Black Water Rising
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Erscheinungstermin 15.11.2021 | Archivierungsdatum 21.12.2025
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Zum Inhalt
Texas 1981, Ronald Reagan ist Präsident, Jay Porter ein erfolgloser Anwalt mit einer Strip-Mall-Kanzlei. Entschlossen, den Geburtstag seiner schwangeren Frau Bernie unvergesslich zu machen, mietet er...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Hardcover |
| ISBN | 9783948392406 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 458 |
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Jay Porter, Anwalt in Houston, hat bereits in den 70ern als Student gelernt, dass auch nach dem Ende der Bürgerrechtsbewegung ein Schwarzer besser mit eingezogenem Kopf lebt. In einer Gegend, die offen damit werben darf, Zentrum des Ku-Klux-Klans zu sein, lässt man sich besser nicht an Orten sehen, die Weiße als Revier beanspruchen, und geht vor allem nicht zur Polizei, um eine Straftat anzuzeigen. Jays Vater wurde vor seiner Geburt fast zu Tode geprügelt; er starb kurz darauf, weil er in der Notaufnahme eines „weißen Krankenhauses“ schlicht ignoriert wurde. Seit Jays Erfahrungen mit Polizei und FBI als Bürgerrechtsaktivist scheint sich kaum etwas verändert zu haben. Im Gegenteil geht es mit Houstons ehemals angesehenen Stadtvierteln der schwarzen Mittelschicht seit der offiziellen Abschaffung der Rassentrennung eher bergab.
Da Jay zu oft Klienten vertritt, die sich keinen Anwalt leisten können, akzeptiert er auch Zahlung in Naturalien. Auf diesem Weg gelangt er an eine Bootsfahrt auf dem Bayou, weil ein Klient noch einen Gefallen bei einem Bootsführer einzutreiben hat. Auf dem nächtlichen Bayou, von dem man lieber nicht wissen möchte, welche Tierarten er beherbergt, erklingt ein Schrei, ein Schuss und ein Gegenstand rollt ins Wasser. Jay zieht eine vor dem Sturz wohl elegant gekleidete Frau aus dem Wasser; die ihm später einiges Kopfzerbrechen bereiten wird, als am Ufer auch noch ein erschossener Prominenter gefunden wird. Jay benötigt dringend bezahlte Mandate, da seine Frau Bernardine schwanger ist, stattdessen beansprucht sein Schwiegervater konstant seinen Idealismus, Schwarze gegen rassistische Einstellungen der Polizei zu vertreten.
Aktuell plant die Gewerkschaft der Hafenarbeiter u. a. einen Streik gegen unbezahlte Überstunden und hofft auf Unterstützung der Gewerkschaft der Ölarbeiter. Bürgermeisterin Cynthia Maddox, Jays Ex aus seiner Studentenzeit, kann weder den Streik gebrauchen, noch die Ereignisse am Bayou, noch einen weiteren skandalösen Fall, den Jay aktuell vertritt. Schließlich geht es für Jay nicht nur darum, wer die Frau aus dem Bayou ist oder wem er mit seinen Ermittlungen auf den Schlips treten wird, sondern darum, wessen Interessen Cynthia vertritt. Vor einem Jahrzehnt jedenfalls hatte Jay einsehen müssen, dass (die weiße) Cynthia allein an ihrer politischen Karriere arbeitete und dafür sogar die Bürgerrechtsbewegung ausnutzte.
Fazit
Jay Porter reibt sich Anfang der 80er Jahre zwischen Gratisarbeit für die Bürgerrechte Schwarzer und dem aktuellen Rassismus auf. Seine Einstellung in der Gegenwart und sein Verhältnis zur Bürgermeisterin Cynthia beruhen auf seinen Dämonen der Vergangenheit, als Schwarze Bürgerrechtsaktivisten stets um ihr Leben zu fürchten hatten. Mit zahlreichen hochinteressanten Figuren führt „Black Water Rising“ aus Jays Gegenwart der 80er zurück in die 60er, als er bereits als Jugendlicher eine Aktionsgruppe für Bürgerrechte gründete. Atticas Lockes sozialkritischer Blick in die US-Zeitgeschichte wird im hochinteressanten Nachwort getoppt durch ihren Bericht, wie ihre Familiengeschichte und der Plot des Buches zusammenhängen. Die Autorin wurde nach dem Gefängnisaufstand von 1971 in der Attica Correctional Facility getauft …
Mit „Black Water Rising“ hat Attica Locke einen Roman geschrieben, der für mich weit mehr ist als ein Kriminalroman. Es ist ein Noir-Roman, ein Gesellschaftsroman und ein Justizdrama zugleich – und eine der beeindruckendsten Entdeckungen der letzten Zeit.
