Dschungel

Roman | Eine atemberaubende Geschichte über das Verschwinden, die Kraft der Erinnerung und ihren Fluch

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Erscheinungstermin 02.05.2019 | Archivierungsdatum N/A

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Zum Inhalt

„Das Drama wie auch die Schönheit des Lebens bestehen wohl darin, dass wir alle, in einer verwinkelten Ecke unseres Ichs, auf eine Art für immer fünfzehn Jahre alt bleiben.“
Benjamin von Stuckrad-Barre über "Dschungel"


Er muss ihn finden. Seinen besten Freund, der schon immer auf der Jagd nach dem Extremen war - nie wird er vergessen, wie euphorisiert Felix neben ihm vor dem felsigen Abgrund stand, unter ihnen ragten die Klippen hervor wie aufgeklappte Messer. Doch selbst Felix sieht es nicht ähnlich, auf einer Reise in Asien spurlos zu verschwinden. Für den Erzähler steht fest: Nur er kann das rätselhafte Abtauchen aufklären. Dafür setzt er sogar seine große Liebe aufs Spiel. Schließlich verbindet ihn mit Felix eine besondere Freundschaft. Und ein Geheimnis, das sie ebenso eint wie trennt. Immer tiefer dringt der Erzähler auf seiner Suche in das wilde Kambodscha vor, in dieses nie genesene Land ohne Gedächtnis, immer verzweifelter durchforstet er seine Erinnerungen nach einem Hinweis, was passiert sein könnte. Bis er begreift, dass er den Freund nur retten kann, wenn er mit ihm verschwindet.

„Peng, peng, peng, und dann den Kopf in Flugmodus. Friedemann Karig hat den Reiseroman neu erfunden. Nur eigentlich ist das mehr als ein Roman, nämlich eine Hymne an das Jungsein und Wildwerden. Und das ist groß.“ Max Scharnigg

„Das Drama wie auch die Schönheit des Lebens bestehen wohl darin, dass wir alle, in einer verwinkelten Ecke unseres Ichs, auf eine Art für immer fünfzehn Jahre alt bleiben.“
Benjamin von...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783550200137
PREIS 22,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Felix war schon immer auf der Suche nach Extremen. Somit war es auch für niemanden eine Überraschung, als er sich auf den Weg nach Kambodscha gemacht hat um das Land auf eigene Faust zu bereisen. Doch seit einigen Wochen scheint er spurlos verschwunden zu sein, was seine Angehörigen sehr verwundert und verängstigt. Aus diesem Grund macht sich der Erzähler auf den Weg nach Asien und die Suche nach seinem besten Freund. Doch die Suche gestaltet sich schwerer als gedacht und führt den Erzähler immer weiter in die Abgeschiedenheit und den Dschungel von Kambodscha. Der Erzähler riskiert nicht nur seine Beziehung sondern findet auch zu sich selbst. Denn was niemand weiß: den Erzähler und Felix verbindet nicht nur jahrelange Freundschaft sondern auch ein dunkles Geheimnis. Friedemann Karigs Schreibstil ist flüssig und sehr bildlich. Ich konnte sofort in die Handlung einsteigen und das Buch erschien äußerst kurzweilig. Allen voran die bildlichen Beschreibungen der Landschaften und des Dschungels konnten mich überzeugen, da sie bei mir großes Kopfkino ausgelöst haben. Besonders gelungen fand ich die Erzählperspektive in der Ich-Form. Dadurch hat der Leser das Gefühl selbst durch den Dschungel zu reisen und mitten in der Handlung zu sein. Im Buch wechseln sich immer wieder Kapitel rund um die aktuelle Suche nach Felix und Kapitel rund um die gemeinsamen Kindheitserlebnisse ab. Da die Kapitel nicht explizit gekennzeichnet sind war ich von den Sprüngen leider immer wieder etwas verwirrt und daher wurde mein Lesefluss immer wieder unterbrochen. Zudem gab es gerade bei den Kindheitserlebnissen leider einige unnötige Längen. Insgesamt fand ich diese wechselnden Kapitel allerdings sehr interessant, da man zu der Freundschaft der beiden Männer etwas erfahren konnte und nachvollziehen kann, weshalb der Erzähler sich auf die gefährliche Suche begibt. Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und facettenreich. Besonders gelungen fand ich die Entwicklung des Erzählers. Im Laufe des Buches hat er nicht nur seinen Freund gesucht sondern auch mehr über sich selbst erfahren. Besonders gelungen finde ich, dass einzelne Dialoge immer wieder in Englisch verfasst sind. Dies lässt die Gespräche besonders glaubwürdig und die Protagonisten äußerst authentisch erscheinen. Dennoch sind diese Dialoge so einfach gehalten, dass man ihnen auch ohne gute Englischkenntnisse problemlos folgen kann, da die Sprache ins Deutsche wechselt sobald es etwas komplizierter wird. FAZIT: „Dschungel“ ist ein wirklich lesenswerter Roman, der vor allem durch die Selbstfindung des Erzählers, die Erzählperspektive und die bildlichen Beschreibungen überzeugen kann. Allerdings gab es für mich persönlich ein paar unnötige Längen bei den beschriebenen Kindheitserlebnissen. Aus diesem Grund vergebe ich 4 Sterne!

