer neue Aspekte des 144-Seiten-Büchleins, die einer Interpretation wert sind. Falls du es schon gelesen hast, würde mich ein Gedankenaustausch sehr freuen.
Ich danke @netgalleyde und @keinundaberverlag herzlich für das digitale Rezensionsexemplar.
tl;dr: Kleine, feine Novelle über zwei Frauen, die sich zufällig begegnen und trotz fehlender Gemeinsamkeiten gegenseitig unterstützen.
Nadja S, Rezensent*in
Alice wird von ihrem Mann verlassen. Die Trennung trifft sie, trotz aller Konflikte davor. Sie stürzt in ein Loch und braucht Abstand, selbst von der gemeinsamen Tochter. 2 Wochen Korsika, danach kleine Wohnung und Einsamkeit, Schockstarre. Nachdem Alice einem sexuellen Übergriff knapp entkommen konnte, hat sie Probleme, allein zu sein. Ihre viel jüngere Nachbarin Siham tritt an diesem Punkt in ihr Leben und Alice klammert sich an das junge Mädchen. Doch auch Siham hat ihre familiären Probleme.
Man erfährt im Buch wenig über die Trennung und die Gründe. In 2/3 Nebensätzen kann man ein wenig ableiten, Streit, Wut, Konflikte spielen eine Rolle. Alice ist völlig aus der Bahn geworfen und findet durch Siham langsam wieder einen Lebensinhalt. Umso mehr hat mich das Ende überrascht. Das Buch liest sich gut. Es greift ein Thema auf, was ich zunächst nicht erwartet hatte – Siham macht eine Ausbildung, lebt allein und genießt das Leben. Doch ihrer Familie, allen voran ihrem Cousin, gefällt dies nicht. Viel lieber soll Siham unter der Kontrolle der Familie stehen. Dieser Konflikt kommt im Buch erst später raus, bestimmt aber das letzte Drittel maßgeblich. Zudem kamen mir beim Lesen auch Gedanken daran, wie es ist, nach so vielen gemeinsamen Jahren plötzlich wieder allein da zu stehen. Das steckt man ja nicht mal eben weg. Daher als Fazit: Eine interessante Lektüre, die mir gut gefallen hat, mich berührt und auch bewegt hat.
Buchhändler*in 1148715
Eine Leere, hervorgerufen durch die Trennung ihres Mannes, beherrscht plötzlich das Leben von Alice. Erst flieht sie komplett, dann wagt sie sich in die Stadt ihrer Familie zurück. Und doch bleibt sie auf Abstand, kann nicht schlafen, weiß nicht wohin mit sich.
Sie trifft auf Siham, eine Art Freundschaft bildet sich, ganz sanft und zurückhaltend.
Das ganze Buch ist schnell gelesen, aber es beinhaltet doch viel mehr, als man am Anfang wahrnimmt. Durch den Einblick in die Gefühlswelt von Alice spürt man richtig den Schmerz, den die Trennung verursacht hat. Man fühlt sich selbst ganz ziellos und schwerelos.
Am Ende bleibt ein Gefühl der Melancholie, aber auch eine zarte Hoffnung, auf die Zukunft.
Romy H, Rezensent*in
"Zwei Fahrten über das Mittelmeer, um zu begreifen, dass ich meinen Kummer nicht hinter mir lassen kann."
Sonntag, 3:14 am Morgen: Alice wird wach. Wie häufiger in letzter Zeit findet sie keinen Schlaf mehr. Tagsüber versucht sie, dem Schmerz durch ihre Arbeit aus dem Weg zu gehen, ist gar nach Korsika geflohen, um ihrem Schmerz und ihren Erinnerungen zu entkommen. Doch der Schmerz kehrt jede Nacht zurück.
Alice’ Ehemann Damien hat sie verlassen. Und so entschließt sich Alice, ihren Ehemann und ihre Tochter zurückzulassen, zieht nach der von Damien ausgesprochenen Trennung ohne jede Information aus, sucht sich eine Wohnung in sicherer Entfernung.
In ihrer neuen Bleibe trifft sie auf die Nachbarin Siham. Hilft ihr beim Einkaufen und geht mit ihr zu ihrer Tante. Übernachtet mehrmals bei Siham und entschließt sich schließlich, die junge Frau vor dem zu retten, was diese belastet.
