Feine Risse
Roman
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Erscheinungstermin 27.05.2026 | Archivierungsdatum 26.07.2026
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Zum Inhalt
Wenn Recht nicht reicht.
Neue Fälle zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Schuld und Verschweigen, Wahrheit und Lüge
Eva Herbergen, engagierte Strafverteidigerin, will sich langsam aus ihrer Arbeit zurückziehen und mit Ehemann Peter das Alter genießen. Doch die düsteren Schatten ihrer Fälle reichen bis in ihr Privatleben hinein. In packenden Tableaus leuchtet Elisa Hoven in »Feine Risse« juristische wie biographische Dunkelzonen aus: Sicherheit ist Illusion, ein Urteil bleibt immer nur eine Annäherung an die Wahrheit. »Feine Risse« führt ins Dickicht der Zufälligkeiten bei der Entstehung von Straftaten. Die Ursachen verstecken sich oft tief in einer Vorgeschichte – und liegen manchmal so nahe, dass sie umso leichter übersehen werden.
Wenn Recht nicht reicht.
Neue Fälle zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Schuld und Verschweigen, Wahrheit und Lüge
Eva Herbergen, engagierte Strafverteidigerin, will sich langsam aus ihrer...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783103977516 |
| PREIS | 22,00 € (EUR) |
| SEITEN | 288 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Annekathrin L, Buchhändler*in
In ihrem neuen Buch behandelt Elisa Hoven wieder Strafsachen, die auf den ersten Blick eindeutig zu verurteilen sind. Doch wie der Titel schon sagt, genügen manchmal kleine Risse, um die Geschichte in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.
Eva, die Stafverteidigerin, vertritt Mandanten in unterschiedlichen Fällen und hilft in meist aussichtslosen Situationen. Dabei ist Recht nicht immer gleich Gerechtigkeit. Es ist wieder spannend und interessant geschrieben. Auch ihr Privatleben wird ein anderes werden. Ihr Mann Peter und sie planen in Ruhestand zu gehen. Doch ihr Buch Dunkle Momente fand ich besser.
Rezensent*in 1286111
„Moral und Recht sind nicht immer das Gleiche.” (Zitat Seite 263, E-Book)
Zwischen Schuld und Verantwortung, Wahrheit und Perspektive erzählt Elisa Hoven in „Feine Risse“ (ET: 27.05.2026 im S. Fischer Verlag, 288 Seiten) von den feinen moralischen Bruchstellen unserer Gesellschaft — und davon, wie schnell aus kleinen Rissen menschliche Abgründe werden können. Nach „Dunkle Momente“, das für mich ein echtes Jahreshighlight war, war ich unglaublich gespannt auf diesen neuen Roman – und kann direkt sagen: Elisa Hoven hat mich erneut überzeugt.
Worum gehts?
Im Mittelpunkt steht wieder die Strafverteidigerin Eva Herbergen, die sich langsam aus ihrem Berufsleben zurückziehen möchte. Doch die Fälle, mit denen sie konfrontiert wird, reichen tief hinein in Fragen von Schuld, Verantwortung und Wahrheit – und irgendwann auch in ihr eigenes Privatleben. Zwischen Gerichtsprozessen, moralischen Grauzonen und persönlichen Abgründen entfaltet sich ein Roman, der weit mehr ist als klassische Spannungsliteratur.
Meine Meinung
Was Elisa Hoven meiner Meinung nach besonders gut gelingt, ist die Balance zwischen den einzelnen Fällen und Evas persönlicher Geschichte. Die verschiedenen Verfahren stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern greifen ineinander, spiegeln sich gegenseitig und werfen immer neue Fragen auf: Was ist gerecht? Reicht Rechtsprechung aus? Und wie eindeutig kann Wahrheit überhaupt sein? Schon früh zeigt der Roman, wie schnell Menschen auf wenige Informationen reduziert werden, die zu folgeschweren Entscheidungen führen kann: „Fünf Informationen, und es entsteht das Porträt eines Menschen.“ (S. 17)
Überhaupt steckt dieses Buch voller kluger Gedanken, die mich nachhaltig beschäftigt haben. Elisa Hoven schreibt sehr differenziert über Täter:innen, Opfer und unser Rechtssystem – nie vereinfachend, nie sensationsheischend. Stattdessen geht es um Ambivalenzen, um menschliche Abgründe und darum, dass viele Wahrheiten unbequem bleiben. Und genau darin liegt die große Stärke dieses Buches. Es zwingt einen nicht zu klaren Antworten, sondern dazu, Unsicherheiten auszuhalten.
