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Buchcover für Zeit der Mutigen

Zeit der Mutigen

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Buchpreis 2025

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Erscheinungstermin 08.09.2025 | Archivierungsdatum 28.02.2026


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Zum Inhalt

Mit erzählerischer Brillanz und tiefgründigem Humor folgt Dimitré Dinev entlang der Donau dem verflochtenen Schicksal dreier Familien und zeichnet dabei das empfindsame Porträt eines ganzen Jahrhunderts.

Als das Dienstmädchen Eva am Vorabend des Ersten Weltkriegs ihrem Leben in der Donau ein Ende setzen möchte, wird sie stattdessen in die Arme des jungen Infanterieleutnants Alois Kozusnik gespült. Statt ihres Lebens verliert sie ihre Unschuld. Es ist der Startpunkt einer epischen Geschichte, die sich aus drei großen Erzählsträngen zusammensetzt und sich bis in die heutige Zeit fortspinnt. Was macht den Menschen aus? Wie durchlebt und übersteht er Jahre der Unterdrückung und Gewalt? Wie schafft er es immer wieder, Kraft zu schöpfen, zu hoffen und zu lieben?
Dimitré Dinev erkundet in seinem neuen großen Roman die Geschichte Europas und die zentralen Fragen des menschlichen Zusammenlebens und schafft damit ein literarisches Meisterwerk des Humanismus und der Empathie.

Mit erzählerischer Brillanz und tiefgründigem Humor folgt Dimitré Dinev entlang der Donau dem verflochtenen Schicksal dreier Familien und zeichnet dabei das empfindsame Porträt eines ganzen...


Eine Anmerkung des Verlags

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Buchpreis 2025

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Buchpreis 2025


Vorab-Besprechungen

»Ich musste bei der Lektüre lachen und weinen, ich staunte über die Weisheit mancher Sätze und war beglückt von der sinnlichen Präzision seiner Sprache, ich konnte nur bewundern, wie er die Abgründe der Geschichte und den Lebenstrotz der menschlichen Seele ineinander spiegelt. Dimitré Dinev ist ein wunderbarer Erzähler, ein Wunder von einem Erzähler!« Robert Menasse

»Ich musste bei der Lektüre lachen und weinen, ich staunte über die Weisheit mancher Sätze und war beglückt von der sinnlichen Präzision seiner Sprache, ich konnte nur bewundern, wie er die Abgründe...


Marketing-Plan

  • Presse Schwerpunkt


  • Presse Schwerpunkt



Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783036950792
PREIS 36,00 € (EUR)
SEITEN 912

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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‚Zeit der Mutigen‘ beginnt am Vorabend des 1. Weltkriegsnd reicht bis in die Gegenwart. Die Abgründe menschlichen Handels, wie Krieg und Verfolgung werden in verschiedenen Erzählsträngen beleuchtet. Ein großer Roman, den ich sehr gerne weiterempfehle

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Eine Reise durch Mut, Liebe und Hoffnung
Eine Geschichte über Mut, Hoffnung und die Kraft, trotz widrigster Umstände den eigenen Weg zu gehen.

