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Paranoia in Hollywood – Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026
Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten 1941–1953
von Jan Jekal
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Erscheinungstermin 26.02.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
»Dieses Buch hat das Zeug zu einem echten Blockbuster.«
– Jurybegründung zur Nominierung zum Preis der Leipziger Buchmesse 2026
Santa Monica, Pacific Palisades oder Beverly Hills – das sind die klingenden Namen des kalifornischen Idylls, in dem sie Zuflucht gefunden haben: Filmemacher und Schauspieler, Schriftsteller und Intellektuelle, die in den 1930er- und 1940er-Jahren vor den Nazis aus Europa fliehen mussten. Sie bilden eine Solidargemeinschaft der Exilierten: Bertolt Brecht, Helene Weigel und Hanns Eisler, Billy Wilder und Vicki Baum, Fritz Lang und William Wyler, Thomas und Heinrich Mann. Wer in Berlin, Wien oder Prag einen Namen hatte, folgte dem Ruf der boomenden Filmindustrie Hollywoods. Doch dieses romantische »Weimar am Pazifik« ist nicht die ganze Geschichte: Noch während sie im beginnenden Krieg ihren mal militärischen, mal moralischen Beitrag aufseiten der Allierten leisten, werden die Geflüchteten zu Verdächtigen. Eben noch als noble Nazi-Gegner gefeiert, wird jetzt ihr Müll vom FBI durchsucht – der »red scare« und der McCarthyismus machen aus Freigeistern und Linksliberalen feindliche »Kommunisten«. Das Land, das Zuflucht war, wandelt sich zum Ort der Repression und Verfolgung.
Fesselnd und stimmungsvoll, anhand bisher unveröffentlichter Dokumente aus Archiven in Los Angeles zeichnet Jan Jekal nach, wie sich die Exilierten gegen das autoritäre Amerika wehrten – mit Aktivismus, Witz, Courage und mit Filmen, die zu Klassikern geworden sind –, aber auch, wie einige von ihnen an Amerika verzweifelten.
»Dieses Buch hat das Zeug zu einem echten Blockbuster.«
– Jurybegründung zur...
Eine Anmerkung des Verlags
Das große Panorama des »deutschen Kaliforniens« zeigt Glanz und Elend der Künstler und Intellektuellen in ihrem Exil in Hollywood.
Für Leser:innen von Florian Illies und Uwe Wittstock.
**Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch**
Das große Panorama des »deutschen Kaliforniens« zeigt Glanz und Elend der Künstler und Intellektuellen in ihrem...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783751821032 |
| PREIS | 28,00 € (EUR) |
| SEITEN | 400 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Werner G, Beschäftigte*r in der Buchbranche
Ein kenntnisreich und spannendes geschriebenes Buch, das uns viele Informationen über die Filmlandschaft und die (wechselhafte) politische Stimmung in Hollywood und den USA von den 30ern bis in die 50er. Bezüge zur Gegenwart lassen sich durchaus finden. Das Buch macht auch Lust, die erwähnten Filme (wieder) zu sehen, gerade unter dem Blickwinkel der durch den Text gewonnenen Hintergründe. Großartig!
Rezensent*in 1978449
Die Geschichte der deutschsprachigen Emigration nach Kalifornien wurde lange Zeit entlang eines vertrauten Narrativs erzählt. Es ist die Erzählung vom „Weimar am Pazifik“, von Thomas Manns repräsentativem Frühstück in Pacific Palisades und von Billy Wilders Weg zur Unsterblichkeit. In dieser Lesart erscheint das Exil oft als eine sonnendurchflutete, wenngleich von Heimweh begleitete Wartehalle bis zur Rückkehr nach Europa. Jan Jekal tritt in seinem Buch „Paranoia in Hollywood“ (Matthes & Seitz Berlin) dieser romantisierten Vorstellung entgegen.
Jekals Untersuchung konzentriert sich auf die Jahre 1941 bis 1953 und damit auf eine Phase, in der die politische Atmosphäre in den USA radikal umschlug. Die zentrale These des Buches beschreibt ein Paradox: Dieselbe Demokratie, die den Verfolgten des Nationalsozialismus Schutz bot, transformierte sich innerhalb weniger Jahre in eine Instanz der systematischen Ausgrenzung. Mit dem Übergang vom Zweiten Weltkrieg zum Kalten Krieg gerieten die antifaschistischen Intellektuellen unter den Generalverdacht des Kommunismus.
