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Ohio
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Erscheinungstermin 15.06.2026 | Archivierungsdatum 01.08.2026
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Zum Inhalt
In einer schicksalshaften Sommernacht im Jahr 2013 treffen sich vier ehemalige Klassenkameraden in New Canaan, der Stadt, in der sie aufgewachsen sind. Jeder von ihnen hat eine Mission, alle werden...
Vorab-Besprechungen
„Außergewöhnlich … wunderschön präzise … [ein] ernsthaft ambitioniertes Debüt.“ The New York Times Book Review
„[Ein] Nachkomme des Dickensschen Gesellschaftsromans im Stil von Jonathan Franzen: epische Fiktion, die zeitgenössische Kulturkonflikte offenlegt und uns zeigt, wer wir sind und wie wir hierhergekommen sind.“ O, The Oprah Magazine
„Ein Buch, das mich nicht mehr loslässt, seit ich es weggelegt habe.“ Seth Meyers, Moderator von „Late Night with Seth Meyers“
„Ein großer amerikanischer Roman, der uns sagen will, wo wir jetzt leben“ The Millions
„Wirklich fesselnd . . . brennt vor Entfremdung, Nihilismus, Frustration und schließlich Liebe zu einem Ort, der all dies hervorbringt.“ The Washington Post
„Außergewöhnlich … wunderschön präzise … [ein] ernsthaft ambitioniertes Debüt.“ The New York Times Book Review
„[Ein] Nachkomme des Dickensschen Gesellschaftsromans im Stil von Jonathan Franzen:...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783910918504 |
| PREIS | 19,00 € (EUR) |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Der wirtschaftliche Niedergang des fiktiven New Canaan in Ohios „Rust Belt“ erreicht mit der Schließung des Stahlwerkes 2007 seinen Höhepunkt. Stephen Markleys 500-Seiten-Epos folgt mehreren Jahrgängen von Schulabgängern im Jahrzehnt 2003-2013, das durch die Kriege in Afghanistan (2001-2021) und Irak (2003-2011) geprägt ist und das Attentat auf die Zwillingstürme 2011. Die Handlung erlebt einen Höhepunkt mit der Parade zu Ehren des im Irak-Kriegs gefallenen Rick Brinklans, die zugleich Werte, Sitten und Rituale der weißen Unterschicht in Frage stellt. Vier zentralen (circa 1985 geborenen) Figuren wird jeweils ein Kapitel gewidmet: Bill Ashcraft wird mit der Fahrt nach New Canaan einen geheimnisvollen Auftrag ausführen, die lesbische Stacey Moore hat mit der Mutter ihrer Ex-Liebsten Lisa noch etwas zu klären und Dan Eaton hat nach seinem dritten Kriegs-Einsatz im Irak noch immer nicht mit Hailey abgeschlossen, die sich wegen dieses Einsatzes von ihm getrennt hatte. Stephen Markley zeigt sich als penibler Protokollant des Alltags in einem de-industrialisierten Provinzort, in dem eine rigide verurteilende Religion zur Wahrung der Fassade zwingt und Mannschaftssport Zusammenhalt und Sportstipendien garantiert. Charakteristisch für das Milieu ist, wie beklagenswert ahnungslos über Sex, Schwangerschaft und sexuell übertragbare Krankheiten dort eine Schülergeneration noch im aktuellen Jahrhundert aufwachsen muss. Besonders bei den Frauenfiguren habe ich eine kritische Auseinandersetzung vermisst, warum ihnen als Verhaltensmuster offenbar nur Unterwerfung durch ungeschützten Sex zur Verfügung stand. Das traditionelle Männer- und Frauenbild wirkt stumpf archaisch, bis Dan zu Wort kommt, der sich kritisch mit den Kriegen der USA nach 2000 auseinandersetzt, mit fehlgeleitetem Patriotismus und mit seiner persönlichen Prägung durch Kriegskameradschaft und Kriegsversehrtheit.
Der Roman wirkt bis weit über die Hälfte wie das Highschool-Drama einer Schülergeneration. Außer dem Soziogramm von Cliquen, Paaren und Dreiecksbeziehungen scheint er wenig zu erzählen zu haben, das nicht bereits Homer Hickam, Ron Rash, Richard Russo, Tess Gunty oder Philipp Meyer bereits über die amerikanische Unterschicht im Rust Belt verfasst haben. Lange habe ich mich gefragt, ob in „Ohio“ tatsächlich die Personen Hauptfiguren sind, über die am ausführlichsten erzählt wird oder ob die zentralen Figuren abtreten müssen, um Platz für neue Werte zu machen. Mit dem Auftreten von Dan und Tina in der zweiten Hälfte des Buches zieht die Spannung allerdings kräftig an. Ihre Sichtweise zwingt dazu, die Werte und das „Stammesdenken“ der Leute von New Canaan infrage zu stellen und auf das „Holz“ zu blicken, auf dem hier Sucht, Religiosität, Homophobie, Gewalttätigkeit und Fremdenfeindlichkeit wachsen. Insgesamt ein bedrückendes Leseerlebnis, u. a. weil die kritiklose Unterwerfung sehr junger berufsloser Frauen unter gewalttätige Sportidole mehr Raum einnimmt als die Reflexion dieser Werte.
Fazit
Ein präzise beobachteter Roman, der mit sehr vielen Figuren und Szenenwechseln einen kräftigen Geduldsfaden voraussetzt und diese Geduld erst sehr spät belohnt, u. a. durch interessante Nebenfiguren.