FRAUEN LITERATUR

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Erscheinungstermin 09.09.2021 | Archivierungsdatum 01.04.2022

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Zum Inhalt

»Banal, kitschig, trivial« – wenn wir Schriftstellerinnen weiter abwerten, verpassen wir das Beste!

Sollte das Geschlecht des Schreibenden eine Rolle spielen bei der Lektüreauswahl? Natürlich nicht, würden wohl die meisten sagen. Und doch werden literarische Werke von Frauen seltener verlegt, besprochen und mit Preisen versehen. Das muss ein Ende haben. Nicole Seifert liefert das Buch zur Debatte – klug, fundiert und inspirierend.

Banal, kitschig, trivial – drei Adjektive, mit denen das literarische Schaffen von Frauen seit Jahrhunderten abgewertet wird. Während Autoren tausende von Seiten mit Alltagsbeschreibungen füllen und dafür gefeiert werden, wird Schriftstellerinnen, die Ähnliches unternehmen, Befindlichkeitsprosa vorgeworfen. Nicole Seifert ist angetreten, die frauenfeindlichen Strukturen im Literaturbetrieb aufzuzeigen. Denn von vielen von Frauen verfassten Büchern hören wir erst gar nicht, weil Zeitungs-, Radio- und Fernsehredaktionen und noch davor Buchverlage eine entsprechende Vorauswahl treffen. Vom Deutschunterricht bis zum Germanistikstudium ist der Autorinnenanteil noch immer verschwindend gering, und so lernen wir von Anfang an: Was literarisch wertvoll ist, stammt von Männern. Nachdem Nicole Seifert drei Jahre lang ausschließlich Literatur von Frauen – Klassiker wie Zeitgenössisches, Bekanntes wie Unbekannteres – gelesen hat, ist klar: Die vielbeschworene »Qualität« ist nicht das Problem. Im Gegenteil: Wir verpassen das Beste, wenn wir in unseren Bücherregalen nicht endlich eine Frauenquote einführen.

»Banal, kitschig, trivial« – wenn wir Schriftstellerinnen weiter abwerten, verpassen wir das Beste!

Sollte das Geschlecht des Schreibenden eine Rolle spielen bei der Lektüreauswahl? Natürlich nicht...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783462002362
PREIS 18,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Ein großartiges und sehr, sehr wichtiges Buch, das von klugen Gedanken und spannenden Literaturempfehlungen nur so strotzt!

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Die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Nicole Seifert hat lange Zeit als Lektorin für namhafte deutsche Verlage gearbeitet. Schon damals und während des Studiums ist ihr dabei aufgefallen, dass Männer immer noch die Literaturszene dominieren. Ob es Literaturnobelpreisträger sind oder die Rahmenpläne für den Deutschunterricht in der Schule, überall lernt man vorwiegend Autoren mit männlicher Weltsicht kennen. Frauen spielten und spielen im Literaturbetrieb eine eher untergeordnete Rolle. Aber warum ist das so? Zur Beantwortung der Frage lassen sich bspw. Rollenbilder der vorherigen Jahrhunderte und Literaturkanons von männlichen Literaturkritikern heranziehen. Während männliche Autoren an der Qualität ihrer Sprache gemessen werden, ist dies bei Frauen eher zweitrangig, denn Familienstand, Aussehen etc. sind wichtiger. Seifert hat diese patriarchalischen Strukturen, auch innerhalb der Jury zur Vergabe der jährlichen Buchpreise, satt. Sie plädiert für mehr Sichtbarkeit von talentierten und kritischen Autorinnen innerhalb der Literaturszene. Aber was soll man tun, wenn man von klein auf stets mit männlichen Werken konfrontiert wurde? Seifert hat ein Experiment gewagt und über eine geraume Zeit ausschließlich Bücher von Autorinnen gelesen. Dabei hat sich ihr eine neue, vielschichtigere Literaturwelt eröffnet. Auch kann sie verständlicherweise mit der Trennung von männlichen und weiblichen Schreibstilen nichts anfangen. In diesem Sinne ist auch ihr durchgestrichener Buchtitel zu verstehen. Literatur sollte unabhängig vom Geschlecht des Autors gesehen und rezipiert werden. Das sind wahre Worte, die gehört werden sollten. Denn wie kann es sein, dass im 21. Jh. Autorinnen noch immer weniger Ansehen genießen und Geld mit ihren Büchern verdienen als ihre männlichen Kollegen.