Jan Jekal stützt seine Analyse auf bislang kaum ausgewertetes Archivmaterial. Diese Dokumente belegen eine lückenlose Überwachung durch das FBI unter J. Edgar Hoover. Die Akten zeichnen ein Bild, in dem die Grenze zwischen legitimer staatlicher Sicherheit und paranoider Bespitzelung verschwimmt. Wenn Jekal schildert, wie der Hausmüll von Exilanten durchsucht oder Privatgespräche abgehört wurden, verlässt er die Ebene der bloßen Anekdote und liefert eine präzise Dokumentation staatlicher Repression in einer demokratischen Gesellschaft.
Ein wesentlicher Verdienst des Buches liegt in der differenzierten Darstellung der Exilgemeinde. Jekal verzichtet darauf, die Künstler als geschlossene Gruppe von Helden zu stilisieren. Stattdessen zeigt er Menschen unter extremem existenziellem Druck, deren Reaktionen von mutigem Aktivismus und intellektuellem Witz bis hin zu Kapitulation und „Verrat“ reichten. Während einige Regisseure wie Fritz Lang die Erfahrung der Verfolgung in die Ästhetik des Film Noir übersetzten und so einen „codierten Widerstand“ leisteten, zerbrachen andere an der sozialen Isolation und den Arbeitsverboten der „Schwarzen Listen“.
Formal besticht das Werk durch eine journalistische Präzision, die ohne moralisierenden Unterton auskommt. Jekal gelingt es, die historische Lücke zwischen dem rettenden Hafen der frühen 1940er-Jahre und der systematischen Verfolgung durch den McCarthyismus zu schließen. Paranoia in Hollywood ist ein Sachbuch. Aber eines, das weiß, wie man Spannung erzeugt.
Jan Jekals Debüt, das auch direkt für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch nominiert wurde, ist ein sehr lesenswertes Buch. Es füllt eine Lücke in der deutschsprachigen Exilforschung und tut dies mit journalistischer Präzision und erzählerischem Bewusstsein. Es hat den Mut, eine romantisierte Geschichte gegen den Strich zu bürsten, und stützt diesen Mut auf erstmals ausgewertetes Quellenmaterial.
«Die Schönheit der Gegend ist so unvergleichlich, daß selbst ein so hartgesottener Europäer wie ich davor kapituliert», schreibt Theodor W. Adorno seinen Eltern nach der Ankunft in Hollywood im November 1941. Schriftsteller Franz Werfel meldet sogar nach Europa: «Die Riviera ist ein Dreck daneben.» Sie sind nicht die einzigen, die vor Hitler nach Los Angeles, der Stadt der Engel, flüchten: In den 1940er-Jahren leben hier mehr als eintausend deutschsprachige Persönlichkeiten aus Literatur, Film, Musik, Philosophie und Architektur. Unter ihnen Filmemacher wie Fritz Lang und Billy Wilder, Komponisten wie Arnold Schönberg und Hanns Eisler, Schriftsteller wie Thomas und Heinrich Mann oder Bertolt Brecht. Es ist eine Gemeinschaft von Exilierten, die meisten von ihnen jüdisch, die den Nationalsozialisten oft nur knapp entkommen sind und in Hollywood nicht nur Arbeit, sondern auch eine neue Heimat suchen. Jan Jekal erzählt in seinem Buch, wie die Vereinigten Staaten diese Künstler erst retteten, nur um sie wenig später mit einem misstrauischen Überwachungsapparat und politischer Verfolgung systematisch zu zermürben. Die zentrale Frage des Buchs: Wie konnte sich die anfängliche Solidarität mit den Geflüchteten so rasch in eine nationale Hysterie verwandeln? Warum wurden ausgerechnet jene, die vor der Tyrannei flohen, in der Demokratie als Staatsfeinde gebrandmarkt? Die These von Jan Jekal: Die Eigenschaften, die diese Emigranten im Kampf gegen den Faschismus zu wertvollen Verbündeten machten, ihr politischer Aktivismus, ihre Bildung und ihr Kosmopolitismus, wurden ihnen im Klima des aufziehenden Kalten Krieges als unamerikanisch und subversiv ausgelegt.
