Eine Laune Gottes

Roman. Mit einem Nachwort von Margaret Atwood | Nach „Der steinerne Engel“ der zweite der fünf Manawaka-Romane

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Erscheinungstermin 28.04.2022 | Archivierungsdatum 31.07.2022

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Zum Inhalt

»Ein an Perfektion grenzender Roman.« MARGARET ATWOOD

Rachel Camerons Leben ist bestimmt von ihrer Arbeit als Lehrerin und den Erwartungen ihrer stark hilfsbedürftigen Mutter. Seit der Vater starb, gibt es außer ihr niemand, der sich um die kränkliche Witwe kümmern könnte. So scheint Rachels Schicksal besiegelt – als Mauerblümchen wird sie in der kanadischen Provinzstadt Manawaka ein gesellschaftlich kontrolliertes und ereignisloses Leben führen. Doch dann begegnet Rachel ihrem ehemaligen Schulfreund Nick wieder, der für die Sommermonate zu Besuch bei seinen Eltern ist. Er geht mit ihr aus und beginnt eine Affäre mit ihr. Und obwohl Rachel ahnt, dass diese Beziehung nicht von Dauer sein kann, stürzt sie sich in dieses Verhältnis, erfährt zum ersten Mal in ihrem Leben körperliche Liebe und beginnt langsam zu begreifen, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen muss, wenn sie sich nicht von den äußeren Umständen erdrücken lassen will ...

»Ein an Perfektion grenzender Roman.« MARGARET ATWOOD

Rachel Camerons Leben ist bestimmt von ihrer Arbeit als Lehrerin und den Erwartungen ihrer stark hilfsbedürftigen Mutter. Seit der Vater starb...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783961611300
PREIS 22,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Kleinstadt-Melancholie
Sechzigerjahre, Kleinstadt in Kanada, "Fräulein Lehrerin" mit klammernder Mutter ist mit ihrem Leben unzufrieden, bricht aber erst aus, nachdem sie von einem Mann enttäuscht wurde.
Was vielleicht nicht unbedingt originell klingt, ergibt in dem Roman "Eine Laune Gottes" aus der Feder von Margaret Laurence ein ergreifendes, wenn auch ein bisschen melancholisches Lesevergnügen. Es entsteht, weil der Leser die Beobachtungen, Gedanken, Gefühle von Rachel Cameron hautnah aus der Ich-Perspektive miterlebt. Und die haben durchaus Tiefgang und Zeitlosigkeit. Und sind selbst in der Übersetzung zum Niederknien formuliert.

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Ein sehr ruhiges Buch mit starker Erzählerstimme, die einen in den Bann zieht.
Man kann sich gut in Rachel hineinversetzten und dem Gefühl an einem Ort festzustecken und dort nur Verpflichtungen zu haben. Aber Flüchten ist schwierig, denn man macht sich unnötige oder nötige Sorgen um ALLES und weiß gar nicht so recht, wie man es schaffen soll.

Die Liebesgeschichte, die sich im Laufe entwickelt ist sehr lebensnah, leise und zerbrechlich und auch hier spürt man den tiefen Kummer von Rachel, die sich nicht zu Helfen weiß.

Das Ende ist vielleicht kein Happy End als solches, aber ich sehe es als Anfang für ein neues Leben mit vielen Optionen.'

Überzeugen kann die Geschichte vor allem sprachlich, fesselnd.
Zum Nachdenken, verschlingen und im Stillen zu Genießen.