Dimitré Dinev hat mit „Zeit der Mutigen“ einen Roman geschaffen, der mich wirklich berührt hat. Beim Lesen spürt man die Spannung zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Unterdrückung, zwischen Angst und Mut. Schon der Einstieg – Eva, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs in die Donau springen will – ist zugleich erschütternd und hoffnungsvoll. Was folgt, ist eine große Erzählung über Entscheidungen, die Leben verändern, über Menschen, die trotz widrigster Umstände Kraft, Hoffnung und Liebe bewahren.
Die Figuren sind außergewöhnlich lebendig. Dinev lässt sie nicht nur durch die Ereignisse der Geschichte gehen, sondern auch durch ihre inneren Konflikte. Man fühlt ihre Ängste, ihren Mut, ihre Zweifel. Besonders interessant fand ich, wie selbst junge Frauen in der Geschichte selbstbestimmt handeln, ihren Weg gehen und für ihre Überzeugungen einstehen – ein Mut, der mich beim Lesen mitgerissen hat, ohne dass es aufgesetzt wirkte.
Die Sprache ist flüssig und bildhaft, die Abschnitte haben klare Titel, die sowohl Bezug zum Inhalt als auch eine gewisse Tiefe haben. So wird das Buch zu einem zusammenhängenden Ganzen, das die Zeitgeschichte Europas greifbar macht, ohne den persönlichen Blick zu verlieren. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil die Szenen so lebendig waren, dass ich fast das Gefühl hatte, direkt dabei zu sein.
„Zeit der Mutigen“ ist für mich nicht nur ein Buch über Vergangenheit, Krieg und Unterdrückung, sondern über die zeitlosen Fragen des Menschseins: Wie übersteht man Gewalt und Ungerechtigkeit? Wie bewahrt man Hoffnung und Liebe? Dieser Roman ging mir auch nach dem Zuklappen nicht aus dem Sinn. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Dieser Roman erstreckt sich über mehrere Generationen, vom 1. Weltkrieg bis zu den Enkeln in der Gegenwart. Als sich die junge Eva 1914 das Leben nehmen will, fällt sie dem Fischer Xaver in die Arme. Aus dieser Verbindung entsteht die Tochter Angela.
Leopold meldet sich währnd des 2. Weltkriegs freiwillig als Soldat und wird nach Griechenland geschickt. Dort desertiert er und kommt bei einer Gruppe Roma in Bulgarien unter. Als Gegenleistung verlangt das Oberhaupt Gjuro einen Gefallen von ihm, der große Konsequenzen hat.
Als Rotarmisten während des 2. Weltkriegs auf eine Gruppe deutsche Soldaten treffen, erschießen sie die Deutschen. Einer von ihnen überlebt jedoch mit einer Kugel im Kopf, so dass er keine Erinnerungen mehr hat.
Die bildhaft erzählten Geschehnisse machen die Erzählung fesselnd und spannend. Es geht um die großen Themen des Lebens wie Familie, Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe. Beim Lesen habe ich einiges über die Roma und Bulgarien während des 2. Weltkriegs erfahren. Der Roman ist kein Buch, das man zur Unterhaltung mal so wegliest, sondern ein Roman mit Dichte und Tiefgang, der bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.

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Mit Anfang zwanzig gab ich in einem sozialen Netzwerk den Erzählungsband „Ein Licht über dem Kopf“ von Dimitré Dinev als derzeitiges Lieblingsbuch an. Zur zeitlichen Einordnung: Das soziale Netzwerk hieß StudiVZ. Obwohl ich damals auch seinen Roman „Engelszungen“ verschlungen hatte, verlor ich den Autor seitdem aus den Augen, was wohl auch daran lag, dass er sich in der Zwischenzeit auf Theaterstücke und Drehbücher verlegte. Ihr könnt euch also vorstellen, wie freudig überrascht ich war, als ich seinen neuen Roman „Zeit der Mutigen“ bei @netgalleyde entdeckte und unbesehen sofort beim @keinundaberverlag anfragte.

Dann die Überraschung beim ersten Öffnen des E-Books: 1.152 Seiten. Schluck, das würde mich die nächsten Monate begleiten. Mein Zögern hielt jedoch nicht lange an, denn direkt auf den ersten Seiten fühlte es sich an, als träfe ich nach vielen Jahren einen alten Freund wieder, und ich spürte gleich die alte Zuneigung und Vertrautheit.

