Der steinerne Engel

Roman

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Erscheinungstermin 14.09.2020 | Archivierungsdatum 30.11.2020

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Zum Inhalt

Hagars Shipleys Leben nähert sich dem Ende. Als ihr Sohn sich nicht anders zu helfen weiß und sie in ein Altersheim bringt, nimmt sie all ihre Wut zusammen und macht sich von dort aus dem Staub. In einem letzten Akt der Rebellion konfrontiert sie sich mit ihrer Vergangenheit: der Kindheit als Kaufmannstochter in einer kleinen Präriestadt, die Unbezähmbarkeit als Braut, die sich gegen den Willen des Vaters den Mann nimmt, den sie will, die übergroße Liebe für den einen Sohn und die Vernachlässigung des anderen, das von Ambivalenz und Drama geprägte Verhältnis zu ihrem Mann. Schonungslos reflektiert sie teils mit Bitterkeit, teils mit Humor, immer aber mit großem Scharfsinn die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Dabei bedauert sie vieles, aber bereut nichts. Und bittet weder Gott noch die Menschen um Vergebung.

»Eine Offenbarung.« NEW YORK TIMES

»Die beste Romanautorin Kanadas.« ATLANTIC

BEWEGENDE LEBENSBEICHTE, UNVERGLEICHLICHE ERZÄHLSTIMME

MODERNER KLASSIKER IN NEUER ÜBERSETZUNG

Hagars Shipleys Leben nähert sich dem Ende. Als ihr Sohn sich nicht anders zu helfen weiß und sie in ein Altersheim bringt, nimmt sie all ihre Wut zusammen und macht sich von dort aus dem Staub. In...


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AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783961610921
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Mit über 90 Jahren will Hagar Shipley nicht wahrhaben, dass ihre Kräfte schwinden und Sohn und Schwiegertochter mit ihrer Pflege allein schon körperlich überfordert sind. Mit dem letzten Funken Lebenskraft kämpft sie gegen den Umzug in ein Pflegeheim. Die Auseinandersetzungen mit Marvin und Doris verschwimmen mit Erinnerungen an ihre Kindheit im fiktiven Prärieort Manawaka, ihre Ehe mit dem Farmer Bram und das Aufwachsen ihrer Söhne. Hagars Vater Jason Currie kam praktisch als Kind allein aus Schottland in die kanadische Prärie und arbeitete sich bis zum Ladenbesitzer hoch. Es ist eine Zeit, in der man im Zweispänner fährt, in der Kinder kilometerweit allein zur Schule reiten und als Petroleumlampen mit Glaszylindern Licht spendeten. Currie gehörte zur Generation „Nicht gemeckert ist genug gelobt“ oder „Harte Arbeit hat noch niemandem geschadet". Seine Söhne konnten den Anforderungen des Vaters nie genügen. Hagar, die nach dem Tod ihrer Mutter vom Dienstmädchen „Tante Doll“ aufgezogen wird, entwickelt sich zu dem klugen Kopf, den der alte Jason sich als Nachfolger gewünscht hätte. Doch anstatt ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das seiner Tochter finanzielle Unabhängigkeit schafft, schickt er sie zur Ausbildung und Erziehung „in den Osten“ nach Toronto, um sie, elegant und gebildet, auf dem Heiratsmarkt zu verhökern. Hagar verliebt sich jedoch beim Tanz ausgerechnet in den Farmer Bram, der lieber angelt, als auf der Farm zu schuften. Erst in ihren Flashbacks aus der Gegenwart wird Hagar deutlich, dass sie unreflektiert die Haltung ihres Vaters übernommen und ihre Söhne damit unglücklich gemachte hat, unter der sie selbst gelitten hatte. John und Marvin durften nicht die Männer sein, die sie sind, sondern mussten Hagars unverrückbarem Bild genügen. Margaret Laurence's Leser werden zurück in Kanadas Siedlergeschichte in eine kleine Präriestadt geführt, deren Mittelpunkt der Gemischtwarenladen war. Von der Axt bis zum Stoff vom Ballen gab es bei Curries alles zu kaufen, was der Laden nicht im Angebot hatte, wurde aus dem Katalog z. B. der Hudson‘s Bay Company bestellt. Als Icherzählerin tritt Hagar in der Rolle der boshaften Alten auf, die hinter der kessen Fassade längst zu krank und zu schwach ist, um sich Herablassung gegenüber der unfähigen restlichen Welt noch leisten zu können. Als Frau eines erfolglosen Farmers blieb Hagar nichts mehr vom Stolz ihrer Sippe auf ihre Herkunft aus einem schottischen Clan. Margaret Laurences Romanzyklus aus dem Manawaka-Universum war in Kanada sehr populär. "Der steinerne Engel" (2007 verfilmt) erschien in Deutschland bereits 1965. Nah an ihrer eigenen Biografie erzählt Laurence mit vielen historischen Details von Figuren, in denen Leser auf der ganzen Welt ihre eigenen Vorfahren erkennen können. Auf die Ichperspektive Hagars begrenzt, kippt man in den Momenten unsanft aus der Geschichte heraus, wenn ihre Lebenslügen und ihre starrsinnige Haltung der Vergangenheit deutlich werden. Über Sprache und Perspektive bin ich an einigen Stellen gestolpert, aber gern in die Welt Manwakas eingetaucht. Der Romanzyklus The Stone Angel (1964) (auf Deutsch bereits bei Knaur und Reclam erschienen, Übersetzer Herbert Schlüter), die Neu-Ausgabe bei Eisele wurde neu übersetzt) A Jest of God (1966) The Fire-Dwellers (1969) The Diviners (1974)

