Seht mich an

Roman mit einem Nachwort von Daniel Schreiber | Die literarische Wiederentdeckung der Booker-Prize-Gewinnerin

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Erscheinungstermin 23.02.2023 | Archivierungsdatum 31.03.2023

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Zum Inhalt

Frances Hinton arbeitet in einer medizinischen Bibliothek und führt ein zurückgezogenes Leben, gemeinsam mit der früheren Haushälterin ihrer längst verstorbenen Mutter. Doch ihre eintönige Existenz wird von neuem Glanz erfüllt, als sie ein extravagantes Paar kennenlernt, das sie in ihren illustren Freundeskreis aufnimmt. Frances kann sich der Bewunderung des charmanten Nick und seiner umwerfenden Frau Alix nicht erwehren und schafft es mithilfe des glamourösen Paares, endlich aus ihrem Schattendasein herauszutreten. Doch muss Frances bald erkennen, dass diese neue aufregende Welt nicht so glanzvoll ist, wie sie scheint…

Frances Hinton arbeitet in einer medizinischen Bibliothek und führt ein zurückgezogenes Leben, gemeinsam mit der früheren Haushälterin ihrer längst verstorbenen Mutter. Doch ihre eintönige Existenz...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783961611539
PREIS 22,00 € (EUR)
SEITEN 288

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Zeitlos

Die britische Schriftstellerin Anita Brookner ist eine exzellente Schreiberin. Sie war eine großartige Autorin, die 2016 starb.
Sie schriebt meinst über alleinstehende Frauen aus dem Mittelstand in London..
In ihrem Roman Seht mich an, hat sie
ein psychologisches Gespür für einsame Frauen.
Die Protagonistin Francis ist voller
Komplexe und innere Konflikte.
Sie schreibt und arbeitet in einer Bibliothek. Sie freundet sich mit einem Ehepaar an, die etwas seltsam sind.

Frances genoss diese Freundschaft bis sie sich dann doch etwas zurück nahm. Dieser Roman ist stilistisch gut und etwas getragen, wie alle Bücher der Autorin. Der Roman ist zeitlos.e Literatur

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Für Frances sieht jeder Tag aus wie der andere: sie geht zu ihrer Arbeit in der medizinischen Bibliothek und kehrt dann wieder in die Wohnung zurück, in der sie nach dem Tod ihrer Mutter mit deren Haushälterin lebt. An den Wochenenden geht sie spazieren oder besucht eine ehemalige Kollegin. Sie ist zufrieden, aber nicht wirklich glücklich.

Doch dann lernt sie Alix und Nick kennen. Das Paar ist alles, was Frances gerne sein würde: sie sind charmant, selbstbewusst und haben interessante Freunde. Frances kann es kaum glauben, dass sich die Beiden für sie interessieren. Aber das tun sie und ihre Freundschaft eröffnet Frances ein neues, wunderbares Leben.

Anfangs habe ich mich für Frances gefreut. Hinter ihr steckt viel mehr als die graue Maus, die die Meisten auf den ersten Blick sehen. Aber weil die Menschen ihr nicht mehr als diesen ersten Blick gönnen, trauen sie ihr nicht viel zu und mit der Zeit hat sie diese Meinung übernommen. Dabei wäre sie gerne anders und Alix und Nick bieten ihr die Möglichkeit auf ein anderes Leben.

Die Freundschaft mit Alix gibt Frances ein bisher unbekanntes Selbstbewusstsein. Auch wenn sie sich im Umgang mit Alix’ Freunden oft noch unsicher fühlt, beginnt sie doch, Dinge zu ändern. Sie fängt an, zu schreiben und lernt einen Mann kennen.

Trotz aller Freude für Frances habe ich auch gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Nicht nur, dass die neuen Freunde zu oberflächlich schienen für die ernsthafte Frances. Ich hatte den Eindruck, als ob sie eine Art Projekt gerade für Alix war. Es hat ihr gefallen, die arme Waise, wie sie Frances gerne nennt, unter ihre Fittiche zu nehmen. Jetzt, wo sie selbstbewusster wird, gefällt ihr das nicht. Sie ist eifersüchtig auf jeden Erfolg, den Frances hat. Sie braucht keine Freundin, die ihr ebenbürtig ist, sondern eine, die zu ihr aufsieht.

Dabei will Frances nichts mehr, als dass man sie beachtet, wie Anita Brookner in ihrem Titel eindrücklich sagt. Sie will wahrgenommen werden. Nicht als das Anhängsel von Alix oder die Tochter einer Toten, wie sie ihre Haushälterin immer noch sieht. Aber bei ihrem Wunsch beachtet zu werden, übersieht sie, dass auch andere Menschen genauso wie sie gesehen werden wollen. Es dauert, bis sie das erkennt und ich habe das Gefühl, dass sie es erst danach schafft, sich so zu sehen, wie sie wirklich ist.

