Die Optimisten

Roman

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Erscheinungstermin 30.03.2020 | Archivierungsdatum 04.01.2021

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Zum Inhalt

Die Liebe in schwierigen Zeiten.

Chicago, 1985: Yale ist ein junger Kunstexperte, der mit Feuereifer nach Neuerwerbungen für seine Galerie sucht. Gerade ist er einer Gemäldesammlung auf der Spur, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verleihen könnte. Er ahnt nicht, dass ein Virus, das gerade in Chicagos „Boys Town“ zu wüten begonnen hat, einen nach dem anderen seiner Freunde in den Abgrund reißen wird.

Paris, 2015: Fiona spürt ihrer Tochter nach, die sich offenbar nicht finden lassen will. Die Suche nach der Tochter gestaltet sich ebenso zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, denn in Paris trifft sie auf alte Freunde aus Chicago, die sie an das Gefühlschaos der Achtzigerjahre erinnern und sie mit einem großen Schmerz von damals konfrontieren.

Die Optimisten ist eine zutiefst bewegende Geschichte darüber, wie Liebe uns retten, aber ebenso vernichten kann, und wie uns traumatische Ereignisse ein Leben lang prägen können, bis Heilung möglich wird.

PULITZER PRIZE FINALIST

NATIONAL BOOK AWARD SHORTLIST

AUSGEZEICHNET MIT DER ANDREW CARNEGIE MEDAL

AUSGEZEICHNET MIT DEM LOS ANGELES TIMES BOOK PRIZE

NEW YORK TIMES 10 BEST BOOKS 2018

Die Liebe in schwierigen Zeiten.

Chicago, 1985: Yale ist ein junger Kunstexperte, der mit Feuereifer nach Neuerwerbungen für seine Galerie sucht. Gerade ist er einer Gemäldesammlung auf der Spur, die...


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AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783961610778
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Pulitzer Prize for Fiction 2019 Finalist Winner of the Carnegie Medal for Fiction A global crisis that has taken the lives of 35,4 million people, changing the face of the world forever - no, this is not a dystopia, Rebecca Makkai wrote the Great American Novel about the beginning of the AIDS epidemic (which is ongoing; here's the latest data: http://www.unaids.org/en/resources/fa...). The author introduces us to a circle of friends in mid-80's Chicago, many of them gay, and shows how HIV/AIDS impacts their lives. What makes this book particularly shocking is that it starts rather slow, but pretty quickly it becomes clear that what propels the story forward is the question who will die next - and as Makkai's characters are brilliantly drawn, psychologically covincing and vivid, it is heart-wrenching to read about their destinies. This main narrative is intersected with a second storyline that takes us and some of the surviving protagonists to Paris in 2010, thus showing how the past is never over and the dead never really vanish, which can be both consoling and haunting. Makkai's main character is Yale Tishman, a 31-year-old gay man who works at Northwestern's Brigg Gallery. His partner Charlie is the editor-in-chief of a gay magazine and an activist. When their friend Nico dies of AIDS, Yale is devastated, but still feels like he is safe from the disease. Soon though, the epidemic starts to ravage their circle of friends and Yale finds himself at the centre of a deadly storm. Throughout her novel, Makkai touches on many topics: There's the spread of fear that erodes human relationships ("You get afraid of one thing, and suddenly you're afrid of everything"), the questions of blame and guilt, the judgement and the stigma. There's also the disillusionment that comes with the fact that the AIDS crisis started when the gay community finally saw a window of opportunity in the fight for equal rights ("I thought it was the beginning of something. When it really was the end."). I particularly admired how Makkai manages to convey the enduring consequences of trauma and loss: Nico's grandmother Nora was part of the Lost Generation, and she used to be an artist and the muse of famous painters in Paris. Regarding her memory of those artists who died in or as a consequence of the war and could never develop their full potential, she remarks: "Every time I've gone to the gallery, the rest of my life, I've thought about the works that werent't there. Shadow-paintings, you know, that no one can see but you." The theme of ghosts is recurring throughout the novel, and the survivors of the beginning of the AIDS crisis - infected or not - are also a kind of lost generation, forced to deal with the memory of their friends who died gruesome deaths, and their own inability to help them. Makkai makes a point to also refer to 9/11 and the Bataclan attacks, large-scale events that fundamentally changed individual lives. The repercussions of such traumatic incidents are carried over generations: While Yale, who is Jewish, is named after his aunt Yael, Nico's sister Fiona names her daughter "Claire Yael", and Claire names her daughter Nicolette, apparently after Nico, the uncle who was taken from her before her birth - the shadows of the dead always remain visible. One consolation for the characters in the book is art and its ability to preserve, celebrate and commemorate - Nora makes the art work of dead artists visible, and the circle of friends from Chicago is immortalized by their surviving friend Richard, a photographer. And his photos are not the only place where they live on, because the human heart is "a palimpsest (...), the way things could be written over but never erased."

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Boystown, Chicago 1985: Einige Jahre lang scheinen Freiheit und Unbeschwertheit in der gay-community geherrscht zu haben. Auch der junge Kunstexperte Yale und sein Freund Charlie fühlten sich davon angezogen und genossen das Leben. Doch dann nimmt die liberale Aufbruchsstimmung ein jähes, dramatisches Ende als das HIV-Virus immer mehr Freunde und Bekannte aus der community erfasst und dahinrafft. Wer kann wem vertrauen? Wer kann sich auf wen verlassen, wenn die Krankheit ausbricht und das Gesundheitssystem kaum HIlfe bietet? Yale lebt monogam und ist vor allem mit seiner Arbeit rund um eine Kunstsammlung zur Pariser Avantgarde beschäftigt. Zunächst erlebt er als stummer Zeuge die Erkrankung und das Sterben einiger seiner engsten Freunde, doch irgendwann wird er selbst - ganz direkt - mit dem HIV-Virus konfrontiert. An Yales Seite steht Fiona, die kleine Schwester eines seiner besten Freunde. Sie hat ihren von den Eltern verstoßenen Bruder Nico unterstützt und gepflegt; später wird sie zum "Engel von Boystown" und zahlreichen anderern von Nicos Freunden helfen. Paris 2015: Dreißig Jahre später reist Fiona nach Paris, um ihre verschollene Tochter Claire zu suchen, die in die Fänge einer Sekte geraten sein soll. Das Verhältnis Mutter und Tochter war von Anfang an problematisch; nun muss sich Fiona - auch durch die Begegnung mit einigen alten Freunden aus der Boystown-Zeit in Chicago - mit ihrer Vergangenheit, ihrer Mutterrolle, ihrer unverarbeiteten Trauer auseinander setzen. Ob so viele Jahre später eine Art von Neubeginn gelingen kann? Ein spannendes, atmosphärisch dichtes und lebendig erzähltes Buch über die Anfangszeiten von AIDS, über gesellschaftlichen Wandel, über Freundschaft und Liebe. Der dritte Roman der Autorin stand auf der Shortlist des Pulitzer Prize und war für den National Book Award nominiert. Zur Zeit arbeitet man an einer Adaption der Geschichte für eine TV-Serie.

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Die Optimisten ist ein spannender Roman, der in zwei Zeiträumen mit wechselnden Kapiteln spielt. Die erste Zeitlinie führt uns zurück in die Mitte der achtziger Jahre nach Chicago und wird aus der Perspektive eines jungen schwulen Mannes, Yale Tishman, erzählt. Er ist glücklich, dass er eine langfristige Beziehung mit dem Journalisten und Aktivisten Charlie unterhält. Sein Job in der Kunstgalerie floriert. Dank eines Hinweises eines Freundes hofft er, einige bisher unbekannte Werke berühmter Künstler zu entdecken. Diesem Erfolg steht jedoch der Schrecken der AIDS-Epidemie gegenüber. Einer nach dem anderen erliegen seine Freunde in ihrer engen Gemeinschaft dieser grausamen Krankheit. Der zweite Strang folgt Fiona, die 30 Jahre später versucht, ihre entfremdete Tochter Claire aufzuspüren. Fionas Bruder Nico war einer der ersten von Yales Freunden, die an AIDS starben. Zu sehen, wie so viele ihrer Freunde leiden und sterben, hat Fiona emotionale Narben hinterlassen und zum Zusammenbruch ihrer Beziehung zu Claire beigetragen. Die beiden Fäden werden zusammengefügt und im letzten Kapitel wunderschön zusammengefügt. Es ist eine spannende, oft traurige, aber auch oft freudige Lektüre.

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Nico ist tot. Gestorben an dem Virus, das die Gesellschaft viel zu lange ignoriert hat, weil es vor allem schwule Männer trifft, und das von einigen sogar zur Strafe Gottes erklärt wurde. Es ist 1985, Aids beginnt auch in Chicago zu grassieren. Die Eltern hatten Nico wegen seiner Homosexualität verstoßen, seine einzige Vertraute in der Familie war seine jüngere Schwester Fiona. Sie hat ihn, gemeinsam mit seinen Freunden aus „Boystown“, bis zu seinem Tod begleitet. Auch Yale war Nicos Freund. Der junge Mann arbeitet in der Brigg Gallery und hat derzeit einen großen Fisch an der Angel. Nora Lerner, Nicos und Fionas Großtante, hat der Galerie eine Schenkung angekündigt: Werke berühmter (und weniger berühmter) Künstler vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, für die Nora in ihrer Zeit in Paris Modell gestanden hatte. Obwohl Yale um seinen Freund (und die, die ihm noch folgen) trauert und die Epidemie ihn aufwühlt, konzentriert er sich auf seine Arbeit. Er fühlt sich sicher, weil er mit seinem Partner Charlie schon seit Jahren monogam lebt. Dreißig Jahre später fliegt Fiona nach Paris, um ihre Tochter Claire zu suchen, die schon vor einiger Zeit den Kontakt zu ihr fast vollständig abgebrochen hat. Fiona plagt das schlechte Gewissen. Sie denkt, dass sie Claire keine gute Mutter war, weil sie in den Jahren um deren Geburt von den Dramen um das Virus in ihrem Umfeld nahezu absorbiert war. Nun hat Fiona einen Hinweis, dass ihre Tochter vielleicht in Paris lebt und beauftragt einen Privatdetektiv, sie bei ihren Nachforschungen zu unterstützen. Sie kommt bei ihrem alten Freund Richard unter, der ebenfalls in den 1980er Jahren in Chicago gelebt hat und von der Krankheit verschont geblieben ist. Er ist in der Zwischenzeit ein berühmter Fotograf und bereitet eine Ausstellung vor, in der auch seine Zeit in Chicago eine wichtige Rolle spielt. Fiona wird die „Geister“ aus der Vergangenheit nicht mehr los, seit langem unterdrückte Gefühle drängen mit Macht ans Tageslicht. Mit ihrem dritten Roman „Die Optimisten“ ist der US-amerikanischen Autorin Rebecca Makkai der Durchbruch gelungen. Er wurde – aus meiner Sicht hochverdient – sowohl auf die Shortlist des Pulitzer Prize als auch des National Book Award gewählt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Bettina Abarbanell hat den Roman einfühlsam ins Deutsche übersetzt. Geschickt verknüpft Rebecca Makkai die verschiedenen Zeitebenen und blickt über Noras Erzählung sogar ins Paris der 1920er Jahre zurück. Es gelingt ihr, Paris damals und heute, ganz besonders aber „Boystown“ im Chicago der 1980er so lebendig zu machen, dass ich fast meinte, „zur Familie“ zu gehören. Man spürt die überschäumende Lebenslust genauso wie die Furcht vor dem Ausgestoßensein und der Krankheit, die Liebe, Solidarität und Freundschaft genauso wie den Verrat, der oft der eigenen Hilflosigkeit entspringt. Dabei zeichnet sie vielschichtige Figuren und lässt die Leserinnen und Leser ganz tief in deren Herz, Seele und Gedanken schauen. Ich habe jedem Einzelnen, egal ob Mann oder Frau, die Daumen gedrückt, dass sie ein Leben leben können, wie sie es sich erträumen – ohne Ausgrenzung und schräge Blicke. Auch wenn wir heute in vielen Teilen der Welt eine viel offenere Gesellschaft sind, werden Menschen, die – in welcher Form auch immer – als „anders“ angesehen werden, noch immer ignoriert, diskriminiert oder im schlimmsten Fall Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt. „Die Optimisten“ ist erschütternd und fesselnd, warmherzig erzählt und berührend. Ein großartiges Stück Literatur, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