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„Nein, wir sind nicht darüber hinaus, auf diese Dinge achten zu müssen. Es wird gerade erst interessant. Denn es sind andere Erfahrungen, andere Perspektiven, die hier erzählt werden, neue Geschichten, die ich nach dem männerdominierten Lesen der letzten Jahrzehnte nicht nur als Abwechslung und Bereicherung empfinde, sondern geradezu als Offenbarung.“ (25%) Gerade in letzter Zeit liest man in den Zeitungen häufiger, dass unter den Nominierungen für einen Literaturpreis dieses Mal außergewöhnlich viele Frauen dabei seien*. Es scheint sich etwas zu bewegen in der Literaturwelt! Doch ist die journalistische Berichterstattung darüber vielleicht noch mutmachend, so muss man nur zu den Leserkommentaren weiterscrollen. Dort wird man sofort fündig; meist ist schon der erste Kommentar ein empörter Aufschrei, dass es doch bei einem Literaturpreis bitte nicht ums Geschlecht der Autor*in gehen dürfe, sondern um die Qualität des Geschriebenen. Nicole Seifert greift unter anderem diesen vermeintlichen Qualitätsanspruch in ihrem Buch FRAUEN LITERATUR auf. Natürlich sollte das Geschlecht der Autor*in bei der Qualitätsbewertung keine Rolle spielen. Tut es aber. Und es wird gerade den AutorINNEN zum Nachteil in der Bewertung. Denn Literatur von Frauen wurde seit jeher systematisch unterdrückt und abgewertet. Die Bedingungen, unter denen Frauen schrieben und schreiben, waren und sind schwierig. Ihre Werke wurden und werden deutlich seltener kanonisiert. Die Rezeption ihrer Werke findet nicht nur seltener statt, sondern ist häufig auch trivialisierend oder sogar diskriminierend. Misogynie ist noch lange nicht aus unserer Gesellschaft verschwunden. Sie wird nur nicht immer auf den ersten Blick erkannt. Und sie versteckt sich inzwischen sogar unter dem Deckmäntelchen, dass Frauen doch heute alle Türen offen stünden. Wenn sie also scheitern, dann ja wohl auf Grund mangelnder Qualität ihrer Arbeit. Nein. Der Fehler liegt im System. Unsere Köpfe sind noch lange nicht frei von Geschlechterklischees. Nicole Seifert führt unter anderem Studien als Beispiele an, die belegen, dass Literatur von Autorinnen deutlich besser in der Bewertung einer Jury abschneidet, wenn das Geschlecht der Autor*innen nicht bekannt ist. Sie zeigt auf, wie vom Schreibprozess, über das Verlegen bis hin zur Rezeption die Werke von Autorinnen benachteiligt werden. Sie geht darüber hinaus auf die Literaturgeschichte, die geschichtlichen Veränderungen und die männlich dominierte Kanonisierung ein. So sind viele literarische Werke aus der Feder von Frauen in Vergessenheit geraten und werden selten neu aufgelegt. Fundiert und umfassend deckt Seifert in ihrem Buch auf, wie es um FRAUEN LITERATUR stand und steht. Nach der Lektüre ist man nicht aufgeklärter, sondern hat auch eine lange Leseliste „abzuarbeiten“, denn das Buch platzt fast vor lauter toller Empfehlungen. Dieses Buch öffnet die Augen und weitet den Blick. Ich kann es nur weiterempfehlen! „Und man bekommt einen Blick für unsere völlig schiefen Vorstellungen von Geschlechternormen, an die wir aber derart gewöhnt sind, dass wir sie für richtig und wichtig, für normal und unveränderbar halten.“ (9%) *Zum Beispiel hier: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-04/preis-der-leipziger-buchmesse-nominierungen-belletristik-frauen

