Die kranke Frau

Wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen

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Erscheinungstermin 18.08.2022 | Archivierungsdatum 01.01.2023

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Zum Inhalt

Von den antiken Anfängen der Medizin bis in die Gegenwart, von der »wandernden Gebärmutter« bis zur Entdeckung von Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Die englische Feministin Elinor Cleghorn präsentiert eine bahnbrechende und aufwühlende Kulturgeschichte über das Verhältnis von Frauen, Krankheit und Medizin.

Elinor Cleghorn, selbst an der Autoimmunerkrankung Lupus erkrankt, hat sich nach einer nervenaufreibenden Diagnose-Odyssee auf die Suche nach den Wurzeln der patriarchalen Mythen begeben, die unsere westliche Medizin bis heute prägen. Anhand einer Fülle von historischem Material rekonstruiert sie, wie stark die Medizin als Wissenschaft und Institution von kulturellen und gesellschaftspolitischen Umständen beeinflusst ist. Denn die Tatsache, dass Frauen als das schwächere Geschlecht galten und auf die soziale Aufgabe der Mutterschaft reduziert wurden, formte auch den medizinischen Blick auf Frauen und Weiblichkeit über die Jahrhunderte. Von der »wandernden Gebärmutter« über die »Hysterie« bis hin zum sich nur äußerst langsam wandelnden Verständnis für Menstruation und Menopause – all diese Diagnosen und Entwicklungen zeugen von einer männlich geprägten, nicht selten sexistischen Medizin.

Feminist*innen erheben seit Langem ihre Stimme gegen diesen patriarchalen Zugriff auf ihren Körper und kämpfen für eine bessere Aufklärung über weibliche Gesundheit. Wer verstehen will, warum dieser Kampf wichtig und notwendig ist, findet in Elinor Cleghorns augenöffnendem Buch die Antwort.

Von den antiken Anfängen der Medizin bis in die Gegenwart, von der »wandernden Gebärmutter« bis zur Entdeckung von Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Die englische Feministin Elinor Cleghorn...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783462000153
PREIS 25,00 € (EUR)
SEITEN 496

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Elinor Cleghorn ist promovierte Kulturhistorikerin. Außerdem ist sie Feministin und hat eine Autoimmunerkrankung. In Die kranke Frau vereint sie das alles einfach mal und Blick zurück auf Jahrhunderte, in denen Frauen weder ernst genommen, noch wirklich respektiert worden. Was sie zusammenträgt ist tragisch und tut weh. Aber es ist passiert und passiert immer noch.

Männer hatten schon immer die absurdesten Ideen, wenn es um den weiblichen Körper geht. Lange hielten sich Theorien über austrocknende Gebärmütter, wenn Frauen (und auch Mädchen) nicht genug Sex hatten. So wurden sich Periodenschmerzen zum Beispiel lange erklärt). Auch die Idee, dass die Eierstöcke sich entzünden, wenn Frauen ihren Kopf zu sehr anstrengen und zum Beispiel zu viel lesen, hielt sich hartnäckig.

„ Dabei gibt es nichts »Ungeklärtes« oder »Ungewisses« an dem Leid, das Millionen Frauen weltweit Tag für Tag erdulden. Und während die Medizin nach Antworten sucht, fluten weiterhin Krankheiten unsere Zellen, greifen auf unsere Organe zu und unsere Gelenke an und triggern unsere Schmerzen – und unsere Zahl steigt“

Aber all das ist kein Wunder, wenn Betroffenen nicht zugehört wird, sie nicht mit eingeschlossen werden. Im 14 Jahrhundert wurde in ganz Europa Ärztinnen das Praktizieren untersagt, sie hatten über Jahrhunderte kaum Chancen, sich einzubringen. Da es außerdem als Schande galt, über gynäkologische Erkrankungen zu sprechen, haben Frauen stillschweigend gelitten und brav weiter die Care-Arbeit übernommen.

Aber wir müssen gar nicht so weit zurück in die Vergangenheit. Bis in die 1990er Jahre wurden Frauen einfach ganz aus Beobachtungsstudien ausgeschlossen. (Auch in Deutschland zeigt sich in vielen Coronastudien, dass Frauen nicht wirklich eingeschlossen werden, mal so nebenbei.)

