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Ein guter Charakter
mit Gesine Schröder (Übersetzer*in)
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Erscheinungstermin 13.10.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Eine große Liebe, das Porträt einer scheiternden Ehe und die Geschichte eines Verrats
Als Barr, Professor für Kreatives Schreiben, unter seinem eigenen Namen das Manuskript seiner Frau veröffentlicht, ahnt er noch nicht, welche Lawine er damit lostritt. Seine Frau Dava ist von ihrem gemeinsamen Leben als beliebte Professoren an einer Universität im Mittleren Westen schon lange unerfüllt. Unglücklich in ihrer Ehe mit Barr, arbeitet sie bis spät in die Nacht an ihrem Roman, angetrieben von einer Affäre mit der Kollegin Svetlana. Doch es wird für Dava immer schwieriger zu schreiben, sie verliert sich an eine Krankheit, die ihr das Gedächtnis raubt. Bis sie sich nicht mehr wehren kann, als Barr ihre Geschichte stiehlt und umdeutet.
Ein Roman über das Erinnern und Vergessen, über Liebe gegen alle Widerstände und das Schreiben als Kampf gegen den Selbstverlust – und eine Hündin, die das Leben der Hauptfiguren auf ungeahnte Weise miteinander verbindet.
»Packend, herzzerreißend, erlösend und eine Freude zu lesen – Julie Orringer hat uns ein großartiges Geschenk gemacht. Es wird Sie umhauen.« Andrew Sean Greer, Pulitzer-Preisträger
Eine große Liebe, das Porträt einer scheiternden Ehe und die Geschichte eines Verrats
Als Barr, Professor für Kreatives Schreiben, unter seinem eigenen Namen das Manuskript seiner Frau veröffentlicht...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | E-Book |
| ISBN | 9783841241511 |
| PREIS | 16,99 € (EUR) |
| SEITEN | 448 |
Auf NetGalley verfügbar
Durchschnittliche Bewertung von 12 Mitgliedern
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Wem gehört eigentlich unsere Geschichte?
Schon die Ausgangslage hat mich wütend gemacht: Ein Mann veröffentlicht das Manuskript seiner Frau unter seinem eigenen Namen und irgendwann kann sie sich nicht einmal mehr dagegen wehren. Aber je weiter ich gelesen habe, desto deutlicher wurde mir, dass es hier um viel mehr geht als um den Diebstahl eines Textes. Dava verliert nach und nach ihr Gedächtnis. Erinnerungen verschwinden, Zusammenhänge lösen sich auf, und damit gerät auch das eigene Ich ins Wanken. Das hat mich sehr berührt. Was bleibt von einem Menschen, wenn er seine eigene Geschichte nicht mehr erzählen kann? Und wer darf diese Geschichte dann erzählen oder sogar verändern? Gerade Barr fand ich deshalb schwer auszuhalten und gleichzeitig interessant. Liebe, Verletzung, Eifersucht, Fürsorge und Verrat lassen sich hier nicht ordentlich voneinander trennen. Auch Dava und ihre Beziehung zu Svetlana machen die Geschichte nicht einfacher. Niemand passt bequem in eine Schublade. Besonders stark fand ich die Verbindung zum Schreiben. Worte können Erinnerungen bewahren und einem Menschen eine Stimme geben. Sie können aber genauso benutzt werden, um sich eine fremde Geschichte anzueignen. Dieser Gedanke ist mir beim Lesen immer wieder nachgegangen. Die Erkrankung und der zunehmende Verlust der Erinnerung haben mich dabei stärker getroffen, als ich zunächst erwartet hatte. Vielleicht auch, weil ich inzwischen weiß, wie kostbar Erinnerungen sind und wie schmerzhaft es sein kann, wenn sie einem Menschen nach und nach entgleiten.
Kein leichter Roman und für mich auch keiner, den man einfach zuklappt und abhakt. Am Ende blieb vor allem eine Frage: Wenn ich meine eigene Geschichte irgendwann nicht mehr erzählen kann, wem würde ich sie anvertrauen?
Inge H, Rezensent*in
Unterhaltend
Das Cover des Buches „Ein guter Charakter“ von Julie Orringer hat mich angesprochen.
Auch die Leseprobe, die mit dem Protagonisten, Bar Professor für kreatives Schreiben war interessant.
