FRAUEN LITERATUR

Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt

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Erscheinungstermin 09.09.2021 | Archivierungsdatum 01.04.2022

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Zum Inhalt

»Banal, kitschig, trivial« – wenn wir Schriftstellerinnen weiter abwerten, verpassen wir das Beste!

Sollte das Geschlecht des Schreibenden eine Rolle spielen bei der Lektüreauswahl? Natürlich nicht, würden wohl die meisten sagen. Und doch werden literarische Werke von Frauen seltener verlegt, besprochen und mit Preisen versehen. Das muss ein Ende haben. Nicole Seifert liefert das Buch zur Debatte – klug, fundiert und inspirierend.

Banal, kitschig, trivial – drei Adjektive, mit denen das literarische Schaffen von Frauen seit Jahrhunderten abgewertet wird. Während Autoren tausende von Seiten mit Alltagsbeschreibungen füllen und dafür gefeiert werden, wird Schriftstellerinnen, die Ähnliches unternehmen, Befindlichkeitsprosa vorgeworfen. Nicole Seifert ist angetreten, die frauenfeindlichen Strukturen im Literaturbetrieb aufzuzeigen. Denn von vielen von Frauen verfassten Büchern hören wir erst gar nicht, weil Zeitungs-, Radio- und Fernsehredaktionen und noch davor Buchverlage eine entsprechende Vorauswahl treffen. Vom Deutschunterricht bis zum Germanistikstudium ist der Autorinnenanteil noch immer verschwindend gering, und so lernen wir von Anfang an: Was literarisch wertvoll ist, stammt von Männern. Nachdem Nicole Seifert drei Jahre lang ausschließlich Literatur von Frauen – Klassiker wie Zeitgenössisches, Bekanntes wie Unbekannteres – gelesen hat, ist klar: Die vielbeschworene »Qualität« ist nicht das Problem. Im Gegenteil: Wir verpassen das Beste, wenn wir in unseren Bücherregalen nicht endlich eine Frauenquote einführen.

»Banal, kitschig, trivial« – wenn wir Schriftstellerinnen weiter abwerten, verpassen wir das Beste!

Sollte das Geschlecht des Schreibenden eine Rolle spielen bei der Lektüreauswahl? Natürlich nicht...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783462002362
PREIS 18,00 € (EUR)
SEITEN 224

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Ein großartiges und sehr, sehr wichtiges Buch, das von klugen Gedanken und spannenden Literaturempfehlungen nur so strotzt!

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Die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Nicole Seifert hat lange Zeit als Lektorin für namhafte deutsche Verlage gearbeitet. Schon damals und während des Studiums ist ihr dabei aufgefallen, dass Männer immer noch die Literaturszene dominieren. Ob es Literaturnobelpreisträger sind oder die Rahmenpläne für den Deutschunterricht in der Schule, überall lernt man vorwiegend Autoren mit männlicher Weltsicht kennen. Frauen spielten und spielen im Literaturbetrieb eine eher untergeordnete Rolle. Aber warum ist das so? Zur Beantwortung der Frage lassen sich bspw. Rollenbilder der vorherigen Jahrhunderte und Literaturkanons von männlichen Literaturkritikern heranziehen. Während männliche Autoren an der Qualität ihrer Sprache gemessen werden, ist dies bei Frauen eher zweitrangig, denn Familienstand, Aussehen etc. sind wichtiger. Seifert hat diese patriarchalischen Strukturen, auch innerhalb der Jury zur Vergabe der jährlichen Buchpreise, satt. Sie plädiert für mehr Sichtbarkeit von talentierten und kritischen Autorinnen innerhalb der Literaturszene. Aber was soll man tun, wenn man von klein auf stets mit männlichen Werken konfrontiert wurde? Seifert hat ein Experiment gewagt und über eine geraume Zeit ausschließlich Bücher von Autorinnen gelesen. Dabei hat sich ihr eine neue, vielschichtigere Literaturwelt eröffnet. Auch kann sie verständlicherweise mit der Trennung von männlichen und weiblichen Schreibstilen nichts anfangen. In diesem Sinne ist auch ihr durchgestrichener Buchtitel zu verstehen. Literatur sollte unabhängig vom Geschlecht des Autors gesehen und rezipiert werden. Das sind wahre Worte, die gehört werden sollten. Denn wie kann es sein, dass im 21. Jh. Autorinnen noch immer weniger Ansehen genießen und Geld mit ihren Büchern verdienen als ihre männlichen Kollegen.

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„Nein, wir sind nicht darüber hinaus, auf diese Dinge achten zu müssen. Es wird gerade erst interessant. Denn es sind andere Erfahrungen, andere Perspektiven, die hier erzählt werden, neue Geschichten, die ich nach dem männerdominierten Lesen der letzten Jahrzehnte nicht nur als Abwechslung und Bereicherung empfinde, sondern geradezu als Offenbarung.“ (25%)

Gerade in letzter Zeit liest man in den Zeitungen häufiger, dass unter den Nominierungen für einen Literaturpreis dieses Mal außergewöhnlich viele Frauen dabei seien*. Es scheint sich etwas zu bewegen in der Literaturwelt! Doch ist die journalistische Berichterstattung darüber vielleicht noch mutmachend, so muss man nur zu den Leserkommentaren weiterscrollen. Dort wird man sofort fündig; meist ist schon der erste Kommentar ein empörter Aufschrei, dass es doch bei einem Literaturpreis bitte nicht ums Geschlecht der Autor*in gehen dürfe, sondern um die Qualität des Geschriebenen.

Nicole Seifert greift unter anderem diesen vermeintlichen Qualitätsanspruch in ihrem Buch FRAUEN LITERATUR auf. Natürlich sollte das Geschlecht der Autor*in bei der Qualitätsbewertung keine Rolle spielen. Tut es aber. Und es wird gerade den AutorINNEN zum Nachteil in der Bewertung. Denn Literatur von Frauen wurde seit jeher systematisch unterdrückt und abgewertet. Die Bedingungen, unter denen Frauen schrieben und schreiben, waren und sind schwierig. Ihre Werke wurden und werden deutlich seltener kanonisiert. Die Rezeption ihrer Werke findet nicht nur seltener statt, sondern ist häufig auch trivialisierend oder sogar diskriminierend.

