Dunkelblum

Roman

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Erscheinungstermin 19.08.2021 | Archivierungsdatum 01.02.2022

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Zum Inhalt

Jeder schweigt von etwas anderem.

Auf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade der österreichischen Gemeinde verbirgt sich die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Ihr Wissen um das Ereignis verbindet die älteren Dunkelblumer seit Jahrzehnten – genauso wie ihr Schweigen über Tat und Täter. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, während hinter der nahegelegenen Grenze zu Ungarn bereits Hunderte DDR-Flüchtlinge warten, trifft ein rätselhafter Besucher in der Stadt ein. Da geraten die Dinge plötzlich in Bewegung: Auf einer Wiese am Stadtrand wird ein Skelett ausgegraben und eine junge Frau verschwindet. Wie in einem Spuk tauchen Spuren des alten Verbrechens auf – und konfrontieren die Dunkelblumer mit einer Vergangenheit, die sie längst für erledigt hielten. In ihrem neuen Roman entwirft Eva Menasse ein großes Geschichtspanorama am Beispiel einer kleinen Stadt, die immer wieder zum Schauplatz der Weltpolitik wird, und erzählt vom Umgang der Bewohner mit einer historischen Schuld. »Dunkelblum« ist ein schaurig-komisches Epos über die Wunden in der Landschaft und den Seelen der Menschen, die, anders als die Erinnerung, nicht vergehen.

»Die ganze Wahrheit wird, wie der Name schon sagt, von allen Beteiligten gemeinsam gewusst. Deshalb kriegt man sie nachher nie mehr richtig zusammen. Denn von jenen, die ein Stück von ihr besessen haben, sind dann immer gleich ein paar schon tot. Oder sie lügen, oder sie haben ein schlechtes Gedächtnis.«

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Jeder schweigt von etwas anderem.

Auf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade der österreichischen Gemeinde verbirgt sich die Geschichte eines...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783462047905
PREIS 25,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Aufgrund der Menge an Protagonisten und vielen, springenden Zeitebenen ein sehr komplexer Roman, der konzentriert gelesen werden will.
Ein fiktives österreichisches Dorf im Burgenland Nähe der Grenze zu Ungarn 1989. An der Grenze spitzt sich die Situation zu. DDR-Bürger versuchen die Ausreise.
In Dunkelblum kommt aber auch das Interesse an der Geschichte des Dorfes und was in den letzten Kriegstagen 1945 dort geschah, hoch, als junge Leuten einen jüdischen Friedhof restaurieren wollen.

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Ortschronik

Die Schriftstellerin Eva Menasse hat den Roman „Dunkelblum“ kunstvoll gestaltet.
Dunkelblum ist eine österreichische Kleinstadt im Grenzgebiet. Die Einwohner werden über 60 Jahre lang begleitet.Zur Nazuzeit waren viele Personen aktiv und auch danach verstanden die Schlimmsten es sich zu verstellen und waren wieder obenauf. Aber es gibt auch andere.
Aufgedeckt wird einiges, weil einer ein Ahnenforschung betreibt und weil sein Name oft vorkommt, kommt er auf die Idee eine Ortschronik zu schreiben.

Die Autorin schwingt ziemlich oft hin und her. Die Personen wechseln etwas viel, so das man mit den einzelnen Figuren nicht immer warm wird. Trotzdem ist es ein interessanter Roman, mit vielschichtigen Handlungen. Die Autorin verwebt menschliche und politische Katastrophen. Sie brilliert mit großer Erzählkunst. So ist gute Literatur.

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Als ich das Cover und den neuen Titel von Eva Menasse sah, dachte ich sofort an ihre hintergründige Schreibweise. Und diese Erwartung hat sich erfüllt. Als LeserIn erfährt man viele Details aus der Geschichte des Ortes DUNKELBLUM. Immer wieder stellt Eva Menasse neue Bewohner oder Zugereiste vor- und so bleibt es interessant. Vor allem die österreichischen Eigenheiten und Weltsichten werden gekonnt und ironisch dargestellt. Ein guter Text der seine Leser:innen fordert und der eine schöne Sprödigkeit besitzt.

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Zwischen Vergangenheit und Gegenwart gibt es eine Menge Lügen

Die Autorin Eva Menasse entführt uns in eine fiktive Kleinstadt Burgenlands, wo wir auf die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens treffen. Doch das Wissen darum wird versteckt und verbindet die Dunkelblumer seit Jahrzehnten. Ein Meer aus Lügen und Verschleierungen wird so zur Wahrheit und das Schweigen allgegenwärtig.

Im Sommer 1989 kommt ein rätselhafter Gast nach Dunkelblum, der ob seiner Eigenheiten erst belächelt, später misstrauisch beäugt wird. Mysteriöse Todesfälle und das Verschwinden der jungen Flocke sorgen ebenfalls für Aufregung. Besteht hier eine Verbindung zu den Verbrechen der Vergangenheit? Und warum wird plötzlich der Jüdische Friedhof erst restauriert, später beschmiert? Was soll in Dunkelblum unter den Teppich gekehrt werden. Man beginnt zu ahnen was die Rätsel der Vergangenheit mit der Gegenwart gemein haben …

Zur gleichen Zeit warten hinter dem Eisernen Vorhang hunderte DDR-Flüchtlinge auf die Chance, ein Leben in Freiheit führen zu können. Doch auch hier wird die Solidarität und Toleranz der Dunkelblumer auf eine harte Probe gestellt und kommen die Menschen sehr schnell an ihre eigenen Grenzen.

Die Autorin Eva Menasse hat einen sehr komplexen Roman über das Schweigen und die Lügen in einer Kleinstadt komponiert. Das jahrzehntelange Vertuschen der Nazi-Verbrechen, die das Leben und auch den Tod überdauern, zeigt mit welcher Raffinesse sich viele der Verantwortung entziehen konnten. Aber es gibt eben auch diejenigen, die zu den Verlierern gehörten und ihr ganzes Leben damit zu kämpfen haben.

Eva Menasse glänzt mit ihrem Schreibstil, der die Seiten nur so verfliegen lässt. Zwischendurch etwas Ironie gibt dem Text – trotz der Ernsthaftigkeit – etwas Begreifliches.

Etwas irritierend waren für mich die unzähligen Charaktere, die auf- und dann wieder abtauchen. Ebenso springt man zwischen Vergangenheit und Gegenwart ziemlich oft hin und her, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht.

Kein Buch, das man schnell mal nebenbei lesen kann. Es erfordert ziemlich viel Konzentration, aber das hat sich die Autorin auch redlich verdient. 5 Sterne

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Atmosphärisch stark und Landschaft und Milieu gut dargestellt,aber zum Ende hin mäandert es so aus und sie findet keinen überzeugenden Schluss. Es kam mir so vor,als hätte sie mit Schwung und einer guten Idee angefangen und dann die Lust am Schreiben verloren. Die Figur des zurückgekehrten Sohnes bleibt blass,viele Nebenfiguren sind nur grob skizziert. Habe die 1.Hälfte gerne gelesen,dann hat die Autorin mich verloren.