Im 18 Jahrhundert wurde es sich dann besonders leicht gemacht. Es wird zwar langsam ein bisschen weiter geforscht, viele Dinge werden aber auch einfach direkt auf die Psyche geschoben. Frauen sind einfach zu schwach und neigen zur Hysterie.

Elinor Cleghorn gibt natürlich noch mal viel tiefere Einblicke. Die kranke Frau ist wie ein lange Zeitstrahl, in dem ausführlich erzählt wird, was alles schief gelaufen ist. Aber auch, wie viel sich verbessert hat, wie sehr Menschen (hauptsächlich Frauen) für eine Veränderung gekämpft haben.

„Ob man es nun zugeben mag oder nicht: Wenn Frauen im Sprechzimmer ihre Symptome schildern, so hat ihr Gegenüber nicht selten jahrhundertealte Ansichten verinnerlicht, nach denen Schmerzen bei Frauen eher emotional als körperlich bedingt sind, und reagiert entsprechend.“

Außerdem geht sie in ihrem Buch auf die Hexenverfolgung ein und reißt das Thema auch hier wieder nicht nur an, sondern hat einiges zu erzählen.

Nach dem ersten Teil verliert sich der rote Faden für mich leicht, es ging plötzlich lange ums Wahlrecht. Natürlich spielen politische Themen immer irgendwo eine Rolle, ich fand es nur ziemlich verwirrend und hätte es schön gefunden, wenn andere Themen dafür aufgekommen wären.

Elinor Cleghorn gibt ihr bestes intersektionell zu arbeiten und bezieht auch ein wenig über den Rassismus, der mindestens genauso stark in der Medizin zu finden ist, wie der Sexismus. Das Thema kommt hier ziemlich kurz und hätte in meinen Augen noch ausgeweitet werden können, um ein wirklich realistisches Bild zu zeichnen.

Allgemein liegt der Fokus sehr auf gynäkologischen Erkrankungen. Natürlich trotzdem sehr interessant, aber ich hatte nicht ganz damit gerechnet, vor allem, weil im Klappentext ja auch von der Autoimmunerkrankung der Autorin gesprochen wird.

Elinor Cleghorn lebt mit Lupus. Für die Diagnose musste sie kämpfen, lange wollte sie niemand ernst nehmen. Dass Frauen immer noch als schwaches Geschlecht wahrgenommen werden nach allem, mit dem wir uns unbehandelt rumschlagen müssen, bringt mich ziemlich zum lachen.

Trotz der Erwähnung im Klappentext geht es nur am Ende einmal kurz um Autoimmunerkrankungen. Auch chronische Kranken finden kurz Erwähnung. Sehr interessante Kapitel, die für mich leider fast schon schnell abgearbeitet wirken.

Die Gynäkologie war wohl einfach wichtiger und auch das war zum Glück sehr interessant. Es überrascht mich zum Beispiel gar nicht, dass die Einführung des Spekulums Kontroversen ausgelöst hat. Auch das Geburtsschmerzen als natürlich und wichtig für die Bindung zum Kind angesehen wurden, und Frauen Schmerzmittel verwehrt blieben lässt mich nur noch müde Lächeln.

„Die Medizin hat im Lauf ihrer Geschichte das Frausein und den Frauenkörper so massiv pathologisiert, dass die Unpässlichkeit der Frau in Gesellschaft und Kultur zum Normalzustand wurde und ihr Recht über den eigenen Körper bis heute umstritten ist.“

Besonders interessant fand ich außerdem die Seiten zum Thema Verhütung und Hormone. Auch ihre Worte über Abtreibung treffen bei dem, was in Amerika gerade abgeht, genau ins Schwarze.

Ihr merkt also, hier werden einige Themen behandelt und ich kann hier natürlich nur auf einen Teil eingehen. Vielleicht findet ihr das alles ja auch so interessant wie ich.

Das einzige, was mich immer wieder ziemlich irritiert hat ist die Bezeichnung Jungfernhäutchen. Ich weiß natürlich nicht, wieviel die Übersetzung damit zutun hat, aber ne. Bitte lasst den Quatsch.

