Das Dream Hotel
von Laila Lalami
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Erscheinungstermin 13.10.2025 | Archivierungsdatum 28.02.2026
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Zum Inhalt
Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten: Ihr Risikowert sei zu hoch, denn die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Zu seiner Sicherheit muss sie sich für einundzwanzig Tage unter Beobachtung begeben. Während ihr Mann ahnungslos mit den zweijährigen Zwillingen auf ihre Rückkehr wartet, wird Sara in Gewahrsam genommen. Zunächst versucht sie genau wie die anderen inhaftierten Frauen, ihre Unschuld zu beweisen. Doch als immer neue Gründe auftauchen, weshalb sich ihre Haft verlängert, beginnt Sara zu ahnen, dass sie auf eigene Faust für ihre Freiheit einstehen muss.
Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten: Ihr Risikowert sei...
Vorab-Besprechungen
»Das Dream Hotel fühlt sich an wie eine Mischung aus Steven Spielbergs Minority Report und Wim Wenders Bis ans Ende der Welt, geschrieben in Lalamis grandioser und gefeierter Prosa.« Esquire
»Wenn Sie sich Sorgen machen um Themen wie Überwachung, Data-Mining, eine frauenfeindliche, von schurkischen Technokraten geführte Autokratie – oder wenn Sie einfach Lust auf einen fesselnden, gut geschriebenen Roman haben –, dann ist Das Dream Hotel Ihr Buch.« Washington Post
»Das Dream Hotel ist eine Geschichte über die Folgen unkontrollierter Macht und die kleinen Akte des Widerstands. Manchmal ist die Fiktion der beste Weg, um die erschreckende Wahrheit zu betrachten.« Boston Globe
»Das Dream Hotel fühlt sich an wie eine Mischung aus Steven Spielbergs Minority Report und Wim Wenders Bis ans Ende der Welt, geschrieben in Lalamis grandioser und gefeierter Prosa.« Esquire
»Wenn Sie...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783036950839 |
| PREIS | 26,00 € (EUR) |
| SEITEN | 496 |
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Das Dream Hotel von Laila Lalami
Von Beginn an hat mich dieses Buch elektrisiert, weil es eine Zukunft vorstellt, die so nah ist, dass sie beinahe schon im Hier und Jetzt spürbar wirkt. Sara Hussein wird aufgrund von Daten aus ihren Träumen verdächtigt, eine Gewalttat zu begehen und findet sich in einer Überwachungsanstalt wieder, in der sie um ihre Unschuld und ihre Freiheit kämpfen muss.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie klar Lalami den Machtverlust durch Technologie und Datensammlung beschreibt. Die Traumüberwachungsimplantate, die Algorithmen, und vor allem die Tatsache, dass niemand freiwillig Teil dieses Systems ist, machen das Ganze beklemmend glaubwürdig. Gleichzeitig schafft sie es, Sara als Figur spürbar menschlich zu machen: mit Ängsten, Wut und dem Widerstand, selbst wenn alle Systeme gegen sie zu sein scheinen.
Manchmal hätte ich mir mehr Tempo gewünscht, besonders im Mittelteil, wo Bürokratische Details und Schilderungen des Alltags in der Anstalt etwas schwerer wogen. Aber das schmälert nicht die Wirkung: Das Dream Hotel bleibt ein eindringlicher Roman, der Fragen stellt, die wir heute lieber verdrängen.
★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Henning R, Rezensent*in
Ich habe Laila Lalamis Dystopie mit wachsender Ungläubigkeit verschlungen: Eine Behörde, die anhand meiner Traumdaten über meine Freiheit entscheidet, wirkt geradezu kafkaesk, und ich fühlte mich beim Lesen wie in einem Albtraum, aus dem ich nicht aufwachen konnte. Die Idee, dass selbst unbewusste Gedanken zur „Gefährdung“ werden, hat mich zutiefst beunruhigt und zugleich fasziniert. An ein paar Stellen hätte ich mir mehr Tempo gewünscht, doch der ungewöhnliche Plot und die scharfen gesellschaftlichen Fragen haben mich überzeugt
Ein witzig geschriebenes Buch, was einen aber manchmal schlucken lässt. Eine Frau wird am Flughafen verhaftet, weil die Überwachung und Auswertung ihrer Träume ergeben hat, dass sie eine Gefahr darstellt. Der Roman handelt von ihrer Inhaftierung und dem Versuch, wieder frei zu kommen. Eine sehr gute Lektüre, die in die Tiefe geht. Sehr empfehlenswert.