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Rachel Cameron stammt von schottischen Einwanderern ab, arbeitet als Lehrerin und lebt schon immer mit ihrer Mutter im ehemaligen Elternhaus. Eine Frau, die in Manawaka keinen Landwirt heiraten will, muss in eine größere Stadt ziehen oder bleibt lebenslang Single. Durch ihr Leben unter der Fuchtel einer manipulativen Mutter und weil sie ihren Heimatort nie verlassen hat, ist Rachel immer Kind geblieben. Ihre Mitmenschen haben wie sie die irritierende Angewohnheit, Gesagtes stets gleich wieder abzuwiegeln oder zurückzunehmen und - völlig logisch - von anderen zu erwarten, dass sie nicht meinen, was sie sagen. Auf mehreren Ebenen hat Rachel sich festgefahren, sie wagt weder eine Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, noch mit ihrem Rektor, noch mit der leicht missionarischen und dabei herzensguten Kollegin Calla. Die Meisterin der Killerphrasen ermahnt sich selbst, dass wegen ihrer Mutter eben keine andere Lebensweise möglich ist.
Als Rachel einen ereignislosen Sommer vor sich hat, den sie vor sich selbst mit der angeschlagenen Gesundheit ihrer Mutter rechtfertigt, trifft sie Nick, der in der Schule im Jahrgang über ihr war. Nick hat Manawaka aus Gründen verlassen, die Rachel nur zu vertraut sind, und ist seitdem selten zu Besuch gekommen. Mit Nick und Rachel steht sich die unversöhnliche Spaltung im Ort gegenüber. Sein Vater kam aus der Ukraine und war Landwirt und Milchmann, der anfangs die Milch noch mit dem Pferdegespann ausfuhr. Einwanderer aus Schottland stellten natürlich etwas Besseres dar, so dass Rachel und ihre Schwester nicht mit Kindern aus ukrainischen Familien spielen durften. Mit einer zarten Liebe zu Nick keimt auch die Hoffnung in Rachel, dass Nick sie aus ihrem selbst konstruierten Gefängnis namens Provinz retten wird. Doch wie soll das gehen, wenn beide den Dingen stets verklausuliert ausweichen? Und was erwartet Rachel eigentlich von einem Partner, der ihr beim Rausgehen achtlos die Aufforderung hinwirft: Liebling, du kümmerst dich dann bitte darum, dass du nicht schwanger wirst.
Der 2. Band des Manawanka-Zyklus wirkt ungeheuer bedrückend, weil Rachel (völlig anders als die Figuren im „Steinernen Engel“) nie vom Weg zwischen Schule und Wohnung abweicht und jeden Kontakt brüsk abwehrt. Sie hat sich mit ihrem eingeschränkten Blickwinkel so festgefahren, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie Margaret Laurence ihre Figuren aus der Situation herausschreiben würde. Doch es kommt zu einer überraschenden Wende.

Rückblickend können wir uns heute nur schwer vorstellen, dass es bei Erscheinen des Romans 1966 im ländlichen Kanada kein anderes Familienmodell gegen haben sollte, als dass eine Lehrerin entweder allein blieb oder ihren Beruf aufgab, um einen Farmer zu heiraten. Das Nachwort von Margaret Atwood (*1939) ordnet den Roman mit seiner Bedeutung für die kanadische Literatur ein. Als Atwood mit 27 Jahren das Buch erhielt, war Laurence eine der wenigen kanadischen Autorinnen überhaupt. Die jüngere Kollegin erkannte voller Ehrfurcht die Qualität des Textes und die Bedeutung des Stoffs für die Darstellung der Frauen- und Mutterrolle in der Literatur.
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Der Manawaka-Zyklus (nach Wikipedia)
Der literarische Durchbruch gelang Laurence mit ihren späteren Romanen, die größtenteils in Kanada in der Gegend um ihren Geburtsort Neepawa spielen. Diese Romane werden bisweilen als „Manawaka-Serie“ bezeichnet. Die ersten drei Teile, The Stone Angel (1964), A Jest of God (1966) und The Fire-Dwellers (1969) schrieb Laurence noch in England nach der Trennung von ihrem Ehemann. Eine breite Leserschaft erreichte sie in Kanada, wo sich Laurence mit der Trilogie als eine der bekanntesten Schriftstellerinnen etablierte. The Stone Angel ist bis heute ihr meistgelesenes Werk. 1974 wurde die Manawaka-Serie mit The Diviners abgeschlossen, ein Roman, der verschiedene Figuren aus den früheren Teilen aufgreift und als ihr ambitioniertestes Werk gilt. Weitere Romane veröffentlichte sie danach nicht mehr; sie beschränkte sich auf Essays und Kinderbücher.