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Schilderung des Lebens einer eigenwilligen Frau, die ihren Willen durchsetzt und doch oft bereut, was sie gesagt hat und eigentlich Gutes wollte. Sie ist ein "Steinerner Engel"

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Hagar Shipley, etwas über 90 Jahre alt, erzählt in Rückblicken ihr Leben. Das Leben einer Frau, die in einem Laden in einem Prärienest aufwuchs, gegen den Willen ihre Vaters ihren Mann heiratet und zwei Söhnen das Leben schenkt. Und nun, beim Sohn lebend, schwinden ihre Kräfte. Ihr Sohn Marvin und Schwiegertochter fühlen sich mit ihr überfordert und wollen sie in ein Pflegeheim geben. Dagegen sträubt sie sich vehement, auch mit außergewöhnichen Mitteln. Dabei reflektiert sie immer intensiver, aber auch schonungslos ihr Leben. Und das war nicht einfach! Ein Leben in solchen Verhältnissen - ich kann es mir nicht vorstellen. Hagar, eine Frau, die zupacken kann, die lernen musste. mit ihren Fehlern zu leben. Und sie hat ihr Leben mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln gemeistert. Margaret Laurence bschreibt beeindruckend, wie zuletzt Rückblick und Gegenwart in ihren Gedanken verschmelzen. Wie Hagar ihre Menschlichkeit, aber auch ihre Aufrichtigkeit bewahrt. Ein Stück kanadische Frauengeschichte wurde hier ein Denkmal gesetzt!

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Inhalt: Mit über neunzig will Hagar Shipley nicht wahrhaben, dass ihre Kräfte schwinden, Sohn und Schwiegertochter mit ihrer Pflege überfordert sind. Mit dem letzten Funken Lebenskraft kämpft sie gegen den Umzug in ein Pflegeheim. Während sie mit Marvin und Doris in Konfrontation geht, wird sie mehr und mehr überschwemmt von den Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, ihre Ehe mit dem Farmer Bram und das Aufwachsen ihrer Söhne. Schonungslos reflektiert sie teils mit Bitterkeit, teils mit Humor, immer aber mit großem Scharfsinn die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Dabei bedauert sie vieles, aber bereut nichts. Und bittet weder Gott noch die Menschen um Vergebung. Da ich selber in der Altenpflege arbeite, war dieses Buch ein absolutes Muss für mich. Leider trifft man ja immer wieder auf Uneinsichtigkeit was dieses Thema angeht. Dieses Thema ist sowohl für den Mensch, der seine Eigenständigkeit aufgibt, ein schwieriges Thema, als auch für die Angehörigen, die oft die Gedanken und Ängste der Betroffenen nicht nachvollziehen können. Die Autorin hat dieses Buch sowohl einfühlsam, aber auch sehr humorvoll umsetzen können. Der Schreibstil ist dem Inhalt angepasst. Das Buch liest sich flüssig und verständlich. Das Cover gefällt mir persönlich jetzt nicht so gut, war aber in dem Fall unwichtig. Normal achte ich auf das Aussehen eines Buches. Aber dieses hatte mich inhaltlich absolut gepackt und dementsprechend war das Cover dann egal. Ein absolutes Lesehighlight - ich wurde hier sehr gut unterhalten und ich hab das ein oder andere Mal Parallelen zu meinem Beruf finden können. Klare Leseempfehlung!

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Zeitlose Geschichte Die kanadische Autorin Margaret Laurence lebte von 1926 bis 1987. Der Roman „Der steinerne Engel“ wurde von Monika Baark aus dem englischen übersetzt. Die Erstveröffentlichung im Originaltitel fand 1964 statt. Der Roman ist zeitlos. Die Protagonistin war die über 90 jährige Hagar Shipley. Sie war im Alter ziemlich ungnädig. Mir taten der Sohn und besonders die Enkeltochter leid. Manchmal hat sie ja selber gedacht, das sie ungerecht ist, aber das kam nie aus ihr heraus. Das hat die Autorin gut getroffen und auch die Erinnerungen an die Kindheit und als Erwachsene waren sehr einfühlsam. Die Autorin war eine gute Schriftstellerin, ihr Roman bringt den Leser zum Nachdenken und unterhält gut.