Misogynie ist noch lange nicht aus unserer Gesellschaft verschwunden. Sie wird nur nicht immer auf den ersten Blick erkannt. Und sie versteckt sich inzwischen sogar unter dem Deckmäntelchen, dass Frauen doch heute alle Türen offen stünden. Wenn sie also scheitern, dann ja wohl auf Grund mangelnder Qualität ihrer Arbeit.

Nein. Der Fehler liegt im System. Unsere Köpfe sind noch lange nicht frei von Geschlechterklischees.

Nicole Seifert führt unter anderem Studien als Beispiele an, die belegen, dass Literatur von Autorinnen deutlich besser in der Bewertung einer Jury abschneidet, wenn das Geschlecht der Autor*innen nicht bekannt ist.

Sie zeigt auf, wie vom Schreibprozess, über das Verlegen bis hin zur Rezeption die Werke von Autorinnen benachteiligt werden. Sie geht darüber hinaus auf die Literaturgeschichte, die geschichtlichen Veränderungen und die männlich dominierte Kanonisierung ein. So sind viele literarische Werke aus der Feder von Frauen in Vergessenheit geraten und werden selten neu aufgelegt.

Fundiert und umfassend deckt Seifert in ihrem Buch auf, wie es um FRAUEN LITERATUR stand und steht. Nach der Lektüre ist man nicht aufgeklärter, sondern hat auch eine lange Leseliste „abzuarbeiten“, denn das Buch platzt fast vor lauter toller Empfehlungen.

Dieses Buch öffnet die Augen und weitet den Blick. Ich kann es nur weiterempfehlen!

„Und man bekommt einen Blick für unsere völlig schiefen Vorstellungen von Geschlechternormen, an die wir aber derart gewöhnt sind, dass wir sie für richtig und wichtig, für normal und unveränderbar halten.“ (9%)


*Zum Beispiel hier: https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-04/preis-der-leipziger-buchmesse-nominierungen-belletristik-frauen

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Der entsetzte Ausruf in einer Buchhandlung „Wenn ich gewusst hätte, dass P. D. James eine Frau ist, hätte ich das Buch doch nicht gekauft“, hat nichts an Aktualität eingebüßt. Die Überzeugung, dass hauptsächlich Männer ernstzunehmende Literatur verfassen, ihr Stil, ihre Themen und Sichtweisen die einzig relevanten seien, scheint nur schwer auszurotten zu sein.

2018 war in der Buch-Bubble der Sozialen Medien die Kritik nicht zu mehr zu überlesen, dass in Deutschland vergleichsweise weniger Bücher von Frauen verlegt und rezensiert werden, obwohl Autorinnen weder weniger noch schlechter schreiben als Autoren. Das Projekt der Uni Rostock #Vorschauenzählen durch Nicole Seifert & weitere Helferinnen brachte es an den Tag: es gibt deutsche Verlage, die nahezu ausschließlich Romane männlicher Autoren veröffentlichen, obwohl Umsätze im Buchhandel noch immer dominant von Kundinnen getätigt werden. Literaturgeschichten der 90er aus verschiedenen Ländern enthalten laut Seifert nur 10% Autorinnen, 30 Jahre später sind es bereits 18%.

Nicole Seifert hat sich bereits einige Jahre lang mit zu Unrecht vergessenen Autorinnen befasst und kritisiert mit „Frauen Literatur“ den einseitig männlich geprägten Literatur-Kanon in Deutschland. Lehrpläne und Leselisten können eben nur die Literaturkenntnisse ihrer Herausgeber abbilden. Die Autorin beschreibt den Einfluss von Schaltstellen, an denen über die Zukunft von Romanmanuskripten entschieden wird: ob und in welcher Ausstattung sie verlegt, im Feuilleton rezensiert oder für spätere Generationen archiviert werden. Wer verlegt und rezensiert, entscheidet bei der Auswahl über die Relevanz eines Texts. Die üblichen Relativierungen der Schieflage lässt sie dabei nicht gelten, dass Frauen in vorigen Jahrhunderten weniger geschrieben hätten als Männer und dass Verlage ausschließlich nach der Qualität verlegter Texte entscheiden. Lange vergessene Autorinnen werden in Deutschland durchaus neu vermarktet, nachdem deren Bücher zuvor im Ausland erfolgreich verkauft wurden. Wirtschaftlicher Erfolg ändert allerdings nichts daran, dass Frauen als Kundinnen ihre Lektüre vielfältiger und diverser auswählen, während männliche Leser deutlich weniger interessiert sind an der Perspektive von Autorinnen.

Kurz und gar nicht gut: an Wegkreuzungen, an denen über den möglichen Erfolg eines Romans entschieden wird (Verlag, Feuilleton, Archivierung), ziehen Autorinnen in Deutschland zu häufig den Kürzeren. Ein Roman wird seltener verlegt, rezensiert und archiviert, wenn er von einer Frau stammt, das Debüt einer jungen Autorin ist und dazu noch weiblichen Alltag abbildet. Seifert legt hier den Finger in die offene Wunde frauenfeindlicher Literaturkritik, in der es bei Autorinnen offenbar stärker um Alter, Frisur oder Familienstand zu gehen scheint als um den Text. Margaret Atwood beklagte diese offene Herablassung gegenüber Autorinnen durch Reduzierung auf ihr Geschlecht schon in den 60ern des vorigen Jahrhunderts. Seitdem hat sich rein gar nichts geändert, wenn man Rezensionen der Romane von Deniz Ohde, Karen Köhler oder Inger-Maria Mahlke auf ihre unverhohlene Frauenfeindlichkeit betrachtet.

Die ernüchternde Bilanz des #Vorschauenzählens hat mich daran erinnert, dass in den 70ern in Deutschland meterweise Literatur von und über Frauen aus aller Welt verlegt wurde, teilweise jedoch in so schlechter Papierqualität, dass Uralt-Feministinnen ihren Enkelinnen kaum noch etwas davon vererben können. Die Frage, was in welcher Qualität verlegt wird, damit es überhaupt archiviert werden kann, ist demnach hoch aktuell.