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Erst nachdem ich das ganze Buch durchgelesen hatte, habe ich mitbekommen, dass die Geschichte in 1966 geschrieben wurde. Man merkt der Geschichte fast gar nicht an, dass sie schon älter ist; die Zweifel von Rachel, das Unbehagen einer Frau, die zwischen der Welt draußen und Zuhause gefangen ist, und auch die Rolle von Tugend und Scham werden hier sehr detailliert erforscht und fühlen sich immer noch aktuell an. An manchen Stellen sehr intensiv, an anderen mit Selbstironie und Sarkasmus lernen wir Rachels innere Wünsche und Träume kennen. Am Anfang war ich mir nicht sicher, was mich erwartet und hatte mit Rachel zu kämpfen, weil sie mich mit ihrer Art frustriert hat. Aber trotzdem konnte ich nicht aufhören die Geschichte zu lesen und war dann überrascht, dass die Geschichte doch mehr zu bieten hatte als einfache Unterhaltung. Es war ein Page-Turner und irgendwann setzte auch das Verständnis und Mitgefühl für Rachel ein. Dieses Buch gehört auf jeden Fall zu den Geschichten, die mich zum Nachdenken angeregt haben, und verdient 4,5 Sterne. Ich könnte mir das Buch übrigens auch sehr gut für ein Buchclub vorstellen!

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Perfekte Lektüre

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Laurence ist eine große
Romanautorin.
Der Roman „Eine Laune Gottes“ ist in 1960ern geschrieben worden. Er gehört zu ihrer Manakaserie.
Den Roman Der steinerne Engel habe ich auch schon mit Begeisterung gelesen.

Die Icherzählerin, die 34jährige Rachel Cameon lebt mit ihrer dominierenden Mutter zusammen. Sie ist Lehrerin in dem Präriestädtchen. Sie ist etwas unselbständig und lässt sich von ihrer kränkelnden Mutter zu sehr beeinflussen. Dann trifft sie sich mit Nick, den sie aus der Schulzeit kennt und verliebt sich in ihn. Die Autorin lässt uns an Rachels Gedanken direkt mitdenken. Das ist perfekt gemacht.

Obwohl der Roman aus den 1960er Jahren ist, ist er keineswegs veraltet.
Margaret Laurence trifft immer den richtigen Ton.

Am Ende gibt es noch ein Nachwort von Margaret Atwood.

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Klapptext: Rachel Camerons Leben ist bestimmt von ihrer Arbeit.
Fazit: Wenn man das Cover betrachtet, so erahnt man noch nicht ganz was der Inhalt sein soll. Doch das ändert sich sehr rasch. Rachel Camerons lebt in der kanadischen Provinzstadt Manawaka. Sie ist Lehrerin und kümmert sich um ihre Mutter. Sie hat sich bereits mit ihrem Schicksal abgefunden. Der Leser wird hier in eine Geschichte gezogen, welche sich nach jeder Seite zu Ändern beginnt. Als sie ihren Schulfreund Nick trifft, beginnen die beide eine Affäre. Sie geniesst es und geniesst die körperliche Liebe mit ihm. Es ist schön zu lesen, wie sie langsam begreift, dass sie für ihr Leben selber verantwortlich ist. Zudem merkt sie, dass sie etwas ändern muss, sonst wird sie von den äusseren Umständen erdrückt. Das Buch kann ich sehr empfehlen zu lesen.

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Selten habe ich ein gutes Buch so ungern gelesen. Es geht einem unter die Haut, aber man muss schon knapp 300 Seiten plastische Selbstzweifel aushalten können.