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Das Buch handelt von Hagar, die als alte Frau auf ihr schweres Leben zurückblickt. Sie tut dies in lebendigen Monologen. Die Geschichte wechselt fließend von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Stück für Stück erschließt sich dem Leser das harte Leben von Hagar, die als junges Mädchen den falschen Mann geheiratet hat und sich selber mit mutigen Entscheidungen durch das Leben gekämpft hat. Insofern fühlt der Leser auch die schreckliche Erkenntnis, dass Hagar im Alter nicht mehr so stark ist wie in jungen Jahren und sie abhängig von ihrem Sohn und maßgeblich von ihrer Schwiegertochter ist. Die Erkenntnis, dass sie nicht mehr selbstbestimmt für sich entscheiden kann, ist für Hagar ein Desaster und endet in einer lebensgefährlichen Trotzreaktion. Das Buch endet abrupt, genauso wie der eintretende Tod, der ihren letzten Gedanken offen lässt. Das Buch ist wortgewaltig und ergreifend geschrieben und schildert eindrucksvoll, wie es vielleicht ist, alt und abhängig zu werden und das akzeptieren zu müssen. Das Buch nimmt den Leser auf beeindruckende Weise mit und hat mich persönlich sehr stark gefühlsmäßig mitgenommen. Die Charaktere im Buch sind glaubhaft beschrieben, ebenso wie ihre Gefühlswelt. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, weil es gut und glaubhaft geschrieben ist.

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Was für ein Buch! Ich habe es aufgesogen und durchgelesen und hätte am Schluss gerne gesagt: „Hagar, erzähl mir mehr!“ Hagar Shipley ist alt, sie hat ihren Platz verwirkt und soll in ein Pflegeheim umsiedeln, ihr Sohn und dessen Frau möchten in eine kleinere Wohnung ziehen, jetzt, da beide Kinder ausgezogen sind. Hagar ist nicht nett, weder zu ihrem Sohn noch zu ihrer Schwiegertochter. Hagar ist eher schweigsam ihren Nächsten gegenüber, denn die grosse Erzählung findet in ihrem Herzen und in ihren Gedanken statt und dahin entführt sie den Leser. In ihre Kindheit und Jugend in Manawaka, zu ihren Freundinnen und Feindinnen, zu ihrer Mutter, die sie nie gekannt hat, zu ihrem Vater, der sie wegschickt, um sie dann zurück zu holen, ihre Flügel zu stutzen, zu ihrem Mann und zu ihren Söhnen und zum grössten Verlust, den sie kaum verarbeiten konnte. So begleiten wir Hagar lesend im Heute, begleiten sie durch ihren Verlust ihrer selbst, und im Damals. Margaret Laurence beschreibt Hargars Leben berührend, ohne rührselig zu sein. Das Leben ist, wie es ist. Und doch entstehen Gefühle für die alte Frau, Verständnis, das man in den anderen vermeintlich vergebens sucht, denn wie Hagar ist man gefangen in ihren Vorschriften, in ihren Gefühlen und in ihrer Geschichte. Und Hagar erlebt, wie schwierig es ist, wenn man merkt, dass man auf dem falschen Weg ist, aber es kein Zurück mehr gibt. Der steinerne Engel wurde bereits 1964 im englischen Sprachraum veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung ist äusserst gelungen, zeichnet sie doch ein passendes Bild ohne veraltet zu wirken. Es liest sich leicht, aktuell und modern, ohne den Ton für die Zeit, für die Vergangenheit Hagars zu verlieren. So überzeugt Der steinerne Engel mit einer packenden und berührenden Geschichte, aber auch mit feinen Tönen und sprachlichem Zauber. Ein rundum empfehlenswertes Buch.