Renate S, Rezensent*in
Im Staat werden nicht nur Taten überwacht, sondern mit implementierten Dreamsavern auch aus Träumen zukünftige Gewalt vorherbestimmt. Sarah Hussein landet deshalb für ursprünglich 21 Tage in einem gefängnsartigem Gelände. Die zeit wird anschließend unbestimmt verlängert, Willkür und Hilf- und Machtlosigkeit herrschen.Laila Laimani bringt Ausgeliefertsein und sämtliche Inhalte einer Willkürherrschaft beklemmend zum Ausdruck. Das Buch ist erschreckend, die Protagonistin so echt. Sie grübelt, sucht nach einem Grund und nach Hoffnung. Auch der Alltag mit seiner Sinnlosigkeit, Überwachung und die Verwendung sogar als Testobjekt. Das Grundthema ist zeitlos
Rezensent*in 1518830
„Das Dream Hotel“ ist ein lesenswertes, eindringliches Buch – insbesondere für Leser:innen, die sich Gedanken machen über Technologien, Gesellschaft und Freiheit. Es ist keine leichte Unterhaltung, aber eine bedeutungsvolle Lektüre, die nachwirkt. Ich würde ihm 4 von 5 Sternen geben: Stark in Idee und Umsetzung, mit kleinen Abstrichen bei Tiefe und Vielfalt der Erzählperspektiven.
Nutzen und Gefahren von Kontrollsystemen – spannende Dystopie
Dieser dystopische Roman erinnert entfernt an George Orwells Roman „1984“, der auch eine Welt voller Angst, Schrecken, Überwachung und Unterdrückung beschreibt. In diesem Amerika, in dem selbst Träume Überwachungstechnologien unterliegen, entwickelt sich hier ein Spannungsroman rund um Überwachung bis zum Widerstand gegen Ungerechtigkeiten, mit dem Drang nach Freiheit. Im Schatten eines Generalverdachts zu leben, erfährt die interessante Hauptfigur Sara Tilila Hussein, die in einer zukünftigen Welt voller Kontrollsysteme lebt mit einem Implantat "Dreamsaver", das positiv auf Schlaf und Traumphasen der Nutzer einwirken und auch deren Leistungsfähigkeit optimieren soll. Bei ihrem Rückflug scheitert ihre Passkontrolle durch KI, angereichert mit Daten aus DNA-Banken, sozialen Netzwerken und Unternehmen wie Dreamsaver Inc. Bei Befragung durch einen Offizier tauchen Warnhinweise in Ihrer Akte auf aus dem Inhalt ihrer Träume, die eine Einbehaltung für 21 Tage ins Madison, dem "Dream Hotel", erforderlich machen. In diesem 1939 errichteten Schulgebäude arbeiten mehrere Firmen wie z.B. das Sicherheitsunternehmen Safe-X oder ein Provider für E-Mail und Telefonie profitabel zusammen. Über Aufträge externer Firmen streicht der Betreiber der Anstalt Gewinn ein durch Ausbeutung der dort Einbehaltenen. Unter strikter digitaler Kontrolle und Zeitdruck droht den Frauen bei Arbeitsverweigerung Haftverlängerung. In diesem unfreiwilligen Klima mit Saras Mitgefangenen entspannt sich zwischen Sitzungsprotokollen des Aufsichtspersonals und einem Auszug aus den "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" von Dreamsaver Inc. der bedrückende Arbeitsalltag wie im Gefängnis. Sie alle sind Opfer eines Editorials zur Traumdeutung, das das "wissenschaftsbasierte System zur Verbrechensverhütung" dieser Firma preist, die das Verfügungsrecht über die gewonnenen Daten beansprucht. Saras Bemühungen um Kontakte zu Ehemann oder Anwalt werden torpediert, sogar ihr Traumtagebuch wird entwendet. Ihre dazwischen eingeblendeten Träume sind im Text erst im Nachhinein als solche erkenntlich. Nach einigen dramatischen Wendungen kommt sie recht zügig frei unter etwas unglaubwürdigen Umständen.
Die klare, finale Botschaft gefällt. 4*
Maren S, Rezensent*in
„Ich würde ihm nie etwas antun!"
"Genau dafür müssen wir sorgen. Und genau deshalb werden Sie einbehalten, Ms. Hussein."
4.5 ★
The Dream Hotel entwirft eine dystopische nahe Zukunft, die unangenehm glaubwürdig scheint. Eine Gesellschaft, die durch permanente Datenauswertung, prädiktiven Algorithmen und KI gesteuert wird ist so beklemmend, weil sie reale Entwicklungen weiterdenkt statt in Spekulationen abzudriften. Das Grundkonzept ist ausgesprochen überzeugend, und der politische Blick bleibt scharf ohne in Melodramatik zu verfallen. Die Autorin behandelt die Themen mit ruhigem, reflektiertem Ton und lässt die Implikationen für sich sprechen.