Jekal verbindet in seinem Buch filmhistorische Analyse mit der Biografie einer versprengten Generation. Es bietet nicht nur spannende Einsichten in die goldene Ära Hollywoods, sondern darüber hinaus auch einen wichtigen, aktuellen Bezug: eine beunruhigende Perspektive auf die Zerbrechlichkeit bürgerlicher Freiheiten im Angesicht staatlicher Paranoia. Jan Jekal führt vor, wie das Paradies für die Künstlerinnen und Künstler zur Falle wurde.
Die Geschichte beginnt im November 1941, als Intellektuelle wie Theodor W. Adorno in Los Angeles eintreffen und von der «unvergleichlichen Schönheit» der Landschaft überwältigt werden. Doch der Glanz von Hollywood, das mit billigem Sonnenlicht und vielfältigen Drehorten lockte, täuschte über die harte Realität hinweg. Mit dem Angriff auf Pearl Harbor änderte sich die Stimmung schlagartig; plötzlich galten die deutschen Flüchtlinge als «enemy aliens», als feindliche Ausländer. Adorno berichtet seinen Eltern von nächtlichen Ausgangssperren und der absurden Situation, dass ausgerechnet die zuverlässigsten Hitlerfeinde unter polizeilicher Beobachtung standen. Während die Filmindustrie mit Werken wie «Mrs. Miniver» oder «Casablanca» Antikriegs-Propaganda produzierte, bei der echte Flüchtlinge in den Kulissen echte Tränen vergossen, zog im Hintergrund bereits der Inlandsgeheimdienst unter J. Edgar Hoover die Fäden.
Jekals faszinierender Bericht zeigt auf, wie das Exil die Gemeinschaft zusammenschweisste, aber auch tief spaltete. In den privaten Residenzen wurde heftig darüber debattiert, ob die Deutschen als Ganzes schuldig seien oder ob man zwischen dem Regime und dem Volk unterscheiden müsse. Der Konflikt zwischen Thomas Mann und Bertolt Brecht wird dafür zum Sinnbild: Während Thomas Mann das «dämonische Deutsche» und eine kollektive Verantwortung sah, beharrte Brecht auf einer marxistischen Analyse der Klassenzugehörigkeit. Diese intellektuellen Reibungen prägten auch die Kunst, etwa Thomas Manns grossen Roman «Doktor Faustus», für den er sich bei den musikalischen Details massgeblich bei Adorno bediente, was später zum Zerwürfnis mit Arnold Schönberg führte.
Der eigentliche Bruch erfolgte jedoch nach dem Krieg, als der Antifaschismus der Emigranten plötzlich verdächtig wurde. Jekal schildert detailliert, wie das «House Committee on Un-American Activities» (HUAC) Hollywood ins Visier nahm. Hanns Eisler wurde zum ersten prominenten Opfer. Er wurde als «Karl Marx des Kommunismus auf musikalischem Gebiet» diffamiert und 1947 in einem inquisitorischen Verhör schlimm gedemütigt. Dass Eisler schliesslich das Land verlassen musste, war nur der Auftakt. Auch Bertolt Brecht lieferte sich ein rhetorisches Duell mit dem Ausschuss, nur um unmittelbar nach seiner Aussage nach Europa zu fliehen. Die Einführung der «Schwarzen Liste» veränderte Hollywood fundamental: Studios entliessen ihre besten Autoren und Regisseure, wenn diese den Gehorsam verweigerten.