In einem endlosen inneren Monolog erzählt eine Frau schonungslos von ihrem Leben und ihren Problemen. Rachel Cameron ist Lehrerin in einer kanadischen Kleinstadt, über 30, ledig, zu groß, zu dünn, zu unscheinbar, ein Mauerblümchen ohne Perspektive in den 60er Jahren. Sie ist voller Komplexe und Selbstzweifel und ihre Mutter, mit der sie zusammenlebt, tut ihr Bestes, um diesen Zustand zu erhalten. Sie beherrscht es perfekt, ihre Gesundheit ins Spiel zu bringen, wenn Rachel eigene Pläne hat und sie immer wieder moralisch unter Druck zu setzen. Als sich dann doch ein Mann für Rachel zu interessieren scheint, geraten die eingefahrenen Routinen in Bewegung.

Margaret Laurence schreibt eindringlich, man schlüpft hinein in Rachels Kopf und fühlt mit, hadert mit, zweifelt und verzweifelt, erinnert sich, schämt sich, ein Gedankenkarussell, das sich ohne Pause dreht und dreht. Das ist mitreißend und erstaunlich, aber auch wirklich qualvoll. Ich musste das Buch oft beiseitelegen.

Dieses Buch zeigt den inneren Kampf einer Frau, die sich mit ihrem vorgezeichneten Schicksal nicht abfinden will, dazu aber eigene Hemmungen und herrschende Konventionen überwinden muss. Es ist nicht leicht, zu tun, was man nicht tut, schon gar nicht in den 60er Jahren, und wenn man dann noch Mutters Herz berücksichtigen muss, hat man kaum noch eine Chance.

Es wurde 1966 geschrieben, wirkt aber weder antiquiert noch überholt, ist damals wie heute ein aufwühlendes Erlebnis.

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Rachel Cameron, unsere Protagonistin und Ich-Erzählerin, ist in den 60er Jahren in Manawaka (eine fiktive Provinzstadt in Kanada) 34 Jahre alt. Sie arbeitet als Lehrerin, ist Single und lebt mit ihrer verwitweten Mutter zusammen.

Und sie ist extrem unsicher: sie stimmt jedem Gesprächspartner zu, äußert keine eigene Meinung (auch nicht gegenüber ihrer Freundin Calla) und entschuldigt sich laufend, auch bei unnötigen Gelegenheiten. (‚People Pleaser‘ ist der Fachausdruck für derartige Menschen!)

Anfang der Sommerferien taucht Nick, ein ehemaliger Schulfreund, im Städtchen auf, da er seine Eltern besucht. Das wirbelt nicht nur das Gefühlsleben von Rachel durcheinander!

Sehr plastisch werden die Unterhaltungen zwischen Rachel und ihrer Mutter geschildert. (Ich bekam dabei Aggressionen!) In ‚Eine Laune Gottes‘ geht es um einen Entwicklungsprozess einer jungen Frau, einer klammernden Mutter und um mangelnde Kommunikation.

Ich schwankte zwischen Schmunzeln über diverse Ausdrücke (z.B. ‚die sterbende Kameliendame, echt Kintopp‘ oder ‚blass wie eine abgezogene Mandel‘), Wut über die Manipulationen der Mutter und Freude über gewonnene Erkenntnisse bei Rachel.

Sehr gut gefallen hat mir der Besuch der Protagonistin bei Hector Jonas, der das Beerdigungs-Institut ihres verstorbenen Vaters übernommen hatte, und seine Erklärung, wie er seinen Beruf versteht. (Verkauf von 'Entlastung' und ‚Modifiziertes Prestige‘)

Wer Freude an Zwischenmenschlichem, an Psychologie, hat, der ist bei diesem Roman (mit seinen immer aktuellen Themen) richtig!

Trotz aller Pluspunkte, die die volle Zahl an Rezensions-Sternen verdiente, konnte ich mich nicht zum 5. Stern durchringen, da es für mich kein Wohlfühlbuch war - zu viele Vertreter der hier aufgeführten Charaktere kannte, bzw. kenne ich!