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Wow! Diese Buch hat mich gepackt, fasziniert, schockiert, bewegt, mitleiden und mitfiebern lassen! Als Leser bekommt man beeindruckende Bilder einer ungewöhnlichen, unbequemen, verzweiflungsnahen und atemberaubenden Reise nach und durch Kambodscha und Umgebung. Echt spannend, auch wenn ich mich glücklich schätze, "nur im Kopf" dabei gewesen zu sein!

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Besonders abeteuerlustig ist er nun wirklich nicht, der namenlose Ich-Erzähler in Friedemann Karigs Debütroman "Dschungel". Er ist nicht schwindelfrei, Abgründe machen ihm Angst, er ist eher introvertiert und es fällt ihm schwer, auf andere Menschen zuzugehen. Doch ausgerechnet er macht sich nun auf den Weg nach Südostasien, ins Ungewisse und auf der Suche nach Felix, seinem besten Freund, der anscheinend spurlos verschwunden ist. Sein letztes Lebenszeichen kam aus einem Hostel in Kambodscha, und genau dorthin reist nun auch der Abenteurer wider Willen. Die Reise in die Ferne findet ihre Entsprechung in einer Reise in die Vergangenheit, denn in vielen, oft grüblerischen Rückblenden erfährt der Leser von der wechselvollen Freundschaft zwischen Felix und dem Erzähler, die seit der Grundschulzeit andauert. Äußerlich ähneln sich die beiden jungen Männer offenbar, doch vom Charakter her könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Felix, das ist derjenige, der Risiken eingeht, der Aufregung sucht, dem Freundschaften leicht fallen, der bei seinen Streichen oft keine Grenzen kennt, dessen Zuhause aber auch irgendwie toxisch wirkt. Felix ist die Sonne, um die das Universum des Erzählers kreist, entfaltet einen Magnetismus, der manchmal abstoßend ist, nur um dann erneut den Freund in seinen Bann zu ziehen. Für Felix gibt der Erzähler sogar die symbiotische Beziehung zu seiner Freundin auf, um sich auf die weite Reise zu begeben, für ihn springt er über den eigenen Schatten, um Fremde anzusprechen, ihnen das Bild von Felix auf seinem Handy unter die Nase zu halten, macht sich freiwillig lächerlich oder geht den Leuten auf die Nerven. Das ist eben Freundschaft. Und ganz allmählich führt er das Leben, das Felix geführt hat, als er mit dem Rucksack nach Asien aufbrach, zwischen Strand, Traveller-Treffpunkten und Drogenparties. Karig spart nicht mit ironischen Beobachtungen auf die Szene junger Menschen aus den reichen Ländern, die im armen Kambodscha ihr tropisches Paradies suchen, die sich als "Reisende" den Touristen überlegen fühlen, nur um ebenso wie diese im eigenen Saft zu schmoren, mit Bananenpfannkuchen eben statt im all inclusive resort. Die angeblich so großen Individualisten wollen sich abseits ausgetretener Pfade bewegen und folgen letztlich nur dem bereits breitgetrampelten lonely planet trail. Letzte Stufe vor den Developern und der Vorbereitung des Massentourismus eben. So ist "Dschungel" eine Mischung aus Reiseroman, psychologischem Monolog, Reflektion über Freundschaft und die Suche nach dem anderen, die auch zur neuen Entdeckung des eigenen Selbst wird.Der Dschungel wird dabei zur Metapher chaotisch-wilden Innenlebens. Dieses Debüt macht neugierig auf mehr.