Anita Brookner erzählt Frances’ Geschichte in ruhigem Ton, trotzdem hat mich Seht mich an in seinen Bann gezogen. Die Autorin beschreibt die Charaktere so, dass ich mir sie gut vorstellen und auch verstehen kann. Man hat den Eindruck, als ob nicht viel passiert. Aber wie der erste Blick, den man auf Frances wirft, täuscht dieser Eindruck. Es ist eine vielschichtige Geschichte, für die man sich Zeit nehmen sollte, um alle Facetten zu sehen.

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Viele Arten von Einsamkeit;
Dieses Buch ist bereits vor über 40 Jahren erschienen, aber es ist (bis auf kleine Details) zeitlos und zeitlich kaum zu verorten. Es ist aus der Sicht von Francis, genannt Fanny, geschrieben, die in ihrem Leben zwischen Langeweile und Einsamkeit schwankt und von vielen einsamen Menschen umgeben ist. Als sie ein exzentrisches, egozentrisches, oberflächliches Paar näher kennenlernt, hat man direkt Angst, dass sie ihren neuen Bekannten nicht gewachsen ist. Sie ist in das Leben anderer, charismatischer Menschen verliebt und passt sich vollkommen an bis zur Selbstaufgabe. Obwohl wohlhabend, gönnt sie sich selber nichts. Ihre Verzweiflung und Sprachlosigkeit ob des Nicht-Gesehen-Werdens wird glaubhaft und nachvollziehbar geschildert. Das Buch ist mit feiner Psychologie und toller Beobachtungsgabe geschrieben. Es ist eine Analyse menschlicher Beziehungen und die Personen und Charaktere werden toll getroffen. Die Sprache ist gehoben mit sehr langen Sätzen und für die heutige Zeit etwas gewöhnungsbedürftig. Sehr gelungen fand ich das Nachwort, da es mir aus der Seele spricht und das Werk sehr gut analysiert und einordnet.

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Anita Brookner war eine britische Schriftstellerin und Kunsthistorikerin. Geb. Juli 1928, gestorben
im März 2016. Sie befasste sich hauptsächlich mit der französischen Malerei und Literatur des 18. und
19. Jahrhunderts. Ihr literarisches Werk umfasst mehr als 20 Romane.

Die junge Frances Hinton arbeitet in der Bibliothek eines medizinischen Instituts an einer Enzyklopädie
der Krankheit und des Todes. Sie lebt, dank dem Vermögen ihrer verstorbenen Eltern in einer geräumigen
Wohnung zusammen mit der früheren Haushälterin ihrer Mutter. Ihr Leben ist geprägt von Eintönigkeit
und Langeweile, nur durch ihr Schreiben kann sie sich von der Leere befreien. Als Alix und Nick in
ihr Leben treten und sie unter ihre Fittiche nehmen, glaubt sie, endlich das glamouröse Leben führen
zu können, in das sie sich bisher nur hineinschreiben konnte.

Wenn Fanny von der eintönigen Routinearbeit in der Bibliothek nach Hause kommt und ihre Neigung
zur Grübelei und ihre innere Unruhe durch einen Spaziergang zu überwinden glaubt, setzt sie sich
an ihren Schreibtisch und versucht, durch das Schreiben ihren Druck abzubauen. Sie ist sich des
langweiligen Lebens das sie führt durchaus bewußt, auch der großen Einsamkeit, die sie umgibt.
Und wenn sie sich fragt, ob diese Einsamkeit ihr ganzes Leben andauern soll, wird sie von ihren
Gedanken bis an den Rand einer hysterischen Angst getrieben. Und hier bemerkt man auch schon
die ständige Selbsttäuschung von Fanny, die fast im gleichen Moment erwähnte, dass sie nicht
hysterisch sei. Genauso wie sie meint, glücklicherweise nicht zu träumen, später jedoch von ihren
Träumen berichtet, genau diese Zerrissenheit und gestörte Selbstwahrnehmung machen die Person
Frances Hinton, genannt Fanny aus, deren großer Wunsch es ist, wahrgenommen zu werden: Seht
mich an.
Als die Frasers in ihr Leben treten, ist Fanny von allem was die beiden umgibt zutiefst entzückt,
endlich wird sie aus der fürchterlichen Leere ihres bisherigen Lebens befreit, sie sieht eine neue
Chance für sich und gibt ihr Hoffnung auf eine Zukunft, die die Vergangenheit auslöschen würde.
Diese traumatisierende Erfahrung aus ihrer Vergangenheit, über die Fanny nicht reden kann und will,
steht Fanny auch im Weg, als sie sich mit James anfreundet, schon Zukunftspläne schmiedet.
Ihr Wunsch nach mehr Frivolität, und dem Bedürfnis zurück zu ihrem unschuldigen Kind zeigen auch
hier die Zerrissenheit und die Selbsttäuschung der Protagonistin, die einen glücklichen Ausgang
verhindern.

