Das Schwarz an den Händen meines Vaters
Roman | Longlist Deutscher Buchpreis 2025
von Lena Schätte
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Erscheinungstermin 12.03.2025 | Archivierungsdatum 26.10.2025
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Zum Inhalt
»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so.
Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.
»Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben.
»Die Wucht des sich behutsam entfaltenden Textes trifft unmittelbar.« Aus der Begründung zur Verleihung des W.-G.-Sebald-Preises
»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783103976571 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 192 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Die Frauen in „Mottes“ Familie lernten von klein auf, dass Männer trinken und prügeln. Aufgabe der Ehefrauen ist es, die Kinder ruhig zu halten und als Co-Abhängige nach außen ein Lügengebäude aufrechtzuerhalten, von dem alle wussten, dass es eine Maske ist. Schon der Großvater der Erzählerin war alkoholabhängig. Über drei Generationen kannten die Familien kein anderes Leben als das der Ausgrenzung im Dorf. Als Papakind fühlt Motte sich dem Vater eng verbunden, dessen Arbeiterhände nie ganz sauber zu schrubben waren. Als ihm aufgrund seiner Sucht gekündigt wird, beginnt der endgültige Abstieg der Familie, der mit dem frühen Tod des Vaters endet. Mottes Mutter konnte auch mit zwei Arbeitsstellen kaum gegen die Kosten seiner Sucht an verdienen. Heute hat „Motte“ nur noch zu ihrem Bruder Kontakt - und auch sie ist alkoholsüchtig.
Lena Schättes Debütroman erzählt auf wechselnden Zeitebenen über drei Generationen Alkoholkranker. Dabei scheinen Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu verschwimmen, als würden wir als Leser:innen Mottes Gedankensprüngen folgen – oder als wäre die Unterscheidung in Gegenwart und Vergangenheit unwichtig. Beeindruckt hat mich die Autorin mit den Momenten, in denen Lenas Gefährdung als Kind und ihre Sucht als Erwachsene für Außenstehende nicht mehr zu übersehen war, die Tür zu Hilfe jedoch nicht weit genug geöffnet wurde.
Lena Schätte
Das Schwarz an den Händen meines Vaters
Ein Buch über das Aufwachsen in einer Familie, in der schon seit Generationen getrunken wurde.
Mottes Vater trinkt, und wenn er das tut, ist er ein anderer Mensch, nicht der liebevolle, lustige und aufmerksame Vater, den sie so gern hat, sondern jemand, der nachts besoffen nach Hause kommt, jemand der sich bis zur Besinnungslosigkeit die Kante gibt. Ihre Mutter sorgt dafür, dass so weit wie möglich, alles normal weiter geht, bis auch sie nicht mehr kann. Auch ihr Opa hat getrunken so trinkt sie auch, aber nicht nur ein bisschen, nein, wenn sie trinkt, dann bis nichts mehr geht. Zum Glück hat sie einen älteren Bruder, der sich um sie kümmert.
Lena Schätte hat ein bemerkenswertes Debüt geschrieben. Ab den ersten Sätzen ist man in diese kaputte Familie hineinkatapultiert, lebt und leidet mit ihr. Die einzelnen Kapitel finden in unterschiedlichen Zeitebenen statt, die am Ende die Geschichte dieser Familie wiedergeben. Nie wird das Buch pathetisch, obwohl es der Inhalt hergeben würde. Die Protagonisten sind fein gezeichnet und jederzeit authentisch.
Ein tolles Buch, für das ich gerne eine Leseempfehlung ausspreche
Buchhändler*in 833020
📚 Rezension 📚
"Das Schwarz an den Händen meines Vaters" von Lena Schätte, erschienen bei @sfischerverlage.
📚Die Ich-Erzählerin, die von ihrem Vater stets "Motte" genannt wird, wächst in einfachen Verhältnissen auf. Der Vater ist ihr auf der einen Seite ein Spielkamerad, jemand der ihr nahe steht, und auf der anderen Seite dem Alkohol und der Spielsucht verfallen, bis er schließlich an Krebs erkrankt.
Motte selbst trinkt ebenfalls, sie kennt es ja nicht anders. Und auch sie hat längst sämtliches Maß verloren.