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Ein Sommer mit Folgen …

Neben ihrer Arbeit als Lehrerin kümmert sich Rachel Cameron auch um ihre kränkelnde Mutter, die sie immer noch als Kind behandelt, seit sie nach dem Tod des Vaters alleine mit ihr zusammen lebt. Rachel ist vierunddreißig und noch unverheiratet, und daran wird sich für die unsichere, scheue Frau auch nichts ändern, solange sie weiterhin im kanadischen Provinzstädtchen Manawaka bleibt. Als jetzt die großen Ferien beginnen, steht ihr ein öder, ereignisloser Sommer bevor. Doch dann begegnet sie ihrem ehemaligen Schulkameraden Nick wieder, der einst den Ort verlassen hat und nun den Sommer bei seinen Eltern verbringen möchte. Rachel verliebt sich in ihn, beginnt eine Affäre mit ihm, erfährt zum ersten Mal in ihrem Leben die körperliche Liebe – und macht sich erste zaghafte Gedanken über ihre Zukunft …

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Laurence wurde 1926 geboren und starb 1987 durch Selbstmord, nachdem bei ihr Lungenkrebs diagnostiziert worden war. Sie zählt neben Margaret Atwood und Alice Munro zu den bedeutendsten Autorinnen Kanadas. Der vorliegende Roman erschien bereits 1966 unter dem Titel „A Jest of God“, wurde 1968 verfilmt als „Die Liebe eines Sommers“ und wurde erst jetzt, 2022, in deutscher Übersetzung von Monika Baark unter dem Titel „Eine Laune Gottes“ vom Eisele-Verlag München veröffentlicht.

Selten wurde ich von einem Buch so in seinen Bann gezogen, wie von diesem. Schonungslos, dennoch äußerst feinfühlig, lässt uns die Autorin am Innenleben einer zutiefst unsicheren, ängstlichen und zerrissenen Frau teilhaben. Sie lässt Rachel selbst erzählen und schafft dadurch eine emotionale Atmosphäre der Sympathie und des Verständnisses. Wir sind ganz bei Rachel, verinnerlichen ihre geheimsten Gedanken und werden gewissermaßen sie selbst. Hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Gefühl leben und leiden wir mit ihr, fügen uns ihren selbstauferlegten Zwängen und ihrem geheimen Wunsch, die eigenen Bedürfnisse auszuleben - und atmen befreit auf als Rachel nach und nach merkt, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und eine Änderung herbeiführen muss.

Obwohl die Autorin den Roman schon in den 1960ern geschrieben hatte, ist sein Inhalt auch heute noch erstaunlich aktuell. Ein Nachwort von Margaret Atwood erläutert perfekt die Bedeutung des Romans für die kanadische Literatur und rundet das Buch gekonnt ab.

Fazit: Keine Geschichte zum Wohlfühlen, aber eine eindrucksvolle Lektüre, die ich gerne weiter empfehle.

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Einfühlsam, charmant und doch sehr intensiv erzählt die Autorin von einer Frau, die lernt, dass sie nicht das Opfer ihrer äußeren Umstände ist. In uns allen liegt die Kraft das eigene Leben zu lenken und sich gegen die vielen Eindrücke und Stimmen von Außen zu wehren. Ein Buch das einen zum Weinen und zum Lachen bringt, aber vor Allem Futter für die Seele ist.

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In der kanadischen Kleinstadt Manawaka kümmert sich Rachel Cameron nach dem Tode des Vaters um ihre Mutter. Die Schwester hat schnell geheiratet, Kinder bekommen und sich an die Küste verkrümelt. So bleibt es Rachels Aufgabe, für die Mutter da zu sein. Tagsüber arbeitet sie als Lehrerin, und nachmittags wartet schon ihre Mutter zuhause. Jeder Schritt, den Rachel macht, wird von der Mutter kommentiert. Mit ihrem Herzleiden hält sie die Tochter immer in Schach, übt mal mehr und mal weniger Druck aus. Rachel tut alles, um die Mutter zufrieden zu stellen und vergisst dabei ihr eigenes Leben.

Bis sie den attraktiven Schulfreund Nick wiedertrifft....