Auch die scheinbar nebensächlichen Gespräche zwischen Strafverteidigerin Eva und ihrem Mann Peter fand ich unglaublich stark, weil sie viele philosophische Fragen über Schuld, Verantwortung und das (eigene) Älterwerden aufwerfen.
Im Vergleich zu „Dunkle Momente“ hatte ich diesmal allerdings häufiger das Gefühl, die Auflösungen früher zu durchschauen. Der Überraschungseffekt war für mich deshalb etwas geringer. Vielleicht auch, weil mir die erzählerische Grundidee bereits vom ersten Buch vertraut war. Trotzdem hat das meiner Spannung beim Lesen kaum geschadet, weil die eigentliche Stärke ohnehin nicht im klassischen „Whodunit“ liegt, sondern in den moralischen Konflikten dahinter.
Fazit
„Feine Risse“ ist ein starker, atmosphärischer Roman über die Bruchstellen zwischen Recht und Gerechtigkeit. Elisa Hoven erzählt ruhig, präzise und gleichzeitig emotional eindringlich. Für alle, die literarische Spannung mit gesellschaftlicher Tiefe mögen und Bücher lieben, die noch lange im Kopf bleiben. Wer einen klassischen Thriller mit permanenten Twists erwartet, ist hier aber falsch. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!
Vielen Dank an NetGalley.de und den S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!
Für mich war "Dunkle Momente" von Elisa Hoven ein Lesehighlight, umso neugieriger war ich auf "Feine Risse". Auch dafür möchte ich unbedingt 5 Sterne vergeben, denn ich finde es so spannend, die Straftaten aus Sicht einer Strafverteidigerin zu lesen. Es ist wirklich unfassbar, was manchmal ein kleiner Moment oder eine Entscheidung in der Vergangenheit oder ein Zufall auslösen können. Auch die private Geschichte der Strafverteidigerin Eva Herbergen hat mich brennend interessiert. Eine top Leseempfehlung für alle Krimi-Leser und für alle, die sich Gedanken machen über die Grenze zwischen Recht und Gerechtigkeit,
Für mich weniger ein klassischer Justizband als ein Blick in jene Zwischenräume, in denen Recht und Gerechtigkeit auseinanderdriften. Elisa Hoven zeigt das ohne Pathos, aber mit einer Klarheit, die fast schmerzt. Eva Herbergen, die eigentlich loslassen will, merkt, dass man die Vergangenheit nicht einfach abstreifen kann. Schon gar nicht, wenn man sein Leben lang im Schatten menschlicher Abgründe gearbeitet hat. Diese Fälle, die sie begleiten, wirken wie feine Haarrisse im eigenen Fundament: unscheinbar, aber gefährlich, weil sie sich unaufhaltsam ausbreiten. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Band die Illusion von Sicherheit zerlegt. Ein Urteil ist nie endgültig, nie vollständig, immer nur ein Versuch, Wahrheit zu rekonstruieren. Und genau darin liegt die Spannung. Die Geschichten zeigen, wie zufällig Schuld entstehen kann, wie tief Ursachen in Biografien verwurzelt sind und wie leicht man entscheidende Details übersieht, gerade weil sie so nah liegen. Beim Lesen spürt man Evas Müdigkeit, ihren Wunsch nach Ruhe, und gleichzeitig die Unmöglichkeit, sich von dem zu lösen, was sie geprägt hat. Das Private und das Berufliche verschmelzen, bis man nicht mehr sagen kann, wo das eine endet und das andere beginnt. Für mich ein leises, aber eindringliches Buch über moralische Grauzonen, über die Zerbrechlichkeit von Gewissheiten und darüber, wie schwer es ist, im Dickicht der Wahrheit nicht selbst verloren zu gehen.
Eva Herbergen arbeitet seit vielen Jahren als Strafverteidigerin und liebt ihren Beruf, trotz aller moralischen Grauzonen, die dieser mit sich bringt. Sie verteidigt Menschen, die schuldig wirken oder es vielleicht sogar sind. Doch oft entscheidet nur ein einziger Moment darüber, ob jemand Opfer oder Täter wird.
Auf Empfehlung einer Buchfreundin, die selbst Jura studiert, bin ich auf „Dunkle Momente“ aufmerksam geworden und nachdem mich dieses begeistern konnte, hat mich auch "Feine Risse" angezogen.
Die Autorin ist Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und bringt dadurch nicht nur Fachwissen, sondern auch spürbare Erfahrung mit. Trotz dessen, habe ich schon einige Sachen in der Richtung gelesen, die einfach "langweilig" geschrieben waren. Das ist hier nicht der Fall. Durch die Person Eva Herbergen bekommen wir einen Roman und keine einfaches Sachbuch. Finde ich super gelöst.