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Was für eine Geschichte! Ich dachte am Anfang, was ist denn das. Es begann ruhig und hat mich nicht wirklich mitgenommen oder gar gepackt. Aber im Laufe der Geschichte wollte ich immer mehr über die Hauptprotagonistin „Hagar“ wissen und erfahren und gerne hätte ich sie kennen gelernt. Es geht im Buch um Hagar Shipley, eine Dame, bereits über neunzig Jahre alt. Sie ist nicht einfach, eckt hier und da an, was ihr aber egal ist und sie merkt schnell, dass sie mittlerweile, im Gegensatz zu ihrer eigentlichen Überzeugung, nicht mehr selbst für sich entscheiden und handeln, geschweige denn leben kann. Auch wenn sie es nicht wahr haben möchte; sie kann es nicht mehr ändern. Hagar wirkt für uns zunächst unfreundlich, mit sich und ihrer Welt unzufrieden und lässt dies ihre Umwelt spüren. Sie lebt bei ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter, die sie nun aber gerne in ein Altenheim geben wollen. Was ein Desaster für Hagar. Obwohl Hagar kaum spricht erfahren wir Stück für Stück ihre Geschichte. Hier gelang der Autorin etwas wirklich Großes. Der Schreibstil ist flüssig und macht sehr neugierig und ich wollte nicht aufhören zu lesen, bzw. Hagar zuzuhören. Hagar spricht nur in Gedanken, meistens mit sich selbst und ich erfahre hier nun Hagars Gedanken und dies immer im Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart. Oft vermischt die Protagonistin diese beiden Ebenen ihres Lebens und so kommt sie selbst , und Ich zuweilen auch, etwas durcheinander. Aber die Gegenwart holt uns dann beide zurück. Herrlich. Hagars Gedanken bringen uns zurück bis in ihre Kindheit, ihre Jugend; mal knorrig, mal brutal, irgendwie berührend und einfühlsam, aber auch zuweilen humorvoll. Mir als Leser ist Hagar im Laufe des Buches ans Herz gewachsen und ich folge so gern ihren Gedanken, kann ihre Art und Weise mit Menschen umzugehen nicht immer ganz verstehen aber mir erschließt sich dann doch das Warum. Ich darf als Leser die Protagonistin begleiten bei einer Zeitreise durch ihr Leben, das durch ihren Vater, ihren späteren Mann durchaus geprägt wurde und erlebe hautnah mit, wie Hagar Stück für Stück ihre Eigenständigkeit verliert. Margaret Laurence‘s Roman erschien bereits in den 60er Jahren und hat für mich nichts an seiner Bedeutung verloren. Die Übersetzung v. Monika Baark ist wirklich gelungen und der Roman kommt trotz der Gewalt, der Entbehrungen die Hagar erlebt hat und trotz ihres Verlustes der Eigenständigkeit mit leisen Tönen aus ohne leise und leicht zu sein. Eine großartige Geschichte, wortgewandt und hier und da mit einem Schmunzeln erzählt. Zum Schluss bleibe ich nachdenklich, berührt und leise zurück. Ein Buch das mich bewegt und nachhallt.

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Mir war nicht ganz bewusst, dass das Buch bereits 55 Jahre alt ist. Die Geschichte hat mich angesprochen, da ich viel zu selten Bücher kanadischer Autoren lese und es zu einer Zeit spielt, in der das Leben noch ländlich und einfach war und fern von Technisierung und modernem Leben. Die Natur, die Einfachheit der Menschen und ihres Alltags, finde ich faszinierend. Auch die Jungend der Hauptdarstellerin und ihr hartes und oft von Männern ihres Umfeldes fremdbestimmtes Leben werden eindringlich und intensiv erzählt. Ich hatte ein wenig Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, der oft spröde und burschikos rüberkommt. Die Autorin hat eine Art ihre Heldin in Szene zu setzen, die viele Gedanken und Gefühle erst auf den zweiten Blick offenbart. Man merkt dem Buch meiner Meinung nach an, dass es nicht mehr ganz taufrisch ist. Lesenswert aber nicht immer leicht verdaulich.

