Der Milchmann

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Erscheinungstermin 19.09.2022 | Archivierungsdatum 11.11.2022

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Zum Inhalt

Jakob Weinberg wohnt in München. Er ist siebzig Jahre alt, hat Auschwitz überlebt und genießt hohes Ansehen bei seinen Freunden. Sie nennen ihn „Milchmann“, weil er damals im Lager eine Kiste mit Trockenmilch fand und zum Retter seiner Mithäftlinge wurde. So die sorgfältig gepflegte Legende. Weinberg kann nicht klagen: Er ist wohlhabend und hat eine junge Geliebte. Ende Oktober 1995 passiert es: Eine Gewebeprobe verheißt Unheil, sieben Tage Ungewissheit. Es geht um sein Erbe. Seine Kinder, die Geliebte und seine Freunde setzen Weinberg unter Druck. Samstag, 4. November, ein neuer Schock: Yitzhak Rabin, den Weinberg verehrt, wird ermordet. Er ist verzweifelt. Ein Jude hat einen anderen erschlagen. Auschwitz kehrt drohend in sein Bewusstsein zurück. Nun versucht der „Milchmann“ Ordnung in sein Leben zu bringen. Als er schließlich die Diagnose erfährt, handelt er entschlossen. 

Jakob Weinberg wohnt in München. Er ist siebzig Jahre alt, hat Auschwitz überlebt und genießt hohes Ansehen bei seinen Freunden. Sie nennen ihn „Milchmann“, weil er damals im Lager eine Kiste mit...


Vorab-Besprechungen

„Eine fiktive Gegenwartshandlung und auf Tatsachen beruhende KZ-Berichte verbinden sich ... zum ersten deutschsprachigen Roman, der die seelischen Spätfolgen des grausamen Lageralltags für die Überlebenden der Schoah schildert.“ (Süddeutsche Zeitung)

„Eine fiktive Gegenwartshandlung und auf Tatsachen beruhende KZ-Berichte verbinden sich ... zum ersten deutschsprachigen Roman, der die seelischen Spätfolgen des grausamen Lageralltags für die...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Paperback
ISBN 9783784436395
PREIS 20,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