Der Schreibstil ist auch hier wieder fesselnd, eindringlich und schafft es, einen unmittelbar in die einzelnen Fälle hineinzuziehen.
Insgesamt begleitet man Eva Herbergen durch sechs Fälle aus ihrer Laufbahn. Dabei wird nicht nur geschildert, was passiert ist, sondern auch, wie mit den Mandaten umgegangen wurde, wobei es dieses Mal weniger Einblick in den Gerichtssaal gab und welchen Ausgang die jeweiligen Fälle nahmen.
Auch hier ist die Skrupellosigkeit einiger Beteiligter wieder echt erschreckend. Die menschlichen Abgründe, die sich hier offenbaren, sind stellenweise wirklich tief.
Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie komplex Schuld sein kann und auf welche teils erschreckend cleveren Ideen Menschen kommen. Auch mein eigener moralischer Kompass geriet dabei hin und wieder ins Wanken. Interessant war zudem, dass selbst Strafverteidiger nicht immer die ganze Wahrheit kennen und ebenfalls manipuliert oder getäuscht werden können.
Fazit
Auch „Feine Risee“ regt stark zum Nachdenken an. Das Buch ist gleichermaßen aufwühlend, spannend und stellenweise befremdlich und genau diese Mischung macht es jedoch so lesenswert. Die Einblicke in die einzelnen Fälle, lassen einen tatsächlich stellenweisenoch mehr an der Menschheit zweifeln, als sowieso schon. Erneut 4,5 Sterne
Buchhändler*in 1323428
Die Strafverteidigerin Eva Herbergen will eigentlich beruflich kürzer treten, aber dann wird sie immer wieder in Fälle verwickelt, die sie faszinieren. Sie berichtet von verschiedenen Fällen, von Kindesentführung, einem als Unfall getarnten Mord oder einem mißbräuchlich ausgeführten Job. Spannend und teilweise perfide. Recht bedeutet nicht immer Gerechtigkeit und mehr als ein Mal ist Eva Herbergen nicht sicher, wo sie steht. Emotional kann sie vieles nachvollziehen, aber verpflichtet ist sie natürlich dem Gesetz. Zusätzlich kommt eine ungeklärte private Situation hinzu.
Hat mir sehr gut gefallen, tolle Einblicke in so diverse menschliche Abgründe.
Benjamin M, Buchhändler*in
Nachem ich bereits "Dunkle Momente" gelesen habe (welches ich richtig gut fand), war ich etwas kritisch, ob es nochmal so gut wird. Aber ich wurde überrascht. Trotz des gleichen Aufbaus war das Buch spannend zu lesen/hören und regte zum Nachdenken an.
Anja N, Buchhändler*in
Feine Risse
Von Elisa Hoven
Eva Herbergen und ihren Mann Peter habe ich bereits in „Dunkle Momente“ kennengelernt. Ein paar Jahre sind vergangen, Peter seht unmittelbar vor der Pensionierung und Eva möchte sich langsam zurückziehen um gemeinsam mit Peter den nächsten Abschnitt ihres Lebens gestalten. Die Zweifel, wie eindeutig und unbeugsam ist unser Rechtssystem tatsächlich und gibt es nicht auch Grauzonen, nagen ja schon länger an ihr. Sie liebt ihren Beruf als Strafverteidigerin, doch wie lange noch…
„Feine Risse“ zeigt ebenso wie „Dunkle Momente“ dass selbst der gewissenhafteste Jurist auch Mensch ist, mit Gefühlen, Neigungen, Sympathie und Antipathie.
Brilliant und spitzfindig sind die Fälle und Figuren. Ich hoffe, dass wir noch ein weiteres Mal von Eva lesen dürfen.
Vielen Dank für diese abermals gedankenanregende und diskussionsfördernde Lektüre.
