Die Träume anderer Leute

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Erscheinungstermin 08.09.2022 | Archivierungsdatum 06.05.2023

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Zum Inhalt

Album, Promotion, Tour. Beinahe zwanzig Jahre lang bestimmt die Dynamik des Musikbetriebs Judith Holofernes‘ Leben. In dieser Zeit wird sie, mit Wir sind Helden und ihrem Soloprojekt, zu einer der bekanntesten und prägendsten Sängerinnen ihrer Generation. In ihrem autobiografischen Buch blickt sie jetzt zurück auf die Zeit nach den Helden, auf Krisen, Träume und eine wegweisende Entscheidung – und zeigt sich dabei als feinsinnige Erzählerin.

Mit großer Klarheit und Zartheit und dem ihr eigenen Witz schreibt Holofernes über Fluch und Segen des frühen Erfolgs der Helden; über die Vereinbarkeit von Familie und Frontfrausein; über die öffentliche Wahrnehmung des eigenen Körpers, das Aufwachsen mit ihrer lesbischen Mutter in Freiburg; über die tiefen Einschnitte in ihrem Leben, die Zweifel, den Schmerz. Immer wieder geht es auch um die Musikbranche, um das Verhältnis zu ihren Fans, eigenartige Konzerte im Hellen, aber auch um die starren Mechanismen des Betriebs und den Sexismus.

Eindrücklich zeigt Judith Holofernes in »Die Träume anderer Leute«, wie sie sich nach und nach aus den kommerziellen Zwängen und der Enge des Musikbetriebs befreit hat. Wie sie zu der Künstlerin wurde, die sie so lange sein wollte – und damit ihr Leben zurückbekam.

Album, Promotion, Tour. Beinahe zwanzig Jahre lang bestimmt die Dynamik des Musikbetriebs Judith Holofernes‘ Leben. In dieser Zeit wird sie, mit Wir sind Helden und ihrem Soloprojekt, zu einer der...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783462003673
PREIS 24,00 € (EUR)
SEITEN 416

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Judith Holofernes schreibt einfach phantastisch, einfallsreich, überraschend und intelligent. Dazu behandelt sie ihre Lebensgeschichte voll trockenem Humor und beschönigt auch die Schattenseiten nicht - herrlicher Schreibstil und unverblühmt ehrlich!

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Für Fans ein tolles Buch, so nah dran am Alltag von Judith Holofernes und den verschiedensten bekannten Musikerkolleg:innen.

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Nicht nur musikalisch und stimmlich ist Judith Holofernes einer ganzen Generation ein Begriff. Spätestens nach den Erfolgen von Songs wie "Gekommen um zu bleiben" und "Nur ein Wort" konnte jede Hörer*in in den Genuss ihres Talents als Songwriterin kommen.
Wie schon in ihren Texten für "Wir sind Helden" und ihrer daran anschließenden Solokarriere, weiß Holofernes auch in ihrer Autobiografie bildreich mit Worten zu spielen, sodass es auch für nicht eingefleischte Fans eine Freude ist.
Nachvollziehbar wird berichtet, wie es zum unerwarteten Ende der "Helden" kam, was ein Leben auf Tour mit zwei kleinen Kindern und angeschlagener Gesundheit bedeutet und wie sich das Multitalent Holofernes trotz vieler bedauerder Kommentare über das Ende der Band ihren Weg zur Solokarriere erschließt.
Auf ihrem Weg zu mehr Unabhängigkeit inmitten des Netzes der großen Plattenfirmen orientiert sie sich an Vorbildern wie Amanda Palmer, um nicht mehr "die Träume anderer Leute" zu träumen.
No Ghostwriter needed!

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Um es vorweg zu sagen: Ich war nie ein Fan von Wir sind Helden, ja weniger als das: Ich konnte mit den Hits der Band, um die man in den Nullerjahren ja kaum herumkam, wenig anfangen. Vielleicht habe ich auch einfach nicht richtig hingehört.