Die Leseerfahrung selbst kam für mich allerdings nicht ganz an die Stärke der Idee heran. Das Erzähltempo ist langsam, mit widerholenden Passagen des Alltags und Traumsequenzen, die für mich nicht durchgehend narrativen Mehrwert hatten. Erst im späteren Verlauf nahm die Handlung etwas an Fahrt auf. Die Nebenfiguren bleiben distanziert und größtenteils austauschbar und manche Themen wurden sprachlich etwas ungelenk eingeworfen.
Das Ende ist thematisch gut gelungen. [Spoiler] Es gibt keinen triumphalen Systemsturz, sondern einen Sieg der der Zentrumsleitung genauso dienlich ist wie der Protagonistin. Das unterstreicht den Zentralen Punkt von der Machtlosigkeit des Individuums noch mal gut. [Spoiler Ende]
Es ist ein durchdachtes, glaubwürdiges und politisch pointiertes Buch, auch wenn die Umsetzung etwas geschwächelt hat.
Buchhändler*in 1209150
"Historiker betrachten die Welt, Naturwissenschaftler versuchen, sie zu erklären, aber Softwareentwickler verändern sie. Schritt für Schritt haben sie den Heiratsvermittler durch Dating-Apps ersetzt, den Stadtausrufer durch soziale Medien, den Hausarzt durch Diagnosetools. Es wird Zeit, dass die Weisen, die Mystiker und Propheten Platz machen für eine Kl. Denn das ist der Lauf der Geschichte."
Eine tolle, spannende und beunruhigende Dystopie! Vieles erscheint sehr nah, das erzeugt unangenehme Gefühle - aber das Lesen lohnt sich. Große Empfehlung! Danke für das Leseexemplar!
Janna D, Buchhändler*in
In Laila Lalamis eindringlicher Dystopie wird die Archivarin Sara Hussein bei ihrer Rückkehr von einer Dienstreise am Flughafen aufgehalten. Ein Algorithmus hat ihren „Risikowert“ als zu hoch eingestuft – ein auf der Auswertung unzähliger digitaler Daten basierendes Urteil, das sie für zunächst drei Wochen in ein Einbehaltungszentrum für Frauen bringt. Dort begegnen wir einem Alltag zwischen Kontrolle, Selbstzweifeln und wachsendem Misstrauen gegenüber einem System, das Sicherheit zu schaffen verspricht, indem es potenzielle Täter_innen identifiziert, bevor ein Verbrechen geschieht.
Saras Erfahrungen zeichnen ein beklemmend realistisches Zukunftsszenario, das nur einen Schritt von unserer Gegenwart entfernt scheint. Digitale Überwachung, algorithmische Vorhersagen und profitorientierte Datenkonzerne formen darin eine Gesellschaft, in der Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung neu verhandelt werden müssen. Zusammen mit Sara fühlt man sich einem beinahe vollständig automatisierten Prozess auf der einen und der Willkür einzelner Bürokrat_innen auf der anderen Seite ausgeliefert - bis sie beginnt, sich zu organisieren...
Laila Lalami erzählt in ihre Dystopie “Dream Hotel” von einem Amerika, in der modernste KI-Technik für die umfassende Überwachung aller Einwohnenden eingesetzt wird. Durch die KI-gesteuerte Auswertung aller verfügbarer Daten einschließlich der nachts gewonnenen Neuroaufzeichnungen soll errechnet werden, wann ein Mensch zum Risiko wird. Kommt es zu einer Überschreitung des Grenzwertes, landet er oder sie im Einbehaltungszentrum, bis sich der Wert wieder senkt. Laila Lalami beschreibt die Willkür, der die Menschen in diesem System ausgesetzt sind – zumal sich bei der Analyse insbesondere der Träume immer wieder immense Fehler einschleichen.
In einer nicht allzu fernen Zukunft haben wir alle einen Risikowert. Alles wird überwacht, unser Onlineverhalten, unser Alltag, unsere Arbeit, unser Familienleben, sogar unsere Träume. Ein Algorithmus bestimmt dann, wie wahrscheinlich es ist, ob wir in Zukunft ein Verbrechen begehen. Wird unser Risikowert zu hoch, kommen wir in Sicherheitsverwahrung. Das ist kein staatliches Gefängnis, sondern eine privat geführte Einrichtung zum Schutz aller.
Sara Hussein landet in genau so einer Einrichtung, als sie eigentlich gerade von einer Dienstreise zurückkam und am Flughafen wieder ihren Ehemann und ihre beiden Kinder in die Arme nehmen wollte. Obwohl sie und die anderen Frauen keine verurteilten Verbrecherinnen sind, werden sie genauso behandelt und von der Zentrumsleitung erhalten sie keinerlei Unterstützung.