‚Eine Frau verschwindet‘ erzählt von Einsamkeit, von Vermeidung, von der fehlenden Auseinandersetzung mit der Trennung, vom Schmerz, vom verzweifelten Versuch, den Alltag weiter zu bewältigen. Dabei ist der Roman sehr knapp gehalten, sehr dicht geschrieben und psychologisch überzeugend.
Der Schreibstil ist einnehmend und eindringlich, der ganze Roman ist berührend und bewegend, doch obwohl mir das Buch sehr gut gefallen hat, konnte es mich nicht richtig gefangen nehmen und nicht richtig mitreißen, was vielleicht letztendlich tatsächlich an der Kürze der Geschichte gelegen haben mag.
Cécile Tlili: Eine Frau verschwindet. Übersetzung von Corinna Rodewald. Kein & Aber, 2026, 144 Seiten; 22 Euro.
Buchhändler*in 578886
Alice verschwindet aus ihrem Zuhause nachdem sie erfährt, dass ihr Mann sie nicht mehr liebt und sie verlassen möchte. Ihre gesamte Welt bricht zusammen und sie findet sich nach einer kurzen Reise nach Korsika in einer kleinen Ferienwohnung wieder.
Selbst ihre Tochter kann sie nicht dazu veranlassen zurückzukehren, zu verletzt und gnadenlos verzweifelt ist sie. Da ihre Welt zusammen gebrochen ist und sie sich einsam fühlt sucht sie die Freundschaft mit ihrer Nachbarin Sahim, die sich gerade aus ihrer konservativen Familie und deren engen Strukturen lösen möchte. Sprachlich ist dieser kurze Roman auf hohem Niveau. Der Schmerz und die Verzweiflung sind geradezu in den Zeilen zu erkennen. Mir war das ab und an fast zuviel. Es ist eine Geschichte über Einsamkeit, sich wiederfinden wollen, vom wir zum ich zurück zu kehren. Trotz alledem hat mich der Roman jetzt nicht tief beeindruckt aber ich denke er wird trotzdem seine begeisterten Leser innen finden.
"Ich denke oft an die andere Alice, von der ich nicht mehr sicher bin, ob sie außerhalb meiner Vorstellung existiert, die Alice, die das Leben führt, das meins hätte sein sollen."
Nachdem Alice Mann überraschend verkündet hat, dass er sich trennen möchte, nimmt sich die Protagonistin in Cécile Tlilis Roman "Eine Frau verschwindet" (deutsche Übersetzung Corinna Rodewald) eine Auszeit. In einer winzigen Mietwohnung versucht sie den Verlust (wovon genau eigentlich?) zu verarbeitet und durchwandert in schlaflosen Nächten ihr neues Stadtviertel. Unter ihr wohnt Siham, Auszubildende zur Erzieherin. Sie nimmt sich Alice an, lässt sie bei sich schlafen, denn Alice kann nur in Anwesenheit eines anderen Menschen zur Ruhe finden. Allerdings zeigt sich bald, dass auch Siham vor familiären Herausforderung ganz anderer Art steht.
Tlili verbindet in ihrem Roman die Geschichte zweier Frauen, deren Begegnung sehr unwahrscheinlich ist. Ohne Alice Trennung wären sie sich wahrscheinlich nie begegnet. Dennoch unterstützen sich beide, ohne Fragen oder Bedingungen zu stellen. Dieser Zusammenhalt zwischen Frauen, die nicht nur das Alter (Unterschied gut 20 Jahre) trennt, hat mich berührt und macht die Stärke des Buches aus. Tlili zeigt damit auch eine Perspektive auf, die entsteht, wenn wir auf Fremde als Verbündete zugehen, ohne dass der Roman dabei kitschig wirkt.
Allerdings ist das "Drumherum" sehr vage gehalten. Alice, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird, deutet immer wieder an, dass ihre Beziehung von Gewalt und Liebe geprägt ist. Da tauchen Streitigkeiten, die Freunde nicht mehr aushalten wollen, auf. Es gibt zerbrochene Spiegel und eine Tochter, die sich nach eigener Aussage an den Hass zwischen den Eltern gewöhnt hat. Gleichzeitig wird die gewaltsame Seite nie explizit. Alice reflektiert sie nicht, konkretisiert sie nicht, denkt eher über das stabile Leben, das sie verloren hat, nach. Für mich war das äußerst unbefriedigend, auch weil ich die Funktion dieser gewaltvollen Episoden für die gesamte Handlung nicht verstanden habe, Denn die Trennung sowie der Kontakt danach verläuft friedlich.