Über das Verschwinden und Verstummen von Autorinnen schreibt Nicole Seifert knapp und leicht lesbar.

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Darauf haben wir lange warten müssen. Aber nun räumt Nicole Seifert unaufgeregt im Literaturbetrieb auf und findet in allen Ecken Belege dafür, dass das deutsche Verlagswesen und die Literaturkritik die Literatur von Frauen auch im 21. Jahrhundert noch selbstgefällig diskriminiert. Dabei zeigt die Autorin nicht die geringste Spur von Verbitterung, sondern belegt ihre Funde listig mit zahlreichen Beispielen und Zitaten. Wer trotz des Kopfschüttelns über so viel männliche Dominanz noch kein Schleudertrauma erlitten hat, freut sich über ein erfreuliches Nebenprodukt dieses Buchs: eine exzellent kuratierte Leseliste von FrauenLiteratur, die keine Frauen-Literatur ist, weil es Frauenliteratur nämlich nicht gibt.

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Frauen in der Literatur

"Drei Jahre lang hat die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Nicole Seifert ausschließlich Bücher von Frauen gelesen: „Was mich überrascht hat, ist, wie deutlich bestimmte Themen in Literatur von Frauen vorkommen“, ist ihr Fazit." So beginnt ein Artikel im SWR.

Gibt es wirklich Themen die nur von Frauen aufgegriffen werden? Und wenn ja, welche? Wie kommt es dazu und ist es heute noch immer so? All diese Fragen und noch mehr werden in dem Buch behandelt.

Schon das Cover stimmt den Leser auf das Buch ein. Das "unschöne" Wort Frauenliteratur wird gezeigt, doch das Wort Frauen ist durchgestrichen, sodass am Ende die Literatur bleibt. Für jeden - egal ob m, w oder divers.
Das sollte es auch immer sein - Literatur, die von jedem gelesen und/oder gelesen werden kann und soll.

Nicole Seifert sagt selbst, dass der Begriff "Frauenliteratur" oft abwertend genutzt wird. Und auch ich denke tatsächlich zuerst an irgendwelche Groschenromane auf denen der Held die arme Frau auf seinen starken Amen durch das Leben trägt. Doch bin ich selbst eine Frau und lese es nicht. Habe ich nie und werde ich nie. Und was ist wenn nun ein Mann diese Bücher liest? ist er dann kein Mann mehr?

Kritisch und dennoch objektiv setzt die Autorin sich daher mit diesen Dingen auseinander und ich kann es jedem Leser empfehlen. Das Buch zu lesen, sich selbst zu hinterfragen und mit den Begrifflichkeiten besser umzugehen.

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Wie viele Bücher in meinem Regal sind eigentlich von Männern, wie viele von Frauen geschrieben? Angeregt durch die Lektüre des Buches FRAUEN LITERATUR von Nicole Seifert fing ich an zu zählen… Wenig überraschend wurden die meisten Werke in meiner Sammlung von einem Autor verfasst, zumal dort viele Klassiker einen Platz haben. Gab und gibt es zu wenige Schriftstellerinnen? Mitnichten.
Die Literaturwisssenschaftlerin Nicole Seifert untersucht in ihrem Buch, warum Werke von Frauen in der Vergangenheit häufig in Vergessenheit geraten sind, es aber auch in der Gegenwart immer noch schwerer haben, ihren Weg in die Feuilletons oder gar in den Lektürekanon zu schaffen. Dabei betont sie, dass bereits der Begriff „Frauenliteratur“ impliziert, dass die Werke von Frauen eine Art Gegenstück zur männerdominierten „Literatur“ darstellten – und häufig geringschätzig behandelt werden.
Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Literaturgeschichte stellt sie überzeugend dar, dass das Argument, es zähle nur die Qualität, keineswegs einer genauen Prüfung standhält. Die Themen und Werke von Autorinnen wurden und werden in einem männerdominierten Literaturbetrieb oftmals als nicht literaturrelevant betrachtet, in den Rezensionen häufiger schlechtgeredet und deshalb deren Aufnahme in die Literaturgeschichte verhindert.
Nach der Lektüre sieht man die Buchwelt mit durchaus sensibilisiertem Blick und nimmt sich fest vor, nun erst einmal Werke von Frauen zu lesen: von denen, die vergessen wurden und teilweise heute wieder verlegt werden. Und von den Autorinnen, die gegenwärtig Neues veröffentlichen. FRAUEN LITERATUR ist ein sehr empfehlenswertes feministisches Buch, das einem in vielerlei Hinsicht die Augen öffnet.

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In mehr oder weniger einem Rutsch habe ich gerade „FRAUEN LITERATUR“ von @nachtundtag.blog gelesen und möchte es sehr empfehlen! Insbesondere natürlich denen, die genervt sind von den Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit und denen, die glauben, dass Qualität sich immer durchsetzt, no matter what. Nicole Seifert erklärt und belegt, dass die Abwertung von Autorinnen und ihren Texten eine lange Geschichte hat, über die Jahrhunderte hinweg mit ganz ähnlichen „Argumenten“. Dass in der Schule so wenig Bücher von Frauen gelesen werden, dass Frauen so offensichtlich unterrepräsentiert bis abwesend sind in den literarischen Kanones früherer und auch gegenwärtiger Zeit, hängt mit Kanonisierungsprozessen zusammen, die immer mit Machtfragen verknüpft sind. Kanones entstehen nicht urwüchsig aus dem Nichts, sie sind gesellschaftliche Entscheidungen und dabei spielt natürlich eine Rolle, wer entscheidet und wessen Perspektive vorherrschend ist. FRAUEN LITERATUR legt das alles dar, ganz unaufgeregt und sachlich, ganz ohne weiblichen Furor. „FRAUEN LITERATUR“ bietet eine gute und faktenbasierte Überblicksdarstellung von Ausschlussmechanismen, die gestern und heute wirken, nebst einigen Buchempfehlungen. Nichts Brandneues für die, die sich ohnehin damit befassen, trotzdem sehr lesenswert!