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Klapptext: Jeder schweigt von etwas anderem. Auf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade der österreichischen Gemeinde verbirgt sich die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Ihr Wissen um das Ereignis verbindet die älteren Dunkelblumer seit Jahrzehnten. Genauso wie ihr Schweigen über Tat und Täter. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, während hinter der nahegelegenen Grenze zu Ungarn bereits Hunderte DDR-Flüchtlinge warten, trifft ein rätselhafter Besucher in der Stadt ein.
Fazit: Die Geschichte wird zwischen Vergangenheit und der Gegenwart erzählt. Dadurch ist es nicht einfach die Geschichte zu Lesen. Als eine komische Type auftaucht wird er misstrauisch angeschaut. Todesfälle und das Verschwinden von Flocke sorgen für Aufregung. Was wird hier versucht? Es wird hier komplex über jahrelanges Schweigen und Leugnen berichtet. Das Vertuschen der Nazi-Verbrechen überdauert das Leben und den Tod. Das Buch muss sehr konzentriert und aufmerksam gelesen werden. Empfehlenswert.

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Nein, nach den Römern kamen nicht gleich die Russen nach Dunkelblum, einer fiktiven Kleinstadt im Burgenland an der Grenze zu Ungarn, sondern dazwischen lag auch noch im letzten Jahrhundert eine besonders schlimme Zeit, die die meisten Dunkelblumer am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen würden, besonders natürlich ihren eigenen, persönlichen Anteil dran!

Und so fügt sich für den Leser - wie in einem großen Puzzle - ein Teilchen an das andere: dies erfährt er von dem einen und jenes von einem anderen Mitbürger, und alles zusammen so ganz ‚nebenbei‘!

Bei der Masse an Personen war es nicht ganz einfach, die Übersicht zu behalten, noch dazu durch die Zeitsprünge, aber meine Notizen halfen mir dabei gewaltig! Sehr hilfreich waren außerdem ‚Der Ortsplan mit Figurenverzeichnis‘ und das ‚Glossar der Austriazismen‘! (Dadurch, dass unsere Tochter seit Jahren im Burgenland wohnt, waren mir wohl die meisten Begriffe bekannt, ‚Holzpyjama‘ jedoch nicht *gg*.)

Die Charaktere sind hervorragend scharf gezeichnet und die Sprache war ein großes Vergnügen für mich! Viele Sätze fand ich merkenswert, z.B. ‚"Und seit sie sogar einen Baumarkt hatten, standen dessen elektrische Glasschiebetüren allen Geschmacksdelikten offen, samstags sogar bis siebzehn Uhr' oder ‚‘Zigaretten wurden benutzt wie winzige weiße Fahnen.‘ Ich las dabei auch immer das humorvolle Augenzwinkern der Autorin heraus. Die Erklärungen der dicken Kinder als Statussymbol in der Nachkriegszeit oder der Wahrheit stecken voller Lebensweisheit und sind einfach nur spitzenmäßig! Und bei Szenen wie z.B. der, von den 4 Dutzend Menschen auf dem Wellenbrecher, stellten sich mir vor Grauen meine Nackenhaare auf. Ein Cocktail voller Emotionen ist einem bei dieser Lektüre garantiert!

Auch wenn das Lesen des Buches mit 528 Seiten, vielen Protagonisten und verschiedenen Zeitebenen eine Herausforderung bedeutet, spreche ich wärmstens meine Leseempfehlung aus! Fünf Sterne von fünf vergebe ich deshalb auch aus vollster Überzeugung!

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Die gebürtige Wiener, und Wahlberlinerin, Eva Menasse begann ihre Karriere als Journalistin, bis sie im Jahr 2000 ihren ersten Roman veröffentlichte und seither viele Preise für ihre Arbeiten erhalten hat. Mir, als Wiener Original, ist Frau Menasse natürlich ein Begriff und ich freue mich umso mehr, dass ich „Dunkelblum“ in die Finger bekommen haben. Denn eines ist klar: Eva Menasse weiß genau, was sie tut – und das auch noch richtig gut.

Dunkelblum, das ist ein kleiner Ort in Grenznähe, der viele Geheimnisse birgt. Benannt nach dem Grafengeschlecht Dunkelblum, die einst dort lebten, den Ort allerdings längst verlassen haben, sind hier viele Dinge geschehen. Die Alten wissen ganz genau Bescheid, doch wird hier systematisch geschwiegen. Erst als bei Recherchen für die Wasserversorgung ein Skelett ausgegraben wird und kurze Zeit später eine junge Frau verschwindet, lichtet sich allmählich der Schleier, der großzügig über der Vergangenheit ausgebreitet lag.

Ich möchte gar nicht zu viel verraten, deshalb ist das auch schon meine komplette Zusammenfassung des Romans gewesen, aber ich war absolut begeistert. Die Geschichte spielt über einen längeren Zeitraum, man erfährt was vor, während und nach dem Krieg passiert ist und bekommt dadurch einen Einblick in die kleine Gemeinde und ihrer Bewohner. In Dunkelblum werden ländliche Klischees absolut bedient, aber nicht abgedroschen oder gar ins Lächerliche gezogen. Wie in jedem kleinen (oder auch größeren) Ort gibt es auch hier diese gängigen Typen: die Alteingesessenen, die jeden kennen, alles wissen, aber ja nichts verraten. Es gibt die dorfeigene Säuferin, die Dorfschönheit, den Deppen, die Reichen, den Revolutionär und die übriggebliebenen Gestrigen (Nazis, Realitätsverweigerer….) und die, die trotz ihrer fragwürdigen Vergangenheit immer noch hohe Ämter besetzen.

Der Schreibstil von Eva Menasse hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist sehr aufgefächert, man muss sich beim Lesen wirklich konzentrieren und komplett auf das Buch einlassen (vor allem wegen der vielen Zeit- und Personenwechsel). Eva Menasse schafft es auch den größtenteils ernsten Themen einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken – einen etwas boshaften manchmal, aber dennoch sind die Worte immer perfekt gewählt und wahr, und verlieren nie ihre Wichtigkeit und Dramatik. Die Geschichte ist stark und anspruchsvoll und lässt die Gehirnzellen nur so rattern. Die Sprache ist malerisch und poetisch und hat etwas Mystisches. Ganz oft kommt auch der österreichische Dialekt vor, das hat mir besonders gut gefallen, weil UNSERE Sprache ja leider schon am Aussterben ist.

Großartig und empfehlenswert, auch wenn diese starke Geschichte gegen Ende hin ein wenig abflacht. Ich kann „Dunkelblum“ nur empfehlen.

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Eine satirische, unterhaltsame Farce hat sie geschrieben, die Eva Menasse, die 1989 an der österreichisch-Ungarischen Grenze spielt und die Grenzöffnungen parallel zu einem Leichenfund und der Suche nach einem Massengrab vom Ende des zweiten Weltkriegs in Szene setzt.