Nun hat Judith Holofernes, die Sängerin der seit 2012 "pausierenden" Helden, ein Buch veröffentlicht, indem sie über die letzten Jahre mit der Band und vor allem die Zeit danach schreibt. Ein Buch, das mich so unerwartet getroffen, berührt, begeistert und inspiriert hat, dass ich nicht anders konnte, als auch gleich in die Musik von Judith Holofernes abzutauchen.

Ich kenne kein aufrichtigeres Buch über die Abgründe des "Pop-Star-", in diesem Fall des "Judith-Holofernes-" Seins, und die Schattenseiten des Musik-Business – vor allem aber ist Die Träume anderer Leute die sehr persönliche Geschichte einer Frau, die auszog, die eigenen Träume zu leben und darüber das Fürchten lernte. Ganz ohne Nabelschau, dafür mit viel Witz und einem manchmal erschreckenden Maß an Ehrlichkeit. Respekt.

Das Buch setzt 2010 ein: Tour mit Wir sind Helden, Festivalauftritte, die kleinen Kinder immer mit dabei, die eigenen Grenzen schon lange überschritten, nervlich wie physisch. Viele Lieder der Band sind eigentlich Protestsongs gegen die Selbstausbeutung, den Optimierungswahn, das pausenlose Funktionieren. So basisdemokratisch und liebenswert kreativ-chaotisch die Helden auch sein mögen: sie sind längst Teil einer Maschine, die sie in ihren Liedern so oft parodieren.
"Ich wollte mein Leben zurück",

sagt Holofernes: Der "Kontrast zwischen meinen Texten und all der Selbstausbeutung" erschien ihr immer "zynischer". Helden-Ende. Kreativpause. Neuanfang.

Und tatsächlich: schon bald beginnt die in Berlin lebende Musikerin, an neuen Projekten zu feilen. Es entsteht das 2014 erschienene Solo-Debüt "Ein leichtes Schwert" (das nun seit einigen Tagen hier in Dauer-Rotation läuft). Es ist ein Herzensprojekt und klingt auch heute, fast 10 Jahre später, erstaunlich unverbraucht und unkonventionell für am deutschen Pop geschulte Hörgewohnheiten.

Als "die von Wir sind Helden" bekommt Holofernes einen Major-Deal bei der Sony und realisiert zu spät, dass an dem Deal etwas nicht stimmt:

"Die Plattenfirma investiert einen Haufen Geld und Arbeit, um die Künstlerin bis in den hintersten Winkel der Republik sichtbar zu machen. Die Künstlerin verpflichtet sich im Gegenzug, diesen Aufwand wert zu sein. Sie verspricht, zumindest für die Laufzeit des Vertrags, ein Produkt zu sein, eins, das sich zu vermarkten lohnt. Schwierig wird es, wenn sich das Produkt gar nicht mehr so sicher ist."

Nein: "Die von Wir sind Helden" ist kein Produkt mehr, das sich einfach so vermarkten lässt. Das Album floppt (zumindest kommerziell). Und mittels vieler Einblicke in die Praxis des Musikgeschäfts schildert Judith Holofernes, wie eng und anstrengend und aufreibend sich der Kampf um künstlerische Autonomie rund um Album und Tour erwies. "Alles, was neu war an mir", so schreibt sie, war "unter kommerziellen Gesichtspunkten ein Flop".

Doch da ist nicht nur die Künstlerin, die sich weniger um Formate, sondern mehr um die eigene lustvolle Kreativität und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Musiker*innen kümmert, da ist auch noch die Frau, die Mutter, die Privatperson. Wie schon am Ende der Helden-Zeit spitzen sich die Konflikte und die Überschreitungen wieder zu – und Judith Holofernes dreht eine zweite Runde auf der Suche nach ihrer eigenen Freiheit, ihrem Leben.
Tausche Kunst gegen gutes Leben

"Schläfst du anderer Leute Schlaf
Zählst du anderer Leute Schaf
Bist du des Wahnsinns nette Beute
Träumst die Träume anderer Leute"

Es ist diese zweite, noch schmerzvollere Dimension, die Holofernes ebenso offen schildert: Wie war das mit der Selbstverwirklichung? Was ist eigentlich Freiheit? Was tue ich mit meinen beschränkten Kräften und meiner beschränkten Zeit? Wieso scheitern wir an den vermeintlichen Doppelbelastungen, die sich zwischen Arbeit und Freizeit, Familie, Kindern, Partner auftun? Wer ist eigentlich schuld daran? Worum geht es in diesem Leben? Und wohin will, wohin kann ich mit mir in dieser chaotischen Welt? Alles Fragen, um die es hier "ganz nebenbei" auch noch geht. Und die Die Träume anderer Leute zu einer manchmal schmerzvollen, aber aufrüttelnden Lektüre machen.