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Als »Die beste Romanautorin Kanadas.« zitiert der Eisele Verlag The Atalantic auf dem Cover von Margaret Laurences Der Steinerne Engel. Nun kenne ich die moderne kanadische Literatur ebenso wie die Literaturgeschichte des Landes zu wenig, um das wirklich zu beurteilen. Aber tatsächlich ist Der steinerne Engel ein starkes Werk zu einem Thema, zu dem es noch immer nur wenige starke Werke gibt. Die Geschichte kreist um die 90-jährige Hagar Shipley und wird indirekt frei aus deren Augen erzählt. Sohn und Ehefrau wollen Hagar endlich dazu bringen, in ein Altenheim zu ziehen, da sie mit der Pflege zu Hause immer mehr Schwierigkeiten haben. Hagar ist nicht dement, aber zusehends vergesslich, hat keine schweren körperlichen Gebrechen, und kann doch altersbedingt immer weniger selbst erledigen. Aber das Heim kommt für sie überhaupt nicht in Frage, für sie ist das eine Abschiebung ins Armenhaus. In Erinnerung an einen früheren Aufbruch, als sie schon einmal, unerhört für eine junge Frau, ihr Schicksal selbst in die Hand nahm, wagt die 90-jährige noch einmal eine Art Flucht. Allerdings ist Der steinerne Engel dabei keine dieser alte Leute Komödien, wie sie seit Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand beliebt geworden sind, sondern ein sehr nachdenklicher und auch bittere Roman. Immer wieder springt Hagars Erinnerung in die Vergangenheit, die Zeit zwischen Weltkrieg und Wirtschaftskrise, wo tatsächlich der größere Teil der Handlung angesiedelt ist. Diese Sprünge geschehen sehr organisch, wirken weniger wie die oft gezwungen Montagen zweier oder mehr erzählter Zeiten, die der moderne Roman so gern hat, als wie tatsächlich unwillkürliche Gedankensprünge aus einer Zeit, in der sich Hagar selbst zusehends unbehaust fühlt in eine, in der sie trotz aller Schwierigkeiten zumindest im Großen und Ganzen die Kraft hatte, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Der steinerne Engel auf dem Friedhof von Hagars Kindheits-Heimat, und die Veränderungen, die er durchmacht, sind dabei ein behutsam eingesetztes Leitmotiv. Und auch wenn durchweg Hagar den Fokus der Handlung bestimmt, die Perspektiven ihrer Kinder absolut nachvollziehbar. Hagar ist nicht einfach der Held ihrer eigenen Erzählung. So beschäftigt sich Der steinerne Engel auf dichte, überzeugend erzählte Weise mit einem Thema, das wahrscheinlich jeden Menschen, der Kinder hat oder dessen Eltern ein gewisses Alter überschreiten, auch einmal berühren wird. Und das selten in der Literatur wirklich überzeugend angegangen wird. Und weil Autorin Laurence es schafft, dabei gleichzeitig auch noch eine mitreißende, wenn auch kleine, Abenteuergeschichte zu erzählen und auch sprachlich immer wieder passende Höhepunkte zu setzen, ist Der steinerne Engel ein unbedingt empfehlenswerter Roman.

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Eine geniale Wiederentdeckung des Klassikers. Damals (1965) wie heute aktuell und zeitlos. Eine kanadische Siedlergeschichte verwoben mit einer bittersüßen Geschichte über das Altern- und einem Abenteuerroman. Die 90jährige Hagar Shipley begibt sich, statt in das Altersheim zu ziehen, auf eine abenteuerliche Reise in ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Unwillkürlich fragt man sich: Gehen wir heute anders mit unseren Eltern und Großeltern um als damals Hagars Sohn und Schwiegertochter? Möchten wir, dass wir unseren Alltag im Altersheim fristen, oder auch noch kleine Abenteuer erleben? Bitte unbedingt lesen.

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Eine sehr gelungene Neuübersetzung! Es liest sich wie die Erzählungen meiner Oma. Sehr emotional. Hat mir sehr gut gefallen.

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Eine alte Dame sinnt, wundert und resümiert über ihre Leben, ihre Familie und den Umgang der Alten und Nichtganzsoalten mit Alter und Krankheit. Wache und demente Phasen verschwimmen hierbei, die Authentizität und Mündigkeit der Erzählerin jedoch nicht. Und auf jeder Seite vergisst man/frau, dass der Roman bereits von 1964 ist, da die Themen scheinbar zeitlos erscheinen. Der Roman hat mich sehr berührt.

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Ein fesselndes Buch, das sehr nachdenklich macht. Hagar, alt und krank, leidet unter der Fremdbestimmung durch Ihren Sohn und Schwiegertochter. Sie erinnert sich an ihr entbehrungsreiches Leben und springt so zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zum Teil bedrückend zu lesen.

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Hagar Shipley, die Hauptfigur von Margaret Laurences Roman „Der steinerne Engel“ ist 90 Jahre alt, lebt seit fast 20 Jahren mit ihrem Sohn Marvin und der Schwiegertochter Doris in ihrem eigenen Haus in der (fiktiven aber durchaus realistischen) kanadischen Provinz. Aber die Zeit bleibt nicht stehen. Die Enkelkinder sind aus dem Haus, ihr Sohn ist schon Mitte 60 und, obwohl Hagar es nicht so sieht – sie selbst wird auch nicht jünger. Zu den Zipperlein, die das Alter so mit sich bringt (sie ist nachts inkontinent, zunehmend vergesslich und nicht mehr so sicher auf den Füßen), kommt, dass auch ihr Sohn und die Schwiegertochter nicht mehr so belastbar sind, wie sie es einmal waren. Die Lösung für sie ist: Hagar soll in ein Seniorenheim ziehen. Doch die widerborstige Dame sieht das selbstverständlich anders. Hagar nimmt den Leser in ihrem inneren Monolog mit auf eine Reise durch 90 Jahre Leben. So besteht dieses Buch aus zwei Handlungssträngen: der Vergangenheit und dem Jetzt und Hier. Beginnend mit der Zeit um ihre Einschulung, erfährt der Leser durch ihre Gedanken sehr viel über sie: ihre mutterlose Kindheit und Jugend (ihre Mutter starb bei ihrer Geburt) mit einem strengen Vater, der als Geschäftsmann erfolgreich war und ihr zwar eine höhere Bildung zuteilwerden ließ, sie dann aber davon abhielt Lehrerin zu werden. Daher stürzte sie sich mehr aus Rache in eine unglückliche Ehe, aus der zwei Söhne hervorgingen. Das Buch ist nicht nur die Geschichte von Hagar als unbequeme, sture und dickköpfige Frau. Es ist unter anderem auch eine Geschichte über Emanzipation und Generationenkonflikt und den klischeehaften Kampf zwischen Schwiegermutter und –tochter. Und eine Geschichte übers Älter- und Altwerden, den Verlust von Selbstständigkeit und Körperfunktionen. Eine lustige, traurige, manchmal spannende, in der Hauptsache aber nachdenklichmachende Geschichte, die einen packt, fesselt und lange nicht mehr loslässt. Denn, so schwierig der Inhalt manchmal zu verdauen ist, die Sprache ist einfach und alltagsnah, der Textfluss gefällig und gut zu lesen. Für mich ist das Buch eine runde Sache und eine klare Lese-Empfehlung. 5 Sterne.

