Kanakenkind
Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung. Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden
von Luigi Toscano; Silke Kettelhake
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Erscheinungstermin 16.03.2026 | Archivierungsdatum 15.04.2026
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Zum Inhalt
Luigi Toscano: Der als »Kanakenkind« beschimpfte Sohn sizilianischer Einwanderer findet durch die Hinwendung zur Fotografie sein Ventil, weg von Gewalt und Vernachlässigung in der Kindheit, weg von dem Drogensumpf und der Straße.
Der Fotograf Luigi Toscano, von der UNESCO zum Artist for Peace ernannt, kämpft gegen das Vergessen, den wachsenden Hass, die grassierende Gefühllosigkeit. Toscanos eindringliche Porträts von mehr als 600 Opfern von Krieg und Grausamkeit sind weltweit zu sehen, in deutschen Bahnhöfen, in Babyn Jar, in Paris und New York. Sie sind Mahnung und Erinnerung: nie wieder.
Die Biografie des Fotografen der Holocaust-Überlebenden verbindet sich mit dem Leben von Anna Strishkowa aus Kiew, Herzstück seiner Ausstellungen. Anna, blond und blauäugig, wurde 1943 als Kleinkind von den Deutschen nach Auschwitz deportiert. Ihr Leben lang war sie auf der Suche nach ihrer Herkunft und ihrer Familie. Mit »Kanakenkind« beginnt Luigi Toscano eine Reise durch Zeiten und Räume, um Anna Iwanowas Identität zu erforschen.
Durchgehend vierfarbig mit zahlreichen Abbildungen.
Luigi Toscano: Der als »Kanakenkind« beschimpfte Sohn sizilianischer Einwanderer findet durch die Hinwendung zur Fotografie sein Ventil, weg von Gewalt und Vernachlässigung in...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783451399077 |
| PREIS | 30,00 € (EUR) |
| SEITEN | 368 |
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
„Ihr wollt es nicht sehen. Ich zeige es euch trotzdem.“ Auch wenn Luigi Toscano diesen Satz auf seine Wanderausstellung „Gegen das Vergessen“ bezieht, könnte er doch das Motto für sein Buch „Kanakenkind“ sein. Darin spricht er aus, was viele nicht hören möchten: wie es ist, als ältestes von sieben Kindern in einer italienischen „Gastarbeiterfamilie“ aufzuwachsen. Armut, Prügel, überforderte, trinkende Eltern, fehlende Bildungschancen, Sonderschule – an seine spätere Karriere als Fotokünstler glaubte damals niemand. Er auch nicht. Erst die Unterbringung im Heim brachte etwas Stabilität in sein Leben. Hauptschulabschluss, Ausbildung – und dann Absturz in die Drogensucht.
Seine Co-Autorin Silke Kettelhake lässt Luigi Toscano in ganz eigenem Ton über sein Leben erzählen. Die autobiografischen Passagen sind fast Own Voice, nah am gesprochenen Wort und doch sehr literarisch: rhythmisch, kreativ, authentisch. Ein Beispiel lest ihr am Ende des Beitrags. Doch Toscano hält sich selbst nicht für so wichtig, dass er die kostbare Bühne namens Buch allein mit seinem Leben füllen möchte. Sein Werdegang ist nur der erste von drei Tönen, die „Kanakenkind“ zum Klingen bringen. Seine Lebenserfahrung ist die Begründung für das Wunder, das er ermöglichte. Denn bei seinem Projekt „Gegen das Vergessen“, bei dem er mehr als 600 Holocaust-Überlebende persönlich getroffen, porträtiert und die Bilder an öffentlichen Orten ausgestellt hat, geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte: Die Überlebenden öffneten sich ihm, dem Kanakenkind, das selbst Ausgrenzung und Rassismus erfahren hat. Sie erzählten Details aus ihrem Leben in den KZs, die sie noch nicht mal ihren Angehörigen berichtet hatten.
Auch diesem Teil des Buches verleiht Silke Kettelhake eine eigene Stimme, fast zart, liebevoll und nicht voyeuristisch. Hier genügen persönliche Details, die doch für das ganze große Grauen stehen. Genau wie auf den Foto-Porträts bleiben Privatsphäre und Würde der Überlebenden immer gewahrt. Verschwiegen wird trotzdem nichts. Auf diesen privaten Moment folgen Fakten, mit denen Toscano und Kettelhake das Grauen der Verfolgung und die brutale, technokratische Unmenschlichkeit sachlich, nüchtern und mit voller Wucht präsentieren.
Es ist dieser Dreiklang aus Autobiografie, Begegnungen mit den Shoah-Überlebenden und schwer auszuhaltenden Fakten zur Nazi-Diktatur der für mich „Kanakenkind“ zu einem ganz besonderen Buch macht, das lange nachhallt und dem ich sehr viele Leser*innen wünsche!