Gelingt es Rachel nun, sich endlich aus den Zwängen der Gesellschaft und den Klauen ihrer Mutter zu befreien?

Der Schreibstil von Margaret Laurence ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ich war mehrmals drauf und dran, das Buch abzubrechen, doch irgendetwas bewog mich, immer weiterzulesen.

Rachel schreibt in der Ich- Form, aber manchmal war es nicht klar, wer gerade spricht oder um wen es geht. Es beginnt oft mit wörtlicher Rede und dann geht alles fließend ineinander über. Das hat mich manchmal etwas verwirrt.

Ich kann den Roman weder empfehlen, noch davon abraten. Erst im Nachwort, geschrieben von Margaret Atwood, las ich, dass dieses Buch bereits 1966 erschienen ist. Das erklärt natürlich auch die altmodische Schreibweise.

Ich glaube, wenn man vorher wüsste, was auf einen zukommt, ist es leichter, sich darauf einzulassen. Allerdings hat die Autorin es geschafft, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe und das Buch im Endeffekt gar nicht schlecht fand. Deswegen habe ich mich nach längerem Überlegen für vier Sterne entschieden.

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Kanada in den 1960ern. Rachel Cameron ist Anfang 30, Lehrerin und lebt mit ihrer Mutter über dem Bestattungsinstitut, das ihrem Vater gehört hat, nach dessen Tod aber verkauft wurde. Rachel hat sich in ihrem Leben eingerichtet. Ihre Tage bestehen in erster Linie aus ihrer Arbeit und Fernsehabenden oder Kinobesuchen mit der Mutter, die sich Rachels Aufmerksamkeit durch emotionale Erpressung sichert. Bridg-Abende, an denen Rachel die Aufgabe zukommt, die Freundinnen ihrer Mutter zu bedienen, und gelegentliche Einladungen bei ihrem Chef oder einer Kollegin – viel mehr Abwechslung gibt es nicht und scheint Rachel auch nicht zu wollen. Das ändert sich, als sie zufällig ihrem alten Schulkameraden Nick begegnet, ein Treffen, das ihr Leben auf viele Weisen umkrempeln kann.

„Eine Laune Gottes“ ist der zweite von Margaret Laurences fünf Romanen, die in dem fiktiven Manawaka spielen, einer Kleinstadt, die von Laurences Heimatstadt Neepawa inspieriert wurde. Was mir als Erstes auffiel, war, wie erfrischend sie ihre Protagonistin gezeichnet hat. In letzter Zeit habe ich öfter Bücher über „alte Jungfern“ gelesen – ich denke da an Eleanor Oliphant aus „Eleanor Oliphant ist completely fine“ von Gail Honeyman oder Molly Gray aus „The Maid“ von Nita Prose – in denen die Heldinnen sehr liebenswert, aber auch immer etwas verschroben und extrem naiv waren. Rachel ist das nicht. Nach außen benimmt sie sich, wie es die Gesellschaft von ihr erwartet, höflich und wohlerzogen, aber sie beobachtet ihre Umwelt sehr genau und urteilt scharf bis zur Bösartigkeit. Sie hat Ecken und Kanten, ist vielschichtig und tiefgründig auf einer sehr bewussten Ebene. Und vor allem geraten ihre charakterlichen Stärken auch mal ins Wanken, zeigen deutlich die Spannung zwischen inneren Wünschen und äußeren Erwartungen, denen Frauen in den 1960ern noch um einiges mehr ausgesetzt waren, als heute.

Ein interessanter Kniff der Autorin ist, dass sie Rachels Wunschträume so in den Text einfließen lässt, dass man oft nicht sofort erkennen kann, ob das Geschilderte Realität oder eben reine Traumvorstellung ist. Sehr schön verdeutlicht fand ich auch den Kampf der Protagonistin zwischen ihren Hoffnungen und dem Wissen, dass diese keine reelle Existenzberechtigung haben.