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Eine wunderschönes, gleichzeitig aber auch tief trauriges und sehr berührendes Buch. Augenscheinlicher Mittelpunkt der Story ist der Beginn der Aidskrise in den 80er Jahren, hier erzählt am Beispiel einer Clique in Chicago. Die schwulen Männer erlebten gerade eine Blütezeit ihres Seins, sie fühlten zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung, ihr Leben frei und ungezwungen leben zu können - da machte das damals noch recht unbekannte Virus dem allen ein Ende. Nicht nur, dass viele junge Männer viel zu schnell starben, auch der Umgang mit der Krankheit war erschütternd - sowohl "intern" (wie z.B. die Angst vieler, sich testen zu lassen, da sie eine Art Verschwörung zu einer Erfassung aller schwulen Männer fürchteten) als auch "extern" (die mit der Unwissenheit verbundene Ablehnung, Missachtung und Diskriminierung Erkrankter und schwuler Männer allgemein). Ein nahe gehendes Thema, das schon mehrfach, aber nicht oft genug umgesetzt wurde (z.B. in Randy Shilts verfilmten Roman "...und das Leben geht weiter" oder im HBO-Film "The Normal Heart"). In "Die Optimisten" steht Yale im Mittelpunkt, wir sind als LeserIn dicht bei ihm und seiner Geschichte, die mir sehr nahe ging - ein bestimmter "Twist" war zwar schon recht früh erkennbar, was aber nicht störte - dafür gab es später noch andere Entwicklungen, die mich eiskalt erwischt und zu Tränen gerührt haben. Makkai erzählt die Geschichte sehr ruhig und mitfühlend, ohne unnötigen Kitsch oder gewollte LeserInnenqual - es ist einfach nur tragisch und dabei sehr, sehr echt. Was den Roman von Rebecca Makkai außerdem so besonders macht, ist, dass sie die Geschehnisse der 80er und die damit zusammenhängende "verlorene Generation" mit anderen Unglücken in Zusammenhang bringt. In der "Haupt"storyline erzählt ein Nebenstrang die Geschichte von Nora, einer alten Frau, die auf ihr Leben zurückblickt und die "verlorene Generation" junger Männer aus dem 1. Weltkrieg betrauert. In der Fast-Gegenwart (2015) versucht Fiona, Noras Großnichte, in Paris ihre verloren geglaubte Tochter wiederzufinden und wird mit weiteren, aktuellen Unglücken konfrontiert. Fiona ist somit Dreh- und Angelpunkt des Buchs, sie gehört fest zur "80er-Jahre-Clique" und verbindet die unterschiedlichen Erzählebenen. Ich fand die beiden Zeitschienen sehr stimmig und gut nachvollziehbar erzählt und könnte gar nicht sagen, welche mich mehr interessiert hat. Die 80er nehmen den deutlich größeren Teil ein, doch auch die 2015er-Kapitel trieben die vorherrschenden Gedanken und Ideen sehr gut voran: Was ist Familie, und was kann oder darf Familie? Wie verarbeitet man Verlust, und vor allem: wie lange? Und wie können entsetzlich große Lücken überhaupt gefüllt werden? Ein nachdenkliches, sehr empfehlenswertes Buch, das trotz aller Melancholie eine große Lesefreude ist.

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Es wurden bereits wunderbare Rezensionen abgegeben, denen ich nur zustimmen kann. Es ist ein berührendes Buch, ein echtes Buch. Durch die Erzählweise kommen Einem nicht nur der Erzähler, sondern auch die anderen Charaktere nah vor, was mir sehr gut gefiel. Natürlich ist es kein leichtes Buch, nichts, was man abends in 10-Seiten-Portionen liest. Es ist eindringlich. Ich würde es jedem empfehlen, der bereit ist, sich darauf einzulassen. Herzlichen Dank an den Verlag und Netgalley für das Leseexemplar!

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Von 1985 bis 2015 Die Optimisten, geschrieben von der Autorin Rebecca Makkai ist ein spannender Roman. Der Schauplatz des Romans ist Chicago und Paris und wird in zwei Zeitebenen erzählt. 1985 sind die Anfangsjahre der HIV Erkrankung und wird in der Homoszene, der Chicago Boys Town, dargestellt. Der schwule Kunstexperte Yale Tischmann erzählt aus seiner Perspektive von der Liebe und den Ängsten vor Ansteckung und Tod. 30 Jahre später 2015 sucht Fiona, die die Schwester eines damals Gestorbenen ist, ihre Tochter Claire in Paris. Dort trifft sie Bekannte aus Chicago wieder. Die Autorin versteht es mit ihrem guten eindringlichen Stil den Leser in ihren Bann zu ziehen. Die Optimistin ist eine spannende bewegende Geschichte.

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Der Roman behandelt ein äußerst schwieriges Thema, Aids. Die Autorin schafft es beeindruckend, die Situation der Homosexuellen und die lauernde Gefahr Aids beeindruckend zu beschreiben Dabei wird es nie langweilig und es bleibt immer eine Spannung bestehen. Die Autorin schildert eindrucksvoll, wie das Leben mit dieser todbringenden Krankheit die Betroffenen zerrissen hat und welche unterschiedlichen Reaktionen dies bei den Menschen hervorruft. Die Zerstörung aller Träume wird beeindruckend geschildert. Und trotzdem haben die Betroffenen nie die Hoffnung aufgegeben, diese Krankheit zu besiegen. Es ist ein sehr ernstes Thema, das die Autorin beschreibt. Sie schafft es, dass das Thema wieder näher in den Fokus der Menschen rückt, obwohl es inzwischen Heilungsmoglichkeiten gibt. Es ist ein beeindruckender Roman, der es schafft, den Leser wirklich zu berühren. Absolut lesenswert.,

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„Sie hatte so viele Schuldgefühle, wenn sie an ihre Freunde zurückdachte – sie wünschte, sie hätte einige von ihnen überredet, sich früher testen zu lassen, wünschte, sie könnte die Zeit zurückdrehen (...)“ 2015, Fiona sucht nach ihrer Tochter, schon seit Jahren hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihr, jetzt gibt es Hinweise darauf, dass sie sich in Paris aufhalten könnte. Während der Suche quartiert sie sich bei ihren alten Freunden ein, die sie schon in den 80er Jahren kannte, als es in Chicago eine Gruppe von jungen Künstlern gab, vorwiegend Männer und schwul, die nicht nur die Liebe zur Kunst teilten, sondern auch die Angst vor dem noch unbekannten, todbringenden Virus, der nach und nach den Kreis der Freunde dezimierte, unter anderem auch Fionas Bruder Nico und ihren guten Freund Yale. Zwischen Erinnerungen an die damalige Zeit und der Nachforschungen nach Claire muss sich Fiona der Frage stellen, was sie in ihrem Leben richtig und falsch gemacht hat und vor allem, wie sie die Verbindung zu ihrer eigenen Tochter verlieren konnte. Rebecca Makkais dritter Roman gehörte 2018 zu einem der erfolgreichsten Bücher des Jahres und war unter anderem Finalist für den Pulitzer Prize in der Kategorie Fiction. Es ist eine berauschende Geschichte, die voller Leben und voller Leben in Angst vor dem Tod ist. Viele Figuren existieren nur noch in der Erinnerung und gleichzeitig fällt es jenen, die zeitgleich leben schwer, zueinander zu finden. Auf mehreren Ebenen angesiedelt – 2015 sucht Fiona nach ihrer Tochter in Paris, 1985 lebt die Kunst-Clique in Chicago, Nora erinnert sich an die Zeit der 1920er in Paris im Kreis der großen Maler und Autoren – zeigen sich wiederkehrende Verhaltensweisen und das Leben in Angst wird gespiegelt. Das verbindende Element ist fraglos die Kunst, denn diese überdauert und kann gestern wie heute Emotionen auslösen, Momente konservieren und vergessene Episoden wieder aus den Tiefen des Gedächtnisses hervorbringen. Sowohl die Nachwehen des 1. Weltkrieges wie auch die Anschläge auf das Bataclan 2015 sind nur die Leinwand, auf der die Handlung und das Lebensgefühl gezeichnet werden. Sie verschwinden unter dem Leben der Figuren, verblassen und bilden nur mehr einen Schatten. Ganz anders sieht die Bedrohung durch das noch unbekannte und damit unkontrollierbare AIDS Virus der 1980er Jahre aus. Dieses lässt sich nicht verdrängen oder übermalen, geradezu übermächtig bestimmt es immer wieder die Gedankenwelt der Figuren und lässt sich nur kurz vergessen, um zu leben. Eine ausdrucksstarke Erzählung, die mich stark an Donna Tartt oder auch Paul Auster erinnert. „Die Optimisten“ steht durch und durch in der Tradition der Great American Novel, denn Makkai fängt überzeugend den Geist und das Lebensgefühl der 80er Jahre Kunstszene ein. Zwischen einerseits großer Begeisterung für die Malerei oder auch Fotografie und Film und andererseits der lähmenden Angst vor der unheilbaren Immunschwäche, liefern sich Leben und Sterben einen Wettkampf, der jedoch das irdische Dasein überdauert und sowohl in den Werken, der Erinnerung wie auch in den Nachkommen letztlich fortbesteht. Vielschichtig und komplex, dabei wunderbar erzählt – ein Buch, das tief bewegt.