📚 Es ist ein roher, harter Roman, der uns das Leben mit dem Alkohol gnadenlos schildert. Es geschehen Unfälle und Verletzungen unter Alkoholeinfluss, und Mottes Mutter tut es ab mit der Floskel, dass sei eben schon immer so gewesen. Trotzdem hat sie Fluchtgeld beiseite gelegt, und setzt den Ehemann auch mal vor die Tür. Vor den Nachbarn wahren sie den Schein: alles ist in Ordnung.
Welche Kraft muss das gekostet haben. Es ist für mich nur sehr schwer nachzuvollziehen, wie sich die Erzählerin gefühlt haben muss, wenn sie gezwungen war den Vater aus der Kneipe von den Spielautomaten wegzuholen. Welche Ängste sie ausstehen musste, wenn sie dachte die Mutter würde den Vater verlassen und sie vergessen, sodass sie oft angezogen schlafen ging. Solche Umstände habe ich nie kennen gelernt, und bin sehr dankbar für die Kindheit und Jugend, die erleben durfte.
Trotz allem hält die Familie zusammen, als die Diagnose Krebs die Welt kurz zum Stillstand bringt. Hier finden sich weichere Töne, als Motte versucht sich mit dem Vater zu versöhnen und selbst dem Alkohol zu entsagen.
Eine absolute Leseempfehlung, jedoch mit Vorsicht anzugehen, solltet Ihr mit dem Thema Schwierigkeiten haben.
🥝🥝🥝🥝🥝/5
Danke an @netgalley und @sfischerverlage für die Bereitstellung des digitalen Leseexemplars.
Bildquelle:
https://www.book2look.com/book/9783103976571
#dasschwarzandenhändenmeinesvaters #sfischerverlage #lenaschätte #netgalleyde #alkoholsucht #alkohol #krebs #pflege #buchzeit #kiwi #vater #aufarbeitung
Intensive und bewegende Auseinandersetzung mit Trauma und Familiengeschichte
Das Schwarz an den Händen meines Vaters von Lena Schätte ist ein außergewöhnlich intensiver Roman, der tief in die psychologische Dynamik einer Familie eintaucht. Die Geschichte von Elli, die nach dem Tod ihres Vaters dessen bedrückende Vergangenheit und ihre eigene familiäre Prägung zu entwirren versucht, wird mit beeindruckender Tiefe erzählt.
Die authentische Darstellung der Hauptfigur, ihre Mischung aus Schmerz, Wut und Verzweiflung, aber auch ihr unermüdlicher Wille, Licht in die Schatten der Vergangenheit zu bringen, wirken äußerst glaubwürdig. Die Autorin beschreibt die Auswirkungen generationsübergreifender Traumata mit einer Klarheit, die berührt und nachdenklich macht. Das Setting, geprägt von der dunklen Atmosphäre der Kleinstadt und den bedrückenden Erinnerungen, unterstreicht die emotionale Intensität der Handlung. Gleichzeitig bieten die sensibel eingebauten Momente der Hoffnung und Selbstfindung einen gelungenen Ausgleich. Die Sprache des Romans ist präzise und kraftvoll. Lena Schätte schafft es, mit wenigen Worten komplexe Emotionen und Bilder hervorzurufen. Man fühlt sich in den Bann der Geschichte gezogen, während sich Stück für Stück die Verstrickungen der Vergangenheit entwirren.
Das Buch beeindruckt durch seine Vielschichtigkeit und seinen Mut, schwierige Themen wie familiäre Gewalt, Schuld und Verdrängung anzugehen. Es fordert heraus, berührt und überzeugt durch seine emotionale Wucht.
Buchhändler*in 1587298
Hab ein paar Seiten gebraucht um rein zukommen, weil es in der Zeit hin und her wechselt. Aber mega gut geschrieben. Wichtiges Thema. Man vergisst sicher immer wieder das es die Kinder im Erwachsenen Alter auch betreffen kann. Und doch hat es viele Tabus, wo man nicht darüber spricht.