Die Sprache ist ansonsten teilweise etwas fachlich und ausschweifend. Ich selbst habe zwei Wochen an dem Buch gelesen, was sehr ungewöhnlich für mich ist bei nur etwa 350 Seiten (Ohne Anhang). Für mich hat es sich aber absolut gelohnt, mir die Zeit zu nehmen.

Trotz kleiner Kritik und Abbiegungen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte, ist Die kranke Frau ein absolutes Highlight für mich. Informativ, fesselnd und bewegend. Eine absolute Empfehlung, wenn ihr euch wirklich Zeit nehmen wollt und euch das Thema interessiert.

„Bis heute wird die Geschichte der Medizin dank des Widerstands, der Kraft, der Intelligenz und des unglaublichen Mutes von Frauen umgeschrieben.“

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Die Kulturhistorikerin Elinor Cleghorn ist von ihrem Thema selbst betroffen. Sie erkrankte noch jung an systemischem Lupus Erythematodes (SLE). Die Krankheit wurde nach jahrelangen Fehldiagnosen eher zufällig entdeckt und hätte die Autorin vor der Diagnose bereits das Leben kosten können. Da auch andere Autoimmun-Krankheiten schwer zu diagnostizieren sind und verstärkt bei Frauen auftreten, liegt die - verkürzte - Frage nahe, ob die späte Diagnose auf das Frauenbild von Medizinern zurückzuführen sein könnte. Cleghorn geht in ihrer Betrachtung zurück bis in die Antike zu Hippokrates, als Frauenkörper bereits als fehlerhaft und unvollkommen definiert wurden und männliche Ärzte nahezu alle Erkrankungen von Frauen auf deren Gebärmutter zurückführten. Wer glaubt, dass mit verbesserter Diagnostik Mythen über den weiblichen Körper durch Fakten ersetzt würden, sieht sich jedoch getäuscht.

Obwohl die Medizin im 19. Jahrhundert – teils gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen – gewaltige Fortschritte machte, wurden Mythen nicht im Tempo des Wissenszuwachses durch Fakten abgelöst. Bis in die Neuzeit ignorierte eine androzentrische Medizin schmerzhafte Erkrankungen der weiblichen Unterleibsorgane nicht selten und forderte Frauen – offen misogyn – auf, ihr Leiden durch Ehe und Schwangerschaft zu kurieren. Bis ins 20. Jahrhundert konnte sich die verzerrte Wahrnehmung halten, dass „Frauenkrankheiten“ eingebildet wären und durch Ablehnung der bürgerlichen Frauenrolle als Ehefrau und Mutter verursacht würden. Wenn zugleich Frauen nicht zum Medizinstudium zugelassen sind und klinische Forschung hauptsächlich an jungen, gesunden, männlichen Probanden stattfindet, können Wissenslücken nur schwer gefüllt werden. Da Cleghorn sich auf die Entwicklung in den USA und Großbritannien konzentriert, stößt sie neben einer Frauen diskriminierenden Medizin auch auf die rassistische Einstellung, Schwarze hätten kein Schmerzempfinden; ihre Krankheiten wären anders als bei Weißen zudem selbst verschuldet und auf ihren Lebenswandel zurückzuführen.

Der wandernde Uterus als Auslöser weiblichen Leidens wurde bereits im 11. Jahrhundert von Trota von Salerno widerlegt, die das dreibändige Lehrbuch Trotula verfasste. Cleghorns Blick in die Medizingeschichte legt nahe, dass Respekt, Empathie und Fürsorge erst im 20. Jahrhundert Einzug in die Gynäkologie hielten, als sich die Frauengesundheitsbewegung (ab 1970) und weibliche Ärzte für Frauen engagierten. Ihre Quellenstudien zeigen jedoch auch, dass (in den USA und GB) Frauengesundheit erst in den Focus rückte, als Frauen im Zweiten Weltkrieg als Arbeitskräfte gebraucht wurden und eine eklatante Müttersterblichkeit um die Zukunft dieser Nationen fürchten ließ.