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Hochinteressant und berührend Galeristen, Maler, Schauspieler, Redakteure, Fotografen und andere Künstler unterschiedlicher Generationen bevölkern diesen, fast episch anmutenden Roman, der zwei sich abwechselnde Handlungsstränge verfolgt. Die Haupthandlung findet in Chicago in den Jahren 1985- 1992 statt. Im Mittelpunkt steht der Galerist Yale. Eine alte Dame möchte einige unbekannte Werke teils sehr bekannter Künstler der Galerie vermachen, in der er tätig ist. Yale fährt zu ihr und hört sich Noras Lebensgeschichte an, voller Aufregung und Freude über diesen überraschenden Glücksfund. Gleichzeitig ist seine Lebenswelt jedoch überschattet von den ersten Toten des noch unbekannten HI-Virus. Große Unsicherheit, Angst und Trauer bricht in der Schwulenszene, in seinem nahen Umfeld aus. Yale befindet sich in fester Partnerschaft mit Charlie. Während Yale der geerdete beständige Typ ist, ist Charlie eher unsicher und vor allem sehr eifersüchtig. Dennoch ergänzten sie sich bislang recht gut... Der zweite Handlungsstrang fokussiert Fiona, eine Freundin von Yale. Fiona war zudem die Schwester von Nico, einer der ersten Aids Opfer, damals 1985 in Chicago. Fiona pflegte ihn sowie auch andere aus der Szene. Die vielen hautnah miterlebten Tode traumatisierten sie. Jetzt, 30 Jahre später, trifft sie in Paris einen alten Freund. Sie ist auf der Suche nach ihrer Tochter Claire, die lange Zeit in einer Sekte lebte und den Kontakt zu ihrer Mutter ablehnt. Anfangs hatte ich ein wenig Mühe, in den Roman hineinzukommen. Es waren einfach zu viele Namen und ich wurde mit den Figuren nicht so recht warm. Der Schreibstil schien mir auch irgendwie etwas geschwätzig und redundant. Aber plötzlich, obwohl es wirklich ein wenig dauerte, nahm der Roman mich gefangen. Die Menschen berührten mich, ich begann die Atmosphäre zu spüren, ich tauchte ein, war gefesselt und gespannt, der Roman erwachte zum Leben. Ich genoss den Humor, die Ironie, wurde von der Tragik erschüttert und wurde immer wieder auch zum Nachdenken angeregt, nicht zuletzt über das Lebensgefühl der 80er Jahre, aber auch das Lebensgefühl der aktuellen Zeit, gemäß der Einsicht: „Wartet man nicht eigentlich permanent darauf, dass die Welt aus den Fugen gerät?“ […] Wenn die Verhältnisse stabil sind, dann immer nur vorübergehend.“ Die Autorin verarbeitete viele Interviews, die sie für diesen Roman führte und stellt die 80er Jahre, den HIV und Aids Ausbruch mitsamt der speziellen Atmosphäre sehr anschaulich und eindrücklich dar. Die greifbare Angst vor dem Tod wird fühlbar. Existentielle Fragen werden für jeden wichtig - wie lebt man eigentlich angesichts des nahen Todes bzw.- hat man eigentlich Hoffnung, dass es irgendwann Überlebende geben wird? Erst 1996 kamen nämlich die „guten“ Medikamente... Aids galt in der ersten Zeit als „Schwulenkrankheit“. Makkai zeichnet ein interessantes Bild der Schwulenszene in Chicago, stets auch im Gewahrsein der allgemeinen Schwulenfeindlichkeit, des gesellschaftlichen Unverständnisses und der realistischen Gefahr, Opfer von Übergriffen zu werden. Über all das hinaus erhält man zudem einen sehr interessanten Einblick in die Kunstwelt und die Kunstphilosophie. Hierzu zählt nicht zuletzt auch Noras Lebensgeschichte. Im Paris der 20er Jahre war sie die Muse für einige Künstler. Für die jungen Künstler, die den Krieg erlebten und als „verlorene Generation“ galten: „Der Krieg machte uns älter als unsere Eltern. Und wenn man älter ist als die eigenen Eltern, was dann? Wer soll einem dann zeigen, wie man lebt?“ Hier liegt ein hochinteressanter, reichhaltiger, aber keinesfalls überfrachteter Roman vor. Anfangs ist er allerdings etwas zäh und am Ende flacht die Spannung ein wenig ab. Er berührte und informierte mich sehr und regte zum Nachdenken an, nicht zuletzt auch über die großen Themen Freundschaft, Liebe und Verlust. Zudem verdeutlicht er die Wichtigkeit von Frieden, Toleranz und Menschlichkeit.

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Ich nutze Netgalley für einen ersten Lesedruck, dann, im besten Fall, das Buch ganz zu lesen und anschließend zu besprechen! Nicht immer beeindrucken mich die Bücher positiv. Dann nehme ich von einer Beurteilung Abstand. Mein Credo ist eben #liesdichglücklich. Ein grundsätzliches Dankeschön an den Verlag und Netgalley! Alle positiven Besprechungen finden sich als Buchempfehlung bei Instagram #fraumitzopf

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Was für ein großartiges und wichtiges Buch Seitdem das Buch in der Verlagsvorschau angekündigt wurde, habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Aber auf Grund des Themas hatte ich auch Angst, es anzufangen. Doch die Neugier hat gesiegt, und ich habe mich herangewagt. Ich habe beim Lesen immer wieder einmal Pausen gebraucht, weil das Buch so intensiv ist, aber ich kann es nicht anders sagen, als dass Rebecca Makkai eine ganz große Geschichte erzählt hat. Eine Geschichte, die es so in einem Publikumsverlag meines Wissens noch nicht gibt. Eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden musste. Und ich glaube daran, dass die Zeit dafür jetzt reif ist! Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich Ihnen sagen soll, was eins der wesentlichen Themen des Romans ist? Die Inhaltsangabe hier umgeht das Thema ganz geschickt, ist aber ansonsten stimmig. Wenn man allerdings zwischen den Zeilen liest, kann man erkennen, was eins der Themen des Romans ist. Und ich wage es jetzt doch und hoffe, ich verliere sie damit nicht! Denn das Thema, was ich Ihnen jetzt verrate, ist das, was das Buch für mich so besonders wertvoll macht. Es geht um AIDS! Rebecca Makkai erzählt im Prinzip drei Geschichten. Da ist zum einen die Geschichte, die ab 1985 in Chicago spielt. Hier ist Yale, Anfang dreißig, die Hauptperson. Er lebt bereits seit 1981 zusammen mit seinem Lebensgefährten Charlie in einer monogamen Beziehung. Aber damit sind sie schon etwas Besonderes in ihrem Freundeskreis, der u.a. aus dem sehr engagierten Anwalt Asher, dem Fotografen Richard, dem Schauspieler Julian und den Freunden Teddy, Terrence und Fiona besteht Das Buch beginnt 1985, wo Yale und Charlie auf dem Weg zur Trauerfeier der Freunde des an AIDS verstorbenen Nico sind. Dort lernen wir den schwulen Freundeskreis kennen. Und Fiona, Nicos jüngere Schwester, die sich hingebungsvoll um ihren Bruder gekümmert hatte, der mit 15 Jahren von Zuhause ausgezogen ist, weil seine Eltern nicht damit zurechtkamen, dass ihr Sohn schwul ist. Erst als er zum Sterben verurteilt war, haben sie ihn zurück in die Familie geholt, aber gleichzeitig seine Freunde ausgeschlossen. Dann springt die Geschichte ins Jahr 2015. Fiona reist nach Paris, wo sie nach ihrer verschwundenen Tochter Claire sucht. Sie steigt bei dem inzwischen berühmt gewordenen Fotografen Richard ab. Und der dritte Handlungsstrang ergibt sich aus der Geschichte um die Bilder, die Yale vielleicht für die Brigg Gallery an Land ziehen kann. Fionas Großtante Nora war Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris. Sie wollte selbst Kunst studieren, lernte einige Maler kennen und lieben und stand einigen Modell. Aus dieser Zeit hat sie einige Bilder und Skizzen von bekannten Malern wie u.a. Modigliani, die sie entgegen des Willens ihres Sohnes der Gallery überlassen möchte. Und aus diesen drei Handlungseben ergibt sich ein sehr lesenswerter und bewegender Roman über Kunst, Liebe und Schuld. Wir verfolgen, wie Yale versucht, diese Kunstsammlung für die Galerie an Land zu ziehen. Wir verfolgen aber auch, wie AIDS langsam aber sicher immer mehr Freunde aus seinem Freundeskreis trifft. Es gibt bei dieser Krankheit anscheinend kein Entkommen. Und zu der Zeit – es war das Amerika Ronald Reagans – wurden die Schwulen noch als Aussätzige betrachtet, was sich auch in der Behandlung in den Krankenhäusern widerspiegelte. Fiona, die Schwester von Nico, hat nicht nur ihren Bruder bis zu seinem Tod begleitet, sondern auch dessen Freund und auch noch andere. Dies prägt ihr Leben so nachhaltig, dass sie ihrer Tochter nicht die Liebe entgegenbringen konnte, die diese verdient hätte. In den letzten 35 Jahren hat sich viel bei diesem Thema getan. In der Zwischenzeit sind in den meisten Staaten der USA und auch in vielen Ländern der westlichen Welt Homosexuelle nichts Besonderes mehr. Aber jeder, der jetzt über 50 Jahre alt ist, erinnert sich noch an die Hysterie, die aufgekommen ist, als AIDS, die sogenannte Schwulenseuche ausgebrochen ist. Ich weiß noch, wie Bayern damals sogar überlegte, Schwule zu internieren. Wie schrecklich diese Krankheit ist, ist vielen wahrscheinlich erst durch den Film „Philadelphia“ mit dem großartigen Tom Hanks aus dem Jahr 1993 bewusst geworden. Und erst Anfang der 90er Jahre hat auch in den USA ein Umdenken stattgefunden, wie mit den Erkrankten umgegangen werden sollte. Dafür haben die Schwulen selbst gekämpft, obwohl sie zu dem Zeitpunkt häufig schon selbst infiziert waren. Jeder, der sich für dieses Thema interessiert, dem empfehle ich zusätzlich zu diesem sehr berührenden Buch noch folgende Bücher und Filme, die z.T. nicht mehr wirklich einfach zu bekommen sind: - „Freundschaft fürs Leben“ oder im Original „Longtime Compagnion“ - „Philadelphia“ - „… und das Leben geht weiter“ - „Common Threads – Stories from the Quilt“ - Elisabeth Brockmann „Weinen kannst du, wenn ich tot bin“ - Armistead Maupin „Stadtgeschichten“ Dieses Buch war vollkommen zu Recht auf der Shortlist des Pulitzer Prize. Die Autorin hat ein Thema aufgegriffen, was meiner Meinung nach viel zu schnell in Vergessenheit geraten ist. Sie beschreibt zum einen diese Zeit ausgesprochen fundiert und berührend. Und zum anderen zeigt sie auch auf, wie schwierig es für die Überlebenden war, weiterleben zu dürfen. Dies betraf sowohl die Erkrankten, die das Glück hatten, dass sie noch so lange lebten, dass sie in den Genuss der entwickelten Medikamente kamen, als auch der Menschen, die die Krankheit mit Verstorbenen bis zum bitteren Ende gegangen sind. All dies weiß heute kaum noch jemand. Und dementsprechend arglos wird in der Zwischenzeit auch wieder mit dem Thema umgegangen. Allerdings braucht man bei der Lektüre teilweise starke Nerven und sollte Taschentücher parat halten. Es ist ein Roman, der die der 80er und 90er Jahre wiederspiegelt. Und da gab es kaum ein Happy End!