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Nicole Seifert beschreibt in "Frauenliteratur" fundiert die Art und Weise, wie früher sowie heute mit den Werken weiblicher Autorinnen in der Literatursphere umgegangen wird. Dabei spricht sie nicht nur die Vergangenheit an und damit in Vergessenheit geratene Texte und Romane höchst intelligenter Frauen, sondern auch die Umstände, die heute immer noch dazu führen, dass viele Autorinnen keine rechtmäßige Anerkennung für ihre Arbeit erhalten.

Sie betrachtet dabei Kanons unterschiedlicher Quellen, vergleicht Kritiken und untersucht Schullektüren und Leselisten, um ein Bild davon zu zeichnen, wie voreingenommen unsere Welt immer noch "Frauenliteratur" liest und oberflächlichst (ab)wertet.

Sie spannt dabei auch den Bogen zu Büchern von queeren Menschen und POC Autoren, die ebenso von der "Norm" des männlichen, weißen Schriftstellers abweichen und somit genauso Marginalisierung in der Buchbranche erfahren.

Seifert begründet und belegt ihre Kritik fundiert und quellenreich, zählt zahlreiche Argumente und Beispiele auf und appelliert an ihre Leser, das eigene Leseverhalten zu überdenken und zu diversifizieren. Ein sehr informatives Buch, das sowohl weibliche, als auch männliche Leser mit ehrlichem Interesse an der Literaturszene zum Nachdenken anregen sollte!

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Wichtiges und inspirierendes Buch. Zeigt deutlich, wie sehr die Bücherwelt von Männern dominiert wird und warum es doch so wichtig ist, dass weibliche Autorinnen ein gleichberechtiger Teil dessen sind und dies zurecht.

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Nicole Seifert hat es sich in diesem Buch zur Aufgabe gemacht, die Ungleichverteilung der Aufmerksamkeit gegenüber Literatur von Frauen und Männern aufzudecken. Sie beleuchtet einerseits die Verlagsprogramme, andererseits die Feuilletons von Zeitungen und Zeitschriften sowie verschiedene Literaturkanons, darunter auch den der Schulen und Universitäten. Die Ergebnisse sind frappant: Frauen sind nicht nur stark untervertreten in allen Bereichen, die Behandlung von Literatur von Frauen in den unterschiedlichen Medien erfolgt ebenfalls in reduzierter Form (weniger umfangreich und oft mit dem Schwerpunkt auf Attributen der Autorin statt auf dem Werk selber).

«Damit Künstlerinnen und ihre Werke in Erinnerung bleiben, müsste demnach aktiv etwas dafür getan werden.» (Nicole Seifert)

Es ist wichtig, diese Missstände mal zu durchleuchten und ins Bewusstsein zu bringen, denn nur so kann sich etwas ändern.

Weitere Betrachtungen
Nicole Seifert hat sich vorgenommen, ein Jahr nur noch Literatur von Frauen zu lesen. Es wurden drei daraus und das Vorhaben, das vorliegende Buch zu schreiben.

«Es ist ein sich selbst erhaltender Kreislauf – und die Frage, wer dafür verantwortlich ist, führt nicht weiter. Gegen strukturelle Probleme helfen nur strukturelle Veränderungen, und die sind nur zu erreichen, wenn genug Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen ein Interesse daran haben oder sich für die Benachteiligten einsetzen – in den Verlagen, in den Redaktionen, in den Kultusministerien. Und auch Leser*innen und Konsument*innen können dazu beitragen.»

Nicole Seifert hat einen gut fundierten und breit abgestützten Bericht darüber geschrieben, wie Frauen in der Literatur vergessen, ignoriert und abwertend behandelt werden. Sie räumt dabei mit landläufig ins Feld geführten Argumenten auf. Zwar stimmt es, dass früher weniger Frauen geschrieben haben als Männer, aber selbst damals gab es viele, die Erfolg hatten und dann in Vergessenheit gerieten. Die Gründe für das Vergessen sind wohl vielfältig, sicher aber lag es nicht an der mangelnden Qualität des Geschriebenen. In der heutigen Zeit stimmt das Argument noch weniger, gibt es doch viele schreibende Frauen, welche durchaus qualitativ hochstehende Literatur schreiben. Und doch fristen Sie ein Dasein in der Wahrnehmung im unteren Drittel der Berücksichtigung und damit Sichtbarkeit.

Persönlicher Bezug
Ich habe Literatur studiert und lange Jahre keinen Gedanken darauf verwendet, ob ein Buch von einem Mann oder einer Frau geschrieben worden ist. Die Mehrzahl der von mir gelesenen Bücher während der Schule und dem Studium waren von Männern (in der Kindheit war es anders) – das fiel mir auf, als ich bewusst hinschaute. Und ja, als ich nachdachte, wären mir einige Frauen in den Sinn gekommen, die zu lesen sich gelohnt hätte. Als ich mich weiter mit der Thematik befasste, stiess ich auf mir unbekannte Namen, die ich nach eigener Lektüre als lesenswert und zu Unrecht vergessen anerkennen musste.

Das Thema ist mir wichtig geworden, wie mir das Thema Frausein in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird. Ich finde dieses Buch aus diesem Grund wertvoll und bedenkenswert, hoffe, dass es Menschen anstösst, sich aktiv einzusetzen. Es geht mir dabei nicht um einen Feldzug gegen die Literatur von Männern, sondern es ist nötig, das Bewusstsein für einen Missstand zu wecken.

Dass sich dieser Missstand von selbst irgendwie ausgleichen wird in der heutigen Zeit, ist ein Irrglaube, den man in der jüngeren Vergangenheit gut nachweisen kann. Selbst wenn dann und wann der Ruf nach einer ausgeglicheneren Verteilung von Frauen und Männern in Literaturkanons aufkam, wurde dies selten wirklich ausreichend umgesetzt. Der Wurm liegt in der Gesellschaftsstruktur, welche über Jahrzehnte und mehr patriarchische Mechanismen förderte und in den Köpfen festsetzte. Das wächst sich nicht einfach aus, daran muss aktiv gearbeitet werden.