Ein grandioser Roman, bei dem mich am meisten fasziniert hat, dass er so viele unterschiedliche
Interpretationsspielräume bietet und ein großartiges zeitloses Porträt einer jungen Frau, die
wahrscheinlich am meisten unter sich selbst leidet.

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"Ich finde solche Menschen [...] durchaus faszinierend. [...] Es ist mir klar, dass sie vielleicht gar keinen Verdienst haben, und doch werde ich mich bemühen, ihnen zu gefallen und ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Seht mich doch an!"

Solche Menschen - damit bezieht sich die Protagonistin Fanny auf ihre neu gewonnenen Freunde Alix und Nick. Das Boheme-Paar ist so ganz anders als die junge sittsame Bibliothekarin. Alix und Nick inszenieren ihre Ehe, sammeln einen illustren Kreis Freunde um sich und speisen fast jeden Abend im Restaurant. Fanny hingegen fühlt sich von der Welt ausgeschlossen, in ihrem zurückgezogenen Leben, das sie zwischen der Wohnung ihrer toten Mutter, der Arbeit und den Pflichtbesuchen bei Bekannten im Seniorenalter führt. Ihr bliebt die Rolle der schreibenden Beobachterin, die sich durch geistreiche und pointierte Erzählungen um die Gunst ihrer Leserschaft bemüht. Dass Nick und Alix sie unter ihre Fittiche nehmen, kommt für Fanny mehr als überraschend. Doch sie genießt den Klatsch, die Lästereine, den Genuss und den neu erlernten Egoismus - bis sie eines Tages erkennen muss, das die Aufmerksamkeit solcher Menschen ihren Preis hat.

Anita Brookner hat ihren Roman "Seht mich an" vor knapp vierzig Jahren geschrieben. Dennoch sind Thema und Handlung höchst aktuell und fügen sich nahtlos in moderne Romane über toxische Beziehungen ein. Fannys Leben ist - wie Daniel Schreiber in seiner feinen Analyse im Nachwort schreibt - allenfalls erträglich zu nennen. Ihre Einsamkeit springt die Lesenden förmlich an. Man hat Mitleid mit der Frau, die so sehr auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt ist, dass sie verlernt hat, sich selbst anzunehmen. Gerne möchte man ihr zurufen, dass sie stärker auf sich selbst vertrauen soll und das die Welt des schönen Scheins weniger begehrlich ist, als es den Anschein haben mag. Man möchte Fanny ans Herz legen, dass sie sehr wohl da ist - und dazu nicht unbedingt die Aufmerksamkeit der Schönen und (ehemals) Reichen benötigt. Gleichzeitig kann man ihren Wunsch nach Anerkennung so gut nachvollziehen.

Anita Brookner gelingt es vielleicht auf deshalb, eine so authentische Figur zu schaffen, für die der Leser große Zuneigung empfindet, weil sie möglicherweise ein kleines Stück ihrer eigenen Erfahrungen in der Figur spiegeln kann. Denn viele Parallelen zu ihrem Leben lassen sich erkennen, ist Fanny doch ebenfalls Schriftstellerin und hat auch Brookner ihre Mutter bis zu deren Tod gepflegt.

Aber nicht nur der Inhalt mit seiner fein ausgearbeiteten Protagonistin macht diese Wiederentdeckung zu einem Lesegenuss. Brookner versteht es meisterhaft, Motive in die Handlung einzuweben, immer wieder auftauchen zu lassen und so einen Deutungsrahmen zu schaffen. Wie zufällig scheinen Fannys Gedanken über die weibliche und männliche Darstellung von Melancholie zu Beginn des Buches zu sein. Doch sind Sätze wie "Ist aber ein Mann von Melancholie befallen, dann, weil er an der romantischen Liebe leidet" nicht auch eine versteckte Deutungsschablone für den Roman? Und was ist mit Fannys häufig wiederholten Forderung: Seht mich an! oder ihr Sinnieren darüber, dass man einmal Gehörtes nicht mehr vergessen kann? Diese Brotkrumen machen das Lesen von "Seht mich an" zu einem ganz besonderen Vergnügen.

Mit dem Roman ist der "Herrin der Düsternis", wie Brookner schon oft von Kritikern bezeichnet wurde, ein Meisterwerk der Melancholie gelungen. Von der vielleicht anfangs etwas sperrigen Sprache darf man sich nicht abbringen lassen, denn dieser Roman ist die Lektüre definitiv Wert.

(Verlinkungen werden zum Erscheinungstermin erstellt)

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