Buchhändler*in 1209150
Hart und zart zugleich. Ein sehr beeindrucken Roman, den ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Die Zeitsprünge sind leider nicht so mein Geschmack, daher einen Stern Abzug dafür. Trotzdem ein wunderbares Buch, welches ich gerne weiterempfehlen werde.
Buchhändler*in 1332337
ein wunderbares, trauriges und ehrliches Buch über eine Tochter-Vater-Beziehung.
Die Autorin schreibt trocken, schnell und voller Gefühle.
Buchhändler*in 578886
Das Schreiben ist eine Art das Leben auszuhalten sagt die Autorin Lena Schätte. Motte die Protagonistin muss auch einiges aushalten, mit ihrem alkoholkranken Vater und mit der Tatsache , dass dieses Problem von der restlichen Familie verdrängt wird. Co - Abhängigkeit nennt man das wohl. Auch Mottes eigenes Verhalten zum Alkohol ist schwierig, ist das ein Wunder ? Zitat: „Ich verliebe mich in einen trinkenden Mann, weil es wie zu Hause ist. Ich kenne das. Sie haben mir das Laufen und das Sprechen beigebracht und dass man bei Grün geht und bei Rot steht. Sie haben mir beigebracht, dass das, was zu Hause passiert, zu Hause bleibt. Wie man Erbrochenes schnell aus den Fugen und von den Autositzen bekommt, wie man lügt, so dass es alle glauben. Ich weiß, wie man einen Mann zurechtrückt. So, dass er am nächsten Morgen frisch geduscht und kerzengerade am Frühstückstisch sitzt und alles ein paar Tage gut ist.“ Mottes Verhältnis zum Vater ist ambivalent, denn er hat zwei Gesichter. Das ist der Zauber an dieser Geschichte, die kurzen Kapitel, die nüchterne, einfache Sprache, und die Liebe zu ihm, die immer wieder durchscheint, trotz allem. Er ist Papa, er ist der Angelpunkt der Familie im Guten wie im Schlechten. Das hat die Autorin sehr klar formuliert und das ist die Stärke dieses Romans. Wer wie ich diese Problematik kennt fühlt sich verstanden und merkwürdig „heimisch“. Ich empfehle diesen Roman aufrichtig und wünsche ihm die entsprechende Aufmerksamkeit.
Marice R, Beschäftigte*r in der Buchbranche
In kurzen Kapiteln bzw. Gedankenabschnitten wird generationenübergreifender Alkoholismus und dessen Auswirkung auf die Familie beschrieben. Dabei wird die Geschichte der Hauptfigur nicht synchron erzählt, sondern kommt wie Erinnerungen an unterschiedliche Zeiten zu Tage. Während die Erzählart beschreibend und neutral bleibt, ist der Text und das Gesagte (und Ungesagte) hochemotional. Wunderbar geschrieben und trotzdem schrecklich zu lesen.
Nicole T, Buchhändler*in
Toller Stil. Das Skizzenhafte brachte die Thematik umso eindringlicher auf den Punkt. Klare Empfehlung für alle, die sich mit dem Thema generationsübergreifender Alkoholismus auseinandersetzen wollen, ohne plakativ die Tränendrüsen zu beanspruchen.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1567207
Keine leichte Kost, diese Familiengeschichte, in der der Alkohol eine beherrschende Rolle spielt und in der das Trinken von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Ich musste oft schlucken beim Lesen der Szenen, die hier geschildert werden. Alle Familienmitglieder versuchen, auf eigene Weise mit der Situation umzugehen - ob sie selbst anfangen zu trinken, ein Helfersyndrom entwickeln oder als Co-Abhängige das Ausmaß der Sucht und der Trunkenheit vertuschen. Ein kraftvoller, bewegender Roman.
Buchhändler*in 1070945
Der Schreibstil der Autorin hat mich unglaublich gut gefallen.
Ich bin ebenso ein großer fan von den kurzen aber dennoch nicht weniger emotionalen Kapiteln.
Ein schmerzhaftes aber auch unfassbar gutes Buch!