Während des Lesens würde ich immer wieder an "Orange is the new Black" erinnert, eine Serie die mir auch sehr gut gefallen hat und die mich mehrfach zum Weinen gebracht hat. Ähnlich nahe ging mir auch dieses Buch. Es holen mich nur wenige Bücher in dem Maße emotional ab und dieses Buch hat mich nicht einmal in Ruhe gelassen, wenn ich gerade nicht darin gelesen habe. Ich war regelrecht süchtig nach Saras Geschichte und leider ist sie schon vorbei. Es gibt hier vielleicht nicht die große Revolution oder einen blutigen Kampf, aber es geht eben genau um das, was jeder von uns kann: sich ein System genau anschauen, darüber nachzudenken und Kritik daran üben und sich dann, wenn auch nur im Kleinen, dagegen stellen.
Es war eine (leider zu schnelle) spannende Lektüre und ich würde mich über mehr Geschichten aus dem Dream Hotel freuen.
Buchhändler*in 1287499
Laila Lalami hat mit dem Dream Hotel eine atemberaubende Dystopie geschrieben, neben der Orwells 1984 zum harmlosen Kinderbuch mutiert. Ständige Beobachtung des "Wohlverhaltens" der Bürger:innen, bei Überschreitung eines willkürlich festgesetzten Wertes "Einbehaltung" für drei Wochen, die ebenso willkürlich ins Unendliche verlängert wird, Überwachung und Vermarktung der Träume, Ausbeutung der Arbeitskraft der Einbehaltenen - zu fast jedem Punkt gibt es Entsprechungen in unserer Realität - passt da überhaupt noch die Bezeichung Dystopie?
Ute H, Buchhändler*in
Ziemlich erschreckende Zukunft Beschreibung, aber regt sehr zum Nachdenken an, stellt einen aber auch vor die Frage: Wie können wir uns schützen?
Chris B, Rezensent*in
Wenn deine Träume dich zur Verbrecherin machen
Mit „Das Dream Hotel" legt Laila Lalami eine Dystopie vor, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt – und das Erschreckendste daran? Sie fühlt sich verdammt real an.
Im Zentrum steht Sara Hussein, eine junge Mutter und Archivarin, die nach einer harmlosen Geschäftsreise am Flughafen von Los Angeles aufgehalten wird. Der Grund: Ihre Traumdaten wurden analysiert, und ein Algorithmus hat errechnet, dass sie zur Gefahr für ihren Ehemann werden könnte. Noch hat Sara nichts getan – aber das spielt in dieser Zukunft keine Rolle mehr. Lalami verhandelt hier brandaktuelle Themen wie KI-gesteuerte Überwachung, algorithmische Vorhersagen und die Frage, was von unserer Freiheit übrigbleibt, wenn selbst unsere Träume nicht mehr uns gehören. Besonders beklemmend: Das System trifft nicht alle gleich. Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte geraten schneller ins Visier – ein Spiegel unserer heutigen Gesellschaft.
Sara erlebt der Leser aus der „Froschperspektive" einer Gefangenen, deren Verunsicherung über die eigenen Träume immer weiter wächst. Hat sie wirklich das Potenzial zur Gefahr? Diese schleichende Selbstzweifel-Spirale ist meisterhaft eingefangen. Einzig die fehlende Solidarisierung unter den inhaftierten Frauen hätte noch mehr Tiefe vertragen können.
Mich hat diese Sci-Fi richtig gepackt – Schauer über den Rücken garantiert! Wer Kafka, Orwell oder „The Circle" mochte, wird hier bestens bedient. Kleinere Längen in der ersten Hälfte verzeiht man dem Roman angesichts seiner erschreckenden Aktualität gerne.
Eine dringliche Warnung in Romanform, die noch lange nachhallt.
D G, Buchhändler*in
Ich fand die Handlung des Buches sehr gut. Etwas das weit weg scheint, ist mit der heutigen weltpolitischen Lage gar nicht mehr so abwegig. Gewisse Szenen haben sich langgezogen, was aber wohl auch der Sinn ist, weil sich Gefängnisse wahrscheinlich genauso auswegslos anfühlen.
Rezensent*in 678752
Das Risikowert bestimmt alles.