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Der Erzähler lernt Felix in der Grundschule kennen. Die beiden wurden beste Freunde. Aber neben Felix kann man sich nur klein vorkommen, denn Felix ist ein Draufgänger – extrovertiert und auf der Jagd nach Abenteuer. Später macht sich Felix auf zu neuen Abenteuern, er reist nach Kambodscha, um das Land zu erkunden. Doch dann ist er verschwunden. Auf Drängen seiner Mutter macht sich der Erzähler auf, um Felix zu finden. Dafür riskiert er sogar seine große Liebe, doch er kann seinen besten Freund ja nicht im Stich lassen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen und die Geschichte interessant und spannend. Die Landschaften und der Dschungel sind sehr bildhaft beschrieben, so dass ich mich dorthin versetzt fühle. Felix ist jemand, der Extreme mit allen Sinnen auskostet. Dann fühlt er sich lebendig. Daher ist seine Reise in den Dschungel nicht verwunderlich. Aber er wäre nie einfach so verschwunden, davon sind alle überzeugt. Der Erzähler ist ganz anders, zaghafter und ängstlicher. Doch er ist Felix’ bester Freund. Die beiden verbindet viel, auch ein dunkles Geheimnis. Es ist nicht einfach Felix im Dschungel zu finden. Immer wieder gibt es Rückblenden in die Kindheit der Beiden. Diese Erlebnisse sind aber nicht so interessant, auch wenn sie grundlegend für die spätere Entwicklung sind. Man begreift, was die beiden verbindet und warum der Erzähler für seinen Freund so viel riskiert. Während er auf der Suche nach Felix ist, findet er mehr und mehr sich selbst. Ein beeindruckender Roman mit einem passenden Ende.

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Was für ein Buch.... Nach anfänglichen Startschwierigkeiten konnte ich das Buch kaum noch zur Seite legen. Ein Namenloser macht sich aufgrund des Verschwindens seines besten Freundes auf die Reise nach Kambodscha. Er mag weder das Fliegen noch spricht er gerne andere Menschen an. Trotzdem fackelt es nicht lange und macht sich auf eine Reise, bei der er nicht weiß wohin sie führt und ob er seinen Freund überhaupt findet. In Rückblenden erfährt man zwischendurch viele Geschichten dieser langjährigen Freundschaft die schon aus Kindheitstagen anhält. Irgendwie handelt es sich hier um eine Mischung zwischen Reisebericht und der Geschichte einer Freundschaft. Gut und schnell zu lesen. Wird Felix letztendlich gefunden? Na von mir erfährst du das nicht, lies selbst😉.

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Im Großen und Ganzen habe ich das Buch wirklich genossen - es hatte in der Mitte ein paar Längen, aber war dennoch gut. Ich mochte die Art, wie es geschrieben ist: sanft, einfühlsam. Ich hoffe, es werden viele Leser(innen - ich würde das Buch eher Frauen empfehlen) einen Versuch wagen. Herzlichen Dank an den Verlag und Netgalley für die Zurverfügungstellung eines Leseexemplars!