"Ich bin inzwischen überzeugt, dass die einzige Rettung darin liegt, zu möglichst großer emotionaler Freiheit zu kommen. Immer weniger Panzer zu brauchen gegen die Bescheuertheit der Welt."

Holofernes bricht nicht nur einmal zusammen. Der Tiefpunkt ist irgendwann eine Hirnhautentzündung, die sie monatelang ans Bett fesselt. Aber sie lernt – und wird kompromissloser. Ein zweites Album kommt auf den Markt ("Ich bin das Chaos"), aber irgendwann zwischendurch trennt sich die Musikerin von ihrem Management und beginnt, neue Wege zu beschreiten. Ihr Buch schildert den langen Weg zu der Entscheidung, die sie heute zufrieden, glücklich und unabhängig arbeiten lässt: das Crowdfunding mit Hilfe der Plattform Patreon. Sie steht nun in einem engen Kontakt mit ihren Fans, die sie durch einen kleinen monatlichen Betrag unterstützen.

"Es geht nicht darum, milde Sympathien in möglichst vielen Leuten zu wecken, sondern es geht darum, die Leute zu finden, die das, was ich mache, wirklich lieben."

Liebe Judith Holofernes: Sie haben einen neuen Fan.

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Es ist wohl offiziell: Ich habe einen Memoir-Run. Seit "Ein wenig Leben" habe ich so gut wie nichts anderes gelesen - ich weiß zwar nicht, woran das liegt, finde es aber auch nicht besonders unangenehm. Ich wehre mich also nicht.

Vor einigen Tagen habe ich Judith Holofernes' "Die Träume anderer Leute" ausgelesen. Nun war ich nie ein besonderer "Wir sind Helden"-Fan, und auch mit Judith Holofernes selbst konnte ich denkbar wenig anfangen, bis sie vor einigen Monaten beim Podcast "Das Lesen der Anderen" als Gast auftauchte und mich ein bisschen verzauberte. Und als dann eine Freundin von den ersten Kapiteln des Buchs so begeistert war, gab es für mich keinen Grund mehr, nicht loszulesen. Eine sehr glückliche Fügung, wie sich herausstellen sollte.

1. "Die Träume anderer Leute" lässt sich wahnsinnig gut Lesen. Mit Wortwitz, Humor und genau der richtigen Dosis Emotionen wird man so leichtfüßig durch diese 416 Seiten getragen, dass man glatt vergisst, dass es sich eigentlich um ein langes Buch handelt. Fühlt sich nicht so an.
2. Wir Menschen neigen dazu, chaotische Begebenheiten in der Retrospektive wie eine geradlinige Entwicklung zu erzählen. Das führt schnell dazu, dass Biographien und Memoirs nach perfektem Spannungsbogen klingen, während sich das eigene Leben unvorhersehbar und willkürlich anfühlt. Judith Holofernes schafft es, das Durcheinander ihrer eigenen Entwicklung ohne viel Begradigung aufs Papier zu bringen. Und das tut unheimlich gut.
3. Wenn ihr irgendwas kreatives macht, lest dieses Buch. Wenn euch diese profit- und erfolgsgesteuerte Gesellschaft krank macht, lest dieses Buch. Wenn ihr nicht wisst, ob das, was ihr tut, irgendeinen Wert hat, lest dieses Buch. Wenn ihr euch manchmal eurer vermeintlichen Schwäche schämt, lest 👏 dieses 👏 Buch👏.

Die Verletzlichkeit, die Nahbarkeit und der Trost, die dieser Text transportiert, sind es wert, gelesen und angenommen zu werden. Ich könnte jetzt noch sieben weitere Seiten zu diesem Buch schreiben, dafür eignet sich nur das Format Instagram so schlecht. Ich werde mich also auf diese Caption und hoffentlich lange Gespräche mit Freunden beschränken.