Das Dream Hotel von Laila Lalami ist ein ruhiger, aber sehr eindringlicher Roman. Es geht um Identität, Kontrolle, Freiheit und darum, wie sehr unser Leben von äußeren Erwartungen bestimmt werden kann. Als die Protagonistin Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten. Es gibt eine Möglichkeit durch die Analyse der Traumdaten fest zu stellen, ob jemand gefährlich für andere Menschen werden kann. Und Sarahs Risikowert ist zu hoch, denn die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Deswegen muss sie zu seiner Sicherheit für einundzwanzig Tage unter Beobachtung stehen. An einem Ort der wie ein Gefängnis sich anfühlt. Während ihr Mann zuhause mit den zweijährigen Zwillingen auf ihre Rückkehr wartet, wird Sara in Gewahrsam genommen. Die Atmosphäre ist von Anfang an leicht unheimlich. Mir hat besonders gefallen, wie die Autorin Spannung aufbaut. Es gibt keine lauten Schockmomente, sondern viele kleine Beobachtungen, die nachdenklich machen. Das Buch hat eine besondere Stimmung. Kein leichtes Buch. Es regt zum Nachdenken an und zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Sicherheit und Kontrolle sein kann.
Beängstigend. Die Vision einer nahen Zukunft, deren erste Anzeichen in der Gegenwart bereits erkennbar sind. "Das Dream Hotel" von Laila Lalami reicht mit seiner Story nicht ganz an das Gefühl heran, was mich in ferner Vergangenheit befallen hatte, als ich Ken Kesey's 'Einer flog übers Kuckucksnest' gelesen habe - eine ängstliche Beklemmung. In Laila Lalamis Roman wird die Hauptfigur Sara bei ihrer Rückkehr von einer Geschäftsreise auf dem Flughafen einer Personenkontrolle durch das 'Amt für Risikobewertung' unterzogen und wegen ihres angeblich zu hohen Risikowertes in Gewahrsam genommen. Der Risikowert speist sich aus einer Vielzahl von Datenquellen, u.a. einer Analyse der nächtlichen Träume und der Verhaltensweisen in sozialen Kontexten, und dient dazu, eine Vorhersage für kriminelle Handlungen zu treffen. Sara ist verwundert, weil sie ihren angeblich erhöhten Risikowert nicht nachvollziehen kann und nie und nimmer auf die Idee käme, ihrem Ehemann Elias oder ihren beiden dreijährigen Zwillingen in irgendeiner Weise zu schaden; Sara bleibt keine Wahl, als sich ihrem Schicksal zu fügen und findet sich bald mit anderen Frauen wieder in einer 'Anstalt für Einbehaltene' - einer 'totalen Institution' mit differenzierter bis willkürlicher Verhaltenskontrolle. Die Autorin beschreibt recht gut, wie die Institution Sara im Laufe der Monate verändert - hin und her gerissen zwischen Anpassung und Rebellion, fast schon im Glauben an eine tatsächliche eigene Schuld. Dieser Prozess ist der eigentliche Kern der Geschichte; das Ende hingegen kommt ein wenig kurz und hätte es verdient gehabt, tiefer ausgeleuchtet zu werden. Gleichwohl: Ein absolut lesenswertes Buch.
Mir hat das Buch aufgrund der Kurzbeschreibung richtig gut gefallen. Das Cover finde ich nichtssagend und langweilig. Die Story hat mich zwar zuerst gepackt und mitgerissen, aber dann fing es an, langweilig zu werden. Die Geschichte spielt fast ausschließlich in dieser "Auffangstation" für auffällig gewordene Menschen und den Tagesablauf mit Sanktionen und kleinen positiven Gefälligkeiten. Da der Tagesablauf immer wieder gleich ist, wiederholt sich auch viel im Buch. Mir hätte es besser gefallen, wenn mehr über die Hintergründe dieses sozialen Versuches (?) preisgegeben werden würde. Eine Vorgeschichte und Nachgeschichte wäre wirklich gut, darauf habe ich die ganze Zeit gehofft. Stattdessen sitzt man mit der Protagonistin die ganze Zeit in dieser Auffangstation fest und dreht sich im Kreis. Die Idee hinter dieser Geschichte finde ich richtig gut, aber mir fehlen sehr viele Informationen.
Menschen werden anhand von Daten bewertet, um vorherzusagen, ob sie ein Risiko für andere darstellen könnten. Die Hauptfigur wird aufgrund eines Algorithmus als potenziell gefährlich eingestuft und in einem sogenannten „Dream Hotel“ festgehalten. Sie hat nichts Konkretes getan, kommt aber aus dem System nicht mehr heraus. Der Alltag dort ist kontrolliert, scheinbar freundlich, aber ohne echte Freiheit. Für mich war besonders stark, wie schnell sich diese Situation normalisiert und wie schwer es ist, sich dagegen zu wehren. Inhaltlich sehr klar und beunruhigend, auch wenn die emotionale Distanz bewusst bleibt.