Cleghorn liefert zu den – bei Interessierten größtenteils bekannten - Irrwegen in der Diagnose gynäkologischer Erkrankungen ausführliche Zitate und aktuelle Quellen, und sie hinterfragt die Motive zumeist männlicher Mediziner, wider besseres Wissen an Mythen über den weiblichen Körper festzuhalten. Ärztliche Fehleinschätzungen werden u. a. verstärkt, wenn Ärzte nur wohlhabende Patienten zu sehen bekommen, da nur sie einen Arztbesuch finanzieren können. Dass ein rückständiges Frauenbild und die Ablehnung von Ärztinnen als Kolleginnen u. a. Ärzten lange Zeit üppige Einkünfte von Privatpatient*innen sicherte, das ist in Cleghorns besonnenem Buch nicht zu übersehen.

Im Fall von Margaret Sanger (1879-1966), der gefeierten Aktivisten für Empfängnisverhütung zeigt die Autorin auf, dass Pionier*innen der Frauenheilkunde auch handfeste rassistische und eugenische Ziele verfolgten.

Wenn Autoimmunerkrankungen (Lupus, MS, Firbromyalgie, Morbus Crohn, Schilddrüsenerkrankungen), sowie Endometriose schwer zu diagnostizieren sind und in der Mehrzahl der Fälle bei Frauen auftreten, fragt sich noch immer, ob der jahrelange Weg zur Diagnose auch mit dem „Gender Bias“ zu tun haben kann, der die Beschwerden von Frauen bagatellisiert.

Elinor Cleghorn schließt mit ihrer eigenen Krankengeschichte den Kreis ihres – auch für Laien gut lesbaren – medizinhistorischen Werks. Die Beschränkung auf die USA und Großbritannien finde ich etwas unbefriedigend, weil ich beide Gesundheits- und Gesellschafts-Systeme für sehr speziell halte.
Daher sehr gute 4 Sterne

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Körper und Macht

Es gibt Bücher, die sind so gut, dass man sie innerhalb eines Tages weg liest und dann gibt es Bücher, die sind so gut, dass man sich Zeit dafür nehmen muss.

Die kranke Frau ist ein phänomenales und augenöffnendes Buch, das mich an manchen Stellen sehr aufgewühlt hat. Der Inhalt vom Buch hat mich wütend gemacht, mich frustriert und mir teilweise das Gefühl gegeben, komplett hilflos zu sein. Ich konnte immer nur ein paar Seiten auf einmal lesen, bevor mein Blutdruck wieder zu hoch war.

Denn noch immer werden Frauen und ihre Leiden nicht ernst genug genommen. Bei denselben Symptomen bekommt ein Mann eher Schmerzmittel und eine Frau Beruhigungsmittel. Was sagt das über unsere Stellung in der Gesellschaft aus, wenn der Schmerz leidender Männer eher gestillt wird und leidende Frauen eher ruhiggestellt werden? Oder wenn Krankheitssymptome bei Frauen schneller auf die Psyche geschoben werden?

Unter dieser Doppelmoral leiden noch immer richtig viele und ich kenne selbst einige, die wegen sexistischer Vorurteile beinahe gestorben wären. Auch die Autorin berichtet aus ihrer persönlichen Erfahrung und beschreibt die Entwicklung der weiblichen Gesundheit von der Antike bis in die heutige Zeit.

Mich hat es komplett überrascht, wie intersektional das Thema ist und wie eigentliche Fortschritte in der Medizin wieder für ideologischen Missbrauch herhalten müssen. Es wird sehr gut aufgezeigt, wie verschiedene Vorurteile einander bedingen und aufrechterhalten, sodass eine wissenschaftliche Argumentation kaum mehr möglich ist. Und dann kommt in manchen Fällen noch die Religion dazu.

Manchmal war es wirklich sehr frustrierend, aber das macht das Buch umso wichtiger.

Für mich war es ein absolutes Highlight, mit vielen Quellen um weiter zu recherchieren, über ein Thema das leider noch immer viel zu aktuell ist.

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Cleghorns gehaltvolle Monografie kombiniert jahrelange Postdoc-Forschung mit einer verheerenden persönlichen Krankheitsgeschichte.

Ein Großteil der Inspiration für „Die kranke Frau“ resultierte aus Cleghorns Kampf mit der Autoimmunkrankheit Lupus. In diesem Rahmen reiht die Autorin sich selbst in die Reihen der „unpässlichen“ (23) Frauen ein, deren Krankheiten durch die Jahrhunderte hinweg entweder ungeeignet oder gar nicht behandelt worden.