„Zeit der Mutigen“ ist die generationenübergreifende Geschichte dreier Familien. Die eine lebt in einem kleinen Dorf in Österreich am Ufer der Donau, die zweite als Hirten weitestgehend abgewandt von Ihrer Dorfgemeinschaft in Bulgarien und die dritte reist, der Tradition der Roma gemäß, durch die Balkanländer. Soweit der Ursprung. Aber ein Roman wäre kein Roman, wenn sich die Mitglieder dieser Familien nicht von Generation zu Generation weiter in alle Winde verstreuen und wenn sich ihre Geschichten nicht miteinander verweben würden. Und die west- und osteuropäische Geschichte, die hier vom Ende der K.-u.-k.-Monarchie bis in die Nachwendezeit erzählt wird, wäre nicht ebendiese, wenn sie nicht allerhand Grausamkeiten bereithalten würde. Krieg, Ausgrenzung, Konzentrationslager, Umerziehung, Überwachung, Folter … Davon zu lesen, ist nicht leicht auszuhalten, gerade weil einem die allermeisten Protagonist:innen sehr ans Herz wachsen. Und das, obwohl sie nicht nur Opfer, sondern auch selbst Täter:innen sind und gar nicht zimperlich, wenn es darum geht, Rache zu üben oder ihre Lieben zu schützen.

Dinev erzählt in einem warmen, zugewandten Ton, mal im Zeitraffer, mal jedes noch so schmerzliche Detail auskostend. Er erzählt von Liebe und Freundschaft, Verrat und Vergeltung, Sinnlichkeit und Schmerz. Auch mystische Elemente kommen dabei nicht zu kurz. Zum Beispiel gibt es Wahrsagerinnen und magische Teppiche, die tatsächlich in die Zukunft sehen können, und uralte Schutzzauber, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Es wird mit Flüssen gesprochen, und Steinen werden magische Kräfte zugeschrieben. Vielleicht wären die realistischen Schilderungen ohne diesen mystischen Anteil gar nicht zu verkraften.

Ich weiß, dass die über Tausend Seiten viele abschrecken werden. Wer mit „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili tief in die Geschichte Georgiens eintauchte, dem sei jedoch auch dieser Tauchgang in das 20. Jahrhundert Österreichs und Bulgariens wärmstens ans Herz gelegt. Wer mit viel Personal seine Schwierigkeiten hat, sollte ggf. gleich zu Beginn Zettel und Stift bereithalten, um ein Personenverzeichnis zu führen. Wer es jedoch wie ich liebt, nach Hunderten Seiten wieder auf alte Bekannte zu stoßen, und wessen detektivisches Gespür herausgefordert wird, wenn zu Beginn eines neuen Kapitels auch mal ein paar Seiten lang gar kein Name fällt, wird diesen Roman lieben.

tl;dr: Opus Magnum des bulgarisch-österreichischen Schriftstellers Dimitré Dinev und für mich die Wiederentdeckung eines Lieblingsautors. Jahreshighlight!

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Ein wunderbarer Roman über die europäische Zeitgeschichte. Ein Generationenroman. Unterdrückung. Krieg, Diktatur und Widerstand. Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Themen sind auch, die Familie, Liebe, Freundschaft und Treue in diesen Zeiten.

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Dimitré Dinev ist mit seinem Roman "Zeit der Mutigen" ein beeindruckendes -wenn auch recht langes- Buch gelungen. Er erzählt von Menschen, die Schreckliches erleben - Krieg, Vertreibung, Ungerechtigkeit - und dabei ihre Würde und Hoffnung bewahren.

Um drei Erzählungen, ranken sich mehrere Geschichten wie Perlen aufgereiht: Jede für sich spannend, zusammen ergeben sie ein berührendes Gesamtbild. Dinevs Sprache ist klar und eindringlich. Er schafft es, große Themen wie Krieg und Vorurteile durch individuelle Schicksale greifbar zu machen. Als Leser lernt man von Bulgarien und dem Schicksal der Roma viel dazu.
Was die Protagonisten auszeichnet, ist ihre unglaubliche Stärke. Sie sind keine Opfer, sondern Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Was sie auszeichnet in der dunkelsten Zeit, ist ihr Dasein im Hier und Jetzt und die Gabe die Gegenwart völlig anzunehmen. Sie leben, lieben und kämpfen - trotz oder gerade wegen ihrer Verletzlichkeit. Es braucht Zeit, ja viel Zeit, dieses Buch zu beenden, ist es aber wert.