Susan B, Buchhändler*in
Ein schmerzliches Buch über das Aufwachsen und Leben als co-abhängiges Kind. Lena Schätte beleuchtet facettenreich und eindringlich die verschiedenen Stadien der Alkoholabhängigkeit des Vaters, deren Auswirkung auf die Familienmitglieder sowie den fortschreitenden Zerfall der familiären Struktur. Die Kinder werden vernachlässigt, die Ehefrau steht hilflos und ohnmächtig am Rand, Alkoholisierung und Entzug wechseln sich ab und werfen tiefe Schatten auf das Leben aller Angehörigen. Das eiserne Schweigen und Gutreden gegenüber der Außenwelt überdeckt kaum mehr das Leiden aller Beteiligten. Hin- und Hergerissen zwischen der Liebe zum Vater und der Abneigung gegen dessen alkoholisiertes Alias versucht die Tochter, einen eigenen Weg der Bewältigung zu finden. Großartige Literatur!
Buchhändler*in 1104345
Ein eindringliches, hartes Buch, aber in einem zarten, beinahe verletzlichen Ton erzählt, durchzogen von einer Traurigkeit, die mich trotz der prägnanten Sprache und dem Springen zwischen den Zeiten sehr bewegt hat.
Eine Familiengeschichte, die von Alkohol geprägt ist, eine Vater-Tochter-Beziehung zwischen Nähe, Co-Abhängigkeit und Nichtverstehen, sehr schwierige Beziehungen zwischen den Frauen der Familie und zum Rest des Dorfes - und das alles erzählt ohne Pathos, ohne Dramatisierung, aber brutal ehrlich und zugleich ungemein fein, präzise beobachtet, ohne die Personen an den Pranger zu stellen.
Kurz: HAMMER.
Eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Tatjana V, Beschäftigte*r in der Buchbranche
EIn wunderbares, einfühlsames Buch über Alkoholismus in der Familie. Die Autorin beschreibt die Familie trotz aller Widrigkeiten als sehr humorvoll und auch gefühlvoll. Ich habe die Figur des Vater richtig gern, er hatte viel Humor und hat die Kinder mit phantsievollen Geschichten amüsiert. Und genau das sind die Schilderungen, die so es so eindrücklich machen, welch ein toller Mensch durch den Alkohol verlorenging. Das Buch ist folglich gar nicht so düster, wie es das Cover vermitteln könnte.
Buchhändler*in 483726
Ein einfühlsamer Roman über eine Vater-Tochter Beziehung die einige Tifen erlebt. Und doch ist er mit einer Leichtigkjeit geschrieben, dass man ihn in einem Rutsch durchlesen kann. Perfekt für alle Fans von Jeanette Walls "Schloss aus Glas"
Manuela H, Buchhändler*in
Diese Familiengeschichte, insbesondere die der Vater- Tochter Beziehung hat mich sehr berührt.Die zerstörerische Alkoholabhängigkeit des Vaters die auf die Tochter übergeht, wird drastisch geschildert, aber auch, wie bei allen Problemen die Familie letzten Endes zusammenhält. Die große Liebe,die die Autorin hier dem Vater entgegenbringt, geht ans Herz ohne dabei kitschig zu sein, was der klaren, schnörkellosen Sprache des Romans zu verdanken ist. Wirklich lesenswert!
Jenny T, Rezensent*in
MEINUNG:
Ich habe mich ein bisschen gescheut Das Schwarz an den Händen meines Vaters zu lesen, weil ich selbst familiär vorbelastet bin, was Alkoholsucht angeht und immer nicht weiß, was solche Bücher emotional mit mir machen und wie bereit ich für einen solchen Lesestoff bin.
Der Alkoholismus scheint in dieser Familie vorher bestimmt zu sein. Auch der Vater des Vaters von der Ich-Erzählerin "Motte" hat getrunken, wie man in einem kurzen Rückblicken erfährt. Die Gesichte springt immer wieder zwischen den Zeiten hin und her. Wir pendeln zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Autorin hat das virtuos miteinander verbunden, ohne dass man den Faden verliert. Es ist relativ schnell klar, dass der Vater sterben wird. Auch wird schnell deutlich, dass Motto selbst ein Alkoholproblem hat und ihr Leben nicht so gut auf die Reihe bekommt und selbst Partner mit Alkoholproblemen hat. Der Roman ist wirklich keine leichte Kost und ich kann mir vorstellen, dass es einige Lesende auch triggert, dennoch ist das Thema unfassbar wichtig. Die Autorin lässt uns hier ganz nah ran, beschönigt nichts, aber es wird auch deutlich wie sehr Motte ihren Vater liebt und wir die Familie trotz allem weiter besteht.