Sara Hussein hat vor kurzem gemeinsam mit ihrem Mann Elias Babyzwillinge bekommen. Weil sie vor lauter Übermüdung kaum mehr funktionieren konnte, hat sie sich eine Neuroprothese zur Schlafverbesserung in ihren Kopf einsetzen lassen. Ihr Mann hatte so etwas schon seit längerem und sie wollte mit ihm mithalten und auch für ihre Kinder eine wache, präsente Mutter sein können. Außerdem nutzt Sara schon lange, wie so viele von uns, das Internet und Social Media, hinterlässt überall ihre digitalen Spuren und wird auch im analogen Leben oft von Videokameras aufgezeichnet. Ist ja nichts dabei, das ist ja jetzt unser Leben, oder?
Bis all diese Kleinigkeiten Sara zum Verhängnis werden: auf der Rückreise von einer Konferenz in London fällt sie bei der Einreise in die USA bei der Sicherheitskontrolle auf. Eines kommt zum anderen: durch die Neuroprothese wurden Saras Träume ausgewertet und ihr wird vorgeworfen, eine Gefahr für ihren Mann zu sein. Der Algorithmus habe durch die Analyse ihrer Träume, gemeinsam mit anderen gesammelten und willkürlich gewichteten, gegen sie verwendeten Informationen aus ihrem Leben, einen zu hohen Risikowert ausgerechnet, deshalb müsse sie vorerst für drei Wochen zur eigenen und fremden Sicherheit in einem Zentrum "einbehalten" werden. Das sei kein Gefängnis, nur eine Sicherheitsmaßnahme, und ja auch erst einmal nur für drei Wochen. Dass Sara verzweifelt versucht, sich gegen die Einweisung zu wehren, verschlechtert ihren Risikowert weiter.
Schnell stellt sich heraus, dass sich das Einbehaltezentrum nur wenig von einem Gefängnis unterscheidet und die Insassinnen kaum Rechte haben. Es gibt ein langes Regelbuch, das jede auswendig lernen muss, zusätzlich können aber ständig willkürlich neue Regeln aufgestellt oder Privilegien entzogen werden. Verlangt wird absolute Unterwerfung unter das System und Gehorsam gegenüber den Aufsehern, doch auch dann wird kaum eine Frau nach den versprochenen drei Wochen entlassen, sondern der Aufenthalt wird immer wieder verlängert, auf unbestimmte Zeit.
Parallel dazu erleben wir eine Gesellschaft, die sich damit abgefunden hat, dass die Daten von Menschen überall ausgewertet und kommerziell und politisch genutzt werden. Viele finden es sogar gut, dass damit die Gesellschaft sicherer werde, weil zukünftige Verbrechen verhindert werden würden, wenn man Menschen festnehmen könne, bevor sie diese begehen würden. Das ungerechte und menschenverachtende System dahinter wird nur von wenigen erkannt oder angezweifelt. Das muss auch Sara nach ihrer Festnahme erfahren: alle glauben an das System und seine Gerechtigkeit. Wer inhaftiert wurde, mit der muss irgendetwas nicht stimmen. Ihr Mann wirft ihr vor, sich im Zentrum offensichtlich nicht kooperativ genug zu verhalten, sonst wäre sie ja schon längst wieder frei. Auch ihr Vater – ein marokkanischer Immigrant, der sein ganzes Leben lang gelernt hat, sich dem amerikanischen System anzupassen und sich unauffällig zu verhalten – meint, sie wäre wohl nicht unterwürfig genug aufgetreten, sonst wäre sie am Flughafen nicht festgenommen worden.
Da zeigt sich wieder, was wir auch aus der Realität kennen: bestehende Systeme werden nur sehr wenig hinterfragt und viele Menschen glauben, es gehe schon immer alles mit rechten Dingen zu, und es werde schon gerechte Gründe dafür geben, wenn jemand in einem Anhaltezentrum sitze: das psychologische Phänomen des Glaubens an eine gerechte Welt. Auch die Frauen, die neu in das Zentrum eingeliefert werden, glauben anfangs immer noch, dass sie sich mit Wohlverhalten eine schnelle Entlassung verdienen könnten und nur „die anderen“ die gefährlichen potentiellen Straftäterinnen seien, nicht sie selbst. So kommt es, auch verstärkt durch die ständige Überwachung, sehr lange zu kaum Solidarisierung unter den inhaftierten Frauen.