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Der entsetzte Ausruf in einer Buchhandlung „Wenn ich gewusst hätte, dass P. D. James eine Frau ist, hätte ich das Buch doch nicht gekauft“, hat nichts an Aktualität eingebüßt. Die Überzeugung, dass hauptsächlich Männer ernstzunehmende Literatur verfassen, ihr Stil, ihre Themen und Sichtweisen die einzig relevanten seien, scheint nur schwer auszurotten zu sein. 2018 war in der Buch-Bubble der Sozialen Medien die Kritik nicht zu mehr zu überlesen, dass in Deutschland vergleichsweise weniger Bücher von Frauen verlegt und rezensiert werden, obwohl Autorinnen weder weniger noch schlechter schreiben als Autoren. Das Projekt der Uni Rostock #Vorschauenzählen durch Nicole Seifert & weitere Helferinnen brachte es an den Tag: es gibt deutsche Verlage, die nahezu ausschließlich Romane männlicher Autoren veröffentlichen, obwohl Umsätze im Buchhandel noch immer dominant von Kundinnen getätigt werden. Literaturgeschichten der 90er aus verschiedenen Ländern enthalten laut Seifert nur 10% Autorinnen, 30 Jahre später sind es bereits 18%. Nicole Seifert hat sich bereits einige Jahre lang mit zu Unrecht vergessenen Autorinnen befasst und kritisiert mit „Frauen Literatur“ den einseitig männlich geprägten Literatur-Kanon in Deutschland. Lehrpläne und Leselisten können eben nur die Literaturkenntnisse ihrer Herausgeber abbilden. Die Autorin beschreibt den Einfluss von Schaltstellen, an denen über die Zukunft von Romanmanuskripten entschieden wird: ob und in welcher Ausstattung sie verlegt, im Feuilleton rezensiert oder für spätere Generationen archiviert werden. Wer verlegt und rezensiert, entscheidet bei der Auswahl über die Relevanz eines Texts. Die üblichen Relativierungen der Schieflage lässt sie dabei nicht gelten, dass Frauen in vorigen Jahrhunderten weniger geschrieben hätten als Männer und dass Verlage ausschließlich nach der Qualität verlegter Texte entscheiden. Lange vergessene Autorinnen werden in Deutschland durchaus neu vermarktet, nachdem deren Bücher zuvor im Ausland erfolgreich verkauft wurden. Wirtschaftlicher Erfolg ändert allerdings nichts daran, dass Frauen als Kundinnen ihre Lektüre vielfältiger und diverser auswählen, während männliche Leser deutlich weniger interessiert sind an der Perspektive von Autorinnen. Kurz und gar nicht gut: an Wegkreuzungen, an denen über den möglichen Erfolg eines Romans entschieden wird (Verlag, Feuilleton, Archivierung), ziehen Autorinnen in Deutschland zu häufig den Kürzeren. Ein Roman wird seltener verlegt, rezensiert und archiviert, wenn er von einer Frau stammt, das Debüt einer jungen Autorin ist und dazu noch weiblichen Alltag abbildet. Seifert legt hier den Finger in die offene Wunde frauenfeindlicher Literaturkritik, in der es bei Autorinnen offenbar stärker um Alter, Frisur oder Familienstand zu gehen scheint als um den Text. Margaret Atwood beklagte diese offene Herablassung gegenüber Autorinnen durch Reduzierung auf ihr Geschlecht schon in den 60ern des vorigen Jahrhunderts. Seitdem hat sich rein gar nichts geändert, wenn man Rezensionen der Romane von Deniz Ohde, Karen Köhler oder Inger-Maria Mahlke auf ihre unverhohlene Frauenfeindlichkeit betrachtet. Die ernüchternde Bilanz des #Vorschauenzählens hat mich daran erinnert, dass in den 70ern in Deutschland meterweise Literatur von und über Frauen aus aller Welt verlegt wurde, teilweise jedoch in so schlechter Papierqualität, dass Uralt-Feministinnen ihren Enkelinnen kaum noch etwas davon vererben können. Die Frage, was in welcher Qualität verlegt wird, damit es überhaupt archiviert werden kann, ist demnach hoch aktuell. Über das Verschwinden und Verstummen von Autorinnen schreibt Nicole Seifert knapp und leicht lesbar.