Ich habe beim weiteren Lesen, vor allem als es mit dem Vater zu Ende ging, immer mehr einen Kloß im Hals gehabt und das passiert mir wirklich selten. Leider sterben auch noch andere Personen. Ich war mit traurig für diesen Menschen, der mit seiner Sucht der Familie riesige Probleme beschert hat und alle Familienmitglieder für immer geprägt hat. Mich hat die Liebe bewegt, die ihm trotz allem entgegen gebracht wurde und ich musste daran denken, dass Menschen mehr sind als ihre Süchte, was hier wunderbar rüber gekommen ist und es aber gleichzeitig so schwer ist für die co-abhängigen Angehörigen.
FAZIT:
Das Schwarz an den Händen meines Vaters ist keine leichte Kost, dennoch habe ich es in einem Rutsch gelesen. Die Alkoholsucht der Ich-Erzählerin und der Vaters hat mir viel mit mir gemacht und aufgewühlt. Ein so schwieriges Thema hat die Autorin einfach richtig gut umgesetzt. Zurecht hat das Buch eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2025 verdient und bekommt hoffentlich so die nötige Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema.
Rezensent*in 427080
Ein Leben überschattet
Das Schwarz an den Händen meines Vaters ist ein Buch, das zeigt, wie Alkoholismus das Leben einer Familie prägt und sich sogar vererbt.
Es ist zum Teil ein erschütternder Bericht, da er eindringlich aus Ichperspektive erzählt. Der Vater der Erzählerin Motte war schwerer Trinker, von der Mutter ein Stück weit toleriert. Zahlreiche Vorfälle prägten schon die Kindheit der Erzählerin, die schließlich selbst anfängt schwer zu trinken.
Lena Schätte schreibt schonungslos, abgemildert durch eine Nähe zur Figur. Vielleicht ist das Buch deswegen auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis gelandet.
Das Schwarz an den Händen meines Vaters – Lena Schätte
Ein toller, sehr berührender Roman, der völlig zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises aufgeführt ist.
Die Ich-Erzählerin Motte berichtet von ihrer Kindheit in sogenannten „einfachen Verhältnissen“, die geprägt ist von Armut und Alkoholsucht des Vaters. Nun liegt er im Sterben und Motte zieht Bilanz. Was hat ihre Kindheit mit ihr gemacht und war vielleicht doch nicht alles schlecht?
Es ist wohl diese Selbstverständlichkeit, mit der Motte und ihr Bruder ihre frühen Jahre erleben – und sicherlich auch das Deja-vu-Erlebnis, das mich doch immer mal wieder überkam (auch ich komme aus einer Arbeiterfamilie), das so betroffen macht. Der Schreibstil an sich ist nämlich eher nüchtern und sachlich gehalten.
Es werden hier auf moderne Art und Weise diverse Themen aufgegriffen, die vielen von uns bekannt vorkommen dürften. Eine Kindheit in einfachen Verhältnissen, in der die Bedürfnisse der Kinder nicht an erster Stelle stehen. Sorgen und Nöte von Arbeiterfamilien. Alkoholsucht und Co-Abhängigkeit (das hat mich hier besonders bestürzt, mit welcher Selbstverständlichkeit dieser Konsum einfach hingenommen wird und sich danach gerichtet wird). Schließlich auch Krankheit und Tod. Die Gefühle, die Kinder einer solchen Familie über die Jahre haben und die Auswirkungen auf das spätere Leben. Motte und ihr Bruder haben von Anfang an ganz andere Wege, damit umzugehen.
Spannend, wichtig, bedrückend. Unheimlich authentisch.
Ein Highlight. 5 Sterne.
Lena Schätte legt mit diesem Roman ein zutiefst berührendes Debüt vor, das nicht nur vom Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen erzählt, sondern auch von familiärem Zusammenhalt, Schmerz und einer leisen, widersprüchlichen Liebe.