Im Mittelpunkt steht der Anwalt Jay Porter, der eher zufällig in einen Mordfall hineingezogen wird. Was zunächst wie ein klassischer Krimi beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über Macht, Korruption, Rassismus, Politik und wirtschaftliche Interessen im Houston der frühen 1980er Jahre. Dabei steht nie die Frage im Vordergrund, wer der Täter ist. Vielmehr geht es darum, wie Menschen handeln, wenn sie zwischen Moral, Loyalität und persönlichem Überleben entscheiden müssen.
Beim Lesen musste ich immer wieder an John Grishams Die Jury denken. Nicht wegen einer ähnlichen Handlung, sondern weil auch hier das Rechtssystem, gesellschaftliche Machtstrukturen und die Menschen dahinter im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig erinnerte mich die Atmosphäre an In the Heat of the Night, während der Kampf gegen wirtschaftliche Interessen und politische Verflechtungen durchaus Assoziationen zu Erin Brockovich weckte. Trotzdem bleibt Black Water Rising immer ein ganz eigener Roman.
Was mich besonders begeistert hat, ist Attica Lockes Erzählweise. Sie braucht keine spektakulären Verfolgungsjagden oder künstlich eingebaute Cliffhanger. Die Spannung entsteht aus den Figuren, ihren Beziehungen und den moralischen Grauzonen, in denen sie sich bewegen. Houston wird dabei fast zu einer eigenen Figur – lebendig, widersprüchlich und jederzeit präsent.
Vielleicht hat mich der Roman auch deshalb so überzeugt, weil er genau die Art von Kriminalliteratur bietet, die ich besonders schätze. Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich Figuren oft wichtiger finde als möglichst raffinierte Plots. Genau deshalb mag ich Autoren wie Raymond Chandler, Ross Macdonald, James Kestrel oder Castle Freeman. Attica Locke reiht sich für mich nahtlos in diese Tradition ein: literarischer Noir mit starken Charakteren, einer dichten Atmosphäre und gesellschaftlicher Relevanz.
Jay Porter ist dabei kein unfehlbarer Held. Gerade seine Vergangenheit, seine Zweifel und seine innere Zerrissenheit machen ihn zu einer Figur, die glaubwürdig wirkt und den Roman trägt.
Für mich war Black Water Rising ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Ein intelligenter, hervorragend geschriebener Noir-Roman, der Kriminalgeschichte und Gesellschaftsroman auf beeindruckende Weise miteinander verbindet.
Eine absolute Leseempfehlung – und für mich ganz klar 5 von 5 Sternen.
Claudia E, Rezensent*in
"Bluebird, Bluebird" war mein erstes Buch von Attica Locke. Aber jetzt hab ich mir auch den Erstling "Black Water Rising " gegönnt und bin schon zum zweiten Mal angefasst und begeistert zugleich, was diese schwarze, amerikanische Autorin hier Buch für Buch abliefert.
Ich schätze den Polar-Verlag für die Auswahl seiner AutorINNen und wurde eigentlich noch nie enttäuscht.
Spannend an Lockes Helden ist, dass sie sowohl in in einer amerikanischen Kleinstadt als auch in einer Vergangenheit agieren, die in den 70er/80er Jahren verortet ist. Dementsprechend ist die People-of-Colour-Problematik noch um einiges schärfer als heutzutage. Ihre Hauptdarsteller, hier ist es ein Anwalt, aber auch mal ein Polizist, gehören zu den schwarzen Amerikanern, die einen bis dato untypischen Job ausüben und dadurch dem typisch rassistisch angehauchten weißen US-Amerikaner sauer aufstoßen. Auch, weil sie keine kleinen verhuschten Menschen sind sondern intelektuell und gesellschaftlich in einer guten Ausgangslage. Daraus entstehen Konflikte, die eine zentrale Rolle spielen in Lockes Romanen. Auch die Kriminalfälle spiegeln diese rassistische dunkle Vergangenheit der USA wieder. Sind aber sicher auch ein Spotlight auf heutige Probleme, denn leider versinkt die USA ja gerade wieder in einem alten Sumpf.
Also hochaktuell, intelligent erzählt und macht sehr nachdenktlich, was Locke da schreibt.