Leider nahm sein Charakter beim näher kennenlernen, doch ganz schön ab.
Seine Frau Dava Professorin an der Universität ist schon ziemlich früh an Alzheimer erkrankt. Das hat sie Autorin richtig gut beschrieben. Das ist für Angehörige ganz schön anstrengend. Als seine Assistentin meint, er wäre oft ruppig mit ihr umgegangen, muss ich sagen, das ist auch eine Herausforderung, immer ruhig zu bleiben.
Dann ist da noch Ava lesbische Liebe zu ihrer Freundin., aber sie will sich nicht von Bar trennen.
Dann gibt es noch die Geschichte um den Hund aus dem Tierheim.
Bar geht ein paarmal mit ihm spazieren und bildet sich ein, der antwortet ihm.
Das Buch liest sich gut.
Vielleicht gibt es ein paar zu viel an tragischem Geschehen, aber es ist unterhaltend.
Eva R, Lehrende*r
Ein guter Charakter von Julie Orringer
Na klar, das Buch macht natürlich als allererstes durch das wunderschöne Cover auf sich aufmerksam. Auch ich wurde zunächst optisch eingefangen und bin sehr dankbar dafür. Der Titel selbst hätte mich vermutlich nicht dazu animiert, mir das Buch genauer anzusehen (der englische Originaltitel „Luna Phoenix Queen“ vermutlich schon – dennoch ist der deutsche Titel passend zum Buch gewählt).
Der Roman handelt von einer dementen Professorin und ihrem Mann, der ein Manuskript von ihr als eigenes ausgibt. Während sich dieser Aspekt der Erzählung durch das ganze Buch zieht, tauchen links und rechts aber viele unterschiedliche Nebenschauplätze auf und sorgen dafür, dass wir es mit einem sehr tiefgründigen Text zu tun haben. Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Figur erzählt, und diese unterschiedlichen Perspektiven tragen unheimlich viel zur Qualität des Buches bei. Ich fand es immer wieder aufs Neue spannend, Lücken zu füllen, bestimmte Elemente aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und vor allem die unterschiedlichen Beziehungskonstrukte anzuschauen.
Das Thema Demenz scheint derzeit ein Thema zu sein, dem sich einige Romane widmen. Besonders gehyped wurde in den letzten Wochen Emma Clines In die Schweiz und im direkten Vergleich muss ich sagen, dass Ein guter Charakter mich wesentlich mehr begeistern konnte. Orringer schafft es auf ganz wunderbare Weise, Empathie für ihre Protagonistin aufzubauen, ohne dass man dabei in Mitleid ertrinkt. Besonders überrascht hat mich die Zärtlichkeit, die auf vielen Seiten mitschwingt, und die so gut dosiert ist, wie ich es selten erlebt habe.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!
Bianka M, Rezensent*in
Wenn einem eine Geschichte auch nach der letzten Seite nicht aus dem Kopf geht
Was für ein toller Roman! Ich habe Ein guter Charakter von Julie Orringer gerade beendet und bin wirklich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Es ist keine Geschichte, die mit großen Ereignissen oder ständig neuen Wendungen arbeitet. Vieles passiert zwischen den Figuren, und je mehr man über sie erfährt, desto interessanter und manchmal auch unangenehmer wird es.
Dava ist eine erfolgreiche Literaturprofessorin und erkrankt viel zu früh an Alzheimer. Ihr Mann Barr findet beim Packen für ihren Umzug ins Pflegeheim ein unveröffentlichtes Manuskript, in dem sie ihr eigenes Leben und auch ihre Affäre mit ihrer Kollegin Svetlana verarbeitet hat. Und was macht er? Er nimmt das Manuskript, ändert ein paar Details und veröffentlicht es unter seinem eigenen Namen.
Ich weiß nicht, was mich daran mehr wütend gemacht hat: dass er sich die Arbeit seiner Frau aneignet oder dass er genau weiß, dass sie sich irgendwann nicht mehr dagegen wehren kann. Dava verliert nach und nach ihre Erinnerungen und damit auch ein Stück von sich selbst. Und während sie immer weniger für sich selbst einstehen kann, nutzt ihr eigener Mann ihre Geschichte für seinen Erfolg. Das ist schon ein ziemlich bitterer Gedanke.