Erneut erleben wir Strafverteidigerin Eva Herbergen in ihrem Element: die engagierte und kluge Rechtsanwältin balanciert in unterschiedlichen Kriminalfällen zwischen Recht und Gerechtigkeit - ein schmaler Grad. Da ist zum Beispiel der vom Leben stark gebeutelte Trinker, der im Alkoholrausch einen Jungen überfährt und Fahrerflucht begeht. Eva verteidigt ihn und ermöglicht ihm eine zweite Chance - fast, denn die Eltern des Jungen üben Selbstjustiz, indem der Vater den "Mörder" seines Sohnes kurzerhand erschießt. Oder der Fall des vierzehnjährigen Felix. Seine Entführung mit anschließender Lösegelderpressung bringt die verzweifelten Eltern dazu, den ermittelnden Kommissar bitten Folter anzuwenden, um dem vermeintlichen Entführer den Aufenthaltsort ihres Kindes gewaltsam zu entlocken... Spannend, wie es der Rechtswissenschaftlerin Elisa Hoven gelingt, die feinen Risse aufzuzeichnen, die die Wahrheit zutage bringen kann, die das gesprochene Recht in Frage stellen und sowohl unsere Moral, als auch unser ethisches Denken und unsere Empathie herausfordern. Als zusätzliche spannungsgeladene Komponente wird Eva Herbergen in einen privaten Cold Case gezogen, der sie vor die unvermittelt harte Entscheidung stellt, ob es manchmal besser ist, die Wahrheit zu verschweigen.
Spannend, intelligent und mit klarer Präzision, erzählt Hoven von Recht und Gerechtigkeit, von Grenzen und Grenzüberschreitungen und fordert dabei unser moralisches Denken nicht nur einmal heraus.
Feine Risse von Elisa Hoven verbindet Spannung mit psychologischer Tiefe und wirft dabei spannende Fragen über Schuld, Wahrheit und Gerechtigkeit auf. Besonders fesselnd ist, wie Hoven juristische Fälle nicht nur sachlich erzählt, sondern die menschlichen Abgründe hinter den Taten sichtbar macht. Die Figuren wirken authentisch und vielschichtig, wodurch die Geschichten emotional nachhallen. Wer schon Dunkle Momente mochte, wird auch hier die Mischung aus kluger Spannung, moralischen Konflikten und präziser Beobachtung schätzen.
Ich liebe die Bücher von Elisa Hoven! Die Fälle der Staatsanwältin sind so spannend und interessant, dass ich stundenlang weiterlesen könnte. Ich liebe auch das Hörbuch und habe teils gelesen und teils gehört. Ich bin begeistert und hoffe, sie schreibt noch mehr solcher Bücher!
Elisa Hoven knüpft mit dieser Geschichte an ihren vorherigen Roman Dunkle Momente an und erzählt weitere Fallgeschichten der erfahrenen Strafverteidigerin Eva Herbergen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die juristische Aufklärung der Fälle, sondern vor allem um die Grauzonen zwischen Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Verschweigen sowie Wahrheit und Lüge.
Eva Herbergen möchte sich langsam aus ihrem Berufsleben zurückziehen und gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter den neuen Lebensabschnitt genießen. Doch die Schatten ihrer Fälle reichen weit in ihr Privatleben hinein. Immer wieder wird sie mit Situationen konfrontiert, in denen das geltende Recht und ihr eigenes moralisches Empfinden nicht miteinander vereinbar scheinen. Durch die Gespräche mit Peter dringen die belastenden Erfahrungen zunehmend in ihr persönliches Umfeld vor.
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an begeistert und komplett mitgerissen.
Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und angenehm leicht zu lesen. Die Fälle sind spannend, abwechslungsreich und wirken dabei durchweg realistisch. Man möchte einfach immer weiterlesen und wünscht sich, dass das Buch nicht endet. Bei einigen Fällen konnte ich die Wendungen erahnen, andere haben mich völlig überrascht. Dabei wirkte keine Entwicklung konstruiert, sondern stets nachvollziehbar und überzeugend.
Besonders gut gefallen hat mir die Art, wie die Autorin Evas Privatleben in die Handlung einwebt. Die Beziehung zwischen Eva und Peter wirkt warmherzig, authentisch und angenehm unaufgeregt. Viele ihrer Gedanken über das Älterwerden, verpasste Chancen und Lebensentscheidungen haben mich persönlich berührt. Einige Passagen wirken noch lange nach.
Besonders gelungen fand ich außerdem, wie sich am Ende die einzelnen Handlungsstränge miteinander verbinden und frühere Fälle wieder aufgegriffen werden. Dadurch entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das weit über eine reine Sammlung einzelner Geschichten hinausgeht.
Das Ende fand ich wunderschön, berührend und absolut passend.