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Dschungel erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen Felix und dem namenlosen Erzähler, die im Alter von sieben Jahren begann. Wir Leser erleben rückblickend, in kleinen Episoden, das gemeinsame Erwachsenwerden, mit allen Höhen und Tiefen, die so eine Konstellation durchläuft: Von kindlichen Mutproben und Streichen, bis hin zu den ersten Erfahrungen mit Mädchen, Alkohol und Drogen. Das hört sich zunächst recht langweilig an und wäre es vermutlich auch, wenn die beiden Jungs nicht komplett unterschiedlich ticken würden. Der Erzähler ist der typische nette Junge von nebenan, stets freundlich und zuvorkommend, ein richtiger Kumpeltyp eben. Felix hingegen entpuppt sich als Rebell. Er provoziert, streitet, manipuliert und bringt den Erzähler immer wieder in unangenehme und unerwünschte Zwangslagen. Eine Freundschaft, die toxisch ist, um es mit einem Zitat des Autors selbst zu sagen. Als Leser fragt man sich ständig, warum die Beziehung nach all den Jahren immer noch besteht und der Erzähler Felix die Treue hält. Doch zwischen den Zeilen liest man von einer Ahnung. Einem dunklen Gefühl, dass die beiden durch irgendetwas untrennbar miteinander verbunden sind. Was mag es sein? Darüber sprechen sie nie, verdrängen es unter einem Mantel des Schweigens, leben einfach ihren Alltag. Solange bis Felix während eines Backpacker Urlaubs in Kambodscha spurlos verschwindet und der Erzähler sich auf den Weg macht, um ihn zu suchen und um Antworten zu finden. In dieser Kambodscha-Storyline, die parallel zum Coming of Age geschildet wird, bröckelte bei mir zum ersten Mal die Fassade des netten Jungen von nebenan. In der Gluthitze Südostasiens, im ganzen Wirrwarr der Suche, den teilweise nervigen Selbstfindungstrips zeigt sich, dass der Erzähler sich gar nicht so stark von Felix unterscheidet. Die verlorenen Sympathiepunkte wurden vom Autor sicherlich bewusst herbeigeführt. Vermutlich auch, um die finale Aufklärung der Geschichte, sowie die Freundschaft der Beiden verstehen zu können. Der Blick hinter die Kulissen von Felix und Namenlos machte mich traurig, ließ mich das Buch jedoch befriedigt zurück in den Buchschrank stellen, denn der Abschluss ist rund, auch wenn ich persönlich einen anderen Lösungsweg eingeschlagen hätte. Dschungel ist ein gelungenes Debüt. Ein Roadtrip durch Kambodscha mit Szenen, die schwer an den Film „The Beach“ erinnerten. Ein Buch über Freundschaft, Verletzungen und Selbstfindung. Ein Buch das alle Fragen beantwortet, aber trotzdem Raum für Spekulationen lässt. Und das uns gleichzeitig ermahnt, über unser Reiseverhalten und den daraus resultierenden Konsequenzen für ein Land nachzudenken. Ich gebe eine Leseempfehlung und möchte es mit 4 von 5 Punkten bewerten.

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Friedemann Karig weiß mit Sprache umzugehen: bildhaft und gewaltig, mal leise und dann wieder schreiend laut. Diese Geschichte zweier Freunde, zweier Brüder im Geiste lässt mich etwas ratlos zurück. Wie kann ich nach all diesen Höhen und Tiefen mit diesem Ende einverstanden sein oder ist nicht genau dies das einzig Verbliebene zu tun? Dieses Buch "Dschungel" ist genau ein solcher. Der oder die Leser/in erlebt mit den drei Hauptfiguren (für mich zählt auch Lea dazu) alle Gefühle, die dem Menschen gegeben sind.Streckenweise identifiziert man sich sogar mit ihnen, nur um dann einen Moment später innerlich zu erschauern ob der Andersartigkeit der Denke... Letztendlich verstrickt man sich ebenso in den unzähligen "Lianen des Lebens". Brillant, erschreckend, verzaubernd, mutig, bizarr...