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Der Verlage "Eisele" steht immer für besondere Bücher, so auch dieses hier von Rebecca Makkai. Die Autorin war mir zu diesem Buch unbekannt. Für mich ein Buch, welches sich nur einfach weggelesen hat, dieses Buch brauchte Zeit, auch im Nachgang. Es hat mich doch sehr zum Denken angeregt. Rebecca Makkai schreibt großartig wortgewandt, so dass ich die Atmosphäre der wechselnden Handlungsstränge gut nachempfinden konnte. Die Charaktere wurden äußert bildlich dargestellt, was mir gut gefallen hat und ich somit komplett in die Geschichte abtauchen konnte. Ein äußert interessantes Buch, mit keinesfalls einer leichten Handlung.

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Ich unterscheide bekanntlich streng zwischen wichtigen und guten Romanen. Mancher Roman hat historisch eine wichtige Position inne und ist doch ästhetisch misslungen. Rebecca Makkais Die Optimisten ist definitiv ein wichtiger Roman. Größtenteils aus der Perspektive des Kunsterxperten Yale erzählt behandelt er die inneren Schocks der homosexuellen Comunities Chicagos während der AIDSKrise. Unterbrochen wird diese Handlung, die in den Jahren ab 1985 bis in die 90er spielt, von der 2015 ansetzenden Suche Fionas nach ihrer Tochter. Fiona ist in den 80ern einer von zahlreichen Nebencharaktere in Yales Geschichte und verliert ihre Tochter an eine Sekte. Sie wurde zuletzt in Paris gesehen. Auch der gediegene Stil hat seinen Grund Ich kenne bis jetzt kaum literarische Texte, die sich dieses Themas ausführlich angenommen haben, und allein deshalb lohnt die Lektüre. Aber handelt es sich auch um einen gelungenen Roman? Im englischen Amazon habe ich Kritiken gelesen, die die Prosa als steif beschreiben. Nein, das kann ich nicht bestätigen. Ja, es ist ein sehr traditionell erzählter Roman, dessen verhängnisvoller Zusammenhang sich eher langsam entfaltet. Aber vom Satz bis zum Kapitel, alles ist sauber aufgebaut, man sollte sich eigentlich nicht langweilen. Man mag einwenden, dass es nicht adäquat sei, von einer solch schrecklichen Zeit, die eine Protagonistin sogar mit einem Krieg vergleicht – Freunde der Protagonisten sterben wie Fliegen – in einem solch gemächlich bürgerlichen Tonfall zu erzählen. Doch das heißt, den Roman nicht begreifen: Denn der Teil der „Szene“, aus dem hier erzählt wird, ist bürgerlich, teils geradezu spießig. Ein ganz normales durchschnittliches Leben verhindern allein die Homophobie der Gesellschaft und der Umgang mit der AIDS-Krise. Beklemmende Bedrohlichkeit wird von Autorin Makkai gerade dadurch erzeugt, dass auf besondere stilistische Mittel größtenteils verzichtet wird, der Roman sich ganz nach dem Muster des klassischen Gesellschaftsromans entfaltet, den verdrängten „Krieg“ also mit fast 40 Jahren Verspätung in die Heimeligkeit bürgerlicher Wohnzimmer holt. Die Doppelhandlung müsste nicht sein Mein größter Kritikpunkt betrifft dann auch gerade die Konstruktion der Doppel-Handlung 2015 und 1985, also das „modernste“ Element des Romans. Es ist aufgesetzt. Der regelmäßige Wechsel zwischen beiden Ebenen wirkt komplett willkürlich, als habe es etwas gebraucht, um das Buch zu strecken. Man könnte auch beide Texte einzeln lesen. Keine Sorge: Beide Handlungen sind eigentlich durchgehend interessant, nur ist die Verknüpfung der beiden Handlungen kaum zwingend. Die Optimisten wird wahrscheinlich nicht als großes Meisterwerk in die Literaturgeschichte eingehen. Dennoch ist es ein wichtiges Buch und dazu eines, das sich auch noch mit Genuss lesen lässt. Also, „Genuss“ im Sinne von: Man hat auf keinen Fall das Gefühl, seine Zeit zu verschwenden. Denn die Geschehnisse sind im Großen und Ganzen natürlich brutal deprimierend.

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Das Original, “The Great Believers”, rief in der englischsprachigen Literatur eine enorme Resonanz hervor – als habe der Roman endlich, endlich eine Lücke geschlossen, endlich ein kaum überwundenes Trauma in die richtigen Worte gefasst. Eine zugleich begeisterte und erschütterte Rezension folgte auf die nächste, der Roman wurde für einige Preise nominiert und gewann auch zahlreiche davon. Ich kann kaum in Worte fassen, was dieses Buch in mir hervorrief. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als Aids sich das erste Mal durch die Nachrichten brannte wie ein Buschfeuer. Der Schock, aber vielerseits auch die direkt folgende Beschwichtigung: Gott sei Dank, dass mir das nicht passieren kann – das betrifft ja nur die Schwulen. (Erst später wurde klar: Aids kann auch Hetereosexuelle treffen.) Und so rückte eine Minderheit auf die furchtbarste Art ins Rampenlicht, während ihr Leid zugleich reißerisch ausgeschlachtet und marginalisiert wurde. Rebecca Makkai zollt diesem Leid drei Jahrzehnte später Respekt und echtes Mitgefühl. Das liest sich durchaus spannend, das liest sich sogar unterhaltsam, aber es reißt auch tiefe Wunden ins Leserherz, es bewegt, verstört und wühlt auf. Die Charaktere sind glaubhaft und komplex, und man hat immer im Hinterkopf: Wirst du das Buch überleben? Und du? Und du? Bitte, wenigstens du… Es schnürt einem die Kehle zu – und ja, ich habe geweint. Das ist meisterhaft geschrieben, in einer Sprache, die die Atmosphäre der Zeit und die Gefühle der Protagonisten mühelos zum Leben erweckt – da trifft jeder Satz ins Mark. ‘Zum Leben erweckt’? Da bin ich gerade vor meinen eigenen Worten erschrocken, die ungewollt zynisch wirken, wo doch nur wenige Charaktere das Buch überleben. Warum soll man das lesen? Warum sollte man sich das antun? Warum liest man überhaupt Bücher, die auf wahren Begebenheiten beruhen, wenn diese Begebenheiten schrecklich waren? In meinen Augen tut man das (auch), weil man die menschliche Natur verstehen will, die sich nie so prägnant und glasklar zeigt wie in Zeiten der Angst und des Schmerzes. “Die Optimisten” erfüllt genau dieses Bedürfnis nach Verstehen und Verständnis. Und der Roman zeigt ja nicht nur das Leid und den Schmerz, sondern auch die Hoffnung, die bedingungslose Liebe und die tief empfundene Freundschaft, ein wahres Kaleidoskop an Gefühlen. Da wird nichts künstlich aufgebauscht, nichts dramatisiert, aber auch nichts geschönt oder verharmlost. Die Autorin lässt die Gefühle der Charaktere, stellvertretend für die Gefühle der damals tatsächlich Betroffenen, ganz unaufdringlich einfach nur wirken. Sie gibt den Betroffenen eine Stimme und sie gibt auch den Schuldgefühlen der Überlebenden Raum. Und das wirkt so echt, dass man sich kaum vorstellen kann, dass Yale und seine Freunde nie wirklich gelebt haben. Der zweite Handlungsstrang im Jahr 2015 öffnet eine Tür für die Hoffnung. Hier wird deutlich: Heilung nach einem traumatischen Erlebnis ist möglich, doch erst müssen die eigenen Gefühle aufgearbeitet werden. Fiona, die die meisten ihrer Freunde überlebt hat, begreift, dass sie die Vergangenheit endlich loslassen muss, um das Verhältnis zu ihrer Tochter zu retten. Dieser Teil des Buches ist bitter nötig, denn wenn das Leid dargestellt wird, sollte auch die Hoffnung nicht verschwiegen werden. Der Autorin gelingt hier meines Erachtens die genau richtige Balance, ohne als Mehrgenerationenroman in die Kitsch-Falle zu tappen. Fazit In Chicago des Jahres 1985 rafft ein neuer Virus junge, bisher gesunde Männer aus der Schwulenszene dahin: Aids, das erst gar nicht ‘Aids’ hieß, sondern ‘Gay People’s Immuno Deficiency Syndrome’, weil man da noch dachte, es könne nur Schwule betreffen. Der junge Kunstexperte Yale muss zusehen, wie seine Freunde reihenweise sterben – immer in der Angst, er könnte der Nächste sein. Dreißig Jahre später wird Fiona, die Nichte eines Aids-Opfers, die im Kreise seiner größtenteils ebenfalls verstorbenen Freunde aufwuchs, erneut mit dieser Epoche konfrontiert. Rebecca Makkai beschreibt die Zeit, in der es noch keine Medikamente gegen Aids gab und Abertausende von Menschen auf furchtbare Art und Weise starben, ungeschönt, dabei aber nicht sensationsheischend, sondern mit Empathie und großem Respekt. Das geht unter die Haut, ist aber gerade deswegen sehr lesenswert.