Fazit
Ein wichtiges Buch. Nicole Seifert liefert einen fundierten, breit abgestützten Überblick auf die Situation der Literatur von Frauen und deutet damit auf einen Missstand hin, der behoben werden sollte. Sehr empfehlenswert.

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Ich bin keine Literaturwissenschaftlerin und hatte auch nie Ambitionen, mich mit Büchern zu einer anderen Zeit als meiner Freizeit zu beschäftigen. Dass es im Literaturbetrieb aber Missstände bezüglich der Gleichberechtigung von Nicht-cis-Männern (in FRAUEN LITERATUR geht es aber vorrangig um die Benachteiligung von cis Frauen) gibt, ist aber auch an mir nicht vorbeigegangen. Gerade die Aktion #frauenzählen, an der Nicole Seifert maßgeblich beteiligt war, habe ich verfolgt, zudem lese ich seit Anfang 2018 fast ausschließlich Bücher von Menschen, die nicht cis Männer sind.

FRAUEN LITERATUR zeigte mir vor allem eindrücklich, dass sich an der Art, wie Bücher von Frauen besprochen und häufig verrissen wurden, in den letzten Jahrhunderten nichts geändert hat. Es hat sich auch nichts daran geändert, dass bei Autorinnen, im Gegensatz zu Autoren, das Aussehen anscheinend eine unglaublich wichtige Rolle spielt. Manchmal wurde ich beim Lesen richtiggehend wütend. Teilweise herrschte bei mir aber auch ein bisschen Hoffnungslosigkeit. Frauen wird es schwer gemacht, Karriere als (ernstgenommene) Schriftstellerin zu machen, weil es so wenig Frauen gibt, die als Schriftstellerinnen ernst genommen werden und bekannt wurden. Dieser Teufelskreis scheint manchmal unaufhebbar.
Nicole Seifert trägt aber auch dem „wiederentdeckt“ vom Cover Rechnung. Sie gibt einen Überblick über die letzten Jahrhunderte Literaturgeschichte, teilweise gibt es auch ältere Beispiele von Autorinnen. Und dabei geht sie immer wieder auf die Relevanz von Autorinnen ein, von denen ich bisher noch nie gehört habe – eine schöne Inspiration!
Für mich fällt FRAUEN LITERATUR damit in eine Reihe mit Büchern wie Das Patriarchat der Dinge, Periode ist politisch oder Invisible Women, die patriarchalische Strukturen und den Teufelskreis struktureller Probleme in unterschiedlichen Lebensbereichen aufzeigen

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Das Buch eröffnet eine sehr wichtige und interessante Diskussion, die heute (leider) noch relevant ist. Ich denke, dass die Leser:innen, die am meisten aus der Lektüre lernen könnten, vermutlich nicht zu dieser greifen werden. Für mich ist es eine ganz klare Empfehlung. Das Buch hat einen guten Aufbau, die Kapitel greifen ineinander und der Lesefluss wird gefördert. Ich hatte sehr viel Spaß am Lesen und Lernen und ich wurde auch auf mein eigenes Leseverhalten hingewiesen. Ich habe einiges aus der Lektüre mitgenommen, insbesondere der historische Grundriss war interessant. Zum Schluss findet sich außerdem eine riesige Quellenliste, 'Frauenliteratur' platzt nur so vor Fakten und ich kann es nur allen ans Herz legen.

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Manchmal ist es gut, wenn ein Buch einen beinahe wütend, mindestens aber empört und voller Tatendrang zurücklässt. Frauen Literatur von Nicole Seifert berichtet davon, wie sehr über Jahrhunderte hinweg die Literatur von Frauen verunglimpft wurde, nicht ernst genommen oder gar ignoriert wurde. Und beim Blick auf meine eigene Lese-Historie wird mir schmerzlich bewusst, wie viel mir wohl entgangen ist. Bissig und doch sehr fokussiert beschreibt die Autorin einen Blick in die Historie der Literatur und macht gleichzeitig nicht nur Vorschläge, wie es in Zukunft weitergeht, sie zeigt auch einige Beispiele erstklassiger Literatur von Frauen. Wir sprechen hier von einem gesellschaftlichen Problem und die Beispiele weißer Männer, die unbedingt eine (völlig unsinnige) andere Meinung haben wollen, haben mich wirklich fassungslos gemacht.

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Großartiges Buch!
Wer besser verstehen möchte welche Rolle Frauen in der Literatur spielen, oder eben leider nicht, der sollte dieses Buch lesen.
Es ist unglaublich was für eine Rolle das Geschlecht spielt und wie deutlich einem das hier vor Augen geführt wird.
Man versteht auch besser wie ein Kanon gebildet wird, warum dort mehr Männer als Frauen vorhanden sind und warum Frauen scheinbar in früheren Zeiten weniger vertreten waren.

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Ein interessantes Buch, was mich leider nicht begeistern konnte.
Bevor man das Buch liest, sollte man wissen, dass es wissenschaftlich angehaucht ist und nicht zur reinen Unterhaltung dient

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Seiferts Buch stellt genau die richtigen Fragen und fesselt so die Aufmerksamkeit des Lesers. Auf spannende Art und Weise wird dabei aufgedeckt, wie sehr Frauen schon seit jeher in der Literatur und der Literaturbranche vernachlässigt werden. Unbedingt lesen!!

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Dieses Buch sollte, meiner Meinung nach, jeder gelesen haben, der sich auch nur im entferntesten mit Büchern und dem Lesen auseinandersetzt.
Die Autorin beschreibt und belegt anhand gut recherchierter Beispiele, die Missstände, die sich auch heute noch in der Art und Weise finden lassen, in der über die Literatur von Autorinnen berichtet und diskutiert wird.
Man wird zum nachdenken und zum umdenken angeregt, bekommt viele tolle Leseempfehlungen, unter anderem von Autorinnen, von denen ich, bedauerlicherweise, nie etwas gehört habe.
Ein Buch, von dem ich mir wünsche, daß es viele Menschen lesen werden.