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Dieses Buch habe ich mir extra aufgespart um es nicht so zwischendurch zu lesen. Das hat sich absolut gelohnt. Mir fehlen noch ein wenig die Worte, um es zu beschreiben, aber ich habe einige Kundinnen im Kopf denen ich dieses Buch empfehlen werde.

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Hagar Shipley ist eine störrische, kratzbürstige 90-jährige alte Frau. Sie wohnt bei ihrem Sohn Marvin, den sie für einen Trottel hält und dessen Frau Doris, für sie auch nicht viel mehr übrig hat. Die beiden sind mit der Pflege überfordert und wollen sie ins Pflegeheim abschieben. Hagar ist damit überhaupt nicht einverstanden und wird bockig. Sie wehrt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Argumenten – mehr hat sie nicht. Im Verlauf des Romans gibt es immer wieder Rückblenden, in denen Hagar ihr Lebensweg schildert. Ein herrischer Vater, eine lieblose Ehe und der Verlust ihres geliebten Sohnes John haben sie verbittern lassen. Am Ende ihres langen Lebens ist niemand mehr da, der sie liebt. Dennoch schliesst sie der Leser trotz all ihrer Schroffheit ins Herz. Das Buch stammt aus dem Jahre 1964 wurde vermutlich für die Buchmesse im Herbst 2020 neu übersetzt. Mir gefällt der eigentlich ruhige Schreibstil, der durch grotesken Situationen und feinem Humor durchbrochen wird. Eine klare Leseempfehlung!

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Mit Hagar Shipley hat Margaret Laurence eine Titelheldin geschaffen, die unverändert auch heute noch in unsere Zeit passt, obwohl "The Stone Angel" bereits 1964 veröffentlicht wurde. Sie erzählt darin von einer außergewöhnlichen Frau, die selbst über ihr Leben bestimmte, die mutig war, nicht den einfachen Weg zu gehen. Dafür bedarf es auch einer gewissen Härte gegenüber sich selbst und ihrem Umfeld. Hagar ist auf den ersten Blick zwar keine Sympathieträgerin, doch konnte ich im Laufe der Zeit ihre Entscheidungen und ihr Handeln nachvollziehen. Leise hat sie sich in mein Leseherz geschlichen - auch als Mutmacherin. Nun mit über neunzig kann sie ihren Weg nicht mehr uneingeschränkt gehen. Die Befindlichkeiten des Alters treffen auch Hagar. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und trotzt den körperlichen und geistigen Beschwerden. Offen und direkt schildert die Autorin die Probleme, mit denen sich Hagar herumschlagen muss. Man kann sehr gut nachvollziehen, warum sie partout nicht ins Pflegeheim möchte. Ebenso versteht man aber auch ihren Sohn Marvin und ihre Schwiegertochter Doris, denen alles zu viel wird. Gerade die unterschiedlichen Perspektiven, mit denen die Autorin an die Geschichte herangegangen ist, finde ich großartig. Mit ihrem präzisen, geradlinigen Schreibstil und den herrlich formulierten Gedankengängen Hagars, wirkt die ganze Situation lebendig und authentisch. Stellenweise blitzt wunderbarer Humor hervor. Durch die Rückblicke in die Vergangenheit bekommt der Leser ein Gefühl von Hagar selbst. Jemand, der seine Entscheidungen stets selbst trifft, wird damit konfrontiert plötzlich nicht mehr eigenständig leben zu dürfen, das ist hart. Mich hat "Der steinerne Engel" berührt und zum Nachdenken gebracht, denn das, was Hagar im hohen Alter erleben muss, kann jeden treffen. Mit ihrer Gewitztheit und Geradlinigkeit setzt sie dem Unvermeidlichen aber eine ordentliche Portion Kampfeswillen entgegen, der Mut macht. Fazit: Porträt einer starken und außergewöhnlichen Frau