Die Ich-Erzählerin Motte wächst mit einem Vater auf, der zwischen zwei Extremen schwankt: dem liebevollen, phantasievollen Mann, der spielt, rennt und Antworten weiß, und dem gebrochenen Trinker, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht in Gefahr bringt. Diese Zerrissenheit prägt nicht nur das Bild vom Vater, sondern auch Mottes eigenes Leben. Schon als Kind greift sie zum Alkohol, später als junge Frau verliert sie sich immer mehr darin, und findet sich doch von ihrem Bruder gehalten, der versucht, den Halt in der Familie zu bewahren. Als schließlich die Krebsdiagnose des Vaters das Ende unausweichlich macht, beginnt für Motte eine schmerzhafte Suche nach Abschied, vom Vater, aber auch vom Alkohol.
Lena Schätte gelingt es, mit einer klaren, schnörkellosen Sprache eine Geschichte voller Härte und Zartheit zu erzählen. Sie zeichnet Figuren, die verletzlich und widersprüchlich sind, aber gerade dadurch so lebensecht wirken. Besonders eindrücklich ist die Art, wie sie den Teufelskreis des Trinkens beschreibt,nicht moralisierend, sondern tief menschlich und nachvollziehbar.
Das Schwarz an den Händen meines Vaters ist ein Roman über das Lieben eines schwierigen Vaters, über Verluste und über den Versuch, einen eigenen Weg zu finden. Intensiv, nah, schonungslos ehrlich – und dabei voller Empathie.
Robin W, Buchhändler*in
"Das Schwarz an den Händen meines Vaters" ist das erste Buch, das ich beim Longlist-Lesen gelesen habe. Mir ist sofort nach ein paar Seiten wieder eingefallen, warum genau das jedes Jahr meine Lieblingszeit als Buchhändler ist.
Der Roman ist ein stiller und berührender Bericht über eine Familie, die durch den Alkoholismus des Vaters definiert wird und die zwischen Scham und Zusammenhalt dennoch irgendwie koexistiert.
Eine ganz besondere Verbindung hat die Ich-Erzählerin "Motte" mit ihrem Vater. So wird sie von ihm liebevoll genannt. Denn wo ihr Bruder oder ihre Mutter verzweifeln, findet sie irgendwie einen Weg zu ihrem Vater und bildet mit ihm in schwierigen Situationen ein geschlossenes Team. Doch für sie gibt es eigentlich zwei Väter. Einmal der, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Dann gibt es noch den Vater, der von der Werkhalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Finger bei der Arbeit absägt, betrunken Autounfälle baut und nächtelang weg ist. Je älter sie jedoch wird, desto mehr rückt der erste Vater in die Vergangenheit. Und je erwachsener sie wird, desto mehr trinkt sie auch selbst, kennt ihre Grenzen nicht, ist die erste, die komplett betrunken dumme Dinge tut und schläft manchmal im Hausflur, weil sie das Schlüsselloch nicht mehr trifft. Als bei ihrem Vater Krebs diagnostiziert wird, beginnt sie, sich vom Vater und dem Alkohol zu verabschieden. Auf ganz stille Weise.
Wow! Was für ein berührender Roman, der ganz ruhig ein so intensives Thema behandelt. Wie ist es, mit einem Vater aufzuwachsen, der immer mehr dem Alkoholkonsum verfällt und letztendlich nicht mehr wiederzuerkennen ist?
Er spricht auf so viele Arten Gedanken und Wünsche aus, die Kinder, die in genau solchen Familien aufwachsen, irgendwann in ihrem Leben einmal haben.
Er thematisiert die Scham, wenn fremde Personen den betrunkenen Vater sehen, wenn man über ihn spricht und wenn er so betrunken ist, dass er nichts mehr hinbekommt. Gleichzeitig geht es jedoch darum, wie man als Kind diesen Vater dennoch auf eine komplizierte Art und Weise liebt aber trotzdem an der Hilflosigkeit ganz still verzweifelt. Es geht um die Mutter in solchen Familien, die sich um alles allein kümmern muss und nach jedem weiteren Ausrutscher des Vaters die Koffer packt und sich trennen möchte - nur um dann doch wieder zurückzukommen.