Das semantische Feld und die Ontologie von „Frauenkrankheiten“, die Geschichte der mystischen Gebärmutter, die soziale Emanzipation der Frauen von einer wandelnden Gebärmutter zum autonomen Individuum – erwähnte Aspekte und mehr führt Cleghorn auf eine gleichzeitig sachliche und dennoch unapologetische Art aus.

Ebenso wie Cleghorn diejenigen gesellschaftlichen Tabus, Institutionen und Sphären thematisiert, die zur starren Wahrung von Konventionen bezüglich der Konstitution und Position der Frau beitrugen – in gleichen Teilen zeigt sie diejenigen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Revolutionen auf, die schlussendlich zu neuen Kenntnissen über die Anatomie der Frau beitrugen.

Mehr zum Buch erfährst Du im Volltext dieser Rezension auf sandrafalke.com. ✒

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Das Buch "Die kranke Frau-Wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen von Elinor Cleghorn ist bei @kiwi_verlag erschienen und wurde mir von @netgalleyde zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank!
Zum Inhalt: Von den antiken Anfängen der Medizin bis in die Gegenwart, von der »wandernden Gebärmutter« bis zur Entdeckung von Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Die britische Feministin Elinor Cleghorn präsentiert eine bahnbrechende und aufwühlende Kulturgeschichte über das Verhältnis von Frauen, Krankheit und Medizin.
Cleghorn, selbst an der Autoimmunerkrankung Lupus erkrankt, hat sich nach einer nervenaufreibenden Diagnose-Odyssee auf die Suche nach den Wurzeln der patriarchalen Mythen begeben, die unsere westliche Medizin bis heute prägen. Anhand einer Fülle von historischem Material rekonstruiert sie, wie stark die Medizin als Wissenschaft und Institution von kulturellen und gesellschaftspolitischen Umständen beeinflusst ist. Denn die Tatsache, dass Frauen als das schwächere Geschlecht galten und auf die soziale Aufgabe der Mutterschaft reduziert wurden, formte auch den medizinischen Blick auf Frauen und Weiblichkeit über die Jahrhunderte. Von der »wandernden Gebärmutter« über die »Hysterie« bis hin zum sich nur äußerst langsam wandelnden Verständnis für Menstruation und Menopause – all diese Diagnosen und Entwicklungen zeugen von einer männlich geprägten, nicht selten sexistischen Medizin.Feminist*innen erheben seit Langem ihre Stimme gegen diesen patriarchalen Zugriff auf ihren Körper und kämpfen für eine bessere Aufklärung über weibliche Gesundheit. Wer verstehen will, warum dieser Kampf wichtig und notwendig ist, findet in Elinor Cleghorns augenöffnendem Buch die Antwort."

Meine Meinung: Dies ist so spannend zu lesen! Ich habe das Lesen unterbrechen müssen an einigen Stellen, so unglaublich sind die Vermutungen der damaligen Diagnostiker hinsichtlich Erkrankungen eines biologisch weiblichen Körpers. Das Konzept, dass Frauen "unrein" sind, dass sie starke Kräfte besitzen, führte dann auch zu Verbannung und zur Inquisition. Der "männliche Blick" prägte bis in die 90er den Blick auf Frauen und ihre Erkrankungen und auch Medizinerinnen mussten stark um ihre Rechte kämpfen. Gebärmutter, Klitoris und andere weibliche Organe wurden als Bedrohung ausgemacht und so entstanden auch die Klischees der "hysterischen Frau" und vieles mehr. Auch die Diskrimierung von schwarzen Frauen wird hier benannt. Das Buch arbeitet viel mit den Gesundheitssystemen des angloamerikanischen Raums, auch dies gewährt viele tiefe, aber auch schockierende Einblicke, wenn es um Frauengesundheit geht! Ein ganz wichtiges Buch! LESEN!

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Eine ausführliche Behandlung eines Themas, das dringenden Diskussionsbedarf hat. Stellenweise finde ich es durch die recht terminuslastige Sprache ein wenig schwer zu lesen, aber sonst ein hochinteressantes Buch.

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