„Es ist, als ob die Landschaft, die hier erst noch wie eine saftiggrün bestickte Samtborte aufgeschoppt und gekräuselt wurde, bevor sie abstürzt ins Flache, Gelbe und Endlose, sich grundsätzlich verwahrt gegen das Durchschautwerden. Und als ob das auch ihre Einwohner beträfe, die sich ähnlich disparat verhalten..“

Hier treffen Geschichten von Nazis und Russen und den sturen Österreichern, die den Mund nicht aufmachen, aufeinander. Eine Gruppe Studenten richtet den verkommenen jüdischen Friedhof wieder her, während der mysteriöse Knochenjäger aus Amerika sich als Jude aus Dunkelblum entpuppt, der damals nur knapp den Gefangenentransport überlebte und nun versucht, seine Retterinnen zu finden.
Die alten Nazigeschichten verquicken sich mit lokalen Streitigkeiten um die Wasserwirtschaft, der Flüchtlingshilfe und den Nachforschungen einer Dokumentarfilmerin zu einem unglaublich schrägen Filz, in einem Ort, in dem jeder jeden kennt. Mit etwas Geduld und einem Text, den die Autorin mit wunderbaren mundartlichen Worte wie „Zniachterl“,“Grammeln“ oder „Pogatschen“ verziert, gelingt es schließlich, die Zusammenhänge zu entwirren.

Auf unnachahmlich eloquent-ironische Art wird die unverbesserliche Borniertheit, Fremdenfeindlichkeit und der Antisemitismus vorgeführt, die sich bis heute auf dem Land halten und der mangelhafte Umgang mit Verbrechen und Schuld verunsichert die geneigten Leser*innen, ob sie den hemdsärmeligen bäuerlichen Konservatismus witzig oder gruselig finden sollen. Vielschichtig und mit zahlreichen politischen Seitenhieben sowie reichlich Lokalkolorit wird dieser Roman zu einem unterhaltsamen Leseerlebnis, das nachdenklich stimmt.

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Das Erste, was im Krieg auf der Strecke bleibt, ist die Wahrheit (Samuel Johnson)

Dunkelblum ist auf den ersten Blick ein kleines Städtchen in Österreich wie jedes andere. Aber im Verlauf der Jahre wird es immer wieder zum Dreh- & Angelpunkt von geschichtlichen Ereignissen. So auch im Spätsommer 1989, als die Zeichen wieder einmal auf Veränderung stehen und die DDR-Flüchtlinge in der Botschaft von Ungarn auf ihre Ausreise warten. Mit dem ersten Schritt eines Unbekannten nach Dunkelbum hinein verändert sich der Lauf der Dinge und die Wahrheit lässt sich nicht mehr im Zaum halten...



Wow, was für ein Roman ! Ein absolutes Highlight, auf das man sich mit Haut und Haaren einlassen muss, um hier die (sprachlichen) Feinheiten zu verstehen, die Eva Menasse in ihrem Roman mit wahrem Hintergrund einarbeitet.

Angelehnt an die Stilelemente eines Heimatromans, zeichnet sie hier aber ein ganz anderes Bild von Dunkelbum und setzt sogar leicht satirische Komponente (z. Bsp: Homo dunkelbumensis) ein, um den Umgang mit der schrecklichen Wahrheit in der Dorfgeschichte ihren Lesern näher zu bringen. Ein jeder dreht sich die Fakten gerade so, wie es ihm oder ihr in den Kram passt. Diejenigen, die sich erinnern könnten, schweigen beharrlich oder lassen nur Bruchstücke an Informationen zu. Und dann gibt es auch noch solche, die genau Bescheid wissen und schweigen, weil sie die verqueren Gedanken des braunen Sumpfes gutheißen und den Holocaust leugnen.

Der Roman hat zwar als einzigen Schauplatz den fiktiven Ort Dunkelblum, aber durch die Fülle der Einzelheiten und dem dargestellten Ablauf vieler gleichzeitiger Ereignisse herrscht immer ein wuseliges Treiben. Manchmal könnte man fast meinen, dass zu viele Charaktere das Stadtbild bevölkern, aber erst die Summe der Figuren macht hier ein Zusammenspiel von Gut und Böse, Wahrheit und Lüge möglich.

Es bleibt dem Leser überlassen, ob er der aufgesetzten Maskerade des heimeligen Städtchens oder der Realität glauben schenkt, denn Eva Menasse zeigt immer nur kleine Ausschnitte aus der dunklen Vergangenheit, ohne auf Spekulationen oder vage Andeutungen einzugehen. Aus Respekt und Ehrfurcht vor den Toten, aber auch, weil bis heute keine hieb- & stichfesten Beweise vorliegen, was sich damals wirklich in den letzten Kriegstagen ereignet hat.

Ein Roman, der sprachlich, stilistisch als auch dramaturgisch eine echte Glanzleistung ist und für den anspruchsvollen Leser beste Unterhaltung bietet

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"Dunkelblum" der österreichischen Autorin Eva Menasse spielt im Jahr 1989 in einem kleinen Dorf des selben Namens an der ungarischen Grenze. Ein Dorf in dem seit Jahrzehnten Geheimnisse und schreckliche Geschehnisse aus der Vergangenheit unter der Oberfläche lauern und von der Dorfgemeinde erfolgreich systematisch unter den Teppich gekehrt werden. Doch in diesem Jahr - indem auch schon hunderte Flüchtlinge hinter der ungarischen Grenze warten und der nächste große Umbruch vor der Tür steht - treffen gleich einige Menschen in Dunkelblum ein, die an diesem Status Quo rütteln: einige Studenten restaurieren den alten jüdischen Friedhof. Ein unbekannter Fremder quartiert sich im Hotel der Stadt ein und stellt Fragen. Ein junger Mann kehrt in sein Heimatdorf zurück nachdem seine Mutter völlig überraschend im Schlaf verstorben ist. Ein dort heimiger Reisebürobesitzer möchte ein Museum über die Geschichte Dunkelblums eröffnen und auch die jüngste Tochter einer alteingesessenen Winzerfamilie gräbt in der Dorfgeschichte. Und dann wird auch noch ein Toter auf einer Wiese ausgegraben...

Der Roman spielt in mehreren Zeitebenen, teils in der Vergangenheit während des 2. Weltkriegs, teils in der Nachkriegszeit und teils in der Gegenwart von 1989. In verschiedenen Zeitebenen lernt man aktuelle und frühere Einwohner von Dunkelblum kennen, ihre Geschichte, ihre Haltungen, ihre Verdrängungsmechnismen, ihre Rechtfertigungen und ihre Gewissensbisse...erzählt wird die Geschichte dabei in einer lebendingen Sprache voller Lokalkolorit (mein Lieblingswort, das ich neu gelernt habe ist "Holzpyjama" für einen Sarg ;-) ) und trotz des sehr ernsten Themas ist auch Ironie und ein feinsinniger böser Humor in der Geschichte immer spürbar, was das Lesevergnügen für mich noch mehr erhöhte, auch wenn einem bei den schlimmsten Ereignissen das Schmunzeln dann schnell im Hals stecken bleibt.

Für mich ein außergewöhnlicher Roman, der sicher nicht die aller leichteste Lektüre ist, mir aber sehr viele anregende Stunden verschafft hat.