Tlili zeichnet zwar gekonnt die Stadien der Trennung nach - selbstverständlich gibt es auch die obligatorische Überlegung mit der Freundin, was sie alles nicht an ihrem Ex mag. Aber darüber hinaus geht die Erzählung nur selten.
Beklemmend, melancholisch und destruktiv ist die Stimmung, die sich in diesem Buch aufs eigene Herz legt. Man spürt den Schmerz der Liebe, die endet, man fühlt die Pause, die sich die Protagonistin Alice vom Leben nimmt und doch geht das Leben weiter. Wie unter einer Taucherglocke versucht sie zu begreifen, was passiert, wenn das Konstrukt Ehe endet und vergisst dabei fast ihre Tochter und immer mal wieder ihren beruflichen Alltag. Sie flüchtet sich in eine kleine Wohnung, taucht vor Mann und Tochter ab und versucht ihr Alleinsein auszufüllen indem sie Zuflucht bei ihrer jungen Nachbarin Siham sucht. Auch Siham hat Themen, kann als Frau mit Migrationshintergrund nicht das Leben führen, das sie so gerne führen möchte. Alice klammert sich an ihre Nachbarin, versucht ihr zu helfen und kommt durch ihre Bestrebungen wieder in Kontakt mit ihrem Mann, so dass sich am Ende ihr Leben langsam wieder ordnet. Und als man gerade Hoffnung für Siham schöpft, fällt die Wohnung, in der sie lebt, einer vermutlichen familiär motivierten Brandstiftung zum Opfer. Und Siham? Sie ist am Ende die zweite Frau, die verschwindet. Selbstbestimmtes Leben bedeutet bei Tlili als Frau zu verschwinden. Das ist traurig und doch leider noch immer gelebte Realität.
Buchhändler*in 2053554
Die Geschichte beginnt, in dem man erfährt, dass ihr Mann sie, Alice, verlassen wird. Darauf geht sie, sie braucht Bedenkzeit. Nach einer sehr unguten Begegnung mit einem fremden Mann in einer Bar trifft sie auf eine junge Nachbarin. Ab da dreht es sich um viel mehr als um ihr "Verlassenwerden"...
Mir hat die Geschichte gut gefallen.
‚Eine Frau verschwindet‘ ist ein Roman über Beziehungen, in denen man nicht verweilen möchte, und über die Umstände, unter denen wir Frauen uns daraus zu lösen versuchen.
Um die Ohnmacht und den Schmerz über die Trennung von ihrem Mann Damien - zugleich Vater ihrer gemeinsamen Tochter Romane - zu ertränken, flieht die 40-jährige Alice vor ihrem Leben, ihrem Alltag und ihrer Zukunft. Den Schmerz möchte sie mit Abstand und Selbstfindung bewältigen. Dabei begegnet sie der deutlich jüngeren Siham. Deren Sorgen erreichen (nicht auf den ersten Blick) ebenso schnell ein ungeahntes Ausmaß, und vielleicht hat das Schicksal die beiden Frauen genau im richtigen Moment zusammengeführt.
‚Eine Frau verschwindet’ schwankt zwischen beklemmendem Ernst und fast erdrückenden Gefühlen. Die Autorin Cécile Tlili verbindet eine schöne, kluge Sprache mit einem sehr bildhaften, beinahe philosophischen und zugleich modernen Schreibstil. Schon ab der ersten Seite taucht man tief in die Gefühlswelt der Protagonistin Alice ein, die eindrücklich beschrieben wird und sich beim Lesen intensiv mitfühlen lässt. Man spürt, wie sie mit ihren Empfindungen ringt, wie sie versucht, sich aus ihrer Ohnmacht zu befreien, und wie sie sich an das klammert, was ihr noch Halt gibt.