Das „Dream-Hotel“ von Laila Lalami ist eine kluge und erschreckende, sehr realistisch konstruierte Dystopie, die in einer nicht so fernen Zukunft spielt und unserer modernen Gesellschaft in vielem einen Spiegel vorhält. Abgesehen von der Träume aufzeichnenden Neuroprothese gibt es große technologische und gesellschaftliche Ähnlichkeiten zu der Zeit, in der wir uns schon jetzt befinden und in der große Unternehmen unsere Daten systematisch sammeln, aufbereiten, für ihre Zwecke nutzen und davon ausgehen, dass wir mit der Zustimmung zu ihren Nutzungsbedingungen schon so gut wie alle eigenen Rechte diesbezüglich aufgegeben hätten (wie es auch im Buch vorkommt).
Es ist also ein sehr kluges Buch, das nachdenklich darüber macht, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, aber auch, in welcher wir jetzt schon leben und welches enorme Risiko damit verbunden ist, unsere Daten gewinnorientierten Unternehmen zur Verfügung zu stellen – aber auch, wie schwierig es ist, aus diesem System auszusteigen: auch im Buch gibt es einzelne Aussteiger, aber diese müssen wie vor Jahrhunderten leben, um sicherzustellen, keine Daten von sich preiszugeben.
Geschrieben ist das Buch auf eine sehr spannende, aber auch beklemmende Art und Weise. Ich habe mich sehr mit der „einbehaltenen“ Sara und den anderen Frauen verbunden gefühlt, mit ihnen mitgefiebert, auf Entlassung gehofft und bin mit ihnen wütend über dieses zutiefst ungerechte System geworden. Die Lektüre hat also neben dem aufrüttelnden Faktor auch einen guten Unterhaltungswert.
Das Ende habe ich auch durchaus plausibel gefunden, auch wenn man inhaltlich aus einigen Themensträngen und aus dem Thema insgesamt noch ein bisschen mehr machen hätte können, deshalb in Summe 4 von 5 Sternen.
Antje W, Lehrende*r
Düstere Aussichten oder Fiktion?
Für mich war Dream Hotel das gruseligste Buch 2025. Nicht, weil es ein derber Horrorschocker ist, sondern weil ich das Gefühl habe, dass die Menschheit ganz kurz vor dieser Realität steht. Begonnen hat das Überwachsungs- und Vorschreibungsverhalten ganz massiv während der sogenannten Pandemie und seitdem kommt leise schleichend immer eine kleine neue Regel für immer nur eine Gruppe von Menschen hinzu. Dann fällt es nicht so auf und lässt sich leicht durchsetzen.
Sara Hussein erlebt einen Alptraum. Das Paradox, so musste sie feststellen, war, dass ihr Wert, der besagt, dass sie eventuell ihren Mann umbringen will, was sie aber lediglich geträumt hatte, steigt im Hotel stetig und führt zu immer längerer Einbehaltung. Erst als Sara aufmuckt und streikt, will man sie dann endlich loswerden, weil sie andere Frauen wachrüttelt und plötzlich sind die Werte in Ordnung. Das Schlimme an dieser ganzen Einbehaltung ist für mich, dass Außenstehende weise Ratschläge zum richtigen Verhalten während der Einbehaltung geben und sich die Frauen absolut regelkonform verhalten und trotzdem ständig ermahnt werden und Dinge falsch interpretiert werden nach Lust und Laune der Wachdienste. Die Aufseher genießen ihre Macht und lassen es die Frauen spüren. Es ist ekelhaft und doch gut nachvollziehbar, weil Menschen so sind bzw. sein können.
Das Buch wirft viele Fragen auf. Was lassen wir bereits in Sachen Überwachung unserer Person mit uns freiwillig machen und wozu sind wir unter bestimmten Umständen bereit zu tun. Die Autorin beschreibt aber mehr als eindrucksvoll, dass wir dann für die staatlichen und wirtschaftlichen Überwachungen eigentlich selbst verantwortlich sind. Und für mich war es einfach extrem erschreckend, wie nah wir dieser Grenze bereits sind.
Dream Hotel ist spannend geschrieben. Ich konnte mich gut hineinversetzen in die Frauen und auch die Perversität des Systems konnte ich nachvollziehen.
Das Buch regt auf jeden Fall zum Überdenken unseres Verhaltens beim Posten unserer Daten in den Medien an und hat mich auf jeden Fall wachgerüttelt.
Das Buch hat mich sofort auf Grund des Covers und des Titels angesprochen. Lässt doch beides auf einen spannenden Roman hoffen. Von der Schriftstellerin habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, umso neugieriger war ich auf dieses Werk. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die einzelnen Personen sind mit Bedacht ausgewählt und mit entsprechenden Eigenschaften versehen.