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Rebecca Makkais bewegender Roman "Die Optimisten" lässt einen nicht kalt. Der Roman ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt. Der Protagonist des ersten ist Yale Tishman, ein schwuler Kunstexperte, den wir kurz nach der Beerdigung seines guten Freundes Nico im Chicago der 80er Jahre kennenlernen. Nico ist an den Folgen von AIDS gestorben, wie noch so viele Freunde Yales es in diesem Buch tun werden, denn das Thema dieses Handlungsstrangs ist die grassierende AIDS Epidemie (vor allem) in der Schwulenszene Chicagos. Der zweite Handlungsstrang spielt dreißig Jahre später in Paris und folgt Fiona, der kleinen Schwester von Nico, die auf der Suche nach ihrer entfremdeten Tochter ist. Auch dreißig Jahre nach Nicos Tod hat Fiona die Ereignisse in Boystown in Chicago noch nicht verarbeitet und so werden die beiden Handlungsstränge miteinander verbunden. Ich habe den Roman hier das zweite Mal gelesen, nun in Übersetzung, zuerst im Original. Insbesondere der Handlungsstrang um Yale herum ist unheimlich bewegend, herzzerreissend und zum Nachdenken anregend. Der zweite Handlungsstrang war mir nicht mehr so in Erinnerung und fällt für mich auch beim zweiten Lesen eher flach. Er ist nicht schlecht, wobei er seine Längen hat, der Roman hätte aber auch mit bloßer Konzentration auf Yale funktioniert. Denn Yale und seine Freunde sind großartig gezeichnete Charaktere, die einem ans Herz wachsen und sich einem ins Gedächtnis einprägen. Ein gut lesbares Buch zu einem traurigen und wichtigen Thema.

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Einfühlsam, mutig, grandios: Rebecca Makkais Roman "The Great Believers" auf Deutsch Chicago in den 1980er Jahren: In der Schwulenszene der Stadt wütet das AIDS Virus. Und damit der Tod, denn da es noch keine guten Therapien und Medikamente dagegen gibt, kommt eine Infektion mit dem Virus einem Todesurteil gleich. Mitten drin das junge Mädchen Fiona, die trotz der Ablehnung der Eltern den Kontakt zu ihrem homosexuellen Bruder hält und dann auch sein Sterben begleitet, als er sich mit AIDS infiziert. Nicht nur ihm, sondern auch vielen seiner Freunde wird sie in der Folgezeit auf ihrem letzten Weg beistehen. So auch dem homosexuellen Yale, der als Mitarbeiter einer Kunstgalerie alles daran setzt, den Nachlass einer alten Dame zu erwerben, die im Paris der 1910-1920er Jahre als Model und Muse der Künstlerszene Werke berühmter und weniger berühmter Künstler der Zeit geschenkt bekam. Sie lässt ihn durch Erzählungen an ihren Erinnerungen aus der damaligen Zeit teilhaben. 30 Jahre später macht sich Fiona nach Paris auf, um ihre dort untergetauchte Tochter wieder zu finden. Sie kommt bei einem der wenigen überlebenden Freunde ihrer Chicagoer Zeit unter, einem Künstler, der eine Ausstellung über die 1980 Jahre in Chicago plant. Der Roman spielt also auf drei Zeitebenen, die geschickt ineinander verwoben sind: Nicht nur die Personen sind die Bindeglieder, auch das Motiv der Kunst und das Thema der Nähe von Liebe, Lust und Tod ziehen sich durch die verschiedenen Handlungsstränge. Im Paris der 1910-1920er Jahre kostet der erste Weltkrieg und die spanische Grippe viele junge Menschen das Leben, im Chicago der 1980er ist es der AIDS Virus. Auch wenn die Schilderungen aus der gay community Chicagos in ihrer Ausführlichkeit einige Längen haben: Genau in diesen Teilen gelingen der Autorin einfühlsame Schilderungen von Liebe, Leid und Tod in der Zeit der AIDS-Krise, die richtig unter die Haut gehen. Auch die Ächtung der Homosexuellen und vor allem der AIDS Infizierten in der amerikanischen Gesellschaft und der Kampf der GLBTQ Aktivisten um Gerechtigkeit und angemessene Gesundheitsversorgung werden eindrucksvoll dargestellt. Aus dem virtuos angelegte Kaleidoskop verschiedener Zeitebenen, Beziehungen, Lebensläufe, das Makkai entwirft, entsteht ein lebendige Bild eines Kapitels der amerikanischen Geschichte, das die etwas unzureichende Bezeichnung "AIDS-Krise" trägt und dem sicher viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und wird. Ein grandioses und wichtiges Buch, dem ich eine große Leserschaft auch in Deutschland wünsche!

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Dieser Roman ist mit seinen über 600 Seiten und seinem Thema eine respektvolle Erscheinung. Am Ende, so viel darf ich verraten, ist man als Leser jedoch froh über jede einzelne Seite. Mehr noch – mir hat Rebecca Makkai mit „Die Optimisten“ eins meiner Lieblingsbücher des Frühjahrs beschert. Das Buch ist zutiefst berührend und wird immer wieder von hellen Lichtpunkten durchzogen. Genau diese Mischung macht aus dem Buch eine unvergleichliche Lektüre und ist gleichzeitig ein Gedenken an alle AIDS-Erkrankten und Verstorbenen. Das hat wirklich Respekt verdient!

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Chicago in den 80ern - das Aids-Virus greift um sich, besonders in der Schwulenszene. Die Krankheit zeigt sich in den Augen vieler als Stigma. Rebecca Makkai macht damit auf viel Bedenkenswertes aufmerksam, das auch heute noch gilt. Abgesehen davon ist die Geschichte von Yale, der mittendrin in der Szene ist, so berührend und tieftraurig wie ich es lange nicht mehr gelesen habe. Man begleitet ihn ein lange Zeit - und trotzdem viel zu kurz. Dort, in Chicago 1985, habe ich mich viel mehr zu Hause gefühlt als 2015 mit Fiona, der heiligen und etwas nervtötenden besten Freundin, in Paris. Aber beides gehört zusammen. Und es geht in #dieoptimisten nicht nur um Aids, sondern auch um Kunst, Freundschaft, Entfremdung und Protest. Ein großer Roman.

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1985: Der junge Kunstexperte Yale arbeitet in einer Chicagoer Galerie. Beruflich ist er vom Glück begünstigt, denn er ist einer Gemäldesammlung auf der Spur, die nicht nur der Galerie, sondern auch seiner eigenen Karriere förderlich wäre. Doch gleichzeitig breitet sich ein Virus in Chicagos „Boys Town“ aus, das viele seiner Freunde vernichten wird. 2015: Fiona reist nach Paris um ihre Tochter zu finden. Da sie dort auf Freunde aus Chicago trifft, wird diese Suche auch zu einer Reise in das Chaos ihrer eigenen Vergangenheit. Als zu Beginn der 80 iger Jahre die ersten Berichte über eine neue Krankheit – Aids erschienen, waren wir alle geschockt. Eine ganze Generation von zumeist jungen Menschen war plötzlich betroffen. Rebecca Makkai schafft es in ihrem Roman brillant diese Zeit wieder aufleben zu lassen und zwar mit Protagonisten, die mir innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen sind. Von Seite zu Seite wurde die Sogwirkung dieses Buches stärker und stärker. Sie erzählt einfach grandios auf natürliche, schnörkellose Art, ohne zu übertreiben oder herunterzuspielen wie es damals in Chicago war. Sie schildert die Diskriminierungen, denen homosexuelle Menschen ausgesetzt waren, im gesellschaftlichen wie auch im medizinischen Bereich. Ich musste manches Mal eine Lesepause einlegen, weil mir das alles so nahe ging. Man hofft und bangt, dass wenigstens nicht alle diese schreckliche Krankheit hinwegrafft. „Die Optimisten“ ist ein bewegendes, aufwühlendes und wichtiges Buch zum Thema HIV, aber auch zum Thema Freundschaft und Liebe. Es ist etwas ganz Besonderes und ich war sehr traurig, als ich es zu Ende gelesen hatte. Es war als ob ich echte Freunde verloren hätte. Das ist mir bisher noch nie passiert. Fazit: Bewegendes, aufwühlendes Portrait über Chicagos Kunstszene zu Zeiten der beginnenden Aids Epidemie

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Wieder einmal hat der Eisele Verlag mich mit einem Titel aus seinem Programm absolut begeistert! Die Autorin Rebecca Makkai war mir bis dahin noch nicht bekannt, hat mich mit ihrem gleichzeitig gefühlvollen und prägnanten Erzählstil und den toll ausgearbeiteten Charakteren aber sofort gefesselt und ich freue mich darauf mehr von ihr zu lesen. Bei aller Spannung, die auch durch die zwei Zeitebenen aufrecht gehalten wird, ist die Story auch sehr informativ. Das Chicago der 80er, das in der ersten Zeitebene den Hintergrund bildet, fand ich besonders gut geschildert. Alles in allem hat die sehr auf die Figuren und deren Beziehungen zueinander fokussierte Erzählung mich auch ein wenig an „Ein wenig Leben“ von Yanagihara erinnert. Ich könnte mir gut vorstellen dass Fans dieses Titels auch „Die Optimisten“ gerne lesen!

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Die Erinnerungen an die Aids Epidemie in den 80er Jahren werden wach, vor allem mit welchen irrationalen Ängsten in der Bevölkerung mit diesem Thema umgegangen wurde. Im Roman liegt der Fokus auf den Betroffenen und deren Freunden bzw. Familienangehörigen. Die Geschichte wird emotional aber nicht rührselig erzählt. Dies gilt auch für den zweiten Erzählstrang, der 30 Jahre später das Leben der Hinterbliebenen beleuchtet, explizit das von Fiona, die ihren Bruder beim Sterben begleitete und deren Lebensweg dadurch entscheidend beeinflusst wurde. Interessant und besonders wird der Roman durch die Beschreibung der Kunstszene, in der sich die Protagonisten bewegen. Die Lektüre macht nachdenklich und berührt.