Buchhändler*in 1016316
Grandios, wie auch schon "Dunkle Momente"! Gestern in einem *ratsch* durchgelesen. Ich mag das Paar Herbergen auch sehr... Sehe Parallelen zu mir und meinem Mann, hoffe wir werden "im alter" genau wie diese zwei. Gerne mehr... Hoffe es geht weiter. Vielen Dank
Rezensent*in 497824
Während ich Band 1 noch sehr gefeiert habe, war Band 2 etwas schwächer. Ich weiß allerdings nicht, ob das am Buch oder an mir liegt. Im Prinzip gibt‘s auch hier genau das, was Elisa Hoven in ‘Dunkle Momente’ so fabelhaft beschrieben hat: Juristische Fälle in der Grauzone aus dem Arbeitsalltag einer Strafverteidigerin. Gefühlt hatten die Geschichten jedoch nicht den gleichen Impact auf mich.
Buchhändler*in 2098669
Elisa Hovens Kriminalroman „Feine Risse“ überzeugt als präzises juristisches Mosaik, krankt aber an einem seltsam rückwärtsgewandten Bildungsbürger-Gestus.
Das Strafrecht ist eine Kunstform der Abstraktion. Es presst das oft chaotische menschliche Handeln in Paragrafen, sucht nach Tatbeständen und Schuldformen, um am Ende ein vermeintlich eindeutiges Urteil zu fällen. Doch was passiert, wenn das Instrumentarium des Gesetzes an der Komplexität der Wirklichkeit zerschellt? Wenn, wie es im programmatischen Untertitel des neuen Buchs von Elisa Hoven heißt, „Recht nicht reicht“? In ihrem neuen Roman *Feine Risse* führt uns die Leipziger Strafrechtsprofessorin zum zweiten Mal in den Kosmos ihrer Protagonistin Eva Herbergen. Es ist ein Buch, das in seinen stärksten Momenten die Unschärfebereiche unserer Moral vermisst, dessen erzählerischer Rahmen jedoch eine überraschende Enge offenbart.
Eva Herbergen, die Berliner Strafverteidigerin Anfang sechzig, steht an einer biografischen Schwelle. Der Entwurf ihres Rücktrittsschreibens liegt bereit; die Sehnsucht nach dem Ruhestand an der Seite ihres Ehemanns Peter, eines Literaturprofessors, ist real. Hoven nutzt diese existenzielle Übergangsphase geschickt als Rahmen für ein Mosaik aus acht in sich geschlossenen Kriminalfällen. Diese Episoden fungieren wie literarische Tableaus: Ein tragischer Bergunfall, ein tödlicher Autounfall, eine missglückte Lösegeldübergabe – all diese Vignetten führen mitten hinein in das unübersichtliche Geflecht aus Zufall und menschlichem Versagen. Hier profitiert der Text immanent von der analytischen Schärfe der Expertin; die juristischen Grauzonen werden präzise und ohne reißerische Effekthascherei ausgeleuchtet.
So virtuos Hoven diese strafrechtlichen Dilemmata seziert, so ungemütlich gerät dem Roman jedoch seine private Rahmenhandlung. Die titelgebenden feinen Risse sollen sich eigentlich auch durch das bürgerliche Refugium der Verteidigerin ziehen, als ihr Mann das Elternhaus erbt und damit die Schatten der Vergangenheit heraufbeschwört. Hier jedoch, abseits des Gerichtssaals, offenbart der Text eine irritierende Schwachstelle: Eine spürbare, fast trotzige Abkehr von der fortschrittlichen Moderne.
Wenn das intellektuelle Paar seine Komfortzone verlässt, um am zeitgenössischen Leben teilzunehmen, kippt die ansonsten so präzise Beobachtungsgabe der Autorin in einen kulturpessimistischen Reflex. Die Besuche von Ausstellungen moderner Kunst oder zeitgenössischen Konzerten werden nicht als produktive Reibungsflächen inszeniert, sondern als Chiffren des Verfalls. Aus den Schilderungen spricht eine unmissverständliche, bürgerlich-konservative Ablehnung moderner Entwicklungen. Was neu, experimentell oder unkonventionell ist, wird unter dem Seziermesser der Erzählerin allzu rasch als prätentiös, kalt oder sinnentleert denunziert. Diese wohlfeile Distanzierung von der Gegenwart verleiht dem Roman streckenweise einen eigentümlich staubigen, defensiven Beigeschmack. Es ist, als flüchteten sich die Figuren – und mit ihnen die erzählerische Stimme – vor den Zumutungen des 21. Jahrhunderts in die vermeintliche Aufgeräumtheit eines vergangenen Bildungsbogens.
Stilistisch bleibt die Prosa zwar von einer klaren, eleganten Nüchternheit getragen, doch diese formale Glätte korrespondiert bisweilen allzu harmonisch mit der geistigen Hermetik des beschriebenen Milieus. Wo das Buch in seinen Kriminalfällen den Mut aufbringt, die Unordnung der Welt auszuhalten, zieht es im Privaten die mentalen Rollläden herunter.