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Die neunzigjährige Protagonistin lebt bei ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter mit im Haus. Sie wird liebevoll von der Schwiegertochter versorgt, da sie gepflegt werden muss. Sie leidet an Demenz und ist starrköpfig. Hagars Leben war nicht leicht, sie musste immer kämpfen und sich durchsetzen. Als sie mitbekommt, dass die Kinder sie in ein Altersheim geben wollen, macht sie etwas sehr Unverhofftes. Sie hatte sich entschieden, so wie sie es schon oft in ihrem Leben mit viel Nachdruck gemacht hatte. Die Geschichte wird sehr einfühlsam erzählt und nimmt uns Leser mit auf die Lebensreise von Hagar. Die Erzählung hat mich sehr nachdenklich gemacht Sie wurde mit viel Spannung erzählt und ist sehr lesenswert. Ich empfehle dieses Buch sehr gern weiter.

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Rückblick auf das Leben einer eisernen Lady Der vorliegende Roman erschien bereits 1965 in deutscher Sprache, gilt als kanadischer Klassiker und wurde nun vom Eisele-Verlag wiederentdeckt und neu übersetzt. Margaret Laurence ist neben Margaret Atwood und Alice Munro eine bedeutende Autorin Kanadas. Im Mittelpunkt des Romans steht Ich-Erzählerin Hagar Shipley, eine 90-jährige alte Dame, die seit etlichen Jahren bei ihrem Sohn Marvin und Schwiegertochter Doris lebt, die sich um sie kümmern. Das Alter hat sie doch recht hinfällig werden lassen. Eigen- und Fremdwahrnehmung gehen dabei stark auseinander: Während ihre Angehörigen sich durch die Pflege der alten Dame an ihre Grenzen geführt sehen, fühlt sich Hagar schlecht behandelt und ist der Meinung, die beiden trachteten nur nach ihrem Vermögen und wollten sie abschieben. Zunächst nimmt man das der Erzählerin auch ab, zunehmend häufen sich allerdings die Indizien, dass Hagar die Opferrolle gar nicht so gut steht – diese sich entwickelnde Diskrepanz war für mich eine bemerkenswerte Lese - Erfahrung. Die Handlung findet auf zwei Ebenen statt: Die besagte Gegenwart der alten Dame, die zunächst überwiegend in ihrem Zimmer stattfindet, in dem sie viel Zeit zum Nachdenken hat. Kleine Denkanstöße oder Anlässe führen sie in die Vergangenheit, die zweite Ebene des Romans: Hagar wird als Tochter eines Gemischtwarenhändlers im fiktiven Prärieort Manawaka geboren. Ihre Mutter verstirbt früh, die beiden Brüder können die Hoffnungen des strengen Vaters nicht erfüllen, Hagar darf es aufgrund ihres Geschlechts nicht. Aus Opposition und einer Laune heraus heiratet sie den liederlichen Farmer Bram Shipley. An seiner Seite muss sie ein arbeits- und entbehrungsreiches Leben führen, zumal ihr Vater sie mit aller Konsequenz enterbt. Sie bekommt zwei Söhne, einen davon liebt sie mehr als den anderen… Hagar schaut sehr ehrlich auf die Stationen ihres Lebens zurück. Sie schildert ihre persönliche Sicht auf das Erlebte ohne Sentimentalität. Man nimmt sie stets als starke, unnachgiebige und resolute Frau wahr, die immer weiß, was sie will. Als Mutter ist sie hart, übernimmt unbewusst die Fehler ihres Vaters, indem sie ihre Kinder bevormundet und ihnen ihren Weg vorzuschreiben versucht – was fatale Folgen hat. Sie kann arbeiten bis zum Umfallen, kommt gegen ihren Ehemann aber nicht an. Auch in der Liebe verhindert ihr Stolz eine erfüllte Zweierbeziehung. Hagar hat nicht viel für die Gefühle anderer Menschen übrig. Sie empfindet Verachtung für all jene, die erfolgreicher durchs Leben gehen als sie. Sie kann die Überheblichkeit und Arroganz ihrer wohlhabenden Kindertage nie richtig überwinden. Sie hat niemals Freunde, hohe Ansprüche an andere und grundsätzlich wenig Verständnis. Aus diesen Gedankenströmen wird man als Leser immer wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Die Schwiegertochter möchte, dass Hagar ins Altersheim Silberfaden übersiedelt. Die alte Frau ist weit hinfälliger, als sie zugibt, außerdem leidet sie an einer beginnenden Demenzerkrankung. Doris schafft die Pflege nicht mehr. All das will Hagar nicht wahrhaben. Sie revoltiert und bricht zu einem gewagten Ausflug an einen Ort auf, an dem sie früher einmal glücklich war. Bereits zum zweiten Mal will sie ihrem Leben eine entscheidende Wendung geben – eine Unternehmung, die durchaus gefährlich für sie ausgehen kann… Der Roman beginnt gemächlich, besticht aber von Beginn an durch wunderschöne Formulierungen und einen höchst angenehmen Sprachfluss. Beide Handlungsebenen haben mich gleichermaßen gefesselt. Hagar ist zu keinem Zeitpunkt eine sympathische Protagonistin. Dafür hat sie zu viele Ecken und Kanten, behandelt ihr Umfeld zynisch und empathielos. Trotzdem bekommt man im Zuge der Geschichte Verständnis für sie. Man beginnt zu verstehen, wie sie zu der Frau geworden ist, die sie ist. Man erkennt, dass sie Schicksalsschläge hat einstecken müssen, die ihr Leben geprägt und sie verhärtet haben. Es dauert sehr lange, bis sie sich ihren Fehlern und Lebenslügen stellen kann und sie für den Leser auch versöhnliche Züge bekommt. Doch mit der Versöhnlichkeit hat Hagar größte Schwierigkeiten: Selbst wenn der Geist willig ist, ist das Fleisch oft schwach und die nächste verbale Entgleisung hat ihren Mund schon verlassen, bevor sie es verhindern kann. Dadurch wird manchen Situationen auch etwas (Tragi-)Komisches verliehen. Ich habe die Lektüre als ein sehr positives Leseerlebnis empfunden, man nimmt automatisch Anteil an Hagars Leben im ländlichen Kanada. Die wechselnden Perspektiven lösen einander völlig stimmig und selbstverständlich ab. Man hat nie Schwierigkeiten, den Faden wieder aufzunehmen. Auch bekommt man intensive Einblicke in die Malaisen des Alters, aber auch dies ohne Schwermut und Bitterkeit. Hagar ist hart im Nehmen. Was sie von anderen erwartet, leistet sie auch selbst. Der steinerne Engel dürfte eine Metapher sein, denn ein solcher steht auf dem Familiengrab im Manawaka und hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Protagonistin. Ich bin sicher, dass dieser Roman breiten Leserschichten gefallen wird. Er bietet eine vielschichtige und interessante Lebensgeschichte einer alten Frau, die im Heute Schwierigkeiten hat, sich mit den Folgen des Alters abzufinden.