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Starke Haupt- und schwache Nebenhandlung Das erste, was mir nach der Lektüre von “Die Optimisten” spontan eingefallen ist, ist der englische Ausdruck “what a ride!” Ja, es war eine ganz schön heftige literarische Fahrt, die ich hier mittels Rebecca Makkais Worten erlebt habe. Ein Berg von einem Roman, der sich nicht so einfach an zwei Abenden lesen lässt und den ich immer wieder unterbrechen musste, um über das Gelesene nachzusinnen. Um was geht es? Angesichts der großen Komplexität seien mir ein paar zusammenfassende Worte erlaubt. In der Haupthandlung geht es um die ersten Aids-Infizierten der 1980er Jahre in Chicago. Es geht um den Protagonisten Yale Tishman, ein junger Mann von Anfang Dreißig, der sich mit dem Umsichgreifen der Aids/HIV-Epidemie 1985/86 an einem Wendepunkt seines Lebens befindet. Selbst homosexuell, erlebt er am eigenen Leibe mit, wie viele seiner Freunde aus “Boystown” - wie das Schwulenviertel in Chicago bezeichnet wird - an dem neuartigen Virus sterben, mitten im Leben dahingerafft werden. Heute noch gesund, morgen schon krank, übermorgen tot. Yale lebt in einer monogamen Beziehung mit Charlie, dem Chefredakteur eines schwullesbischen Stadtmagazins. Er selbst arbeitet in der Buchhaltung einer der Northwestern-Universität angeschlossenen Kunstgalerie, wo er u.a. für die Liquidierung der Ankäufe von Kunstwerken zuständig ist (so habe ich es zumindest verstanden). Eines Tages bietet sich ihm die Gelegenheit, bei einer alten Dame in Wisconsin, Nora, eine potenzielle Schenkung wertvoller Kunstwerke aus den 1920er Jahren für seine Galerie zu erwerben. U.a. sollen da auch Werke des berühmten Amadeo Modigliani dabei sein, daher das deutsche Cover. Neben der Haupthandlung um Yale gibt es noch eine Parallelhandlung, die im Jahr 2015 in Paris spielt. Fiona, eine Freundin von Yale aus Chicago, fliegt nach Paris, um dort ihre Tochter zu suchen, die sich von ihr entfernt hat. 1985 war Fiona in ihren späten Teenager-Jahren, jetzt ist sie 51. Sie hatte damals ihren Bruder Nico, der gut mit Yale befreundet war, an das Aids-Virus verloren. In Paris kommt sie bei dem Fotografen Richard unter, in dessen Haus in Chicago damals die Trauerfeier für Nico stattgefunden hat. Hier schließt sich der Kreis. Um den Leser bei der Stange zu halten, wendet die Autorin einen erzähltechnischen Kniff an. Wir erfahren nämlich in der "Fiona-Handlung" lange nichts darüber, ob Yale zu den Toten oder den Überlebenden der Aids-Epidemie gehört. Immer wieder streut sie zwar Infos über andere Personen ein, die in der Vergangenheitshandlung bereits vorgekommen sind, Yales Schickdal bleibt aber zunächst lange im Dunkeln. Dann aber wird sein Schicksal tatsächlich in der Zukunftshandlung enthüllt, bevor die Narration in der Vergangenheit so weit ist - die Autorin spoilert sich also selbst. Hier wäre mir ein lineares Erzählkonzept lieber gewesen. Das Buch hat einige starke Momente in der Haupthandlung, vor allem wenn Yale träumt, halluziniert, phantasiert. In einem Kapitel hat er "Epiphanien", ihm werden der Wert und die Schönheit des Lebens angesichts des drohenden Todes bewusst. Diese Stellen, in denen das Leben an Yale vorbeizieht, sind meines Erachtens die berührendsten Momente im ganzen Buch. Hier macht der Text etwas mit dem Leser. Dennoch muss ich sagen, dass ich die Nebenhandlung überhaupt nicht gebraucht hätte. Wozu dieser zweite Erzählstrang rund um Fiona da ist, außer dass der Leser am Ende erfährt, was aus allen Figuren geworden ist (das hätte man auch anders lösen können), erschließt sich mir nicht. Warum noch eine verlorene Tochter, Sektenthematik, Toyboy, Terror in Paris, die inneren Kämpfe einer 50-jährigen mit der Vergangenheit? Die Aids-Epidemie hätte als Stoff genug hergegeben, ich jedenfalls wäre gerne noch tiefer in die Thematik eingetaucht. Dennoch hat mir das Buch letztlich sehr gut gefallen, weil es ein ambitionierter und vielschichtiger Roman ist, bei dem allerdings weniger Nebenhandlung dann doch mehr gewesen wäre.

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Die Mitte der 80er Jahre, ein Virus, das, so scheint es überwiegend in der homosexuellen Szene um sich greift , fordert viele Opfer. Mittendrin Yale, ein junger Kunstexperte, der mit seinem Freund in Chicago lebt . 2015, Fiona auf der Suche nach ihrer Tochter in Paris. Schlüssige Zusammenführung der beiden spannenden Handlungsstränge. Ich habe den Roman mit großer Begeisterung gelesen!

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Der junge Kunstexperte Yale Tishman ist 1985 auf der Suche nach besonderen Objekten für seine Galerie, daher steht er mit Nora wegen einer Gemäldesammlung in Kontakt. Doch dann greift ein Virus um sich, der das Leben von ihm und seinen Freunden in Chicagos „Boystown“ verändert. Angst davor sich zu infizieren kommt auf. Freunde von Yale erkranken und sterben. Dazu wird der Hass auf die Homosexuellen noch größer als er ohnehin schon war. Im zweiten Handlungsstrang, der 2015 spielt, ist Fiona in Paris auf der Suche nach ihrer Tochter Claire, zu der sie schon eine ganze Weile keinen Kontakt mehr hatte. Sie trifft alte Freunde, die sie aus Chicago kennt und Erinnerungen kommen hoch. Fiona hat damals ihren Broder Nico und ihren Freund Yale an das Virus verloren. Dies ist ein komplexer und bewegender Roman, der sich aber nicht einfach so weg lesen lässt. Der Schreibstil von Rebecca Makkai ist wunderbar eindringlich. Es geht um Leben und Tod, um die Kunst und darum, wie Erlebtes und ein Leben lang begleitet und prägt. Die beiden Handlungsstränge wechseln sich ab. Ich fand es aber wesentlich interessanter in die achtziger Jahre in Chicago einzutauchen und mitzuerleben, wie durch die Krankheit doch viele Lebensträume zerbrechen. Ich kann mich noch erinnern, als die ersten Meldungen über Aids in den Medien waren. Für mich war das aber weit weg, nun erleben ich wie die Wirklichkeit für die Betroffenen aussah und es hat mich berührt. Bei allem dem Traurigen, der Angst und dem Tod, spürt man aber auch Optimismus. Es sind die Liebe, das Leben und die Freundschaft, die zählen. Ein interessanter und berührender Roman.

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Boystown Im Chicago Mitte der 1980er leben Yale und seine Freunde in einer eingeschworenen Community. Das Leben könnte so schön sein, gäbe es da nicht diese unheimliche Krankheit, die Lücken in ihre Reihen reißt. Fiona ist eine der wenigen jungen Frauen, die als Nicos Schwester ein festes Mitglied der Gemeinschaft ist. Und Nico ist einer der ersten aus ihren Reihen, der der Krankheit erliegt. Was soll dieses Virus? Sie wollten sich doch gerade ihren Platz in der Gesellschaft erobern, sie wollten feiern, sie wollten Spaß. Keiner wollte so jung sterben. Auf zwei Zeitebenen ist dieser Roman angesiedelt. Zum einen wie erwähnt in den 80ern des letzten Jahrhunderts - wie weit weg das klingt - und zum anderen im Jahr 2015 als Fiona nach Paris reist, um nach ihrer Tochter zu suchen. Überraschend trifft sie in der Stadt der Liebe ein paar der alten Bekannten wieder und damit erstehen auch die alten Zeiten vor ihrem inneren Auge wieder. Die Autorin zieht einen selbst in die Erinnerung an die eigene Jugend. Auch wenn man wegen der dörflichen Herkunft im direkten Umfeld nicht allzu viel mitbekam, so war die Krankheit und das Virus allgegenwärtig. Die Lust am Feiern wurde jäh ausgebremst, auf einmal war Vorsicht geboten. Und der Gedanke, mich betrifft es nicht, bot keine Erleichterung. Es konnte jeden treffen. Wie schlimm muss es da erst unter denen gewesen sein, die eigentlich nur ihr Leben leben wollten, beruflich durchstarten und ihre Liebe genießen? Plötzlich wurden Freunde, Kollegen und Liebste von ihrer Seite gerissen und doch steckten sie manchmal den Kopf in den Sand. Und Fiona mitten drin, häufig der letzte Halt für ihre Freunde. Mit dem von ihr gewählten Thema berührt die Autorin, besonders wenn man eine Erinnerung an die aufkommende Bedrohung hat. Gerade heutzutage wo es auch gilt gegen eine bedrohliche Krankheit, gegen die es kein Mittel gibt, anzukämpfen, bekommt das Buch eine zusätzliche Aktualität. Allerdings schafft die Autorin es nicht, einem die handelnden Personen wirklich nahe zu bringen. Vielleicht ist die Handlung etwas zu episodenhaft erzählt. Dennoch regt das Buch zum Nachdenken an und einige Szenen sind wirklich herzzerreißend.

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Ich hatte kleine Schwierigkeiten hineinzufinden in diesen Roman, vielleicht, weil die Situation um HIV, das damals "fremde, neue" Virus so allerhand Parallelen zu heute hat. Und dann: dann war ich mittendrin und bin mit Gefühl, großem Interesse und Berührheit den Personen gefolgt. Die Übersetzung ist wunderbar, aber bei Eisele darf man sich darauf auch verlassen. Und ja, der Titel "Die Optimisten" passt zur momentanen Situation wie die Faust aufs Auge. Ein bisschen verblüfft mich, dass ein Pulitzer-Preis-Titel in Deutschland so wenig beachtet wird. Sehr empfehlenswert für alle, die langsame Romane mit etwas Tiefgang mögen.

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Chicago 1985: Yales Leben könnte so schön sein. Er hat einen guten Job, lebt in einer festen Beziehung und hat viele Freunde. Nur eins trübt das Glück: AIDS. Die Krankheit verbreitet sich immer weiter und es gibt kein Heulmittel. Nach und nach erkranken und sterben seine Freunde daran. Es beginnt mit Nico und über die Jahre hinweg ist Fiona, Nicos Schwester die einzige Konstante in Yales Leben. 2015 ist Fiona in Paris auf der Suche nach ihrer Tochter. Sie ist bei einem befreundeten Fotografen untergekommen und wird dadurch immer wieder an die Zeit Mitte der Achtziger in Chicago erinnert. In seiner neuen Ausstellung werden bekannte und unbekannte Aufnahmen aus dieser Zeit gezeigt werden. Für Fiona ist dies wie eine Reise in die Vergangenheit. Das Buch spielt konsequent auf zwei Zeitebenen. In dem Teil, der in den Achtzigern spielt ist Yale die Hauptfigur, Fiona taucht zwar immer wieder auf, der Fokus liegt aber auf Yale. Ich fand ihn sehr sympathisch und liebenswert. Ein Mensch, mit dem ich gerne befreundet wäre. Seine Freunde sind sehr unterschiedlich, der Autorin gelingt es hier ein wirklich buntes Völkchen zu versammeln, jeder auf seine eigene Art und Weise schwul. So wird die schwule Gemeinschaft in Chicago wirklich lebendig. Fiona im Jahre 2015 ist ganz anders als die in den Achtzigern. Ich fand das sehr erstaunlich und habe mich lange gefragt, was wohl passiert war, dass sie sich so verändert hat. Zum Ende des Buches klärt sich das dann auch. Wobei ich sagen muss, dass mir die junge Fiona wesentlich sympathischer war als die ältere. Alles in allem war es ein wirklich rundes Buch, dass ich gerne gelesen habe. Das Flair der Achtziger Jahre und der Schwulenszene Chicagos kam toll rüber. Und der Schluss machte das Buch dann insgesamt sehr rund. Von mir daher eine Leseempfehlung!