*Feine Risse* ist somit ein zwiespältiges Lesevergnügen. Als kluger, hochgradig reflektierter Roman über die Grenzen der Justiz und die Unmöglichkeit absoluter Wahrheit im Gerichtssaal ist das Buch uneingeschränkt lesenswert. Wer jedoch eine hellsichtige Diagnose unserer gegenwärtigen Kultur sucht, reibt sich an einem Text, der der Moderne lieber den Rücken kehrt, statt sich ihren Herausforderungen zu stellen.
*Elisa Hoven: „Feine Risse“. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026. 288 Seiten, gebunden, 22,00 Euro. ISBN 978-3-10-397751-6.*
Prof. Dr. Elisa Hoven veröffentlicht nach "Dunkle Momente" endlich ihren zweiten Roman "Feine Risse". Nicht nur für Juristen, sondern auch für rechtsinteressierte Leser ein absolutes Must-have. Es gelingt ihr erneut, den Leser dazu zu bringen, die eigene Moral, die eigenen Vorstellungen von Gerechtigkeit zu hinterfragen. Als weibliches Pendant zu Herrn von Schirach bleibt zu hoffen, dass Frau Hoven noch viele weitere Titel im Rahmen der Belletristik veröffentlichen wird.
Große Empfehlung!
Laura Marie G, Buchhändler*in
Mir hat das Buch gut gefallen, leider nicht so sehr wie "Dunkle Momente". Die einzelnen Fälle waren zwar interessant, haben mich aber tatsächlich nicht so sehr geschockt wie die des Vorgängers. Ich würde es dennoch weiterempfehlen, wenn man auf der Suche nach einer kurzweiligen Lektüre ist, die nicht nur unterhält, sondern von der man auch etwas lernen kann - z.B. die Grenzen und Grauzonen unseres Rechtsstaats, wenn man kein:e Jurist:in ist.
Wow, einfach nur wow - genau wie „Dunkle Momente“ macht dieser Roman süchtig! Unaufgeregt, aber klar geschrieben, spannend und emotional. Eva Herbergen ist eine kluge und absolut nahbare Protagonistin, die durch moralische und ethische Fragen immer wieder zweifelt, ob ihr eigenes Handeln richtig ist. Hervorragendes Buch, das fesselt und zugleich erschüttert - unbedingt den ersten Teil zuerst lesen!
Rabea W, Buchhändler*in
Wie "Dunkle momente! zuvor auch ein absolut lesenswerter Pageturner, der durchaus auch für krimi-Fans und Thriller-Lesende zu empfehlen ist.
Buchhändler*in 1234132
Ich war gespannt, ob Feine Risse mit Dunkle Momente mithalten kann. Ich freue mich, berichten zu können, dass ich selten eine so würdige Fortsetzung gelesen habe.
Elisa Hoven zeigt wieder einmal, dass das Leben nicht schwarz-weiß ist und man den Menschen eben nur vor den Kopf schauen kann.
"Nicht alle bekommen eine zweite Chance. Manche nicht mal eine erste." Wahre Worte. Vor dem Gesetz sind zwar alle gleich, vorher sind sie aber selten so behandelt worden.
Wer das deutsche Strafrecht als Lai:in besser verstehen möchte, ohne sich mit der trockenen Theorie zu befassen, der ist bei diesem Buch richtig. (Obwohl auch die Theorie selten trocken ist, möchte ich hinzufügen dürfen.)
Eva Herbergen ist eine komplexe Hauptakteurin, mit deren Entscheidungen man hadern mag und deren Vorstellung vom "Richtigen" in verschiedenen Situationen auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mögen. Aber sie ist so echt. Sie ist greifbar und sie hat keine Angst, ihre Meinung auch zu ändern, wenn die Fakten es verlangen.
Wie der erste Band ist auch dieser als soziologische und kriminologische Betrachtung menschlichen Verhaltens wahnsinnig interessant.
Und noch dazu ist es ein guter Roman. Toll.
Einige kleine Minuspunkte gibt es für mich. Natürlich ist Eva immer diejenige, der entscheidende Details auffallen und die daraufhin die Lösung kombiniert. Das fühlt sich für mich schnell repetetiv an.
Ebenso geht es mir mit den (schon im ersten Teil etwas gezwungen wirkenden) Verwarnungen über noch zu erfahrende Puzzleteile.
Zudem ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig, durch die oft sehr abgehakt bzw. unzusammenhängend aneinander gereihten Sätze. Das fällt aber nur im Hörbuch doller auf und kann auch daran liegen, dass ich ein großer Fan von Füllworten und langen Sätzen bin.