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Was für ein wichtiges Thema! Auf Instagram wurde "FRAUEN LITERATUR" (zu Recht!) bereits rauf und runter besprochen, sodass ich mich jetzt auch de Lektüre widmen musste. Die Autorin stellt hervorragend recherchiert die Problematik der Literaturszene früher wie noch heute dar: Es werden nämlich immer noch weitaus mehr Bücher von Männern geschrieben, veröffentlicht und besprochen. Literatur von Frauen wird als "Frauenliteratur", als "Schund", als "leichte Kost" hingestellt und scheint vielen männlichen Lesern zufolge die Lektüre nicht wert zu sein. Welche Historie hinter diesem krassen Missstand steht, das zeigt Nicole Seifert in ihrem Sachbuch wunderbar auf. Ich würde mir wünschen, dass alle männlichen Vertreter der Literaturbranche sich mit diesem Werk auseinandersetzen!

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Und ich dachte, wir wären schon viel weiter

Im letzten Jahr sind zwei Bücher erschienen, bei denen ich am Anfang dachte, dass sie sich sehr ähnlich sind. Aber nachdem ich sie gelesen habe, denke ich das nicht mehr. Es geht um diese beiden Bücher:

- Elke Heidenreich, Hier geht’s lange
- Nicole Seifert, Frauen Literatur

Bei beiden Bücher geht es um die Themen „Frauen“ und „Literatur“. Aber die beiden Autorinnen gehen die Themen sehr unterschiedlich an. Während Elke Heidenreich mehr oder weniger ihre persönliche Lese-Biografie erzählt, geht es Nicole Seifert um ein ganz anderes Thema – nämlich, dass Frauen in der Literatur immer noch abgelehnt, diffamiert und kleingehalten werden. Ihre Bücher sind keine richtige Literatur, sondern Bücher für Frauen, in denen es um keine richtig wichtigen Themen geht. Bücher von Frauen sind Mimimi, Männer aber haben etwas zu sagen.

Stimmt dies wirklich?

Ich bin 1963 geboren. D.h. für die Frauenbewegung und die Emanzipation war ich zu jung. Als ich erwachsen geworden bin, dachte ich eigentlich, dass die Frauengeneration vor mir schon richtig viel für uns erreicht hat, und ich nun bequem diese Früchte ernten kann, ohne etwas dafür zu tun. Erst jetzt geht mir so richtig auf, in welchem Ungleichgewicht die Welt ist. Die Welt wird immer noch von weißen, alten Männern regiert. Und um dagegen zu steuern, werde ich Ihnen in nächster Zeit einige Bücher zu dem Thema anbieten. Es geht nicht nur um das Thema „Feminismus“, sondern es geht auch um „Rassismus“ und das Thema der Gleichbehandlung der LGBTQIA-Community. Zu den entsprechenden Sachbüchern, werde ich Ihnen aber auch vermehrt Romane und Klassiker von Frauen vorstellen. Doch nun zu dem Buch von Nicole Seifert.

Nicole Seifert ist eine sehr ehrenvolle Aufgabe angegangen. Sie kämpft um und für die Frau in der Literatur. Warum werden die Bücher von Frauen so abgewertet. Warum zählt es nicht, was Frauen zu sagen haben? Warum erscheinen jedes Jahr viel, viel mehr Romane von Männer als von Frauen? Warum geben Männer Büchern, die von Frauen geschrieben wurden, selten eine Chance? Aber wir Frauen lesen ohne zu Murren Bücher, die von Männern geschrieben wurden. Warum bekommt eine Autorin viel mehr Angebote von Verlagen, wenn sie ihren Roman unter einem männlichen Pseudonym anbietet? Und warum denken wir immer noch in diesen Schubladen?

Die Autorin beleuchtet das Thema FrauenLiteratur unter verschiedenen Gesichtspunkten. Dies sind die einzelnen Teile des Buchs:

- Kleine persönliche Lesehistorie
- Wo ist das Problem
- Autorinnen und die Literaturgeschichte
- Von Klassikern und vom Vergessen
- Weibliches Schreiben – gibt es das überhaupt?
- Banal, kitschig, trivial – Wie Autorinnen besprochen wurden und werden
- Es zählt nur Qualität – Über ein fadenscheiniges Argument
- Und jetzt? Ein Fazit

Abgerundet wird das Buch durch einen ausführlichen Quellennachweis und eine umfangreiche Leseliste.

Nicole Seifert analysiert und seziert sehr treffend und pointiert. Das Buch ist ausgesprochen gut lesbar und sehr erhellend. Ich habe mich wirklich sehr erschrocken, dass die Zustände für schreibende Frauen heute nicht wirklich viel besser geworden sind als sie es im 19. Jahrhundert waren. Ich dachte wirklich, wir seien schon viel weiter!

Mir hat dieses Buch extrem die Augen geöffnet. Ich werde jetzt viel mehr darauf achten, dass die Autorinnen einen guten Platz im Laden und eine Stimme von mir als Buchhändlerin erhalten. Früher habe ich Emanzen belächelt. Jetzt werde ich wohl doch auf meine älteren Jahre eine Feministin. Oder eigentlich doch nicht. Ich bin und bleibe ein Mensch, der verstärkt versuchen wird aus Schubladen auszubrechen. Für mich sind alle Menschen gleich. Aber ich werde trotzdem ein verstärktes Auge auf Autorinnen egal welcher Couleur haben und auf Autor:innen aus der LGBTQIA-Community. Und ich werde mir verstärkt den prämierten Blog der Autorin „NachtundTag“ anschauen. Mal schauen, welche Perlen ich da noch in Zukunft entdecken werde.

Ich kann dieses Buch jeder Frau, die liest, egal wie alt sie ist, empfehlen. Ein wirklich wichtiges Buch!

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Wow! Ein so tolles Buch. Fast schon ein Muss für jede:n Buchhändler:innen !!!
Super toll geschrieben.