Zum prominentesten Opfer der Paranoia wurde Charlie Chaplin. Er gehörte als Darsteller, Regisseur, Komponist und Unternehmer zu den Gründungsfiguren von Hollywood, zu den wenigen Pionieren, die ihre künstlerische und kommerzielle Relevanz über die Stummfilm-Ära hinaus behaupten konnten, ja die sogar den Höhepunkt ihrer öffentlichen Wirkung erst während des Krieges erreichten. In «The Great Dictator», seiner Anti-Nazi-Komödie von 1940, spielt er sowohl eine Variation seiner liebenswerten Tramp-Figur, hier einen jüdischen Friseur, als auch den wahnsinnigen Diktator Adenoid Hynkel. Die Satire wird noch vor dem Kriegseinritt der USA gegen die Erwartung aller Industrie-Insider ein sensationeller Erfolg. Ein Erfolg allerdings, der im bis dahin apolitische Hollywood kritisch betrachtet wurde. Jan Jekal schildert trocken, wie das FBI Charlie Chaplin schrittweise demontiert. Als Schauspielerin Joan Barry eine Vaterschaftsklage einreicht, klagt dasFBI Chaplin «unter einem obskuren Gesetz an, nach dem er eine Frau zu unlauteren Zwecken über Bundesstaatsgrenzen transportiert habe», schreibt Jekal. Es drohen ihm über zwanzig Jahre Gefängnis. «Zwar gibt ihm ein Vaterschaftstest recht und ein Gericht spricht ihn in jedem Punkt frei, aber die Publicity ist desaströs. Dass Chaplin kurz nach dem Urteil, gerade geschieden, die 18-jährige Oona O’Neill heiratet, macht die Sache nicht besser.» In kürzester Zeit ist Chaplin zum unbeliebtesten Mann Hollywoods geworden.
Besonders eindrücklich zeigt Jekal die Atmosphäre der Angst durch die Reaktionen derjenigen, die blieben. Billy Wilder verarbeitete den Zynismus der Branche in seinem Meisterwerk «Sunset Boulevard», in dem ein toter Erzähler den Untergang Hollywoods beschwört. William Wyler versuchte zwar mit dem «Committee for the First Amendment» Widerstand zu leisten, musste aber zusehen, wie selbst grosse Stars wie Humphrey Bogart unter dem öffentlichen Druck einknickten. Die einstige Zuflucht verwandelte sich in einen Ort der Denunziation, an dem man Namen nennen musste, um die eigene Karriere zu retten, wie es etwa Elia Kazan tat. Für viele der Protagonisten blieb am Ende nur die erneute Flucht, diesmal vor den Rettern von einst.
Die Paranoia erreichte schliesslich auch Salka Viertel, das Herz der Exilgemeinde. Ihr wurde 1953 die Ausreise in die Schweiz vorübergehend verweigert, weil sie angeblich zu lange der Linie der Kommunistischen Partei gefolgt sei. Jekal beschreibt das Ende dieser Ära als einen Prozess der Vereinsamung: Die grossen Köpfe starben oder kehrten in ein zerstörtes Europa zurück, das ihnen oft fremd geblieben war. Thomas Mann siedelte enttäuscht in die Schweiz über, während Brecht und Eisler in der neu gegründeten DDR eine neue, wenn auch nicht konfliktfreie Wirkungsstätte fanden. Was bleibt, ist die Erkenntnis einer tragischen Ironie: Die USA boten Schutz vor der physischen Vernichtung, verlangten aber im Gegenzug die Preisgabe der politischen Identität.
Jan Jekal ist mit «Paranoia in Hollywood» ein Buch gelungen, das die filmische Pracht der Ära meisterhaft mit ihrer politischen Finsternis kontrastiert. Die Stärke seines Buches liegt darin, dass es die abstrakten Mechanismen der McCarthy-Ära durch die Augen von Weltstars und Intellektuellen erfahrbar macht, ohne dabei in Voyeurismus zu verfallen. Es ist ein Buch für Leser, die sich für die Schnittstelle von Kultur und Macht interessieren und verstehen wollen, wie Ideologien Gemeinschaften zerstören können. Jekal zeigt damit, dass schon Ende der 1940er-Jahre die USA kein Hort der Freiheit mehr waren: Schon damals dominierte die dunkle Seite der USA. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass die grössten Talente des 20. Jahrhunderts im Exil zuerst ihre Heimat verloren und kurz darauf auch ihre Illusionen. Wer dieses Buch liest, wird den nächsten Hollywood-Klassiker mit anderen Augen sehen und hinter dem Glamour vielleicht die nackte Angst spüren.