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Wie geht ein Dorf über Generationen hinweg mit seiner Vergangenheit um? Wie leben glühende Nazis nach dem Krieg in d er Gesellschaft weiter, wie verhalten sie die anderen? Warum brannte das Schloss des Dorfes?
Melasse zeichnet scharf ihre Charaktere. Die Sprache ist unterhaltsam und authentisch gepickt mit österreichischen Ausdrücken. Nach und nach setzt sich dann das Puzzle zusammen und man erhält einen Überblick über das Dorf, seine Menschen und wie Zeitgeschichte auf die einzelnen Leben und Schicksale wirkt.

Ein hervorragendes Buch, absolut lesenswert!

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Zugegeben, ich hatte bei dem Cover und der Kurzbeschreibung ein anderes Buch erwartet, aber es war trotzdem ein ganz besonderes und unterhaltsames Leseerlebnis. Was ich bei diesem Buch besonders finde, ist auf jeden Fall der Erzählstil von Eva Menasse. Sie hat mit ihrer Sprache Leben und Farbe in die Bewohner vom kleinen verstaubten Dorf Dunkelblum und deren Geschichte gebracht.
In diesem Dorf an der Grenze scheinen Dinge parallel abzulaufen, aber ohne dass Dinge wirklich verarbeitet werden. Es ist ein Ort, wo die Vergangenheit immer noch in der Gegenwart schlummert und die Zukunft noch keinen Platz in der Gegenwart gefunden hat. Von der Grafschaft über die Nazivergangenheit bis hin zur aktuellen Vergangenheitsbewältigung kommt hier alles vor, ohne dass dabei die Dorfbewohner verschont werden. Jeder Charakter hat seine eigene Last zu tragen und jeder bekommt Platz um seine eigene Geschichte zu erzählen, sei es der Bürgermeister wider Willen, die Frauen, die unglaublich stark waren, der Doktor und sein Handlanger, und und und. Das Buch kam mir nicht lang vor und es war unglaublich unterhaltsam durch jeden Kapitel zu gehen, wo man auch unerwartete Seitenhiebe kassiert. Das Dorf und diese Geschichte sind keinesfalls so harmlos wie man es am Anfang vermutet hätte.

"Mit ein bisschen Anstrengung könnte man aus denselben oder anderen Zutaten eine andere Geschichte erzählen. Wenn es gar nicht um die Wahrheit ging, sondern nur um die Machart?"

Insgesamt hat mir das Buch gefallen und ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen. Zwischen den Charakteren und Szenen gab es auch überraschend tiefgründige Passagen sowie spannende Auseinandersetzungen, die mich immer auf Trab gehalten haben. Auch wenn die Grundstimmung sehr düster ist, sieht man hier und da Hoffnungsschimmer, sodass es nicht zu depressiv wird. Das Buch landet irgendwo zwischen 4 und 5 Sternen.

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Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie alle gelesen habe, doch soweit ich es überblicken kann: Dunkelblum ist Eva Menasses bisher bester Roman. Alles andere war entweder grundsolide oder von einer starken Idee getragen, aber mit deutlichen Schwächen. Dunkelblum ist nicht nur der beste Roman der Autorin, sondern auch einer der besten, wenn nicht sogar der beste mir bekannte der „neuen Dorfromane“, Vielleicht gemeinsam mit Stanišićs „Vor dem Fest“ (nicht gemeint sind bzw. betrachtet werden hier ältere Dorfromane wie etwa Gstreins „Einer“ oder Kurzecks Kein Frühling).

Über diese neue Dörflichkeit habe ich schon an verschiedenen Stellen geschrieben. Sie drängt sich auf, weil im Dorf-Kosmos sich konzentriert und weniger abstrakt über gesellschaftliche Entwicklungen schreiben lässt. Und sie krankt oft daran, dass sich oft eindeutig Städter ihre Dörfer zurechtbauen, wie sie sie gerade brauchen, die Figuren entsprechend platte Talking Heads für eigentlich nationale, tendenziell noch immer aus der Perspektive der Großstadt betrachtete Debatten sind, und die AutorInnen wiederum versuchen das aufzufangen, indem sie eine Stadt-Person, die aufs Land zieht, als Vermittler einbauen.

Dörflichkeit bis in die Sprache

Menasses Dunkelblum hat diese Probleme nicht. Damit möchte ich nicht beurteilen, ob dieses Dorf „realistisch“ ist. Nicht Realismus, sondern Plausibilität, eine innere Geschlossenheit, ist der Imperativ des Kunstwerks. Und Dunkelblum ist plausibel, ist glaubhaft. Besonders auch: Sprachlich, formal und atmosphärisch. Ja, auch diese Geschichte um die Aufdeckung eines möglichen späten Mordes an Kriegsgefangenen des 2. Weltkriegs in einer Ortschaft nahe der ungarischen Grenze, hat ihre Stadt-Rückkehrer. Doch diese sind zwei, drei von vielen gleichberechtigten Figuren, zwischen denen Kapitel für Kapitel die Perspektive pendelt. Während sich das mögliche Kriegsverbrechen sowie vielleicht auch spätere Machenschaften, dieses zu vertuschen, erst ganz langsam ins Zentrum des Romans drängen und im Hintergrund eine Nebenhandlung um Flüchtlinge schwebt, die 1989 darauf warten die ungarische Grenze zu übertreten, betrachten wir die Entwicklungen durch die Augen von halb Dunkelblum. Die Hotelbesitzerin, die sich hochgearbeitet hat, die Metzgerin, ein geschickter Landwirt, der im Zusammenhang mit dem Wasserverein politische Manöver gegen den Bürgermeister fährt. Immer wieder Hocka, eine zwielichtige Gestalt, die einst überzeugt mit den Nazis mittat, sich trickreich eine weiße Weste verpasste und dann unter der Sowjetbesatzung zum Bürgermeister aufstieg, bis er seine letzten Jahre als Unruhestifter und wohl auch wieder Ganove fristet. Gellert, ein ehemaliger Dunkelblumer, der jetzt im ganzen Land ähnliche Verbrechen aufzuklären sucht, wie sie mutmaßlich auch in Dunkelblum geschehen sind. Und viele mehr.

Dabei bedient sich der Roman eines Deutsch, das je nachdem, welche Figur gerade im Fokus steht, in überzeugender Weise von mehr oder weniger regionaler Kolorierung durchzogen ist und in wörtlicher Rede oder Gedankenwiedergabe auch schon einmal in tiefen Dialekt verfallen kann.

Mit all dem Lob möchte ich nicht sagen, dass Dunkelblum eine Lektüre ist, die es der Leserschaft unbedingt leicht macht. Es dauert, bis man so halbwegs drin ist, und dem Text wohnt insgesamt eine gewisse Sperrigkeit inne. Man könnte ihn rustikal nennen, etwas wettergegerbt, eben auch in der Form überzeugend dörflich (das sage ich als Dörfler aus einem sicherlich etwas stärker urban angebundenen Dorf). Ob Menasse die entsprechende Lebenserfahrung gemacht, einfach gut recherchiert oder vor allem gut erfunden hat? Ich weiß es nicht und es ist mir total egal. Egal, auf welcher Basis – Das gut Erfinden ist letztlich sowieso am wichtigsten, denn ein zu ernst genommener „Realismus“ übersetzt sich selten in einen gelungenen Roman.