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Darauf haben wir lange warten müssen. Aber nun räumt Nicole Seifert unaufgeregt im Literaturbetrieb auf und findet in allen Ecken Belege dafür, dass das deutsche Verlagswesen und die Literaturkritik die Literatur von Frauen auch im 21. Jahrhundert noch selbstgefällig diskriminiert. Dabei zeigt die Autorin nicht die geringste Spur von Verbitterung, sondern belegt ihre Funde listig mit zahlreichen Beispielen und Zitaten. Wer trotz des Kopfschüttelns über so viel männliche Dominanz noch kein Schleudertrauma erlitten hat, freut sich über ein erfreuliches Nebenprodukt dieses Buchs: eine exzellent kuratierte Leseliste von FrauenLiteratur, die keine Frauen-Literatur ist, weil es Frauenliteratur nämlich nicht gibt.

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Frauen in der Literatur "Drei Jahre lang hat die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Nicole Seifert ausschließlich Bücher von Frauen gelesen: „Was mich überrascht hat, ist, wie deutlich bestimmte Themen in Literatur von Frauen vorkommen“, ist ihr Fazit." So beginnt ein Artikel im SWR. Gibt es wirklich Themen die nur von Frauen aufgegriffen werden? Und wenn ja, welche? Wie kommt es dazu und ist es heute noch immer so? All diese Fragen und noch mehr werden in dem Buch behandelt. Schon das Cover stimmt den Leser auf das Buch ein. Das "unschöne" Wort Frauenliteratur wird gezeigt, doch das Wort Frauen ist durchgestrichen, sodass am Ende die Literatur bleibt. Für jeden - egal ob m, w oder divers. Das sollte es auch immer sein - Literatur, die von jedem gelesen und/oder gelesen werden kann und soll. Nicole Seifert sagt selbst, dass der Begriff "Frauenliteratur" oft abwertend genutzt wird. Und auch ich denke tatsächlich zuerst an irgendwelche Groschenromane auf denen der Held die arme Frau auf seinen starken Amen durch das Leben trägt. Doch bin ich selbst eine Frau und lese es nicht. Habe ich nie und werde ich nie. Und was ist wenn nun ein Mann diese Bücher liest? ist er dann kein Mann mehr? Kritisch und dennoch objektiv setzt die Autorin sich daher mit diesen Dingen auseinander und ich kann es jedem Leser empfehlen. Das Buch zu lesen, sich selbst zu hinterfragen und mit den Begrifflichkeiten besser umzugehen.

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Wie viele Bücher in meinem Regal sind eigentlich von Männern, wie viele von Frauen geschrieben? Angeregt durch die Lektüre des Buches FRAUEN LITERATUR von Nicole Seifert fing ich an zu zählen… Wenig überraschend wurden die meisten Werke in meiner Sammlung von einem Autor verfasst, zumal dort viele Klassiker einen Platz haben. Gab und gibt es zu wenige Schriftstellerinnen? Mitnichten. Die Literaturwisssenschaftlerin Nicole Seifert untersucht in ihrem Buch, warum Werke von Frauen in der Vergangenheit häufig in Vergessenheit geraten sind, es aber auch in der Gegenwart immer noch schwerer haben, ihren Weg in die Feuilletons oder gar in den Lektürekanon zu schaffen. Dabei betont sie, dass bereits der Begriff „Frauenliteratur“ impliziert, dass die Werke von Frauen eine Art Gegenstück zur männerdominierten „Literatur“ darstellten – und häufig geringschätzig behandelt werden. Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Literaturgeschichte stellt sie überzeugend dar, dass das Argument, es zähle nur die Qualität, keineswegs einer genauen Prüfung standhält. Die Themen und Werke von Autorinnen wurden und werden in einem männerdominierten Literaturbetrieb oftmals als nicht literaturrelevant betrachtet, in den Rezensionen häufiger schlechtgeredet und deshalb deren Aufnahme in die Literaturgeschichte verhindert. Nach der Lektüre sieht man die Buchwelt mit durchaus sensibilisiertem Blick und nimmt sich fest vor, nun erst einmal Werke von Frauen zu lesen: von denen, die vergessen wurden und teilweise heute wieder verlegt werden. Und von den Autorinnen, die gegenwärtig Neues veröffentlichen. FRAUEN LITERATUR ist ein sehr empfehlenswertes feministisches Buch, das einem in vielerlei Hinsicht die Augen öffnet.

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