Was mir an dem Roman besonders gefallen hat, ist, dass Julie Orringer ihre Figuren nicht einfach in Gut und Böse einteilt. Durch die verschiedenen Perspektiven von Dava, Barr, Svetlana und der Tochter erfährt man nach und nach mehr über diese Familie, ihre Beziehungen und die Dinge, die zwischen ihnen schiefgelaufen sind. Man versteht manches besser, ohne deshalb gleich alles gutzuheißen. Gerade Barr fand ich als Figur interessant, auch wenn ich sein Verhalten gegenüber Dava wirklich schwer erträglich fand.
Überhaupt fand ich es spannend, wie viel sich im Laufe der Geschichte verändert, wenn man dieselben Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge, seine Verletzungen und seine ganz persönliche Wahrheit. Und manchmal fragt man sich beim Lesen, ob diese Menschen überhaupt noch zueinanderfinden können oder ob sie sich längst zu weit voneinander entfernt haben.
Ein ganz besonderer Teil der Geschichte ist für mich die Hündin Luna. Sie bringt ihre eigenen traumatischen Erfahrungen mit und ist zunächst alles andere als ein unkomplizierter Familienhund. Trotzdem entsteht gerade durch sie etwas, das den Menschen in dieser Familie zunehmend abhandenkommt. Ich mochte das sehr. Es braucht nicht immer viele Worte, um zu zeigen, wie viel Nähe und Vertrauen bedeuten können.
Ein bisschen länger hätte es für mich in der Mitte nicht unbedingt sein müssen. Da hatte die Geschichte zwischendurch ein paar Längen. Aber das war tatsächlich nur ein kleiner Kritikpunkt, denn insgesamt hat mich der Roman wirklich begeistert.
Was mich nach dem Lesen besonders beschäftigt, ist die Frage, wem eigentlich unsere eigene Geschichte gehört. Dava hat ihr Leben aufgeschrieben, ihre Erinnerungen, ihre Gedanken und ihre Geheimnisse. Doch was passiert, wenn sie irgendwann nicht mehr selbst erzählen kann, was sie erlebt hat? Kann ein anderer Mensch einfach für sie sprechen und ihre Geschichte zu seiner eigenen machen?
Ich finde, gerade durch Davas Erkrankung bekommt diese Frage noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Erinnerungen sind so eng damit verbunden, wer wir sind. Und der Gedanke, dass jemand anderes darüber verfügen könnte, wenn wir selbst es nicht mehr können, ist schon erschreckend.
Für mich sind das fünf Sterne. Ja, die Mitte hätte etwas straffer sein dürfen, aber die Geschichte, die Figuren und die Themen haben mich einfach überzeugt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken. Genau das wünsche ich mir von einem guten Roman.
Julia D, Rezensent*in
Ohja, das ist endlich wieder ein Buch ganz nach meinem Geschmack!
Julie Orringer liefert mit „Ein guter Charakter“ einen so vielschichtigen, packenden Roman.
Schon die ersten Seiten haben mich gefesselt, weil wir Barr kennenlernen, einen etwas kauzigen Professor. Er pflegt seine an Demenz erkrankte Frau und verliebt sich in den hässlichsten Hund im Tierheim.
Was auf den ersten Blick nach einem treuen, rechtschaffenen Mann aussieht, wirft auf den zweiten Blick Fragen auf.
Der liebende Ehemann würde nämlich gerne seine Assistentin vernaschen und die Liebe zum Hund reicht eben doch nicht dafür, sie vor dem Einschläferungstermin zu retten.
Und genau das ist ein großer Bestandteil des Buches:
Es geht um die Dualität des Menschseins. Das Streben nach Ruhm und Erfolg, das bis zu einem gewissen Grad gesund ist, bis es das eben nicht mehr ist. Und es geht um Moral und Werte.
Es ist sehr dicht erzählt, gibt so viele spannende, gleichwertige Erzählstränge. Die Geschichte von Dava, Barrs Frau, ist sehr zart geschrieben und alles wird durch die Hündin aus dem ersten Kapitel verbunden. Das kluge Tier wirkt wie ein Kompass, der seinen Menschen die Richtung weist, mögen sie noch so sehr auf Abwegen sein.
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