Zur Geschichte, Sarah Hussein kehrt von einer Geschäftsreise zurück. Jedoch statt zu ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern heim zu fahren, wird sie an der Sicherheitskontrolle aufgehalten. Ihr Risk Score wäre zu hoch. So wird sie vorsichtshalber erst einmal für 21 Tage unter Beobachtung gestellt. Doch ob sie danach entlassen wird und was zwischenzeitlich alles passiert, wird an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung erhalten bleibt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es hat mir eine sehr kurzweilige Lesezeit beschert und es hat sich recht schnell zum wahren Pageturner entwickelt. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1937917
Ich habe „Das Dream Hotel“ gelesen wie einen Wachtraum, aus dem ich partout nicht mehr aufgewacht bin – nur dass sich der Traum schnell in einen Albtraum verwandelt hat. Die Idee, unsere Träume als Rohstoff für ein Überwachungsregime zu benutzen, hat mich regelrecht paranoid gemacht: Plötzlich wirkten meine eigenen Handy-Apps verdächtig. Lalami sperrt mich mit Sara in dieses „Hotel“ ein, und ich spüre jeden Formularzettel, jede lächelnde Drohung der Behörden wie einen Schlag in die Magengrube. Sprachlich ist das Buch klar, kalt, fast klinisch – genau das verstärkt das beklemmende Gefühl, dauernd beobachtet zu werden. Ich fand die ersten Kapitel brillant, aber je weiter die Geschichte sich dehnt, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass Struktur und Figurenentwicklung nicht ganz mithalten können. Es bleiben lose Fäden, ein Perspektivwechsel wirkt für mich wie ein Fremdkörper, und manche Wiederholung trägt eher zur Länge als zur Tiefe bei. Trotzdem: Saras Verzweiflung, ihre Wut und ihr Kampf um so etwas Grundsätzliches wie Freiheit haben mich tief getroffen. Dieses Buch ist für mich keine perfekte, aber eine beängstigend plausible Dystopie – so nah an unserer Gegenwart, dass ich mich beim Zuklappen gefragt habe, ob wir nicht längst auf dem Weg ins Dream Hotel sind.
Rezensent*in 1900875
Ein packender, hochaktueller Roman über Überwachung, Kontrolle und den Verlust persönlicher Freiheit. Das Dream Hotel fesselt mit klarem Stil, beklemmender Atmosphäre und einer verstörend nahen Zukunftsvision.
Hab ich rasant schnell durchgelesen, für meine Verhältnisse. Ich fand es super spannend und die Ungerechtigkeit, mit der Sara von allen Seiten konfrontiert wird, hat mich unheimlich angefacht. Der Schreibstil und die Art, wie Informationen rübergebracht werden (und welche zurückgehalten werden), passten sehr gut zum Thema. Das hat mich allerdings auch frustriert, da einige Kleinigkeiten eben nicht aufgelöst wurden. Der Roman an sich übt einen in Geduld und Akzeptanz... Ich muss auch mal wieder sagen, dass Sara zu viel passiert, also die ganze Story um die (Natur-)Katastrophe hätte für mich gar nicht sein müssen. Insgesamt fand ich es aber immer noch richtig gut. Sehr lesenswert und auch lehrreich zu Themen wie struktureller Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, technologischer Fortschritt, Sicherheitspolitik...
Rezensent*in 1119291
Was bleibt von der Freiheit, wenn selbst Träume nicht mehr privat sind?
In The Dream Hotel entwirft Laila Lalami ein bedrückend realistisches Zukunftsszenario, in dem staatliche Kontrolle tief in das Innerste des Menschen eingreift.
Sara Hussein kehrt von einer Geschäftsreise zurück und wird am Flughafen vom Amt für Risikobewertung aufgehalten. Ihr Risikowert sei zu hoch, ausgewertete Traumdaten würden belegen, dass von ihr eine Gefahr ausgehe. Ohne ihren Mann informieren zu dürfen, wird sie für einundzwanzig Tage interniert. Die Maßnahme verlängert sich, neue Begründungen tauchen auf, ihre angebliche Gefährlichkeit zu untermauern.
Lalami erzählt diese Geschichte in klarer, präziser Sprache und mit großem psychologischem Gespür. Besonders erschütternd ist die Selbstverständlichkeit, mit der staatliche Willkür als Schutzmaßnahme erscheint und gesellschaftlich akzeptiert wird. Die Einrichtung funktioniert wie ein Gefängnis, auch wenn sie anders benannt wird, und die Ohnmacht der internierten Frauen wird systematisch ausgenutzt.
Mich hat die bedrückende Stimmung stellenweise überfordert. Ich habe einen ausgeprägten Freiheitsdrang und musste das Buch mehrfach pausieren, weil die Ausweglosigkeit kaum auszuhalten war. Gerade darin liegt jedoch die Stärke dieses Romans: Er zwingt dazu, über Sicherheit, Vertrauen und individuelle Rechte nachzudenken.
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