Danke an den KiWi-Verlag und Netgalley Deutschland für das Rezensionsexemplar.

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„Die Träume anderer Leute“ ist weder eine klassische Autobiografie, in der Judith Holofernes chronologisch über ihr bisheriges Leben berichtet, noch ist es irgendeine Art von Abrechnung. Alle, die sich fragen, wer Judith Holofernes ist, wird ein Licht aufgehen, wenn ich sage, dass sie die Front-Frau der Band „Wir sind Helden“ war. In diesem Buch schreibt sie über die Jahre 2010 bis 2019 und wirft innerhalb ihrer Darstellungen einen Blick zurück und reflektiert so, wie Ereignisse der Vergangenheit sie immer wieder einholen.

Holofernes lässt den Leser tief in die Maschinerie der Musikproduktion und -Vermarktung blicken, wobei ich danach immer noch den Eindruck habe, keinen blassen Schimmer davon zu haben. Sehr wohl aber davon, wie Künstler und Künstlerinnen von den Mühlrädern der Musikindustrie zerrieben werden und wie der Wunsch entsteht, sich davon freizumachen. Ich glaube alle (erfolgreichen) Künstler verausgaben sich irgendwann und haben Kontakt mit unserem Gesundheitssystem.

Das, was Judith Holofernes geschafft hat, wird wohl nur wenigen Menschen gelingen. Sie hat sich bewusst aus dem Laufrad des Erfolgs bewegt und lebt nun ein freies Leben jenseits des Erfolgsdrucks. Es war ein recht langer Weg bis dorthin und sie beschreibt sehr mannigfaltig, wie steinig dieser Weg für sie war und welche Hürden sie nehmen musste. Dabei ist sie erstaunlich offen und schreibt frei von der Seele, was sie zumindest in meinen Augen sehr sympathisch macht. Nichts wirkt aufgesetzt oder künstlich.

Schon zu Beginn des Buchs wird deutlich, wie sehr sie die Elternschaft und das Muttersein unterschätzt hat. Und ich kann bestätigen, dass niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hat, wie sehr Kinder das Leben verändern, bis man selbst welche hat. Es dauerte eine Weile, bis die Sängerin und Autorin merkte, dass es nicht funktionierte.

Es ist in meinen Augen traurig, dass in allen Biografien von Frauen, die ich bisher gelesen habe, ein Thema immer wieder auftaucht. Nämlich die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland. Klar, bei Rockmusikerinnen mag das nochmals extremer sein, aber die Tatsache, dass sich Schwangerschaft und Neugeborene gut vermarkten lassen, danach aber bitte die kinderlose schöne heile Welt gezeigt werden muss, ist schon erschreckend. Ich würde jetzt nicht sagen, dass dieses Buch feministisch ist, aber Judith Holofernes musste immer wieder erfahren, wie sehr ein Familienleben mit dieser Art von Karriere kollidiert. Bis es eben nicht mehr ging.

Fazit

Es ist klar, dass ein Leben als (erfolgreiche) Musikerin nicht vergleichbar ist mit dem Leben vom Ottonormalverbraucher. Dennoch liest sich dieses Buch nicht wie eine Beschreibung einer vollkommen abgedrehten Person, sondern von einer Frau und Mutter, die versucht hat, ihren Weg zu finden. Dabei lässt Judith Holofernes den Leser in sehr viele Bereiche ihres Lebens blicken, was sie ausgesprochen zugänglich, authentisch und sympathisch macht. Man muss weder Fan von ihrer Musik sein, noch von „Wir sind Helden“, um Zugang zu diesem Buch zu haben. Das Buch ist für jeden geeignet, der wissen möchte, wie eine außergewöhnliche Frau am Ende den Weg gefunden hat, auf dem sie ohne zu stolpern unterwegs sein kann.