Ich erwähne Übersetzer oder Übersetzerinnen viel zu selten, vor allem, weil ich meistens das Gefühl habe, dass ich nicht beurteilen kann, wie gelungen die Übertragung ist, wenn ich nicht das Original kenne. Aber dieses Mal möchte ich Monika Baark hervorheben, die „Eine Laune Gottes“ so frisch übersetzt hat, dass das Buch ungemein an Aktualität gewinnt und einen nicht in den Glauben verfallen lässt, als moderne Frau wäre man vor Geschichten wie der Rachels gefeit.

Alles in allem ein gelungenes Buch, dass ich nicht direkt verschlungen, aber sehr gerne gelesen habe und ebenso gerne weiterempfehle. Es wird bestimmt nicht meine letzte Lektüre von Margaret Laurence gewesen sein.

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Kanada steht ja immer ein wenig im Schatten der USA, jedenfalls was die Wahrnehmung in Deutschland betrifft, denn nur ein Bruchteil der kanadischen AutorInnen wird hierzulande übersetzt. Bei Margaret Laurence und "Eine Laune Gottes" wäre vielen eine bemerkenswerte Lektüre vorenthalten geblieben. Karg an Handlung, stark an Beobachtung – so könnte man Laurences Stil umschreiben. Bei ihr wird viel gedacht, abgewogen, innerlich verhandelt. Eine Lehrerin, Rachel Cameron, die zusammen mit ihrer Mutter in einer fiktiven Kleinstadt lebt, sieht ihr eigenes Leben freud- und lieblos vorbeiziehen. Ihre Passivität zermürbt sie, aber sie ist gefangen in Verpflichtung und Selbstzweifel. Der Roman folgt einem kaum versiegenden Gedankenstrom aus Hadern und stillem Erdulden. Dann kommt ein banaler Prinz in Gestalt eines ehemaligen Schulkameraden vorbei, der zwar nicht gerade die personifizierte Liebenswürdigkeit ist und auch nicht als aktiver Retter fungiert, aber der Rachel trotzdem indirekt den nötigen Stupser gibt, den status quo aktiv infrage zu stellen. Wie es zu dieser Wendung kommt, soll natürlich nicht verraten werden.

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"Liebes, Du bist alt genug, zu tun, was du willst und ich muss es ja gar nicht wissen, aber....." Die Mutter der 35 jährigen Rachel bindet ihre Tochter suptil und mit zarter Erpressung an sich. Rachel durchblickt das Spiel, kann und will sich aber nicht wehren, sie sieht keinen Ausweg, spielt mit. Ihr Vater ist tot, ihre Schwester hat weit weg geheiratet. Sie ist diejenige, die sich um die alte und herzkranke Mutter kümmert. Sie hat ihre Träume begraben und ist Grundschullehrerin in dem kleinen kanadischen Kaffe geworden, wo sie seit ihrer Geburt lebt. Doch in diesen Sommerferien wagt sie kleine Befreiungsschritte, denn ein ehemaliger Bekannter taucht auf und Rachel verliebt sich.
Mir hat die Geschichte gefallen, die leicht toxische Mutter-Tochter-Beziehung ist gut beschrieben. Auch die Verwirrung, die Ängste und Überlegungen, die Rachel umtreiben, als Sie sich verliebt und endlich Sex hat. Und zwar oft und gerne. Die Frage nach den Konsequenzen wird geschickt gelöst, ganz dem prüden Kleinstadtdenken nachempfunden.
So gut und durchdacht alles aufgebaut ist, so treffend die Beziehungen und Erwartungen der Protagonisten aneinander beschrieben werden, teilweise war mir das Buch aber etwas langatmig. Wenn Rachel sich drei Seiten überlegt, was wer von ihr warum denkt und sich ihren ängstlichen Überlegungen hingibt, wurde ich ungeduldig.

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Auch wenn es sich um eine Wiederentdeckung handelt, geht es in diesem Titel auch um aktuelle Themen und zeigt, dass wir in der Gleichberechtigung von Frau und Mann schon einen weiten Weg gegangen sind.

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