Das Chaos organisieren

Eines hätte ich mir tatsächlich von Dunkelblum noch gewünscht: Eine Liste mit den Figuren wie man sie etwa aus den Werken Dostojewskis in deutscher Ausgabe kennt. Sicher, man könnte sagen, wenn ein Buch eine solche Liste braucht, funktioniert es als Roman nicht wirklich. Aber ich denke, das ist übertrieben. Denn tatsächlich gibt es für die ganzen großen Klassikern ja solche Listen online, und es werfe der den ersten Stein, wer eine solche noch nie konsultiert hat. Das Ensemble von Dunkelblumern ist wirklich groß und es wird durchaus lebendig. Aber es würde besonders die erste Lektüre erleichtern, wenn man zwischendurch mal nachschlagen könnte: Wer war das noch mal? Dunkelblum ist auf jeden Fall stark genug, dass man irgendwann eine zweite Lektüre wird wagen wollen. Das ist für mich stets die Probe darauf, ob ich ein Buch wirklich empfehlen kann. Man wird aber dazwischen wahrscheinlich Zeit verstreichen lassen. Ich hoffe daher sehr, dass Dunkelblum wie vorher schon Quasikristalle auch als Hörbuch erscheint (Nachtrag: Ja, ist mittlerweile erschienen, leider sehr schläfrig vorgelesen), was die mehrmalige Lektüre, um tatsächlich allen Figuren folgen und sie richtig einordnen zu können, doch deutlich vereinfachen würde.

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Ein Buch, dem ich schwer gerecht werden kann mit eigenen Worten! Ich finde es erzählerisch und literarisch fantastisch!

Im großen und Ganzen dreht sich's in Dunkelblum um das widerliche Massaker von Rechnitz, vom März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Russen. Wobei die Autorin in einem Interview betont hat, dass es ihr nicht um Rechnitz im Besonderen ging, sondern darum, eine paradigmatische Menschheitsgeschichte zu schreiben.

Dieser Roman ist unglaublich intelligent aufgebaut mit einer unfassbar großen Liebe zum Detail, die nie ausschweifig wird, für die man aber die notwenidge Leidenschaft mitbringen muss. Eva Menasse vermag es mit österreichisch sarkastischem Feinblick und Charme jeder einzelnen Figur, die sie einführt, und davon gibt’s einige, mit wohlüberlegten, sehr feinsinnigen Worten ihr einzigartiges Leben einzuhauchen. Und darüber hinaus auch noch das komplexe Zusammenspiel dieser Typen im Dorfgebilde, mit all den Besonderheiten als Grenzgebiet zu Ungarn, so dass man völlig eintaucht in dieses dunkle, unterschwellig feindeslige und voller Schweigen umhüllte Dunkelblum. Als Zuschauer und Gast im Hotel Tüffel bei der Resi Reschen, sozusagen. Immer wieder zeitlich springend zwischen den Jahren nach dem Verbrechen und dem Wendejahr 1989. Die Resi ist zwar auch recht schroff drauf, aber immerhin ehrlich und einigermaßen neutral.

„Wo man in Dunkelblum mit dem Fingernagel kratzt, kommt einem eine Schandtat entgegen“, brüllt der Malnitz Tony auf der Bürgerversammlung.

Und da hat er echt nicht Unrecht, die haben alle ordentlich Dreck am Stecken in Dunkelblum!

Es sind zeitlose, eben paradigmatische, Themen, die hier verhandelt werden. Die Frage nach der Schuld und die der Verjährung… aber auch die Durchleuchtung des fragilen Zusammenhalts einer Gemeinschaft, fußend auf fragwürdigen Motiven, in diesem Fall einem gemeinsamen Verbrechen. Auch die lebenslange Last derjenigen, die, aus welchen Gründen auch immer, ungeschoren davonkommen, wird thematisiert.

Das ist alles andere als einfach zu lesen. Alleine schon die Anzahl der Protagonisten und deren unzählige Namen! Dann noch die ganzen Details und Anspielungen, die zu gegebenen Zeitpunkten wieder zusammen geschustert werden müssen… Nein, einfach ist es nicht und sicher nichts für „nebenher“. Hier muss man dran bleiben (wollen). Mir schwirrt zwar der Kopf nach all den Austriazismen, aber dank dem Glossar kann auch den hochdeutschen Leser:innen „ausrasten“ als das „glatte Gegenteil der nicht reflexiven hochdeutschen Bedeutung“ klar gemacht werden. Oder auch das „Gschisti-Gschasti“ der „G‘spritzten“.

Ich habe mir zusätzlich das (ungekürzte) Hörbuch bei #bookbeat geladen, von der Autorin selbst eingelesen. Daher weiß ich auch, wie „Koreny“ „Kohrenni“ ausgesprochen wird. Ich mag es selten gerne, wenn Autor:innen ihre Bücher selbst lesen. In diesem Fall könnten es wohl wenige besser!

Ganz großes Kino! Ich bin dafür, dass Eva Menasse für dieses großartige Werk den Buchpreis erhält. Wenn schon nicht, aus offensichtlichen Gründen, den deutschen, dann vielleicht den österreichischen? Die Longlist wird am 02.09. veröffentlicht, es bleibt gespannt abzuwarten!

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Es ist Jahre her, dass ich 'Quasikristalle' von Eva Menasse gelesen habe. War sehr gespannt auf 'Dunkelblum' und was für ein Buch. Inspiriert von den Geschehnissen in Rechnitz im Jahre 1945 entwirft EM ihre Geschichte (die nicht einfach zu lesen ist) und man kann das Schweigen beinahe hören. Wichtig, aber dieses Thema muss man schon lesen wollen.

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Dunkelblum ist ein Dorf im österreichischen Burgenland, direkt an der Grenze zu Ungarn. Die Älteren erinnern sich noch an andere Grenzverläufe und an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Jüngeren richten ihre Aufmerksamkeit in diesem Jahr 1989 eher auf den Zerfall der DDR und des „Ostblocks“. Aber vielleicht hat das in Dunkelblum auch alles miteinander zu tun …

Dunkelblum ist eine Dorfgeschichte mit vielen Protagonisten und vielen Geschichten in der Geschichte. Geschichten aus der Nazizeit und Lebensläufe von alten Nazis. Geschichten aus dem kleinen Grenzverkehr, von Ungarn und Juden, Verfolgten und Versteckten. Von Menschen, die aufgenommen wurden, obwohl sie fremd waren, und anderen, die es nie geschafft haben, dazuzugehören. Von einer Grafenfamilie, denen die Dunkelblumer brave Untertanen waren, obwohl das Schloss längst abgerissen und die Grafen in die Schweiz umgezogen sind.