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Worum geht’s? Felix ist verschwunden. Irgendwo in Kambodscha. Obwohl sein bester Freund immer schon eine besondere Vorliebe für Extremsituationen und impulsive Aktionen hatte, ist der Erzähler der Überzeugung, dass dieses Mal irgendetwas nicht stimmt. Sich so lange nicht zu melden, passt nicht einmal zu Felix. Da auch die Behörden nicht weiterhelfen können, reist der Erzähler ihm nach, folgt seinen Spuren über Traumstrände, einsame Inseln und tief in den Dschungel. Dabei setzt er nicht nur seinen neuen Job, sondern sogar seine große Liebe aufs Spiel, doch er ist der Überzeugung, wenn einer Felix finden könne, dann nur er. Immerhin verbindet sie eine lange Freundschaft. Die Suche nach seinem besten Freund wird zeitgleich zu einer Reise in ihre gemeinsame Vergangenheit, Erinnerungen werden durchforstet auf der verzweifelten Suche nach Hinweisen, Geheimnisse treten ans Licht und weit Verdrängtes, wird plötzlich glasklar. Kann er Felix finden, ohne sich selbst zu verlieren? Oder muss er sogar mit ihm verschwinden? Meine Meinung Dieser Roman hat mich zunächst durch sein Cover in den Bann gezogen. Der Klappentext à la Jugendliche auf einem Selbstfindungstrip durch Südostasien, klang für mich zunächst etwas abgedroschen. Nichts Ungewöhnliches, wenn man sich in den Jahren nach dem Abi mal unter seinen ehemaligen Klassenkameraden umhörte. Die Geheimnisse, die laut Klappentext eine große Rolle spielen und das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mannes, weckten da schon eher mein Interesse. Ich ging jedenfalls mit gemischten Erwartungen an das Buch und wurde überrascht. Dass es mich so mitreißen würde, dass ich es innerhalb eines Wochenendes durchgelesen hatte, habe ich jedenfalls nicht erwartet. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Die Gegenwart, die Suche nach Felix, wird immer wieder von Kapiteln unterbrochen, die Erinnerungen des Erzählers an gemeinsame Erlebnisse mit seinem besten Freund zeigen. Während ich von der Geschichte der Gegenwart sehr schnell vereinnahmt wurde, zogen sich die Rückblenden für mich zunächst sehr. Wie das aber so ist bei Zeit- und Ortswechseln in Romanen, führte das eher dazu, dass ich noch schneller weiterlas, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es mit der Suche weitergeht. Während dieser Suche trifft der Erzähler auf interessante Menschen und Orte, fast verliert er sich in dieser Parallelwelt der Back-Packer, während der Autor diese auf subtile Weise nutzt um unsere heutige Art des Reisens, den Massen-Individualtourismus, wie man ihn nennen könnte, zu kritisieren. Nach und nach wurde dann aber deutlich, dass es sich bei den Erinnerungen um wichtige Schlüsselerlebnisse in der Freundschaft der beiden Jungen handelt. Es wird schnell klar, dass wir es hier mit keiner einfachen Freundschaft zu tun haben – nein im Gegenteil – oft wollte ich den Erzähler am liebsten schütteln und fragen: Was willst du eigentlich von dem? Mach dir lieber ein schönes Leben und such dir Freunde, die dich auch zu schätzen wissen. So einfach ist das natürlich nicht mit komplizierten Beziehungen. Vor allem nicht, wenn diese offenbar auch noch durch Geheimnisse geprägt sind, hinter die man als Leser nicht direkt schaut. Wie ein Raubtier schleicht die Erzählung um dieses ominöse Geheimnis, das im Klappentext angedeutet wird, herum. Nicht nur einmal war ich auf der falschen Fährte, bis das schockierende Ende dann unerwartet und plötzlich kam und die ganze Geschichte nochmal in ein anderes Licht rückt. Die Erinnerungen des Erzählers an seine Erlebnisse mit Felix führten auf jeden Fall dazu, dass ich Felix wirklich nicht leiden konnte. Ein in meinen Augen absolut unsympathischer Charakter, wenn auch interessant, der seinen Freund von oben herab behandelt und bevormundet. Dadurch, dass man seine Handlungen fast ausschließlich durch die Erinnerungen des Erzählers sieht, wirkt er zudem irgendwie weit weg und nicht greifbar. Immerhin weiß jeder, dass Erinnerungen subjektiv sind und sich im Laufe der Zeit verändern können. Auch den Erzähler selbst fand ich nicht sonderlich sympathisch, aber ebenfalls sehr interessant, wenn nicht sogar noch interessanter als den bestimmenden, mysteriösen Felix. Er wirkt wie ferngesteuert, immer noch irgendwie dirigiert, durch den Schatten seines besten Freundes. Er will nicht nach Kambodsch und fliegt trotzdem. Er will seinen besten Freund nicht suchen und tut es trotzdem. Er will diese Reise nicht als Reise genießen und lässt sich trotzdem recht schnell auf seine Umgebung und die Leute, denen er begegnet ein. Alle Geschehnisse scheinen ihm eher zu widerfahren, als dass er selbst aktiv daran beteiligt wäre. Er scheint die Rolle, die er als Felix’ Freund hatte weiterzuspielen, obwohl Felix verschwunden ist. Dieser Roman ist für mich wieder einmal ein großartiges Beispiel dafür, dass Romanfiguren nicht sympathisch sein müssen, um einen mitzureißen. Dass die besseren Figuren, oft sogar eher die unsympathischen sind, die man – zumindest zunächst – nicht versteht. Die abwechselnden Zeitebenden, die komplizierten Charaktere und ihre noch kompliziertere Freundschaft, das wilde Kambodscha, das unbekannte Geheimnis, das über allem schwebt und nicht zuletzt Friedemann Karigs leichter, aber unglaublich eindrücklicher Schreibstil haben einen solchen Sog auf mich ausgeübt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Dieses Buch ist eine Abenteuerreisegeschichte, die sich auch nicht selten kritisch mit dem Tourismus unserer heutigen Zeit auseinandersetzt und Coming-of-Age-Roman in einem. Das Setting – ein tief verletztes Land, das seine Geschichte bis heute nicht richtig aufgearbeitet hat – könnte nicht passender gewählt sein. Ein wirklich starkes Debüt!