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„Guten Tag, ich will mein Leben zurück!“ – die Titelzeile von Judith Holofernes‘ erstem großen kommerziellen Erfolg in der deutschen Popindustrie scheint sich auch durch ihr autobiographisches Buch „Die Träume anderer Leute“ zu ziehen. Und auch wenn sie von ihrer Kindheit, dem Erwachsenwerden im schnelllebigen Popbuisiness, dem Älter- und Elternwerden berichtet, ist es keine Autobiographie im eigentlichen Sinn. Es ist eine Abrechnung mit dem System, dem Erfolgsdruck, ihrem eigenen Bild als Frau. Es geht um die Doppelbelastung als erfolgreiche Musikerin und Mutter, was es bedeutet, wenn der ganz große Erfolg dringend gewollt, gerade auf dem Höhepunkt oder eben nicht mehr da ist. Besonders beachtlich ist, dass Holofernes ohne Groll schreibt, nicht anprangert oder Schuld zuweist. Vielmehr geht sie erstaunlich reflektiert, feinfühlig und durchaus kritisch an die verschiedenen Themen heran.

Auch zeigt sich, dass sie den feinen Humor, den Wortwitz und die hintergründige Ader ihrer Liedtexte (und ihrer deutlich weniger bekannten Gedichte, die ebenfalls sehr lesenswert sind) auch mühelos in Buchform unterbringen kann. Ich mag diesen Schreibstil sehr gerne und musste immer wieder schmunzeln, wenn sie sehr humorvoll ihre Anekdoten erzählt. Wie sie dabei flüssig auf verschiedene Aspekte eingeht oder Erlebnisse aus mehreren Zeiten miteinander verbindet, ohne dass es chaotisch oder zusammengewürfelt wirkt, ist ebenfalls beeindruckend und sehr lesenswert.

In „Die Träume anderer Leute“ zeigt sich Judith Holofernes nahbar, wird aber nicht zu privat. Sie regt zum Nachdenken an und bringt zum Lachen. Sie gibt Statements über gesellschaftliche Themen ab, ohne diese allgemeingültig klingen zu lassen. Und sie setzt sich nicht nur kritisch mit sich selbst, sondern auch mit der Musikindustrie auseinander. Das ist sehr lesenswert und unterhaltsam geschrieben und kann nicht nur Fans überzeugen.

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Judith Holofernes hat ein Problem.
Kinder! Oder, dass sie gerne Rockstar wäre.

Beides unter einen Hut zu bringen, scheint für die Frontfrau der Band „Wir sind Helden“ erst unmöglich, dann probieren sie und ihr Mann Pola, Drummer derselben Band, es doch und zuletzt geht es bei allen natürlich an die Substanz.

Judith Holofernes Autobiographie ist schnörkellos und beeindruckend! Ihre Erzählung des Tourlebens ist eingängig und reißt auch etwas die ideale Fassade der Musikindustrie ein, die ja bekanntermaßen nie so perfekt ist, wie sie gern wäre. Zugleich teilt Judith auch insgesamt einen gewaltigen Erfahrungsschatz in diesem Buch mit uns allen. Durch ihre anschauliche Sprache liest sich die Biographie oft wie ein abenteuerlicher Roman und hin und wieder wie ein guter Ratgeber, den jeder zuhause stehen haben sollte!

Ich, für meinen Teil, wünsche ihr, dass der, biblisch anmutende, Leidensweg es wert war. Ich war vorher bereits beeindruckt von ihr und bin es jetzt umso mehr!

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Judith Holofernes ist als Mitglied der Band Wir sind Helden in den 2000er Jahren bekannt geworden. Mit Pola Roy, ihrem Ehemann und Schlagzeuger der Band, hat sie zwei Kinder bekommen und musste schnell feststellen, dass sich der Alltag irgendwo zwischen Tourbus und Konzerthallen für eine junge Familie schwierig gestaltet. 2012 folgte schließlich das Aus der Band. Seitdem sind 10 Jahre vergangen – und in diesem Buch erfahren wir, wie das Leben für Judith Holofernes abseits des Rampenlichts auf den ganz großen Bühnen weiterging.

