Rezension

Cover: 15 Gründe, dich zu hassen

15 Gründe, dich zu hassen

Erscheinungstermin:

Rezension von

Nana S, RezensentIn

Meine Bewertung:

Vielversprechende Idee mit leider einigen Schwächen in der Umsetzung
 
Von der Autorin Ana Woods hatte ich bisher noch kein Buch gelesen. Der Klappentext klang aber sehr vielversprechend und ich danke dem Thienemann-Esslinger Verlag und Netgalley Deutschland für das vertrauen und die Möglichkeit dieses Buch, lesen zu dürfen.
Coverbild
Auf dem gesamten Bild verteilen sich in groben Pinselstrichen gemalte Blüten und Blätter, dazwischen findet man goldene Sprenkel. Das Ganze ist einem selbstgebastelten Geschenkpapier nachempfunden, was durch aufgedruckte Knicke im Papier und der Leinenkordel noch unterstützt wird. Die dafür verantwortliche Grafikdesignerin Sandra Taufer ist mir bisher noch nicht bekannt gewesen. Das Cover ist kindlich verspielt aber eher für einen spritzigen und frechen Liebesroman geeignet, den ich hier nicht vorgefunden habe.

Handlung
Alice lebt mit ihren beiden jüngeren Geschwistern und ihrem Vater neben ihrem aus Kindheitstagen besten Freund Tyler, die auch gemeinsam die gleiche Schule besuchen und kurz vor ihrem Highschool-Abschluss stehen. Bei einem Psychologie-Projekt gehen beide das Experiment ein, gegenseitig 15 Gründe zu finden, die sie am Anderen stören, und diese auch emotional zu hinterfragen. Von ihren Freunden angestachelt, beginnt Alice auch noch Jungs zu daten. Dadurch beginnt die Freundschaft zwischen ihr und Tyler eine ganz andere Richtung zu nehmen. Zu guter Letzt hält sich Tyler nicht an ein Versprechen.

Buchlayout / eBook
Das Buch ist 320 Seiten dünn und wird in 21 Kapitel und Epilog aufgeteilt, die ohne Ausschmückung oder Kapitelüberschriften bleiben. Ansonsten ist das eBook schlicht ohne weitere Zusätze.

Idee / Plot
Die Idee fand ich schon super spannend. Eine lange Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, in dem Moment, wo man sich die Macken und Fehlverhalten des Anderen vergegenwärtigt und analysiert. Auch das Reflektieren über die eigene Gefühlswelt ist ein spannender Ansatz, der hier leider nicht so ganz ausgearbeitet wurde. Ich hatte zwar keine große Erwartungen, aber doch gehofft, dass es eine etwas verzwickte und emotionale Geschichte wird.

Emotionen / Protagonisten
Am meisten Probleme hatte ich mit den Protagonisten, allem voran Alice. Ich konnte zu ihr überhaupt keinen Zugang aufbauen und sie nicht in ihren Entscheidungen und Empfindungen verstehen. Sie hat für mich kaum Reflexion in ihrem Handeln, genauso wenig wie ich wirkliche Gefühlsregungen erkennen konnte. Sie erzählt zwar viel, hält viel inneren Monolog, ich kann dabei aber keine wahren Gefühle herauslesen. Sie wirkte auf mich streckenweise auch sehr naiv und engstirnig.

Deswegen konnte ich ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Das Gleiche gilt auch für Tyler, der insgesamt recht blass bleibt, da mir auch hier durch die Protagonistin kaum Emotionen transportiert werden konnte. Da sind keine Funken gewesen, keine Spannung, die ich gerne zwischen den Beiden gefühlt hätte.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Die Handlung ist sehr linear aufgebaut und hat keine großen Wendungen. Es ist von Anfang an klar, wie sich die Lovestory zwischen Tyler und Alice entwickeln wird. Die Autorin hat zwar versucht ein paar Konflikte und Plottwists einzubauen, hat aber meiner Meinung nach es nicht geschafft, diese geschickt in den Handlungsstrang zu integrieren oder weiter auszuarbeiten. Es bleibt für mich oberflächlich und recht langweilig. Da fehlt mir einfach die Reflektion, der Weg zur Erkenntnis, der Blick in die wirkliche innere Gefühlswelt. Jeder Konflikt, der sich aufgebaut hat, war 3 Seiten später wieder geklärt. Vor allem bleibt die Autorin mir die Erklärung schuldig, warum Tyler überhaupt Alice so enttäuscht hat. Seitenweise hasst Sie Tyler, und plötzlich, und das durch einen wirklich sehr offensichtlichen und für mich total überflüssigen Schlüsselmoment (Alladin-sei-Dank), springt sie auf und fällt Tyler in die Arme. That’s it. Keine Erklärung, warum. 

Szenerie / Setting
Leider ist das Setting voller Klischees. Nicht nur, dass die Schwestern alle wie eine Disney-Prinzessin heißen, sondern auch das klassische Highschool-Setting mit der typischen Personenkonstellation: der überdrehten besten Freundin und dem blassen besten Kumpel und dem Bücherwurm als Protagonistin, der nur gute Noten wichtig sind. Das Psychologie-Experiment war ein netter Nebenschauplatz, konnte aber nichts Entscheidendes zur ganzen Story beitragen und wirkte auf mich recht konstruiert.

Sprache / Schreibstil
Die Geschichte wird aus Alice Perspektive als Ich-Erzähler im Präteritum erzählt. Neben recht häufigen Wortwiederholungen von vor allem “sodass” und “Doch” als Satzanfang, wird die Handlung mehr erzählt, anstatt mir durch Handlung gezeigt. Das unterstützt der für mich doch recht berichtartige und hölzerne Charakter der Erzählung.

FAZIT
Die Idee klang spannend und vielversprechend, leider konnte die Ausarbeitung mich nicht überzeugen. Streckenweise hölzerne und naive Protagonisten ohne Tiefe und innerer Reflexion in einer recht linearen und unaufregenden Storyline in einem Setting mit stumpfen und überholten Klischees.

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