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Es ist so traurig. Die Geschichte, die Ereignisse machen einen nachdenklich und lassen einen traurig zurück. Ich bin mit diesem außergewöhnlichen Buch in eine Welt eingetaucht, die ich nicht kannte. Die Themen HIV und AIDS waren in den 90er Jahren noch sehr präsent und uns wurde dazumal auch viel darüber erklärt. Was dem aber vorangegangen war, in den 80er Jahren in Chicago, davon hat niemand gesprochen. Es ist einfach unvorstellbar, als junger Mensch damit konfrontiert zu werden, dass ein Großteil der eigenen Freunde stirbt. Noch dazu auf katastrophale Art und Weise - mit so viel Leid. Dabei von den Eltern und der Gesellschaft abgelehnt, wegen der sexuellen Neigung. Das ist alles so falsch. Wochenlang habe ich nun von Yale und Fiona und all ihren Freunden gelesen und sie sind mir so ans Herz gewachsen. Es ist richtig schwer, sie nun gehen zu lassen. Wenn den Leser:innen die Protagonisten so sehr ans Herz wachsen, liegt das nie nur an deren Geschichten. Es liegt an einem brillanten Schreibstil - Der in diesem Fall auch noch extrem gelungen übersetzt wurde. Ein Buch über Diskriminierung, über Ausgrenzung, über Freundschaft, über Liebe, über Familie und last but not least über ein Virus, das um sich greift wie ein Lauffeuer, zu lesen, in einer Zeit, wie der jetzigen, ist beinahe absurd realistisch. Besser kann der Zeitgeist nicht getroffen werden. Und das obwohl von Ereignissen von vor 25 Jahren erzählt wird. Sad enough....

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Auch in Krisenzeiten gilt: Immer optimistisch bleiben! Der Roman spielt auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen. Die eine beginnt im Jahre 1985 in Chicagos „Boystown“, einer Gegend, in der viele schwule junge Männer leben, lieben, feiern und das Leben genießen. Bis die bis dahin unbekannte Krankheit AIDS droht, dieses Dasein komplett zu beenden. Wir lernen Yale und Fiona auf Nicos Trauerfeier kennen. Yale war Nicos Freund, Fiona seine Schwester. In der Zeitebene von 1985 ist Yale die Hauptfigur. Er ist leidenschaftlicher Kunstexperte und arbeitet für eine kleine Galerie. Die Bekanntschaft mit Fiona führt zum Kontakt mit der über 90-jährigen Nora, die in ihrer Jugend Modell für bekannte Maler saß. Aus dieser Zeit verfügt sie noch über einige Bilder, die sie Yales Galerie stiften möchte. Die Familie nicht beglückt darüber, weil sie dann den Erbanspruch verlieren würde. Es entwickelt sich eine höchst interessante Auseinandersetzung rund um die Kunstwerke. Yales Privatleben scheint in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Er lebt seit Jahren mit Charlie in einer monogamen Partnerschaft, er hat einen großen Freundeskreis. An den Wochenenden trifft man sich in unterschiedlichen (Schwulen-)Bars, genießt das Leben, kämpft aber auch für die eigenen Rechte. Eingetrübt wird die Stimmung erst durch das neue Virus HIV, das Lücken in die Schwulenszene reißt. Trotzdem bleiben die jungen Männer optimistisch, versuchen mit der Bedrohung zu leben. Mancher lässt sich testen, mancher will es gar nicht wissen. Man hilft den Betroffenen, die vielfach keinen Kontakt mehr zu ihren Familien haben, in den Phasen der Krankheit bis hin zum Tod. So bedrückend dieses Szenario scheint, so gut ist es der Autorin gelungen, den Blick stets nach vorne zu richten, ohne allzu große Trübsal aufkommen zu lassen. Der Roman wirkt nie hoffnungslos. Ich denke, dass dort auch der Titel des Buches herrührt. Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 2015, also 30 Jahre später. Fiona steht nun im Mittelpunkt, die nach Frankreich gereist ist, um ihre verschollene Tochter Claire zu suchen. Claire soll mit dem falschen Mann in die Fänge einer Sekte geraten sein, sie hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. Fiona vermutet, dass sie mittlerweile eine kleine Tochter haben könnte. In Paris wohnt Fiona bei ihrem alten Freund, dem mittlerweile berühmten Fotografen Richard Campo, der damals in Chicago zum engsten Freundeskreis ihres Bruders Nico gehörte und noch Kontakte zu den Überlebenden von damals hat. Nach und nach wird Fiona, die offenbar vielen Sterbenden aus der Schwulenszene in ihren letzten Wochen beigestanden hat, mit ihrer verdrängten Vergangenheit, mit ihrer Trauer und erlittenen Verletzungen konfrontiert, die weitreichende Auswirkungen auf ihr eigenes Familienleben gehabt haben. So sind diese Tage in Paris nicht nur eine Suche nach Claire, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit und Einkehr eigene Ich, die neue Erkenntnisse zutage fördern. Wie nebenbei eingewoben werden auch die grausigen Terroranschläge vom 13. November 2015 mit ihren Folgen für die Pariser Bevölkerung. Die Zeitebenen wechseln sich kapitelweise ab. Beide Geschichten entwickeln ihren eigenen Sog, zum Ende hin erfährt man immer mehr Details aus der Vergangenheit, die Erklärungen liefern und Zusammenhänge zur Gegenwart herstellen, was etwas Erleuchtendes hat. Diese Komposition ist Makkai sehr gut gelungen. Das Buch entwickelt eine unglaubliche Wucht, weil man als Leser die Tragödie der um sich greifenden AIDS-Erkrankung hautnah aus erster Hand vor Augen geführt bekommt. Was für viele von uns damals nur Schlagzeilen aus einer anderen Welt waren, erhält auf einmal eine höchst persönliche Note: Zunächst war da nur die allgemeine Ungläubigkeit, bis man sah, was die Krankheit mit den Betroffenen machte: Sie höhlte aus, verursachte hässliche Ausschläge, inaktivierte die Immunabwehr und führte schließlich auf brutale Weise und unumkehrbar zu Tod. Die Nachricht, dass ein naher Freund erkrankt war, führte nicht nur zu Betroffenheit, sondern mitunter zu monatelanger Angst, auch selbst infiziert zu sein. Eine Angst, die erst durch den erlösenden Test genommen (oder bestätigt) werden konnte. Medikamente gab es noch nicht, AIDS war ein Todesurteil. Es blieb nur die Hoffnung auf einen möglichst späten Ausbruch der Krankheit. Dazu kam die Ächtung und allgemeine Diskriminierung der Schwulen in der Gesellschaft. Das alles wird sehr authentisch und doch unsentimental erzählt. Beide Erzählebenen lesen sich völlig unkompliziert, man hat keine Probleme beim Wechseln und Folgen. Insofern ist es ein entspannender Roman, der zudem zufällig zum richtigen Zeitpunkt erschienen ist: mitten in der Corona-Krise. Wieder bringt eine unbekannte Krankheit Tod und Leid über die Menschen und zwingt zur Veränderung von Gewohnheiten. „Die Optimisten“ ist ein wunderbares Buch zum Abtauchen. Es bringt einem eine vergangene Krise ins Bewusstsein, macht aber auch vor aktuellen Herausforderungen nicht Halt. Es hält eine erstaunliche Anzahl wirklich sympathischer Figuren parat, von denen nicht viele überleben. Trotzdem ist der Grundton optimistisch. Fiona hat in ihrem Leben viel Gutes geleistet und darüber ihre eigene Familie vernachlässigt. Am Ende hilft immer nur das Nachvorneschauen, ohne sich an Vergangenem festzuhalten. Das ist das, was man aus diesem überaus lesenswerten Roman mitnehmen kann: Immer optimistisch bleiben!

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„Die Optimisten“ spielt auf zwei Zeitebenen. Die eine beinhaltet die Zeitspanne von 1985 bis anfangs der 90er Jahre. Yale, ein junger Kunstexperte und Lebenspartner von Charlie, nimmt den Leser mit in die Schwulenszene in Chicago, genauer in das Viertel Boysdown. In Yales Freundeskreis beginnt das AIDS-Virus zu grassieren - einer nach dem anderen steckt sich an. Wer damals AIDS hatte, war unweigerlich dem Tode geweiht. Yale wähnt sich auf der sicheren Seite, da der Test von ihm und Charlie negativ ausgefallen ist. Charlie engagiert sich stark für Safersex mit Kondomen. Doch dann erfährt er, dass Charlie sich beim Fremdgehen angesteckt hat. 2015 ist der andere Handlungsstrang. Fiona reist nach Paris, wohnen wird sie bei Richard, den sie noch aus ihrer Jugendzeit in Chicago kennt. Fiona ist die Schwester von Nico, mit dessen Trauerfeierlichkeiten der Roman beginnt. Sie hat sich um viele Freunde ihres Bruders gekümmert, als im Sterben lagen. Nach Paris ist sie gereist, weil sie die Hoffnung hat, ihre Tochter hier zu finden und ahnungslos, dass sie ebenfalls ihrer Vergangenheit begegnen wird. Der Schreibstil von Rebecca Makkai ist eher einfach, aber dennoch hat sie mich total in den Kosmos von Yale abtauchen lassen. Yale und seine Freunde wurden feinfühlig und lebensecht gezeichnet. Der Roman, der sich für mich wie ein Zeitdokument liest, hatte für mich eine extreme Sogwirkung. Ich habe die 624 Seiten innerhalb von 3 Tagen gelesen. Die zweite Zeitebene spielt in der Zeit der Terroranschläge auf Paris – 2015. Allerdings spielen diese nur eine untergeordnete Rolle. Dieser Handlungsstrang hat etwas länger gebraucht bis er mich gekriegt hat wie Fionas Zeit in Chicago. Erst fast am Ende habe ich Fiona verstanden.