REZENSION – Obwohl der „Der Milchmann“ schon im Jahr 1999 erstmals erschien, hat der jetzt im Verlag Langen-Müller erneut veröffentlichte Roman des in Israel geborenen und seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland lebenden Schriftstellers und Historikers Rafael Seligmann (75) auch nach 23 Jahren nichts an seiner gesellschaftspolitischen Brisanz verloren. Im Gegenteil: Angesichts des aktuell wachsenden Antisemitismus ist er aktuell wie zuvor und kann immer noch zum besseren Verständnis des deutsch-jüdischen wie des deutsch-israelischen Verhältnisses beitragen. Denn beiderseitiges Verständnis, aber auch Streit - „Streit wie in der Judenschule“ - sind nach Seligmanns Auffassung unabdingbare Voraussetzung, um die nach dem Holocaust zurückgebliebenen seelischen Verletzungen bei Opfern und Tätern sowie bei deren Nachkommen zu heilen. Diese tiefgreifende Vielschichtigkeit der Konflikte nach der Shoah bei den Überlebenden, ihren Angehörigen und deren Nachkommen beschreibt Seligmann, selbst Sohn eines jüdischen Emigranten aus Bayern, in seinem „Milchmann“.
Der aus Polen stammende 70-jährige Jakob Weinberg hat das Vernichtungslager Auschwitz überlebt und lebt in den 1990er Jahren als angesehener Geschäftsmann nach dem Tod seiner jüdischen Ehefrau mit einer nicht-jüdischen Geliebten in München. Seine jüdischen Freunde, alle wie er selbst osteuropäische Überlebende der Shoah, nennen ihn den „Milchmann“. Damals im Vernichtungslager hatte er eine Kiste Trockenmilch gefunden und soll damit – so wird erzählt – seine Mithäftlinge vor dem Hungertod gerettet haben. Weinberg hat dieser Legende aus Eigennutz nie widersprochen. So weit, so gut. Als sein Arzt ihm im Jahr 1995 eine Gewebeprobe entnimmt, um sie im Labor untersuchen zu lassen, wird Weinberg von Todesangst gepackt. Und es kommt noch schlimmer: Nicht nur, dass seine beiden verheirateten Kinder und seine junge Geliebte ihn wegen des beträchtlichen Erbes unter Druck setzen und zusätzlich seine Kumpel von ihm Geld für die Operation eines erkrankten Freundes fordern, sondern völlig ins Wanken gerät seine Welt, als der von ihm verehrte israelische Präsident Yitzhak Rabin einem Attentat zum Opfer fällt und Weinberg erkennen muss: Nicht nur die deutschen Nazis haben Juden ermordet, sondern jetzt ermordet ein Jude den anderen. Gibt es also auch jüdische Nazis? Sind die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend?
Ist man als deutscher Leser gewohnt, in Büchern über den Holocaust und die Folgezeit eine meist klischeehaft pauschale Trennung zwischen Tätern (Deutsche) und Opfern (Juden) zu finden, sieht man sich in Seligmanns „Milchmann“ einer fast irritierenden anderen Sichtweise gegenüber: Der Autor beschränkt sich in seinem Roman ausschließlich auf Weinberg und seine jüdische „Mischpoke“, auf dessen eigene Familie und Freundeskreis, und zeigt die gesellschaftspolitischen Konflikte innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Es gibt demnach gravierende Unterschiede im Leben, Denken und Handeln zwischen den Generationen der Überlebenden aus Osteuropa und denen aus Deutschland, zwischen den in der jungen Bundesrepublik aufgewachsenen Kindern und den in Israel lebenden oder den nach Deutschland heimgekehrten Nachkommen – wie Rafael Seligmann selbst. Deutsche Juden sind also keineswegs als homogene Gesellschaftsgruppe anzusehen, sondern so unterschiedlich wie alle Menschen.
Seligmann lässt in seinem provozierenden Roman seine in Deutschland lebenden Glaubensgenossen nicht unverschont. In seinem Roman bestehen die Konflikte nicht zwischen Juden und Deutschen, sondern zwischen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration sowie zwischen den orthodoxen und liberalen Juden. Wegen seiner harschen „Kritik in alle Richtungen“ und seiner Forderung nach „mehr Normalität“ im Zusammenleben von Deutschen und Juden wurde Seligmann, der sich selbst als „deutscher Jude“ sieht, schon in den eigenen Reihen als „Nestbeschmutzer“ beschimpft. Doch gerade diese Offenheit und Ehrlichkeit des Autors lässt seinen Roman „Der Milchmann“ noch heute aktuell wirken, provoziert auch den heutigen Leser zum Nachdenken und macht das Buch auch 23 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch immer zu einer empfehlenswerten Lektüre: „Der Milchmann“ trägt leichter zum besseren Verständnis und Miteinander bei als jede Talkshow.

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Über den Autor: /Verlag

Rafael Seligmann geboren 1947 in Tel Aviv. Im Alter von zehn Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach Deutschland ein. Er ist Autor der ersten deutsch-jüdischen Gegenwartsromane, u.a. „Die jiddische Mamme“, „Der Musterjude“, „Der Milchmann“ und „Die Kohle-Saga“. Außerdem ist er Sachbuchautor („Hitler. Die Deutschen und ihr Führer“) und Freier Journalist, (u.a. „Welt“, „Spiegel“, „Stern“, „FAZ“, „taz“, „Bild“) Kolumnist und Chefredakteur.
Seit 2012 außerdem Gründer und Herausgeber der „Jewish Voice from Germany“, der größten jüdischen Zeitung außerhalb Israels.

Kurzbeschreibung: /Verlag

Jakob Weinberg wohnt in München. Er ist siebzig Jahre alt, hat Auschwitz überlebt und genießt hohes Ansehen bei seinen Freunden. Sie nennen ihn „Milchmann“, weil er damals im Lager eine Kiste mit Trockenmilch fand und zum Retter seiner Mithäftlinge wurde. So die sorgfältig gepflegte Legende. Weinberg kann nicht klagen: Er ist wohlhabend und hat eine junge Geliebte. Ende Oktober 1995 passiert es: Eine Gewebeprobe verheißt Unheil, sieben Tage Ungewissheit. Es geht um sein Erbe. Seine Kinder, die Geliebte und seine Freunde setzen Weinberg unter Druck. Samstag, 4. November, ein neuer Schock: Yitzhak Rabin, den Weinberg verehrt, wird ermordet. Er ist verzweifelt. Ein Jude hat einen anderen erschlagen. Auschwitz kehrt drohend in sein Bewusstsein zurück. Nun versucht der „Milchmann“ Ordnung in sein Leben zu bringen. Als er schließlich die Diagnose erfährt, handelt er entschlossen.