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Ein großer und monumentaler Roman, der Stärke und Haltung in schwierigen Zeiten aufzeigt. Dimitré Dinev entführt in das 20. Jahrhundert in Deutschland, Österreich und Bulgarien und spannt einen weiten Bogen in der europäischen Geschichte. Dabei gelingt es dem Autor, die LeserInnen von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Über tausend Seiten voller Spannung und interessanter Einblicke in das Leben der Protagonisten. Absolute Leseempfehlung.

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Dieser Roman von Dimitré Dinev hat den Österreichischen Buchpreis 2025 erhalten. Zunächst war ich so gar nicht von diesem 1.152 Seiten Schmöker angetan, weil ich einen anderen Favoriten im Auge hatte. Doch nach den ersten Seiten hat mich das Werk dann doch gepackt.

Dimitré Dinev spannt in seinem Roman, der mit Eva, die am Vorabend des Ersten Weltkrieges in der Donau Selbstmord begehen will, beginnt, einen Bogen, der rund hundert Jahren umfasst, und wieder mit einer Eva endet, auf. Dazwischen liegen zwei Haupthandlungsstränge, einer in einem kleinen Ort in Österreich, der an der Donau liegt, die eine wichtige Rolle spielt, und ein anderer in Bulgarien. Daneben gibt es weitere Erzählstränge, die die Hauptstränge wie die Knoten in einem Fischernetz, an manchen Stellen treffen.

Der Erzählstrang, der in Österreich spielt, lässt sich leicht nachvollziehen: Armut, Ende der Monarchie, Ständestaat, Nazi-Diktatur, Zweiter Weltkrieg, Besatzung und deren Ende 1955 mit dem Staatsvertrag, Aufschwung, Demokratie, Ungarnaufstand 1956, Prager Frühling 1968 und den Fall des Eisernen Vorhangs 1989.

Das Schicksal der Menschen, die nach dem Zerfall der Donaumonarchie und vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Hemisphäre des Kommunismus geraten sind, ist außer politischer Willkür, Gulag, Mangel an allem und jedem, Profiteure in den Politkadern sowie Spitzelwesen, wenig bekannt. Wie der Staat, hier Bulgarien, mit seinem Volk umgeht, wird hier an Hand von einzelnen Schicksalen stellvertretend für viele, erzählt.

Bindeglied zwischen den beiden Welten ist Meto, ein Österreicher, der von den Sowjets hingerichtet werden sollte, aber mit einer Kugel im Kopf, überlebt. Er wird von einer bulgarischen Schafhirtin gefunden und gesund gepflegt. Die im Schädel steckende Kugel ist inoperabel und hat ihm sein Gedächtnis geraubt. Mit einem halb verbrannten Ausweis auf den Namen Helmut Nagorny tritt er die Reise ins besetzte Österreich an, ohne zu wissen wer er eigentlich ist. Nur manchmal, manchmal scheint er einzelne Worte im Tiroler Dialekt zu sprechen.

Meine Meinung:

Nach der Lektüre dieses Romans bin ich mit der Entscheidung der Jury, den Österreichischen Buchpreis 2025 an dieses Buch zu vergeben, einverstanden.

In jedem Kapitel, in jedem der Handlungsstränge sind es vor allem die Frauen, sich mutig den Herausforderungen des Lebens stellen. Dabei finden sie sich selbst gar nicht mutig. Was getan werden muss, wird einfach getan. Oft wird ihnen die Entscheidung ohnehin abgenommen.

Eine bewusste und mutige Entscheidung ist, den Mann mit der Kugel im Kopf, der Meto genannt werden will, als Helmut Nagorny anzunehmen, obwohl doch der eine oder andere Zweifel an seiner Identität besteht.

Die Charaktere sind außergewöhnlich lebendig. Wir dürfen mit ihnen nicht nur an der großen Weltgeschicht teilnehmen, sondern erleben auch ihre inneren Konflikte, wenn es um persönlichen Freiraum oder um das Wohl der Gemeinschaft wie z. B. des Roma-Clans geht.