Im Spätsommer 1989 werden alte Wunden aufgerissen: Ein älterer Mann kommt ins Dorf und stellt Fragen zu Ereignissen im Zweiten Weltkrieg. Eine Gruppe fremder Jugendlicher will den jüdischen Friedhof des Ortes aus seinem Dornröschenschlaf holen. Ein junger Mann kommt nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter zurück in den Ort und fragt sich, ob seiner Mutter ihr Interesse an der Ortsgeschichte zum Verhängnis geworden sein könnte. Er lernt die junge Lehrerin kennen, die gemeinsam mit seiner Mutter die Geschichte des Ortes sammeln wollte und die gerne ein „Grenzmuseum“ eröffnen würde. Ein Flüchtling aus der DDR wird im Wald aufgegriffen, die junge Lehrerin verschwindet, auf einer Wiese wird ein Skelett ausgegraben. Die Dorfbewohner sind alarmiert – aber schweigen immer noch. Und beobachten doch genau, was alles vor sich geht.

Der Dorfarzt kommt zu Wort, der seit Jahren auf seine Ablösung wartet, der hilflose Bürgermeister, der nicht weiß, wie er das Dorf in der Richtung halten soll, die sein schwer kranker Vorgänger vorgegeben hat. Dorfbewohner, die auf Unabhängigkeit von einem Wasserverbund drängen, Dorfbewohner, die lieber vergessen würden, und einige, die meinen, man solle endlich über alle Geheimnisse reden, die das Dorf so lange bewahrt hat. Auch über die unrühmliche Rolle während der Nazizeit oder gerade über die.

In Dunkelblum hat Autorin Eva Menasse einen ganzen Kosmos an Charakteren und Ereignissen geschaffen, die kunstvoll ineinander verschlungen sind. Und wunderbar poetisch erzählt, nicht gradlinig, keine stromlinienförmige Unterordnung unter einen Spannungsbogen und Haupt- und Nebenfiguren – überaus gekonnt setzt sich die Autorin über diese Anforderungen an geringere Werke hinweg. Dabei entsteht ein vielschichtiges Bild mit unendlich vielen Facetten, die nur in der Gesamtheit vielleicht dem nahekommen, was als die wahre Geschichte Dunkelblums gelten könnte.

In meinen Augen gehört dieser Roman zur großen Literatur, so kunstvoll ist er in jeder Hinsicht, so faszinierend und mit einem ganz eigenen Sog, der einen in der Geschichte hält, auch wenn sich das Gesamtbild erst nach und nach aus all den vielen Facetten zusammensetzt. Ein gekonnter Blick in die tiefste Provinz.

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Der Schauplatz der Handlung ist die österreichische Kleinstadt Dunkelblum. Sie wird nicht nur in der Vergangenheit Schauplatz eines Verbrechens, sondern spielt auch für DDR-Flüchtlinge eine große Rolle. Das Buch vereinigt beide Begebenheiten perfekt und macht gleichzeitig deutlich, wie die älteren Anwohner damit umgehen. Ich fand das Buch sehr interessant und spannend. Der Fall ist in jeden Fall besonders und auch die Figuren sind bemerkenswert. :Sehr zu empfehlen.

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Dunkle Vergangenheit
Dunkelblum von Eva Menasse, erschienen im Kiepenheuer & Witsch eBook Verlag am 19. August 2021.

Dunkelblum ein Ort an der Grenze zu Ungarn kurz bevor der Eiserne Vorhang fällt und hunderte Ossis in der Botschaft in Ungarn ausharren. Ein Mann reist an, um die Vergangenheit zu erkunden, eine Gruppe Wiener Studenten kommt und bringt den jüdischen Friedhof auf Vordermann. Dies erzürnt einige der alten Anwohner deren Herzen Mördergruben sind und deren Geheimnisse dunkel.

Eva Menasse ist ein Geniestreich gelungen. Ohne schmerzhaft das Geschehen von Rechnitz im Roman aufzuklären, erzählt sie davon, wie es einer Dorfgemeinschaft mit solchen Geheimnissen geht. Um eine solche Geschichte zu erzählen wird der Leser natürlich mit einer ganzen Dorfgemeinschaft überschüttet. Es braucht auch einige Zeit und viel hin und her bis man richtig in der Geschichte und um was es geht angekommen ist. Die Gemeinschaft erinnert sich und schweigt und erfährt viel über die, die schweigen. Ich hatte anhand des Klappentextes einen Krimi erwartet und habe Geschichtsauferbeitung bekommen, was mich zwar überrascht hat, aber die Geschichte ist grandios erzählt und da ich gerne Juli Zeh lese hat mir dieses Buch auch sehr gut gefallen.

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Dunkle Geheimnisse in Dunkelblum...

„In Dunkelblum haben die Mauern Ohren, die Blüten in den Gärten haben Augen, sie drehen ihre Köpfchen hierhin und dorthin, damit ihnen nichts entgeht, und das Gras registriert mit seinen Schnurrhaaren jeden Schritt.“ – Seite 11

…schon mit diesem ersten Satz zeigt sich der beeindruckende und detailreiche Schreibstil von Eva Menasse. Im Mittelpunkt ihres neuen Romans steht der fiktive österreichische Ort Dunkelblum. Angesiedelt im Sommer 1989 lernen wir nach und nach die einzelnen Schauplätze, die Anordnung, die Besonderheiten und natürlich die Bewohner des Dorfes kennen. Es wirkt etwas verschlafen – doch schnell wird klar, dass sie sommerliche, grüne Idylle trügt. Denn hinter den Mauern lauern dunkle Geheimnisse, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ihren Anfang nahmen.

„Sie musste nirgends hingehen, um etwas zu erfahren, denn alles, was in Dunkelblum geschah, fand seinen Weg zu ihr. Sie bewahrte es still auf, behielt das meiste im Gedächtnis, auch das sehr lang Zurückliegende.“ – Seite 142, eBook

Zunächst reist ein geheimnisvoller Mann an, der historische Recherchen durchführt, gleichzeitig trifft eine Gruppe junger Leute ein, um den jüdischen Friedhof zu renovieren, um den sich nie jemand gekümmert hat. Auch werden Pläne für ein Heimatmuseum und eine Ortschronik geschmiedet.
Doch kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: Ein Skelett wird bei Grabungen auf eine Wiese gefunden, wenig später verschwindet eine junge Frau spurlos. Gleichzeitig kommen vergangene Geschehnisse ans Tageslicht, die lange totgeschwiegen wurden und Erschreckendes offenbaren…

Anfangs wirkt dieses Buch zunächst etwas unübersichtlich – die Autorin springt zwischen aktuellen Geschehnissen und vergangenen Zeiten hin und her, auch die vielen Figuren – heute und auch damals- scheinen willkürlich angeordnet zu sein. Doch nach und nach setzt sich aus den vielen losen Fäden und Abschnitten ein Gesamtbild zusammen, das überraschender nicht sein kann und so einiges offenbart. Schnell wird klar, dass es in Dunkelblum dunkle Geheimnisse gibt – und alle schweigen beharrlich. Bis eines Tages alles Verschwiegene zutage gefördert wird…

„Was haben wir getan, dachte sie in monotoner Schleife und die einzelnen Buchstaben zogen gemächlich vor ihrem inneren Auge vorbei, grell und flackernd, wie auf einem Förderband: Was haben wir nur getan? Es fehlte nur noch, dass sich die Erde öffnete wie am Tag des Jüngsten Gerichts.“ – Seite 157, eBook

Für dieses Buch sollte man sich wegen der Fülle an Details und der vielen Charaktere etwas Zeit nehmen – es lohnt sich. Mir hat der spezielle, detailreiche Schreibstil von Anfang an gefallen und trotz der häufigen Zeit- und Perspektivwechsel bin ich gut zu recht gekommen. Ich fand dieses Buch von der ersten Seite an fesselnd: Es wird geheimnisvoll, interessant und berührend, gleichzeitig werden auch schreckliche Ereignisse des Zweiten Weltkriegs geschildert, die bis heute nichts von ihrer Grausamkeit verloren haben.