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Der Ich-Erzähler wird von der Mutter seines besten Freundes gebeten, ihren verschollenen Sohn Felix in Vietnam und Kambodscha zu suchen. Seit 6 Wochen hat dieser kein Lebenszeichen von sich gegeben. Der Erzähler lässt seine Lebensgefährtin in Deutschland zurück und macht sich allein auf den Weg. Es wird nicht nur eine Reise durch fremde Länder, sondern auch eine Reise zurück in die eigene Kindheit... Es ist vor allem die Geschichte einer tiefen Freundschaft, die hier erzählt wird. Eine Freundschaft, die keine Grenzen kennt... Großartig geschrieben, literarisch anspruchsvoll, Die Story ist radikal und kompromisslos - und eben auch sehr bedrückend. Daher kein Buch, das man zum Spaß einfach wegliest, aber ein sehr gut gemachter Roman, der einem dauerhaft in Erinnerung bleibt. Genauso sollte Literatur immer sein!

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Das Spannende an Debütromanen ist das Unerwartete, der Überraschungseffekt, weshalb man als Leser unbekannten Autoren immer eine Chance geben sollte. Eine solche literarische Überraschung ist zweifellos „Dschungel“, der erste Roman des Journalisten und Sachbuch-Autors Friedemann Karig (37). Es ist die in erfrischender Sprache lebensecht wirkende Geschichte einer echten Männerfreundschaft – die Geschichte zweier Kindheits- und Jugendfreunde, die völlig gegensätzlich im Charakter nur gemeinsam ein Ganzes bilden und deshalb ohne den anderen nicht auskommen können. Felix ist der Extrovertierte, der kein Risiko scheut, während der namenlose Erzähler „immer so ein bisschen wie ein Hündchen an der Leine hinterhergeschleift wird und ihn einzufangen versucht“, wie es Karig in einem Interview formuliert. Felix ist nun seit Wochen ohne jegliches Lebenszeichen in Kambodscha verschwunden. Der Erzähler sieht sich als dessen „Zwillingsbruder“ als einziger befähigft, ihn zu finden. „Warum eigentlich du? Willst du auch mal ein Held sein?“, fragt ihn seine Freundin Lea. In einer spannungsreichen, dabei zugleich philosophisch tiefgehenden Kombination aus Reise- und Coming-of-Age-Roman erfahren wir während seiner Suche in kambodschanischen Hostels und einer von alternden Hippies besetzten Insel immer wieder in Rückblenden vom Wachsen dieser intensiven Freundschaft, beginnend schon in Grundschultagen: „Wir waren schlau, wir waren gierig, wir waren neun.“ Die Freunde verbringen jede freie Stunde miteinander, machen als Pubertierende ihre ersten Erfahrungen mit Mädchen, Alkohol („Wir waren betrunken, wir waren die Zukunft, wir waren fünfzehn.“) und Drogen. „Wir waren im Wald, im Dschungel nahe dem alten Lager am Stauwehr. Wie immer, wenn uns wirklich niemand erwischen sollte.“ Nach einer Prügelei wegen eines Mädchens erkennt der Erzähler die ihm wichtigere Bindung an den Freund: „Erst als er um Gnade flehte, ließ ich ab von ihm. Vom besten Freund, den ich jemals haben würde. Niemals würde ich ihn im Stich lassen, schwor ich mir, niemals.