Das eine oder andere aus der Geschichte Bulgariens habe ich nachgelesen, weil es mir nicht so bekannt war.

Das blaue Band, das sich auf dem weißen Cover dahin schlängelt, habe ich als Donau interpretiert, die in diesem Buch in beiden Hemisphären eine Rolle spielt.

Eine kleine Anmerkung habe ich für den Verlag für eine Neuauflage: Man möge doch die starke Beugung der Verben verwenden. Wenn ich melkte statt molk, oder flechtete statt flocht, lese, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Wenig später treffe ich dann allerdings auf buk, das mir meine Volksschullehrerin schon 1966 als antiquiert in backte korrigiert hat.

Fazit:

„Die Zeit der Mutigen“ ist ein Roman, der lange nachhallt und den ich bestimmt wieder lesen werden. Von mit gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Ein großartiger, monumentaler Roman, der einen langen Zeitraum in der europäischen Geschichte überspannt und von den großen Themen spricht: Mut und Hoffnung in schwierigen Zeiten. Wer sich einmal wieder richtig tief in einem langen Buch verlieren und seine Protagonisten durch das Leben begleiten möchte, ist hier genau richtig.

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Ein Buch wie ein deftiger Eintopf

Der in Bulgarien geborene Österreicher Dimitre Dinev hat mit seinem Roman Zeit der Mutigen den Österreichischen Buchpreis gewonnen.
Eine überbordende Freude an Sprache und Erzählen kennzeichnet diesen Roman.
Es ist ein groß angelegter Roman mit Figuren, die Stärke und Haltung in schwierigen Zeiten zeigen. Dabei bleiben sie alle irgendwie eigenwillige Sonderlinge und Außenseiter.
Das Buch zeigt das zwanzigste Jahrhundert in Deutschland, Österreich und Bulgarien. Mit zunehmender Dauer kommen Figuren hinzu, aber es gibt immer Bindeglieder und so bleibt der Text im Fluss.
Meine Sternewertung: 4,5

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Eine so große Fülle an Geschehnissen, Personen und Geschichten, die in diesem großartigen Roman ihren Platz finden.
Voller Schrecken, Liebe, Poesie — ein wahrer Jahrhundertroman.
Braucht Zeit, die gerne gegeben wird. Sehr lesenswert.

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Kurzmeinung: Hätte etwas kürzer sein können - aber was solls!
Von starken Frauen, dem Fluss und dem Elend der Gulags
Bulgarien ist seit 2004 Mitglied der NATO und trat 2007 der Europäischen Union bei. Das ist spät. Davor erlebte das Land, wie viele andere europäischen Länder, eine wechselhafte Geschichte und war gefühlt eine Ewigkeit lang Teil des Ostblocks. Dimitré Dinev leistet mit dem Romanwerk „Zeit der Mutigen“ einen Beitrag zur Aufarbeitung dieser, einer seiner dunkelsten und finstersten Zeiten. Allerdings hat man beim Lesen den Eindruck, Bulgariens Zeiten wären immer finster gewesen. Der Roman setzt 1914 ein und zieht sich bis zum Entscheidungsjahr 1989. Die Donau als größter Fluss Bulgariens ist sinngebendes Element und Träger des Lebens. Starke Frauen aus mehreren Familien agieren, leben, halten die Familie zusammen, und hoffen trotz aller Widrigkeiten auf lebenswertes Leben. Die Männer werden unter menschenunwürdigen Umständen im bulgarischen Gulag Belene gefangen, dessen Existenz im Ausland geleugnet wird, aber todtraurige Realität gewesen ist!
Zeit der Mutigen ist die Geschichte eines Überlebenskampfes über Generationen hinweg, die Geschichte des Wassers, die Geschichte von Verfolgung wegen gar nichts, Unterdrückung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

„Seitdem wir an der Macht sind, zerstören wir jede Bindung des Menschen. Seine Bindung an eine Ideologie, zu einem Wissen, zu einer geistigen Tradition, Weltanschauung und Gedankengut, zu einer Ästhetik, zur Religion, zu Gott, zur Familie, zu den anderen Menschen.“

Die Kommunisten kommen aber gegen eines nicht an, gegen die Individualität und Originalität des Menschseins und es gelingt ihnen auch nicht, jedwede Empathie und Menschlichkeit auszurotten.



Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Das Lesen des Romans ist wegen der Schilderung von deftigem Sex, von diversen Grausamkeiten, also von Sex and Crime harter Tobak, aber dann ist die Lektüre auch wieder sanft wie ein dahinplätschernder Bach, ja, man muss auch öfters mal lachen. An die Erzählart muss man sich dennoch ein wenig gewöhnen, es ist eine Mischung von einerseits der Sprache, mit der man Legenden und Märchen erzählt und anderseits die Sprache naiver Kunst. Sie ist schlicht, aber manchmal unerwartet ausdrucksstark:

„Ein blonder Schnurrbart verdeckte seine Lippen, eine Schirmkappe seine Gedanken.“

„Als er abwog, von wem er lieber geplagt werden wollte, von Geistern oder Kommunisten war seine Entscheidung schnell getroffen.“

Die Figuren sind sehr stark in diesem Roman und echte Originale. Manche wechseln die Identität und es ist nicht leicht, den Überblick zu behalten. Die Einzelschicksale der Kriegswirren überzeugen: Ob es sich um Eva handelt, die sich mehrmals seit 1914 suizidieren wollte – aber immer auf wundersame Weise in letzter Minute gerettet wird und schließlich ein langes und erfülltes Leben lebt, nicht eins ohne Leid zwar, aber eines, in dem es auch unerwartetes Glück gibt oder um die Schafhirtin Neda, deren Vater Xaver vor den Augen aller Dorfbewohner ermordet wird und die seitdem das Feuer hütet und der mehrere Männer sozusagen in die Hütte und in den Schoß fallen, Männer, die sie nicht erbeten hat. Da ist zum Beispiel Meto, ein Soldat wider Willen, ein Deserteur, dem eine Kugel im Kopf gnädiges Vergessen schenkt und der in der Folge ein Doppelleben führen wird oder Slavi, ein hoher gewaltbereitet KGB-Agent, der später einem Fresko in einer verfallenen Kapelle seine Verbrechen beichten wird oder ob es sich um Angela handelt, die Tochter der Nixe, eine Bäckerin, die eisern schweigt, als ein Mann zu ihr kommt und behauptet ihr in Russland verschollener Mann zu sein. Auch ein Onkel, der kein Onkel ist, taucht auf.

Ja, die Figuren sind stark. Am stärksten aber sind die Szenen in Belene, dem bulgarischen Konzentrationslager.

Freilich, nach „Archipel Gulag“, fragt man sich, ob man Gulag-Romane wirklich noch braucht. Braucht man sie? Ich bin nicht sicher. Vielleicht braucht jedes Land seinen eigenen Gulagroman, seine eigene Aufarbeitung der verbrecherischen Geschichte. Gegen das Vergessen. Und gegen das Vergessen lernt Barko, einer, der sogar zweimal in das Lager Belene kommt, verbotenerweise alle Namen auswendig, von den gemarterten Männer, die er auf einer Insel verscharren soll. In einer der Schlussszenen weiselt Barko sein Haus und schreibt alle Namen auf die Hauswände, an die er sich erinnern kann. In das letzte Fleckchen schreibt er seinen eigenen.

Fazit: Gegen das Vergessen! Eine Leseempfehlung für Geduldige, denn über 1000 Seiten sind ein Pfund.