Zu guter Letzt noch ein Wort zum Ende des Buches: Oha
Wieder absolut großartig
Ich fand schon das erste Buch rund um die Fälle von Strafverteidigerin Eva super mitreißend und psychologisch spannend und auch dieses zweite Buch legt grandios nach. Die Fälle, die alle an echte Strafprozesse angelegt sind, sind vielfältig aufgestellt und durchweg interessant aufbereitet. Da ich keinen der realen Fälle kannte, war ich jedes einzelne absolut überrascht und schockiert von den Wendungen, die die Geschichten nahmen. Die haben mich einfach jedes Mal kalt erwischt.
Durch Eva bekommen die Fälle eine sehr nahbare und menschliche Komponente. Sie ist nicht nur fachlich versiert und durchaus gerissen, was ihre Recherchefähigkeiten angeht, sondern auch immer ein Stückweit emotional involviert. Ihre moralischen Grundsätze und juristischen Verpflichtungen werden hier wieder auf die Probe gestellt und man merkt, wie das noch in ihr nachhallt, an ihren Kräften zehrt.
Es gab auch einen sehr persönlichen Fall, der sich so ein bisschen durch das gesamte Buch zieht und den ich mir Spannung verfolgt habe. Ich fand auch hier die Auflösung sehr gelungen.
Die Fälle haben alle auch so ein bisschen Skandalcharakter und laden dazu ein, die eigenen Moral- und Gerechtigkeitsvorstellungen zu challengen. Das macht für mich den großen Reiz dieser Geschichten aus. Ich habe mich durchweg bestens unterhalten gefühlt. Absolut stark.
Fabienne D, Buchhändler*in
Und sie hat es wieder getan. Dunkle Momente hat mich komplett überzeugt. Wenn die Linie zwischen Schuld und Unschuld verschwimmt, das Leben nicht mehr in schwarz und weiss eingeteilt werden kann. In Feine Risse besuchen wir wieder Eva Herbergen. Auch in Feine Risse geht es wieder um diesen Graubereich, in dem Recht und Unrecht stattfindet. Jede Geschichte berührt und bleibt hängen. Gleichzeitig behandelt der Roman auch die Thematik des Älterwerdens, des sich langsam Zurückziehen. Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht - der Schluss. So offen und so untypisch Eva Herbergen...
Delia S, Buchhändler*in
Nachdem mich Dunkle Momente von Elisa Hoven begeistert hat, war ich sehr gespannt auf Feine Risse und ich wurde nicht enttäuscht.
Auch dieses Mal verbindet Elisa Hoven spannende Fälle mit tiefgründigen Fragen über Recht, Gerechtigkeit, Schuld und Wahrheit. Die Geschichten zeigen eindrucksvoll, dass hinter jeder Straftat Menschen mit einer Vorgeschichte stehen und dass ein Gerichtsurteil oft nur eine Annäherung an die Wahrheit sein kann. Besonders gut gefallen hat mir, wie authentisch und einfühlsam die Figuren gezeichnet sind. Eva Herbergen ist eine sympathische Protagonistin, deren berufliche Erfahrungen immer stärker in ihr Privatleben hineinwirken.
Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die einzelnen Fälle regen zum Nachdenken an und bleiben noch lange im Kopf. Gerade die moralischen Grauzonen machen den Reiz des Romans aus.
Wer Dunkle Momente genauso großartig fand wie ich, wird auch Feine Risse mit Freude lesen. Elisa Hoven beweist erneut, dass sie juristische Themen spannend, klug und zugleich sehr menschlich erzählen kann.
Rezensent*in 1518830
Mit Feine Risse beweist Elisa Hoven einmal mehr, dass die spannendsten Geschichten nicht zwangsläufig von der Frage leben, wer eine Straftat begangen hat, sondern warum. Statt eines klassischen Kriminalromans erwartet die Leser ein kluger, vielschichtiger Roman über Moral, Schuld und die feinen Grenzen zwischen Recht und Gerechtigkeit.
Im Mittelpunkt steht erneut die Strafverteidigerin Eva Herbergen, die sich eigentlich langsam aus ihrem Berufsleben zurückziehen möchte. Doch während sie auf ihre langjährige Karriere zurückblickt, holen sie alte Fälle und ungelöste Fragen wieder ein. Gleichzeitig erschüttert ein Fund aus der Vergangenheit auch ihr Privatleben und macht deutlich, dass sich manche Wahrheiten nicht für immer begraben lassen. Die verschiedenen Fälle, die Eva noch einmal Revue passieren lässt, zeigen eindrucksvoll, wie komplex menschliches Handeln ist und dass hinter jeder Straftat eine Geschichte steckt.