Beim Lesen habe ich zeitweise den Atem angehalten - so sehr hat mich das Buch in seinen Bann gezogen. Gute Bücher sind bekanntlich immer zu kurz, und auch wenn der Einblick - wie ein Streiflicht - in das Leben der beiden Frauen literarisch sehr gelungen ist, hätte ich mir gewünscht, noch etwas länger darin verweilen zu können. Dieses Buch wäre für mich der perfekte Arthaus Film.
Wenn das eigene Leben plötzlich fremd wird
Dieses Buch beginnt mit einem Bruch – leise vielleicht, aber mit voller Wucht.
Eine Frau, deren Leben aus den Fugen gerät, weil ihr Mann sie verlässt. Und obwohl diese Ehe längst nicht mehr glücklich war, bleibt vor allem eines: die Leere. Dieses Gefühl, dass das eigene Leben plötzlich nicht mehr greifbar ist.
Alice (bzw. Agnes in ihrer inneren Wahrnehmung) reagiert nicht laut, nicht dramatisch – sondern zieht sich zurück. Verlässt ihr Zuhause, ihre Familie, ihr gewohntes Umfeld, fast so, als würde sie selbst aus ihrem Leben verschwinden, bevor es jemand anderes vollständig zerreißt. Besonders eindrücklich fand ich dabei ihre Schlaflosigkeit, dieses nächtliche Umherirren durch die Stadt – auf der Suche nach etwas, das sie selbst noch nicht benennen kann: sich selbst.
Sehr berührend ist auch die Begegnung mit ihrer jungen Nachbarin. Zwei Frauen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten – und doch verbindet sie etwas ganz Grundsätzliches: der Wunsch nach Freiheit und die schwierige Beziehung zu den eigenen familiären Strukturen.
Zwischen ihnen entsteht eine zarte, fast vorsichtige Freundschaft, in der die Protagonistin auch eine mütterliche Rolle einnimmt. Gerade diese Dynamik fand ich sehr schön gezeichnet.
Was die Autorin besonders gut kann: innere Prozesse sichtbar machen. Man ist nah dran an dieser Verunsicherung, an der Trauer, an dem Versuch, sich neu zu sortieren. Dieses stille Auseinanderfallen eines Lebens wird sehr fein und nachvollziehbar erzählt.
Gleichzeitig gab es für mich auch Punkte, die mich etwas haben stolpern lassen:
Manches wirkt fast ein wenig zu leicht. Das Fernbleiben von der Arbeit bleibt ohne wirkliche Konsequenzen, ebenso wie die vorübergehende Distanz zur Tochter. Auch die Kraft, sich plötzlich intensiv um die Probleme einer fast fremden Person zu kümmern, wirkte für mich nicht immer ganz greifbar.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus noch stärker auf der inneren Entwicklung der Protagonistin liegt – weniger Nebenschauplätze, dafür mehr Tiefe in ihrem eigenen Prozess.
Trotzdem bleibt ein Buch, das nachdenklich macht.
Denn es stellt eine Frage, die hängen bleibt:
Was bleibt von uns, wenn das Leben, das wir uns aufgebaut haben, einfach zerbricht?
Und müssen wir uns wirklich neu erfinden – oder nur wiederfinden?
Ein stiller, fein erzählter Roman über Verlust, Selbstsuche und die leisen Wege zurück ins eigene Leben.
Buchhändler*in 2039082
'Eine Frau verschwindet' ist rein sprachlich sehr schön geschrieben, jedoch gibt es ein paar Handlungsstränge, die mich während des Lesens ein wenig frustriert und mein Leseerlebnis negativ beeinflusst haben.
Warum, zum Beispiel, hat Alice so lange gewartet bis sie mit ihrer Tochter gesprochen hat? Ich verstehe, dass sie Abstand benötigte, jedoch hat ihre Tochter darunter gelitten und dies wurde meiner Meinung nach, obwohl es erwähnt wurde, nicht deutlich genug gemacht. Richtige Konsequenzen gab es für Alice auch nicht.
Siham hat mir sehr Leid getan und ich hatte während des Lesens wirklich die Hoffnung, dass sie Hilfe bekommt, weshalb ich das sehr offen gehaltene Ende nicht mochte.
Die Beziehung zwischen den zwei Frauen war sehr rührend, jedoch hatte sie, in meinen Augen, aufgrund der Kürze des Buches, nicht genug Entwicklung.