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Dieser Roman ist ein Klassiker der kanadischen Literatur - erstmals erschienen 1964 und inzwischen neu ins Deutsche übersetzt. Im Mittelpunkt steht Hagar, eine etwa 90jährige Frau, die sich der von ihr als Zumutung empfundenen Übersiedlung in ein Seniorenheim widersetzt und bei Nacht und Nebel in eine leerstehende Fischfabrik flüchtet. In Rückblenden lässt sie ihr Leben Revue passieren, ihre Kindheit als Tochter eines despotischen Ladenbesitzers, ihre gegen den Willen des Vaters geschlossene Ehe mit einem rüpelhaften Witwer, ihr Alltag auf einer entlegenen Farm, die Tragik um den Verlust ihres geliebten zweiten Sohnes und vieles mehr. Das alles hat sie "versteinern" lassen, sie in eine harte Frau verwandelt, die ihre Gefühle nicht zeigen konnte/wollte/durfte. Nun versucht sie noch ein letztes Mal, einen roten Faden in ihrem Leben zu finden und so etwas wie Sinn für sich zu entdecken. Das Buch besticht durch die Stimme dieser außergewöhnlichen Frau zwischen Witz, Sarkasmus, Bitterkeit und Klage.

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Hagar ist über neunzig, gebrechlich und demenzkrank. Ihr Sohn und ihre (unsympathische) Schwiegertochter sind hoffnungslos überfordert mit der Pflege der alten Frau. Sie soll also in ein Heim, um die Fürsorge und Pflege zu erhalten, die sie laut der Kinder benötigt und sie ihr nicht geben können. Mit dieser Entscheidung ist Hagar alles andere als einverstanden. So folgen wir der starken und selbstbewussten alten Frau auf ihrem Weg und begleiten Sie bei all ihren Erinnerungen. Ein schönes, ganz und gar nicht verstaubtes Buch über Selbstbestimmung und die Einsamkeit des Alterns. Mit ihrem sarkastischen und teilweise bitterbösen Blick auf ihre Umwelt, trägt Hagar uns durch ihre Erinnerungen und ihr Leben. Ich habe es sehr gerne gelesen!

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