Besonders beeindruckt hat mich, wie authentisch Elisa Hoven schreibt. Als Professorin für Strafrecht bringt sie eine Fachkenntnis mit, die in jeder Seite spürbar ist. Dennoch wirkt der Roman niemals belehrend oder trocken. Juristische Fragestellungen werden so verständlich und spannend erzählt, dass man sich immer wieder selbst fragt, wie man in der jeweiligen Situation entschieden hätte. Nicht selten verschwimmen dabei die Grenzen zwischen dem, was rechtlich korrekt ist, und dem, was sich menschlich richtig anfühlt.
Eva Herbergen ist eine wunderbare Protagonistin. Sie ist klug, reflektiert und erfahren, aber keineswegs unfehlbar. Gerade ihre Zweifel und ihre Bereitschaft, die eigenen Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen, machen sie unglaublich greifbar. Man begleitet sie nicht nur durch verschiedene Strafverfahren, sondern auch durch ihre ganz persönlichen Konflikte und Erinnerungen. Dadurch gewinnt der Roman eine emotionale Tiefe, die weit über das eigentliche Krimigenre hinausgeht.
Der Schreibstil ist ruhig, präzise und unglaublich atmosphärisch. Elisa Hoven verzichtet auf künstliche Cliffhanger oder spektakuläre Wendungen. Stattdessen entsteht die Spannung aus den Figuren, ihren Entscheidungen und den moralischen Dilemmata, die sich durch alle Geschichten ziehen. Immer wieder musste ich das Buch kurz zur Seite legen, weil mich einzelne Fälle noch lange beschäftigt haben.
Besonders gelungen fand ich, dass der Roman keine einfachen Antworten liefert. Er zeigt, dass Menschen selten nur gut oder böse sind und dass hinter jeder Tat Verletzungen, Zufälle oder Schicksalsschläge stehen können. Genau diese Grautöne machen Feine Risse so außergewöhnlich.
Für mich ist Feine Risse weit mehr als ein Kriminalroman. Es ist eine intelligente, tiefgründige Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und den Brüchen, die sich durch jedes Leben ziehen können. Ein Buch, das spannend unterhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Wer literarische Krimis mit psychologischer Tiefe und starken Figuren liebt, sollte diesen Roman unbedingt lesen.
Buchhändler*in 1487860
Ich habe das erste Buch von Elisa Hoven "Dunkle Momente" gelesen und war unendlich begeistert.
Die Frage nach Recht und Unrecht, Recht und Gerechtigkeit wurde auf eine so eindrückliche Art und Weise geschildert, so dass das Buch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Ich konnte also kaum den Erscheinungstermin von "Feine Risse" abwarten.
Doch leider hat mich das zweite Buch nicht in gleicher Weise beeindruckt und begeistert.
Die Fälle sind nach meinem Empfinden eher konstruiert bzw. an bekannte Ereignisse angelehnt. Die Aha-Erlebnisse sind hier, anders als beim ersten Buch, eher ausgeblieben.
Trotzdem tolles Buch, aber wahrscheinlich waren meine Erwartungen zu hoch.
Wir haben das Buch gerade in unserer letzten Leserunde gelesen und gestern gemeinsam kontrovers besprochen.
Ich empfehle es, auch wenn es an "Dunkle Momente" nicht wirklich heranreicht.
Schwaaz Vere B, Buchhändler*in
Elisa Hoven ist eine Autorin, die es schafft, mit kurzen Geschichten Denkprozesse und Urteilsfindungen auszulösen - und wie schnell man sich irren würde .. wie gut, dass es nicht zu einem Urteil durch die Leser kommt … Recht und Gerecht … bei den Profis liegt.
Danke für dieses Buch - ich habs verschlungen - und freu mich schon aufs Näche …
Pauline S, Buchhändler*in
die Mischung aus den teilweise realitätsnah Straffällen sowie die Verknüpfung mit dem Leben der Strafverteidigerin und so die autobiografischen Verknüpfungen zu den Leben der Autorin, die selbst als Richterin tätig ist, haben mir sehr gut gefallen. ich habe das Buch als Hörbuch gehört und die Sprecherin hat wirklich wunderbar zu der Geschichte gepasst. die einzelnen Fälle waren unglaublich spannend und jeder einzelne nahm noch einmal eine unerwartete Wendung. ich werde definitiv weitere Bücher der Autorin lesen!
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