Und letztendlich geht es darum, wie Alkoholismus stumm weitervererbt wird. Wie die Kinder selbst ein ungesundes Verhältnis zu Alkohol entwickeln. Dies wird auf symbolische Weise mit der Geschichte des Großvaters und des Vaters genial dargestellt.
Allgemein ist der ganz ruhige Ton, das stille Leiden, das in der Sprache steckt, das Gewaltige an diesem Buch. Es spiegelt die Gefühlswelt des Kindes perfekt wider und macht die Geschichte zu einer Erzählung mit Tiefe und Symbolik.
Durch die sehr kurzen Kapitel und der geringen Seitenanzahl ist der Roman perfekt dafür gemacht, an einem Tag verschlungen zu werden!
Die Nominierung für den Deutschen Buchpreis ist also durchaus nachvollziehbar. Die Tiefe, die in diesem kurzen Roman über ein so komplexes Thema steckt, ist wirklich bemerkenswert. Ich habe den Roman wirklich aufgesogen und geliebt!
Felix-Jan S, Buchhändler*in
Das schwarz an den Händen meines Vaters ist ein sehr einfühlsamer Roman über eine Frau die die Beziehung zu Ihrem Vater Revue passieren lässt. Gleichzeitig muss Sie aber auch die Probleme in Ihrem Leben in den Griff bekommen. Ein rundum gelungener Roman der zum Nachdenken anregt.
Lena Schätte, Das Schwarz...
Klappentext:
Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so. Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest die Reste ausgetrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden - vom Vater und vom Alkohol.
Mein Lese-Eindruck:
Lena Schätte erzählt eine eindringliche Geschichte. In Erinnerungs-Bruchstücken blickt die Protagonistin, von ihrem Vater zärtlich „Motte“ genannt, zurück auf ihr Elternhaus und ihre eigene Geschichte. Das „Schwarz an den Händen“ ihres Vaters steht nicht nur für den Arbeitsruß des Fabrikarbeiters, sondern ist auch ein Bild für die Schuld des Vaters und seine Defizite.
„Schwarz“ ist das Erbe, das der Vater von den vorhergehenden Generationen übernommen hat und weitergibt an seine Tochter. Der Vater der Protagonistin trinkt und spielt, baut Unfälle, verliert seine Arbeitsstelle, ist unberechenbar, prügelt sich und schläft seinen Rausch am Wegesrand oder im Garten aus. Warum trinkt er? Die Mutter sagt: um das Leben zu ertragen. Die Mutter versucht mit Aushilfs- und Putzarbeiten, die Kinder durchzubringen. Dabei gerät sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, und während ihrer Erschöpfungsphasen übernehmen die Kinder die täglichen Routine-Aufgaben der Familie. Die Familie sinkt immer weiter ab, die Kinder werden zunehmend heimatloser. Die Sucht des Vaters bestimmt das Familienleben. Und da Motte es nicht anders kennt, trinkt sie schließlich selber, so wie ihr Freund auch. Und das Rad dreht sich weiter: Randale, Unfälle, Polizei, Gericht, Gefängnis.
Nach außen aber wird der Schein gewahrt, selbst das Kind hält in der Schule die Fassade einer heilen Familie aufrecht.
Es sind aber nicht nur diese „schwarzen“ Erinnerungen, von denen Motte erzählt, sondern auch liebevolle Erinnerungen an den Zusammenhalt der Familie und von der zärtlichen Bindung des Vaters an seine Kinder. Die Liebe des Vaters und umgekehrt die Liebe der Familie zum Vater leuchtet immer wieder im Text auf, und mit diesem Gegensatz entfaltet die Geschichte eine ganz besondere Eindringlichkeit.
Lena Schättes sparsame, nüchterne Sprache trägt zu dieser Eindringlichkeit wesentlich bei. In dem kurzen Roman findet sich kein überflüssiges Wort. Ein harter Inhalt wird hier mit fast poetischen, kurzen Sätzen erzählt, ohne Dekor, und inhaltlich ohne Anklage und Schuldzuweisungen.
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