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Als ich einmal in der Oberstufe nach meinen Lieblingsbüchern bzw. -autoren gefragt wurde, konnte ich fast ausschließlich Männer bzw. Werke von Männern nennen. Die einzigen Ausnahmen waren Autorinnen von Kriminalromanen oder Kinderbüchern, bei den Klassikern kannte ich im deutschsprachigen Raum fast nur Annette von Droste-Hülshoff, im englischsprachigen Raum sah es ein wenig besser aus. Damals begann ich mich zum ersten Mal zu fragen, ob es denn wirklich nicht mehr anspruchsvolle Literatur gäbe und wenn ja, welche Werke ich lesen könnte.
Ganz ähnlich ging es Nicole Seifert, die mit FRAUEN LITERATUR nun ein ganz hervorragendes Werk zu diesem Thema geschrieben hat. Warum gibt es so wenig Literatur von Frauen? Wieso wird "Frauenliteratur" immer noch abgewertet? Und was kann gegen diese Tendenzen getan werden?
Anhand anschaulicher Beispiele gibt Nicole Seifert Antwort auf alle diese Fragen. Sie zeigt, wie Frauen seit Jahrhunderten strukturell vom Literaturbetrieb abgeschottet wurden. Wurden ihre Werke doch veröffentlicht, so kritisierten selbst die Förderer dieser Autorinnen sie.
Äußerst interessant ist auch die Beschreibung, dass sich selbst heute noch vieles nicht groß geändert hat. Noch immer erhalten Autorinnen deutlich weniger Aufmerksamkeit als ihre männlichen Kollegen und müssen sich viel stärkere Kritik gefallen lassen. Ich möchte sogar behaupten, dass viele als große Literatur gefeierte Texte auch heute noch niemals veröffentlicht worden wären, hätte sie eine Frau geschrieben.
FRAUEN LITERATUR ist ein sehr lesenswertes Buch, das ich nur jedem ans Herzen legen kann. auch wenn ich nicht so radikal bin wie Nicole Seifert und nur noch Bücher von Autorinnen lese, so versuche ich doch, meinen Fokus auf mehr weibliche Literatur zu legen - aus dem ganz einfachen Grund, dass mich diese oft viel mehr ansprecht als männliche Literatur.

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Das Buch hat mir viele Denkanstöße gegeben. Vor allem die Darlegung, wie Literatur von Frauen oftmals als irrelevant oder langweilig abgetan wurde und wird, weil sie die Lebensrealität von Frauen darstellt. Neben einer langen Literaturliste, nehme ich aus diesem Buch mit, dass es nicht die eine "richtige" oder "wichtige" Perspektive oder Art der Erzählung geben kann und dass unser Lesen und die Leseempfehlungen nach wie vor von (weißen) männlichen Standpunkten geprägt sind. Ein Kritischer Blick auf Literaturlisten lohnt!

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Der Begriff "Frauenliteratur" wird oft mit den Adjektiven "trivial, kitschig, banal" verbunden. Doch warum gibt es diese Abwertung rein für Literatur von Frauen? Und nur, weil es leichter gehaltenere Romane auf dem Buchmarkt gibt, bedeuted das noch lange nicht, dass jedes schriftstellerische Werk von weiblichen Autorinnen diesselben inhaltlichen und stilistischen Muster bedient. Trotzdem passiert es viel zu häufig, dass sie automatisch abgewertet werden. Nicole Seifert setzt sich mit den frauenfeindlichen Strukturen in der Literaturbranche auseinander, bezieht sich dabei auf wichtige feministische Stellvertreterinnen damals wie heute und zeigt auf, weshalb es viel mehr weibliche Autorinnen im Kanon der Weltliteratur geben sollte.

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Klar und prägnant legt Seifert erschreckende Tatsachen dar. Sie erläutert welche historisch gewachsenen Strukturen Autor*innen bis heute benachteiligen. Ich meine, vor 100 Jahren, ja, aber heute noch!? Beim Lesen wechselten meine Gefühle zwischen Unglaube und Wut hin und her.
Nicole Seifert schreibt dabei unglaublich fesselnd. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen und konnte das Buch kaum zur Seite legen. Das passiert mir bei Sachbüchern wirklich eher selten, egal wie interessant das Thema ist.

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Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Das war dieses Jahr ein guter Grund zur Feier des Tages dieses Buch zu lesen: „Frauenliteratur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“ von Nicole Seifert. Ein kluges und feministisches Buch. Ich empfehle es allen Menschen, die gerne lesen. Es ist Augen öffnend!

Das Sachbuch der promovierten Literaturwissenschaftlerin und Bloggerin Nicole Seifert ist zurecht schon viel gelobt und besprochen worden. Die literarische Übersetzerin und ehemalige Lektorin analysiert jeden Winkel des Literaturbetriebs. Das macht große Freude.

Was soll Frauenliteratur eigentlich sein? Literatur von Frauen? Literatur für Frauen? Literatur von Frauen für Frauen? Das alles? Soll es ein Genre sein? Und ist es möglich die Vielfalt weiblicher Stimmen, Lebenswelten und Perspektiven mit einem Wort zu generalisieren? Selbstverständlich nicht!

Nicole Seifert entlarvt in ihrem Sachbuch misogyne Haltungen und Strukturen im Literaturbetrieb und zeigt, dass sich das System erst entwickelt, wenn sich an vielen Teilen des Ganzen etwas ändert und alles in Bewegung kommt. Von den Verlagsprogrammen über die Literaturkritik, Preisverleihungen und Literatur-Förderung genauso wie der Einkauf im Buchhandel bis zur Lektürewahl der Leser:innen – hier gilt es überall Gleichberechtigung zu leben. Seifert zeigt auf, dass dies leider noch nicht der Fall ist. Wir haben noch einiges vor uns.