Zugleich herrscht in Dunkelblum eine irgendwie bedrückende Atmosphäre, die die Autorin hier sehr gut rüberbringt. Ob Alteingesessene, Zugezogene, Zurückgekehrte oder Besucher – die Bewohner können unterschiedlicher nicht sein und haben doch alle etwas gemeinsam: Geheimnisse. Nach und nach werden kleinste Verbindungen sichtbar.

„Man deutete an, was man dachte, und hatte doch nichts gesagt.“ - Seite 119, eBook

Da hier immer mal wieder österreichische Begriffe auftauchen, gibt es hinten im Buch ein Glossar mit den wichtigsten Übersetzungen. Zudem findet man vorne eine Karte von Dunkelblum zusammen mit den Standorten der wichtigsten Schauplätze und Bewohner.

Mein Fazit: Ein beeindruckendes Werk, in dem die Fäden von Vergangenheit und Gegenwart langsam miteinander verknüpft werden. Vermeintlich Vergessenes, dunkle Geheimnisse und aktuelle mysteriöse Ereignisse kommen nach und nach ans Licht. Sehr umfangreich mit vielen Details und Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten – aber unheimlich fesselnd geschrieben!
Ein besonderes Buch, das sich zu lesen lohnt.

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Dunkelblum, eine österreichische Kleinstadt, birgt ihre Geheimnisse. Als junge Studenten den alten jüdischen Friedhof freilegen und immer mehr Fragen zur Vergangenheit und dann auch noch eine Leiche auftauchen, kommen die alten Geheimnisse ans Licht. Lesenswert!

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Es passiert einiges 1989, was die Bewohner von Dunkelblum beunruhigt. Sie hatten schon immer ihre Probleme mit den Drüberen und nun sammeln sich erneut hinter der Grenze Flüchtlinge. Außerdem taucht ein Fremder auf, der überall Fragen stellt, und dann gibt es noch die Differenzen zum Thema Wasserversorgung. Zu allem Übel kommen dann noch junge Menschen, die den verschlossenen und verwahrlosten „dritten Friedhof“ in Ordnung bringen wollen. Die Bewohner von Dunkelblum waren in stiller Übereinkunft davon ausgegangen, dass niemand an der Vergangenheit rührt, doch nun kommen die Erinnerungen hoch.
Dunkelblum ist ein fiktiver Ort mit fiktiven Bewohnern, der in der Nähe zur ungarischen Grenze angesiedelt ist, genau in dem Teil des Burgenlandes, wo sich in den letzten Kriegstagen das Massaker von Rechnitz zugetragen hat.
Eva Menasse hat es mir am Anfang nicht leicht gemacht mit ihrem Roman, denn es gibt reichlich Personen und sie springt zwischen den Personen und den Zeiten hin und her. Es taten sich unzählige Fragen auf und sobald sich eine beantwortet hatte, gab es weitere Fragen. Doch je länger ich gelesen habe, umso mehr konnte sie und die Dunkelblumer mich packen. Die Autorin fabuliert mit Lust und legt so viele Fäden aus, dass man sich wundert, wie daraus am Ende etwas Ganzes entstehen kann. Doch diese Zweifel sind nicht angebracht, denn der Autorin gelingt es vorzüglich diese losen Fäden zu verknüpfen.
Die Figuren sind sehr gut und facettenreich gezeichnet. Auch wenn die Dunkelblumer nicht unbedingt sympathisch sind, so sind sie doch menschlich, denn jeder hat wohl seine hellen und seine dunklen Seiten. Die, welche die Vergangenheit miterlebt haben, sind wahre Meister im Verdrängen, Vergessen und Vertuschen. Dabei wissen nicht alle, was da wirklich geschehen ist, das wissen laut Eva Menasse nur „alle Beteiligten gemeinsam“. Doch ihnen allen ist gemein, dass sie an der Vergangenheit nicht rühren wollen. Gleichwohl erfahren wir Leser, was geschehen ist, wie man sich schuldig gemacht oder weggesehen hat, wie man eingesteckt und ausgeteilt hat, wie dies so zurechtgerückt wurde, dass das Leben weitergehen konnte, als sei nichts geschehen.
Die Atmosphäre in Dunkelblum ist ziemlich düster und die Geheimnisse sind es auch.
Ich bin froh, dass mich meine Anfangsschwierigkeiten mit „Dunkelblum“ nicht abgeschreckt haben, denn dieser Roman ist wirklich ein Highlight und er schreit förmlich danach, nochmal gelesen zu werden, weil es in dieser komplexen Geschichte sicherlich noch einiges zu entdecken gibt.

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Dunkelblum ist ein kleiner österreichischer Ort an der Grenze zu Ungarn, in dem es vor Ende des Krieges zu einem Massaker an jüdischen Zwangsarbeitern kam. Im Jahr 1989, in dem der Roman angesiedelt ist, will sich jedoch niemand mehr an die Geschichte von damals erinnern. Als ein rätselhafter Gast Nachforschungen anstellt und bei Grabungen eine skelettierte Leiche gefunden wird, werden die Dunkelblumer unverhofft mit ihrer unheilvollen Vergangenheit konfrontiert.
Sprachlich brillant und mit satirischen Spitzen beschreibt die Autorin die verschiedenen Charaktere des Dorfes, lässt nach und nach Verstrickungen und Zusammenhänge erkennen und deutet an, was hinter dem gemeinschaftlichen Verschweigen und Vergessen steckt. Die gesamte Bandbreite menschlicher Niedertracht und Fehlbarkeit wird sichtbar, ohne dass es zu einer umfassenden Aufklärung des alten Verbrechens kommt.
Die Formulierungskunst der Autorin hat mich sehr begeistert, aber die Fülle der Personen und die Art, wie vieles nur halb erzählt wird, fand ich manchmal verwirrend. Am Schluss erfahren wir, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist – im Grunde ist das passend, aber für mich als Leserin war es ein wenig unbefriedigend. Ich hätte mir weniger lose Enden und etwas mehr Konkretheit gewünscht, aber vielleicht entspricht das schwammige Gefühl genau der Absicht der Autorin – wenn Dinge vertuscht werden, ist die Wahrheit nicht greifbar.