“ Jetzt begleiten wir den Erzähler auf seiner verzweifelten Suche nach Felix. Autor Friedemann Karig lässt sie uns diese Suchaktion nicht nur aktiv miterleben, sondern er lässt uns in des Erzählers Gedanken- und Traumwelt eintauchen, das Unverständliche seines Handelns verstehen. Mit jedem Schritt tiefer in den kambodschanischen Dschungel, umso schneller verblasst die Erinnerung an alles bisher in Deutschland Erlebte. Dies wird auch in der Dramaturgie des Romans deutlich: Je näher wir dem Endpunkt der Suche kommen, umso seltener und kürzer werden die Rückblenden in die Jugendzeit der beiden Freunde. Man kann ein neues Leben nur beginnen, wenn man sich vom alten völlig löst, jede Erinnerung auslöscht. Erst tief im kambodschanischen Dschungel, in einem „Dorf ohne Erinnerung“, wird dem Erzähler klar, warum er seinem Freund folgen musste: „Ich liebte und ich hasste dieses Leben mit ihm. Die Angst, nicht zu genügen, auf der Bühne seines Bewusstseins keine Rolle zu spielen, oder eine schlechte, langweilige. Und die Hoffnung auf die seltenen Momente, in denen ich für ihn glänzte. Ich war ihm hierher gefolgt, um ein für alle Mal die Hauptrolle zu bekommen.“ Friedemann Karig hat einen beeindruckenden Roman geschrieben. Es ist eine ungewöhnliche und zugleich spannende, in den Rückblenden an die gemeinsamen Kinder- und Jugendjahre auch unterhaltsame Geschichte. Vor allem aber ist es Karigs Formulierungskunst, die diese psychologisch-philosophisch tiefgehende Geschichte dennoch locker und leicht erscheinen lässt und sein Debüt zu einem literarischen Genuss macht.

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Der Schreibstil von Friedemann Karig ist lebhaft und locker. Fast die Hälfte des Buches besteht aus Rückblicken in die Vergangenheit, wie die Freundschaft begann und verlief. Ich empfand die Story teilweise etwas langatmig. Man hätte das sicherlich teilweise kürzen können, damit dem Leser dabei die Lust nicht vergeht. Die Story an sich finde ich aber gut. Es ist lebhaft - oft aufregend und die Landschaft macht Lust selbst dort hin zu fahren. Ein guter Roman.

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Ein starkes Debüt! Ein Reiseroman, eine Coming-of-Age-Geschichte und eine klassische Heldenreise in einem Band! Lebhaft und schnell geschrieben, verschiedene Zeitebenen und eine aufregende und gut recherchierte Umgebung in Kambodscha. Freue mich auf weitere Bücher vom Autor!

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Felix ist eine typische Romanfigur, wie ich sie im echten Leben allerdings nie kennengelernt habe. Immer die richtigen Worte parat, immer große Taten geplant, immer geht es um ihn. Sein bester Freund, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, steht immer in seinem Schatten und bekommt vom Autor nichtmals einen Namen. Durch die zahlreichen Rückblenden lernt man beide Jungs sehr gut kennen und kann sich mit dem Erzähler anfreunden. Stellen der Reise sind so authentisch, dass ich herzhaft lachen musste, weil ich selbst schon mit einem Rucksack und Abenteuerlust losgefahren bin und so genannte "Traveller" kennenlernen konnte. Das Ende des Romans scheint mir eher unrealistisch, hat mich aber dennoch zufriedengestellt! An sich sehr rund und meine Empfehlung für den Sommerurlaub.

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Ein rasanter Roman, mitreissend und mitfühlend. Gleichzeitig spannend und ambivalent, absolut lesenswert!