Kategorie: Schelmen- und Gulagroman
Verlag: Kein & Aber, 2025
Auszeichnungen: Österreichischer Buchpreis

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Wie einen 1150 Seiten langen Roman rezensieren, wie einen 100 Jahre umfassenden Handlungsbogen zusammenfassen?
Es ist ein großer Roman, eine fantastische Geschichte über eine Familie zwischen Bulgarien und Österreich, verbunden durch den Fluss Donau.

Ich habe dieses Buch mit großer Begeisterung gelesen und finde es toll, dass Dimitré Dinev dafür den Österr. Buchpreis gewonnen hat - sehr verdient!

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Wieder ein unglaublicher Genuss, Dinev ist wirklich ein ganz Großer.
Schon "Engelszungen" hat mich damals begeistert - in der Figurenzeichnung, der Ideenvielfalt, der menschlichen und auch politischen Kraft.
Ein Autor, dem man noch deutlich mehr Leser und Leserinnen wünscht!

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Buchzitate aus „Zeit der Mutigen“

An „Zeit der Mutigen“ hat der Autor nach eigenen Angaben 13 Jahre lang geschrieben. Es hat sich gelohnt! Entstanden ist ein monumentales Epos, in der Printausgabe über 1000 Seiten lang, ein ganzes Jahrhundert europäischer Zeitgeschichte umfassend, leichtfüßig erzählt und dabei sorgfältig recherchiert, viel Wissen vermittelnd und dabei auf jeder Seite ein unterhaltsames und mitreißendes Leseerlebnis!

Ich habe noch nie ein so umfangreiches Buch gelesen, bei dem ich mich gleichzeitig so gut unterhalten habe und das von der ersten bis zur letzten Seite mitreißend und spannend war, und dabei gleichzeitig voll von schönen Sprachbildern, profundem Verständnis für die menschlichen Beziehungen und tiefsinnigen Gedanken über das 20. Jahrhundert in Europa mit all seinen Schrecken, aber auch für das, was Mensch-Sein, (Wahl)-Familie und Verbindung ausmacht.

Abwechselnd werden die miteinander auf vielfältige Weisen verflochtenen Schicksale der Mitglieder dreier Familien erzählt: einer österreichischen, einer bulgarischen und einer Roma-Familie, beginnend mit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis in 1990er Jahre. Es geht um Täter, Mitläufer und Widerstandskämpfer, Loyale und Verräter, Gedächtnisverlust und Rollentausch, die Frage, was Verwandtschaft ausmacht (Abstammung? Soziale Elternschaft? Eine Wahl?) und ganz viel um hehre Ideale, die sich dann in Schreckensherrschaft und Unterdrückung verwandeln können. Um Ausgrenzung und unverhoffte Freundschaft und Unterstützung. Um Kommunismus vs. Kapitalismus, Westen vs. Osten. Und um vieles mehr.

Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, originell und nicht klischeehaft. Da gibt es eine ausschließlich unter Männern aufgewachsene, sehr toughe Schafhirtin in Bulgarien, einen blonden, blauäugigen Roma und Enkel des Clanchefs, eine Stasimitarbeiterin, die doch auch ihr Herz am rechten Fleck hat, einen österreichischen Wehrmachtssoldaten, der seine Exekution durch die Sowjetarmee überlebt hat und fortan mit Gedächtnisverlust und einer Kugel im Kopf durchs Leben irrt, eine junge Frau, die ihre eigenen Suizid in der Donau überlebt hat und deren Tochter zeitlebens eine besondere Verbindung zu dem Fluss haben wird, und viele mehr. Eine stille und doch eindrucksvolle Protagonistin, die all die Schicksale immer wieder auf ihre Art verbindet und eine bestimmte Mythologie mit sich bringt, ist auch die Donau selbst, an deren Wachau-Ufer die eine österreichische Familie lebt… aber auch das bulgarische Konzentrationslager Belene ist von ihr geprägt.

Dadurch, dass aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, entsteht ein vielfältiges Bild, und mir sind selbst manche der moralisch durchaus zweifelhaften Charaktere auch ans Herz gewachsen bzw. habe ich ihre Antriebe und Motivationen nachvollziehen können.