Meine Meinung:

Jakob Weinberg ist ein Jude, der den Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau überlebt hat. Zu welchem Preis weiß nur er allein. Die Geschichte beginnt ohne Einführung gleich mit einem spannenden Moment. Jakob arbeitet an den Schienen, als ein Zug vorbeifährt, und von dem ein Karton herunterfällt. Schnell sieht Jakob nach, was das ist. Und es ist ein großer Schatz, was er darin findet. Im Karton sind Dosen mit trockenem Milch. Die Gefangene sind vom Hunger am Sterben, und Jakob hofft, mit diesem Fund eine Zeitlang überleben zu können. Doch als alle in die Baracken zurückkehren, reicht ihm die Kraft nicht, diesen Karton zu tragen, da müssen andere Mitgefangenen helfen. Als die in der Baracke ankommen, verteilt einer der Mitgefangenen die ganze Milch an all die anderen. Jakob Weinberg kommt mit dieser Tat sehr schlecht zurecht. Er fühlt sich betrogen, denn er hat die Dosen gefunden... Es kommt zu einem Streit und einer Schlägerei, die große Folgen haben wird...
Doch Jakob Weinberg überlebt. Wie? Das erfährt man aus dem Roman
Und noch viel mehr. Der Leser erfährt, wie die Juden in Deutschland nach dem Krieg gelebt haben, was die fühlten, welche Auswirkungen hatten die Nazis auf ihr Leben, welche Einstellung die zu Deutschen hatten und noch viel mehr.
Auch Jakob Weinberg lebt sein Leben im Schatten der KZ Erfahrungen. Er ist unzufrieden, dabei hat er reichlich Geld, erwachsene Kinder, und inzwischen eine neue Frau, die allerdings nicht Jüdin ist, was ihm zu schaffen macht. Und er hat überlebt und gilt bei allen als Held, der vielen Juden das Leben gerettet hat, indem er die Dosen mit Milch verteilte. Ja, so wird es erzählt....

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, aber auch zum Teil sehr nachdenklich gestimmt. Der Autor zeigt nicht gerade behutsam, dass die Juden, auch KZ-Gefangene auch nur Menschen sind: mit all ihren Schwächen, schlechten Charaktereigenschaften und dem Willen zum Leben um jeden Preis. Die Geschichte von Seligmann behandelt einen Zeitraum von einer Woche, die im Leben von Jakob besonders wichtig ist. Die besteht zum großen Teil aus Erinnerungen und Nachdenken über das eigene Leben.

Was für mich völlig neu war in dem Roman "Der Milchmann". Rafael Seligmann entglorifiziert die Häftlinge von Konzentrationslager, indem er ihre menschlichen, charakterlichen Schwächen zeigt. Jakob wird zwar von anderen für einen Helden gehalten, doch der Leser weiß ganz genau, wie und was sich damals zugetragen hat. Das ist ein neuer Blickwinkel auf die Geschichte der Juden während des Zweiten Weltkrieges. Auch ihre Tätigkeit nach dem Krieg hat nichts mit Heldentum zu tun. Rafael Seligmann scheut es nicht, die Juden als Menschen darzustellen, mit allen ihren Fehlern und manchmal auch Stärken.

Der Erzählstil hat mir gut gefallen, die Geschichte wirkt sehr lebendig, und liefert Kopfbilder. Was etwas schwierig für mich war: Es gibt sehr viele jiddische Begriffe in dem Roman. Besonders in Dialogen. Somit sichert der Autor natürlich die Authentizität der Geschichte, doch Lesefluss wird dadurch etwas gestört, da man nicht die genaue Übersetzung der Wörter hat. Man kann als Leser nur sich denken, was gemeint war.

Der Hauptgedanke des Autors sehe ich in dem Versuch für die Leser begreiflich zu machen, dass auch ein KZ-Überlebender nur ein Mensch war. Was stellenweise im Laufe der Geschichte schwer zu verdauen ist. Doch alles in allem hat mir der Roman sehr gut gefallen. Und ich würde ihn uneingeschränkt weiterempfehlen.
Von mir gibt es 4,5 Sterne.

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