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In der Literatur gibt es unzählige Beispiele von beschriebenen Frauenfreundschaften. Aber eine moderne Geschichte, deren Kern eine Männerfreundschaft darstellt? Mir ist lange keine Gute in die Hände gefallen. „Dschungel“ von Friedemann Karig ist eine Hommage an dieselbige verpackt in einer Abenteurgeschichte. Karig versteht es Spannung zu erzeugen und zugleich die Großen Themen wie nebenbei abzuhandeln. Wahrheit und Realitäten werden Lügen und Verdrängung entgegengesetzt. Selbstverständnis des Einzelnen wird der Fremdwahrnehmung anderen gegenüber gestellt. Und dazu noch sprachlich ausgefeilt. Genial erzählt! Mich hat dieser Roman unterhalten auf hohem literarischen Niveau. Es klingt abgedroschen und ist sicher allen feministischen Verfechtern zuwider, aber dieser Roman ist das perfekte Geschenk für Männer zwischen 18 und 30 für die Backpacking ein Thema ist bzw war. Denn einer der Protagonisten verschwindet auf einem Backpacking Trip in Südostasien und sein bester Kumpel folgt ihm um ihn zu suchen - oder macht er sich auf Felix zu finden? Durch solchen sprachlichen Nuancen sticht diese letztendlich schlichte Geschichte aus der herkömmlichen Backpacker-Literatur hervor. Wie schon erwähnt geht es auch mehr um die Freundschaft der beiden auch wenn das Fernweh stark beleuchtet wird. Es wechseln sich Kapitel über die Suche nach Felix ab mit Rückblenden in die Kindheit und Jugend der beiden. Beides aber immer nur aus der Sicht des einen - das Suchenden. Die doch sehr ambivalente Bindung der beiden wird präzise sezierte. Wird Felix gefunden? Findet es heraus und lest diesen gelungenen Roman.

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‚Wenn ein Mensch verschwindet, hinterlässt er ein Loch. So unendlich tief und dunkel, man kann hineinfallen und nie wieder auftauchen. Viel dunkler aber als das Loch ist das, womit wir es füllen. Viel schlimmer als die Abwesenheit einen Menschen ist die Vorstellung, was mit ihm passiert ist. Wie ist er gestorben?‘ Felix ist verschwunden. Vor mehr als einem Monat. Irgendwo an der kambodschanischen Küste. Seither fehlt jede Spur von ihm. Felix‘ Mutter bittet seinen besten Freund, der Felix schon jahrelang kennt, mit ihm große Krisen bewältigt und viele glückliche Momente geteilt hat, nach Kambodscha zu reisen, um Felix zu finden. Der Ich-Erzähler lässt seine Freundin Lea zurück und macht sich allein auf den Weg nach Kambodscha, trifft dort auf Backpacker, Hippies, Drogenkonsumenten und allerlei Leute, die Felix gesehen und mit ihm Zeit verbracht haben. Doch von Felix selbst fehlt nach wie vor jede Spur. Friedemann Karig erzählt in seinem Debütroman ‚Dschungel‘ nicht nur von der Suche nach Felix, sondern auch von der Kindheit und Jugend der beiden ungleichen Freunde, wodurch sich die toxische Beziehung zwischen den beiden zeigt und Felix mehr und mehr als Tyrann und manipulative Person dargestellt wird. In diesem Zusammenhang hat mich ‚Dschungel‘ sehr stark an Mareike Fallwickls Roman ‚Dunkelgrün fast schwarz‘ erinnert, der mir im Vergleich jedoch etwas besser als Karigs Buch gefallen hat. Der Einstieg ins Buch fiel mir etwas schwer, denn der Wechsel der Zeitebenen, den ich später als sehr gelungen empfand, hat mich anfangs eher verwirrt und wirkte auf mich bisweilen etwas chaotisch. Im Verlauf hat das Buch einen starken Sog entwickelt, so dass ich viel am Stück und recht gebannt gelesen habe, doch gab es auch immer wieder Stellen, die mir etwas zu weitschweifig waren und die mich nicht durchweg gefesselt haben. Alles in allem möchte ich ‚Dschungel‘ empfehlen, vor allem für diejenigen, die sich für die Thematik ungesunder zwischenmenschlicher Beziehungen und für Geschichten über Drogenerfahrungen interessieren.

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