Zu Beginn führt die Autorin mit ihrer persönlichen Geschichte als Leserin ein, die wie für die Aufgabe der Kanon-Revision geschaffen ist. Sie erzählt, wie sich ihr eigenes Leseverhalten langsam änderte. Vom Vater übernahm sie die Gewohnheit eine Lektüreliste zu führen. Um Klassiker von Männern zu lesen, konnte sie sich jederzeit am Bücherregal ihres Vaters bedienen. Um aber auch weibliche Stimmen zu lesen, musste sie sich die Bücher von Autorinnen selbst kaufen. Denn im Regal des Vaters dominierte die männliche Perspektive auf die Welt. Als sie nach ihrem Literatur-Studium ihr eigenes Leseverhalten reflektierte, fiel ihr auf, dass ebenfalls unverhältnismäßig wenig Autor:innen auf den Lektürelisten der Seminare standen. Das brachte alles ins Rollen. Seitdem engagiert sie sich für einen diversen Literaturbetrieb, so lancierte den Hashtag #frauenzählen, publiziert zum Thema, führt das Blog nachtundtag.blog, für das sie Bücher von Frauen bespricht.
Viele Fragen, kompetente Antworten

Warum ist der Kanon bis heute männlich dominiert? Wie kann er weiterentwickelt werden? Wie drückt sich bis heute Misogynie in der Literaturkritik aus? Warum werden bis heute mehr Bücher von Autoren verkauft? Wie kann der Literaturbetrieb diverser werden? Welche strukturellen Bedingungen müssen sich ändern, um Autor:innen in der Literatur mehr Sichtbarkeit zu ermöglichen? Welche Themen und Motive greifen Frauen in ihren Werken auf? Wo kann ich als Leser:in anfangen? Welche Autor:innen sollte ich lesen?

Neugierig geworden? Seifert wirft viele Fragen auf und beantwortet sie in ihrem Sachbuch versiert. Ihre Analyse liest sich eingängig und ist bei aller Professionalität auch für Nicht-Germanist:innen eine unterhaltsame Lektüre. Das Buch hat mich inspiriert als Leserin all die Lektüren und Perspektiven nachzuholen. Schön, dass ein vermeintlich literaturwissenschaftliches Thema ein breites Publikum gefunden hat. Das braucht es, um etwas zu verändern.

Danke an den KiWi-Verlag und netgalley.de für das digitale Rezensions-Exemplar. Das Buch werde ich mir für mein Bücherregal kaufen, um darin nachzuschlagen, es weiterzuempfehlen und vor allem es häufig zu verleihen.

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Als ich angefangen habe dieses Buch zu lesen wusste ich weder ganz genau was micht erwartet noch ob es mir gefallen würde. Jetzt bin ich total begeistert!

Die Autorin schreibt auf angenehme Weise über ihr Thema, sodass man nicht das gefühl hat irgendwie trockene Analysen vorgesetzt zu bekommen. Ich habe aus diesem Buch sehr viel lernen können und das hat meine Art zu lesen auch ein bisschen verändert.

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Ein wichtiges Buch

"Bezeichnend ist, dass es das Äquivalent 'Männerliteratur' gar nicht gibt. Wobei: Entsprechende Literatur gibt es wohl, aber nicht den Begriff. Als Gegenstück zu 'Frauenliteratur' gilt ganz einfach 'Literatur'. Heißt das, was Frauen schreiben, fällt automatisch aus dem Bereich Literatur heraus?"

Was ist eigentlich Frauenliteratur? Wieso gibt es so viel mehr Autoren als Autorinnen? Wieso werden renommierte Buchpreise immer noch deutlich häufiger an Männer verliehen, wieso sind meist mehr Männer nominiert? Wieso haben wir alle in der Schule überwiegend Literatur von Männern gelesen? All diesen Fragen geht Nicole Seifert in ihrem Buch nach. Sie zeigt auf, wieviel strukturelle Misogynie im Buchbetrieb steckt. Ein augenöffnendes, wichtiges, lautes Buch. Ich möchte dieses Buch allen empfehlen, Männern wie Frauen, Deutschlehrern wie Deutschlehrerinnen. Lasst uns Frauen lesen!

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Wie viele Bücher von Autorinnen haben Sie denn so in der Schule gelesen, wenn es Richtung Abschluss und der ‘großen Literatur’ geht? Bei mir waren es peinlich wenige und mir ist es erst Jahre später aufgefallen! Woran liegt das, wie können wir das ändern und was für großartige Autorinnen müssen wir noch dringend nachholen? Auf all diese Fragen und noch viele mehr, versucht dieses Buch Ideen und Erklärungen zu liefern und es ist wunderbar. Es macht wütend und sauer, aber auch unglaublich viel Lust auf Literatur und zwar von ALLEN!

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Dieses Buch habe ich nicht in einem Rutsch durchgelesen, sondern mir wirklich viel Zeit genommen. Ich fand es unheimlich interessant, und es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Außerdem führt die Autorin immer wieder Literaturbeispiele an, die ich dann gegoogelt und auf meine Merkliste gesetzt habe, wenn ich sie noch nicht gelesen habe.

Ich muss zugeben, dass mir absolut bewusst war, dass Frauenliteratur früher niemals so viel Zuspruch bekommen hat wie die von Männern. Dass es früher zeitweise nicht mal geduldet wurde, dass Frauen schrieben. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich ganz naiv gedacht, dass das heutzutage anders ist und war erschrocken, dass ich mich so geirrt habe.

Nicole Seifert kann z.B. belegen, dass Bücher besser bewertet werden, wenn vorher nicht klar ist, dass eine Frau sie geschrieben hat. Es ist wirklich krass, dass es auch heute immer noch nicht so ist, dass männliche und weibliche Autoren gleichgestellt sind.

Ich habe mal überlegt, ob ich eher Bücher von Männern oder von Frauen lese, muss aber zugeben, dass ich da meistens gar nicht drauf achte. Ich wähle Bücher oft nach Cover und Klappentext aus, oder weil ich eine Rezension darüber gelesen habe, die mich angesprochen hat. Auf den Autor:innen Namen achte ich dabei nicht.

In der Social Media Blase, in der ich mich meistens rumtreibe, sind mehr Autorinnen zu finden. Aber ich glaube, dass das Zufall ist. Oder haben wir Autorinnen es "nötiger", Werbung für uns selbst zu machen? Ihr seht, ich bin wirklich ins Grübeln gekommen.

Auf jeden Fall finde ich dieses Sachbuch wirklich sehr interessant und werde nun mein eigenes Leseverhalten ein wenig mehr beobachten. Bzw. habe ich nun eine Liste mit Autorinnen, die ich unbedingt lesen möchte.

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