Das Schreckliche der Kriege, Diktaturen und Konzentrationslager des 20. Jahrhunderts nimmt einen großen Raum im Buch ein. Insbesondere geht es ausführlich um das bulgarische Lager Belene, in dem jede und jeder aufgrund des kleinsten Vergehens oder auch völlig unschuldig für Jahre landen konnte und in dem viele Menschen grausam ums Leben kamen. Insgesamt befasst sich das Buch, neben den Schrecken der beiden Weltkriege, viel mit der Zeit der kommunistischen Diktatur in Bulgarien samt Bespitzelung, Überwachung und Staatssicherheit: ein wichtiges und mir bisher nicht sehr bekanntes Thema, über das ich in diesem Buch viel gelernt habe. Man merkt, dass der selbst ursprünglich aus diesem Land stammende Autor sich ausführlich und auch, wie er im Nachwort anmerkt, anhand umfangreicher Quellen, mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

Auch sprachlich mochte ich das Buch sehr und insbesondere die tiefsinnigen Gedanken über das Mensch-Sein, das Verständnis für ihre Psyche sowie mythologischen Bezüge haben mir ausgezeichnet gefallen:

„In einer nahezu unbekannten Sprache so viel wie möglich über sich zu erfahren, war ein schwieriges Unterfangen. „Wo bin ich?“, fragte er so lange mit Worten und Gesten, bis der andere ihn verstand. „Bei mir“, antwortete dieser. Ja, das verstand er, aber was sollte er mit so einer Antwort anfangen? Wobei dieses „Bei mir“ zwar nicht zurück zu seinem früheren Leben geführt hatte, so doch eindeutig zurück ins Leben. Und überwältigt von dieser Erkenntnis, begann er zu weinen.“ (S. 125 im E-Book)

„Ein ganz klares Bild von ihm hatte sie nie in ihrem Kopf aufbewahrt, da sie es als reine Platzverschwendung empfand. Trotzdem wusste sie genau, welche Gefühle seine Präsenz im Raum in ihr geweckt hatte. Deswegen wusste sie genau, dass dieser Mann, der wie aus dem Nichts erschienen war, nicht Helmut war. Seine Augen hatten vielleicht die gleiche Farbe, aber ein Blick hinein hatte gereicht, um ein ganz anderes Licht, eine ganz andere Welt in ihnen zu entdecken.“ (S. 270 im E-Book)

„Sie verschaffte ihrer Tochter immer neue und neue Aufgaben, kümmerte sich darum, dass sie nicht lange Zeit allein mit ihren Gedanken blieb. Vierzig Tage nach der Geburt war jede Wöchnerin sehr gefährdet, denn sie befand sich zwischen der Welt der Ahnen und der Welt der Lebenden, zwischen Leben und Tod, zwischen Gott und Teufel. Ihre Seele hatte Zugang zu allen Welten.“ (S. 700 im E-Book)

Insgesamt ist es trotz all der dunklen Themen kein hoffnungsloses Buch: dafür sorgen die liebevoll gezeichneten Charaktere, die raschen Perspektivwechsel und die vielen fast humorvollen Situationen unwahrscheinlichen Glücks, in denen unsere Helden und Heldinnen doch noch einmal davonkommen und sich aus einer scheinbar ausweglosen Situation retten können, auch wenn ihnen bei weitem nicht alles Unheil erspart bleibt.

So bleibt mir nach mehreren Wochen intensiver Lesezeit ein tiefgreifendes emotionales Erlebnis zurück, das noch lange nachwirken wird. Für mich ist dieses Buch schon jetzt ein moderner Klassiker der Literatur, der sich auf unterhaltsame Weise mit vielen grundlegenden Themen des Mensch-Seins und europäischer Zeitgeschichte auseinandersetzt. Es gehört zu den wenigen Büchern, die ich jedenfalls noch ein weiteres Mal lesen möchte. Ich kann das Buch einer breiten Leserschaft nur wärmstens empfehlen!

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