Meine Meinung
Ich war nie ein Fan von Wir sind Helden – ehrlicherweise habe ich ihre Musik, bis auf wenige Ausnahmen, sogar explizit nie gemocht. Und dennoch: In meiner Generation kam man nicht darum herum, dass einige ihrer Lieder einen durch prägende Zeiten begleitet haben, weil sie damals eben einfach überall liefen. So setzt zum Beispiel „Denkmal“ rückblickend meiner Abi-Zeit ein selbiges, „Nur ein Wort“ erinnert mich an die erste Zeit meines Studiums. Das Lebensgefühl von damals kommt zurück, wenn ich Wir sind Helden höre – ob mir das gefällt oder nicht. 😉

Die Autobiographie von Judith Holofernes interessierte mich nun in erster Linie aus dem Grund, dass ich es schon immer spannend fand, was Popstars eigentlich so machen, wenn der ganz große Ruhm vorbei ist. Klar, manche treten von Zeit zu Zeit noch mit den alten Liedern in Comeback- oder Nostalgieshows im Fernsehen auf, sorgen für Negativ-Schlagzeilen in der Klatschpresse und/oder setzen sich irgendwann den goldenen Schuss. Aber nicht wenige leben danach wahrscheinlich ein mehr oder weniger normales Leben, sei es weiterhin als Künstler*in mit einer geschrumpften Fanbasis oder eben ganz anders.

Judith Holofernes ist Künstlerin geblieben. Dass ihr das, auch finanziell, überhaupt möglich war, hat sie sich in der „Heldenzeit“ hart erarbeitet, und gleichzeitig ist es natürlich ein riesengroßes Privileg – im Buch wurde für mich deutlich, dass ihr beides auch sehr bewusst ist. Und so folgten zwei Soloalben, Bücher mit Tiergedichten, Bloggertätigkeiten. Das alles natürlich weiterhin als Mutter von zwei Kindern, und der Spagat, den ihr die Vereinbarung von Familie und Beruf nach wie vor abverlangt, wird nicht nur zwischen den Zeilen spürbar und ist wahrscheinlich gar nicht so weit von dem entfernt, was auch viele Menschen mit „bodenständigeren“ Berufen erleben.

Wir erhalten in diesem Buch einen sehr ehrlichen und tiefgründigen Einblick in Judith Holofernes‘ Seelenleben. Gesundheitliche Probleme körperlicher und psychischer Art, die sowohl sie selbst als auch ihren Mann im Laufe der Jahre immer mal wieder betrafen, werden ebenso wenig verschwiegen wie die Therapieformen, mit denen dagegen angegangen wurde. Und an dieser Stelle wirkte auf mich vieles dann doch sehr weit weg von der Lebensrealität der meisten anderen Menschen. Dafür kann Judith Holofernes natürlich nichts, schließlich kann und will sie nur schildern, was sie selbst erlebt hat – mir stieß aber einfach die Selbstverständlichkeit auf, mit der einige doch sehr ungewöhnliche (und vermutlich auch sehr kostspielige) Therapieformen als Normalität dargestellt werden.

Dass Judith Holofernes mit Sprache umgehen kann, merkte man natürlich schon ihren Liedtexten an, und ihr Buch steht dem in nichts nach. Ich hatte großes Vergnügen an ihrer Art zu schreiben, der Wortgewandtheit und dem hintergründigen Sprachwitz. Inhaltlich gab es für meine Begriffe ein paar Längen – jedoch erkenne ich es bei Autobiographien an, dass der/die Verfasser*in die Hoheit über die Ausführlichkeit der Schilderungen bestimmter Ereignisse aus dem eigenen Leben hat und auch behalten soll.

Fazit
Wenn dieses Buch eins geschafft hat, dann ist es, mir Judith Holofernes näherzubringen und sympathischer zu machen, als es ihre Musik je vermochte – und am Ende habe ich mich darüber gefreut, wie sie für sich einen Ausweg aus dem Dilemma des Erfolgsdrucks von Plattenfirmen und Management gefunden hat, um weiter Kunst zu machen, die sicherlich nach wie vor viele Menschen bereichert. Sie lebt nun eben nicht mehr nur „Die Träume anderer Leute“, sondern ihre eigenen – und das sowie auch der harte Weg dahin verdienen Anerkennung.

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