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Dichte Atmosphäre, grosse österreichische Literatur! Besonders gut haben mir die Charaktere gefallen. Elne Geschichte, angelehnt an eine wirkliche historische Begebenheit, die sehr detailliert und mit guter Recherche geschrieben wurde.

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Ich fand es schwierig, das Buch auf dem Reader zu lesen, da das - sonst sehr hilfreiche! - Glossar zu viel Blättern erfordert. Daher abgebrochen und mir vorgenommen, statt des E-LEX noch mal die Printausgabe zu lesen.

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Eva Menasse hat einen Roman über den Umgang der Einwohner einer österreichischen Kleinstadt mit ihrer Nazi-Vergangenheit geschrieben. Man ahnt oder weiß von den Sünden, den eigenen und denen der anderen, aber irgendwie muss es nach dem Krieg weitergehen. Wie man sich bis in die Gegenwart im Schweigen eingerichtet hat, um miteinander leben zu können, dafür findet Eva Menasse beeindruckend treffsichere Worte.

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Es ist mal wieder großartig, mit welcher Sprachkunst, welch Scharfsinn und gnadenlosem Blick auf die österreichische Gesellschaft, Eva Menasse anhand der Geschichte eines Städtchens im Burgenland, Österreichs Umgang mit dem alten und neuen Nationalsozialismus beschreibt. Für mich eines der besten Bücher 2021!

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Mit dem poetisch anmutenden, fiktiven Ortsnamen Dunkelblum deutet die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse („Quasikristalle“) schon Unheilvolles an. Es wird noch viel schlimmer kommen in ihrem Roman. Und gleichzeitig bizarrerweise auf bittere Weise auch sehr komisch.
Der Roman lehnt sich an das historisch verbürgte Massaker von Rechnitz an, von dem man bis heute wenig weiß und den Rest gezielt verdrängt hat. Elfriede Jelinek hat diese Geschichte für ihr 2008 in den Münchner Kammerspielen uraufgeführtes Theaterstück „Rechnitz (Der Würgeengel)“ bearbeitet. Eva Menasse nähert sich dem grauenhaften Massenmord an Hunderten von jüdischen Zwangsarbeitern kurz vor Kriegsende aus dem Blickwinkel verschiedener Personen. Da gibt es den Arzt im Dorf, dessen Praxis zuvor einen jüdischen Besitzer hatte, und der sehr wohl von den verscharrten Toten weiß. Oder den Besitzer des Modegeschäfts am Ort, einst aktiver Nazi und später konsequenter Leugner sämtlicher NS-Untaten. Aber auch den einzigen Juden des Ortes, der nach dem Krieg ausgerechnet nach Dunkelblum zurückkehrte. Aus den unterschiedlichen Perspektiven, den Lügen und Euphemismen der Figuren setzt sich schließlich ein schauriges Puzzle zusammen.
Die Einwohner wissen alle Bescheid, bewahrten sich aber über Jahrzehnte ihr laut hallendes Schweigen. Bis eine junge Generation 1989 mit eigenen Nachforschungen beginnt, um das vage im Vergangenen Wabernde endlich ans Licht zu bringen. Da passiert dann einen Sommer lang einiges parallel: Der Eiserne Vorhang wird löcherig, was im grenznahen Burgenland deutlich zu spüren ist. Ein Amerikaner taucht auf und stellt unangenehme Fragen, und ein paar junge Leute aus der Großstadt wollen den demolierten jüdischen Friedhof wieder herrichten.
Es geht der gebürtigen Wienerin Menasse um die Nachwehen eines mit viel Eifer und Mühen vergessenen Verbrechens und um eine niemals gesühnte Schuld. Sie klagt in ihrem bösen Anti-Heimat-Roman die bis heute währende, nach wie vor frappierend erfolgreiche Geschichtsverdrängung ihrer Landsleute an. Vermeidet es aber, der bis heute nicht genau ermittelten Gräueltat weitere Deutungen und Spekulationen hinzuzufügen. Das Massaker selbst etwa spart sie komplett aus.
Eva Menasse konzentriert sich stattdessen auf die Einwohner Dunkelblums, zeichnet ein sehr genaues, detailreiches Bild der Täter, Mittäter und Mitwisser. Dafür verwendet sie einen genialen Kunstgriff, der diesen Roman so großartig macht: In einer speziellen Art Kunst-Österreichisch, das immer authentisch und doch bei jedem auch sehr eigen wirkt, dürfen ihre Charaktere sprechen. Frei von der Leber weg. Hübsch ungehemmt und rustikal. Alle Eigenschaften der Dunkelblumer lassen sich am Dialekt erkennen, die Unwahrheiten und die Halbwahrheiten ebenso wie die Ausflüchte und Angebereien, die Wehleidigkeit, den Sadismus, die Selbstüberschätzung und die Eitelkeiten. Die ganzen menschlichen Abgründe, alle hübsch überzuckert mit diesem gemütlich und freundlich anmutenden Idiom. Qualtinger hätt’s nicht besser gekonnt.

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In langen Schleifen, aus dem Dunkel, in das Dunkel der Vergangenheit und Gegenwart, Macht und Ohnmacht.
Nicht jeder der diese Reise beginnt, wird bis zur letzten Seite dabei sein.

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Eva Melasse ist unbestritten eine grossartige Schriftstellerin, ich persönlich komme aber mit ihrem Schreibstil nicht zurecht und habe überhaupt nicht in das Buch hineingefunden und es deswegen abgebrochen.

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Immer wenn man denkt, man hätte schon alles gelesen, was es über das dritte Reich zu wissen gibt, kommt jemand um die Ecke, der wieder ein erschütterndes Buch über die Banalität des Bösen schreibt. Die Kleinstadtatmosphäre und guten wie schlechten Seiten der Menschen sind großartig eingefangen.

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Tatsächlich habe ich dieses Buch nur angelesen, da es für eine Veranstaltung zur Wahl stand und ich mir deshalb einen Eindruck verschaffen wollte. Daher kann ich mir kein umfassendes Urteil erlauben. Allerdings haben mich die vielen österreichischen Begriffe gleich zu Beginn gestört, ein umfangreiches Glossar am Ende ändert darin nichts, mein Lesefluss ist unterbrochen. Für die eigentliche Geschichte, die sicherlich auf Deutschland übertragbar ist, mag das unwichtig sein, aber für mich hatte schon der Anfang Längen. Aber wie erwähnt, ein Gesamturteil ist mir nicht möglich.

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Das Buch ist Arbeit - die sich aber lohnt!
Eva Menasse schreibt, leicht verfremdet, über eine tatsächlich existierende Kleinstadt, die sich ihrer Nazivergangenheit stellen muss. Großartig.

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Ein gut geschriebenes Buch, das sich spannend liest und genau so ist, wie ein aktueller "Dorfroman" sein sollte!
Menasse versteht es sehr gut, Vergangenheit in ihrer politischen und persönlichen Dimensionen so aufzubereiten, dass klar wird, wie prägend sie auch für die Jetztzeit noch ist.

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