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Yale ist Kunsthändler und versucht eine Kunstausstellung in den Achtzigerjahren, während des Ausbruchs des HI-Virus in Chicago, zu organisieren. Dies gestaltet sich jedoch schwierig, da die Erben der Kunstbesitzerin die Gemälde nicht einfach aus dem Familienbesitz abgeben wollen. Parallel wütet in Chicago im Boystown das neuartige HI-Virus, mit diesem auch Yale und seine Freunde konfrontiert werden. Die Freundschaft der Clique wird auf eine Harte Probe gestellt, wer steht einem bei, wer hält zusammen, wer läuft weiter unbeschwert durchs Leben? Der Roman spielt in zwei Zeitebenen, einmal 1985, in der Yale sein Leben in Chicago als Homosexueller mit seinen Freunden erlebt und einmal 2005, als Fiona (einer seiner Freundinnen) nach Paris reist und dort ihre untergetauchte Tochter sucht. Die Zeitebenen sind mit den Geschichten von Yale und Fiona verwoben. Yale muss erleben, wie das HI-Virus nach und nach vieler seiner Freunde tötet und fürchtet sich selbst damit angesteckt zu haben. „Die Optimisten“ ist ein hoch emotionales, berührendes Buch, das man nicht eben mal schnell liest und noch lange nachhallen wird. Es geht um Freundschaft und Liebe, um HIV und den Tod, vom Kämpfen von Anerkennung in der Gesellschaft und in der eigenen Familie.

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Die Optimisten von Rebecca Makkai ist ein auf zwei Zeitebenen spielender Roman. Die Zeitebene der 1980er Jahre bringt den Leser zurück in eine Zeit, in der ein neuartiges Virus um sich greift. Das AIDS Virus versetzt vor allem Homosexuelle in einen Schockzustand. Die Geschichte handelt von Yale, der in der Kunstszene Chicagos lebt und arbeitet. Yale ist homosexuell, wie auch die meisten seiner Freunde und Bekannten. Ratlos und ohnmächtig muss er mit ansehen, wie das Sterben seiner Freunde beginnt und auch vor seiner eigenen Beziehung keinen Halt macht. Die Diskriminierung in der amerikanischen Gesellschaft und teilweise grausame Ausgrenzung der Infizierten schafft eine von Schuld, Misstrauen und Scham vergiftete Atmosphäre zwischen den Infektionsverdächtigen. Fiona ist die Protagonistin der 2015er Zeitebene. Sie ist die jüngere Schwester von Nico, der ebenfalls zu den Opfern des AIDS Virus zählt, einem guten Freund von Yale. Fiona hat in den 1980er Jahren viele junge Männer an der Immunschwäche sterben sehen, was ihr weiteres Leben sehr geprägt hat. Sie ist in Paris auf der Suche nach ihrer Tochter Claire, die sie bereits seit mehren Jahren nicht gesehen hat und erlebt dort die islamistischen Terroranschläge, die Frankreich 2015 in Angst und Schrecken versetzen. Ein wirklich gut recherchierter und vor allem über die 1980er sehr ergreifend erzählter Roman.

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Die Optimisten war kein einfaches Buch, aber es ist ein wichtiges Buch und ich habe es in kürzester Zeit verschlungen. Mir hat der Wechsel von den 80iger Jahren in unsere Zeit sehr gefallen und wie das Leben über Dekaden verbunden ist. Ein tolles Buch!

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Was würdest du tun, wenn deine Freunde einer nach dem anderen sterben und du das nächste Opfer sein könntest? Wie würdest du damit umgehen? Eine Epidemie ungeahnten Ausmaßes sucht die Chicagoer Schwulenszene der 80er Jahre heim. Ab 1985 begleiten wir sie bei Trauerfeiern, Krankheitsdiagnosen, Klinikbesuchen. Es ist furchtbar, diese Zeit voller Schrecken, Angst und Verdrängung zu durchleben - manche Situationen lesen sich wie ein Tritt in den Magen. Aber zugleich ist es auch so... gut. Ja, dass diese Geschichte erzählt wird, aus Sicht der Betroffenen und der Angehörigen, das ist gut und wichtig. Und wirklich meisterhaft umgesetzt! Rebecca Makkai gibt dieser im Eisele Verlag erschienenen, von Bettina Abarbanell übersetzten Geschichte den Titel "Die Optimisten", da die Protagonist*innen trotzdem weitermachen. Es bleibt auch nicht bei den Schilderungen zur Zeit des AIDS-Ausbruchs. Wir erleben deren Auswirkungen im Jahr 2015 - spätestens jetzt mischen sich Gedanken darunter wie "Das war vor 5 Jahren!", "Wieviele Menschen habe ich schon kennengelernt, die damals jemanden verloren haben, als es kein Heilmittel gab?", "Ich muss unbedingt meine Eltern fragen, was sie damals mitbekommen haben" oder "Erinnert irgendwie an Corona". Und dann geht es auch noch um die Suche nach einer verschwundenen Tochter in Paris - immer kapitelweise zwischen den Zeiten und Städten hin und her springend und sie gleichzeitig miteinander verbindend. Da ich "Die Optimisten" als EBook gelesen habe, konnte ich schlecht zum Anknüpfungspunkt des vorletzten Kapitels blättern, allerdings haben die Zeitsprünge gerade dadurch eine unerträgliche Spannung aufgebaut, da ich mich in der Printversion nur schwerlich vom erneuten Nachlesen hätte abhalten können. Die Cliffhanger waren perfekt gesetzt. Die Verquickung zwischen 1985/86 und 2015 war sehr überzeugend und hat mich immer wieder ziemlich überrascht. Die Weltkriege des 20. Jahrhunderts, die Aids-Epidemie in Chicago der 80er, der Angriff auf das World Trade Center in New York 2001, der Bataclan-Anschlag in Paris 2015 - all das fasst die Protagonistin Fiona in einem Satz treffend zusammen: "Warum konnte man nicht einfach in Ruhe sein Leben leben, ohne über den Schwanz irgendeines Idioten zu stolpern?"

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Das Virus AIDS reißt große Lücken in der Schwulenszene im Chicago der 80er Jahre. Fiona verliert ihren Bruder Nico und sucht Halt bei dem gemeinsamen Freund, dem Kunstkenner Yale. In einem zweiten Erzählstrang beschreibt Rebecca Makkai, wie sich Fiona 30 Jahre später auf die Suche nach ihrer Tochter begibt. Ein Roman voller Melancholie und Lebensfreude über Liebe, Freundschaft und Verlust, grandios!

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Rebekka Makkai hat mit ihrem Romen "Die Optimisten" einen großen Wurf gelandet und ein leises, aber sehr eindringliches Porträt einer aufwühlenden Zeit gezeichnet. Schon mit dem ersten Kapitel versinkt man in den Seiten, denn Makkai lässt die Leser tief in die Köpfe und Herzen ihrer Protagonisten blicken. Sie beschreibt das echte Leben so eindringlich, dass es weh tut; dabei schlittert sie jedoch nie ins Kitschige oder Unglaubwürdige ab. Ich kann mich allen Vor-Rezensenten nur anschließen: Ein überaus gelungener Roman, der mich sehr berührt hat und der mir lange im Herzen bleiben wird!

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- Wunderbare Figuren, tragische Schicksale und große Emotionen – für mich ein absolutes Jahreshighlight! ♥ - Inhalt Im Schwulenviertel „Boystown“ im Chicago der 80er-Jahre hat Aids zu wüten begonnen. Durch mangelnde Therapiemöglichkeiten, ein schlechtes Gesundheitssystem, zu wenig Aufklärung und Schuld und Schamgefühle breitet sich das HI-Virus aus wie ein Lauffeuer und löscht nach und nach Yales Freundeskreis aus. Dreißig Jahre später ist Fiona in Paris auf der verzweifelten Suche nach ihrer verschollenen Tochter. Da sie bei alten Freunden aus Chicago wohnt, werden immer wieder schmerzhafte Erinnerungen an ihre Vergangenheit wach. Übersicht Einzelband oder Reihe: Einzelband Erzählweise: Figuraler Erzähler, Präteritum Perspektive: weibliche und männliche Perspektive Kapitellänge: mittel bis kurz Tiere im Buch: - Eine Katze wird aus Versehen stark vernachlässigt, überlebt aber. Fleisch wird gegessen. Ansonsten werden keine Tiere verletzt, gequält oder getötet. Da eine Katze in Einzelhaltung lebt, möchte ich über dieses Thema aufklären: Katzen sind alleine niemals glücklich (sie sind EinzelJÄGER, keine EinzelGÄNGER), sondern sehr einsam und unglücklich. Sie können verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln und depressiv und/oder aggressiv werden. Wer seine Katze liebt, schenkt ihr deshalb mindestens einen Gefährten. Triggerwarnung: Drogen, Alkoholismus, Tod von Menschen, Krankheit, Homophobie, Prostitution, sexuelle Belästigung; Warum dieses Buch? Die Frage sollte eher lauten: Warum nicht? Das Buch hat viel Lob und bereits Preise erhalten, viele LeserInnen schwärmen davon. Außerdem hat mich der Klappentext an eines meiner absoluten Herzensbücher erinnert: „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt. Ich musste es daher einfach lesen! Meine Meinung Einstieg (5 Lilien) „‘Ich kenne Männer, die noch niemanden verloren haben. Gruppen, die bisher unberührt geblieben sind. Aber ich kenne auch Leute, die haben zwanzig Freunde verloren. Ganze Mietshäuser, ausgelöscht.‘“ E-Book, Position 236 Ich hatte überhaupt keine Probleme, in die Geschichte zu finden, sondern eher das Gefühl, dass einen die Autorin auf der ersten Seite bei der Hand nimmt und nicht mehr loslässt, bis man das Buch beendet hat. Schon das erste Kapitel, das sehr rätselhaft endet, hat mich neugierig gemacht – ich wollte unbedingt weiterlesen. Schreibstil (5 Lilien ♥) Mit „Die Optimisten“ hat sich Rebecca Makkai in mein Herz geschrieben. Ihr Schreibstil ist wunderbar – anspruchsvoll, und trotzdem so angenehm lesbar, dass für mich jede Seite ein Genuss war. Das Buch glänzt mit wunderschönen, weisen Zitaten, treffenden Formulierungen und beeindruckend kreativen Vergleichen. Besonders großartig fand ich auch, wie nuanciert die Autorin die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Figuren beschreibt. Auf diese Weise kommt man ihnen unheimlich nah. „Bevor sie den Raum verließ, blieb sie stehen und sah Yale an, als wären sie Ertrinkende und sie hätte sich gerade den letzten Rettungsring genommen.“ E-Book, Position 5900 Idee, Inhalt, Themen & Ende (5 Lilien ♥) „‘Und es stimmt, da war dieses kleine Fenster, eine kurze Zeitspanne, in der wir uns sicherer gefühlt haben, glücklicher waren. Ich dachte, es wäre der Anfang von etwas. Dabei war es in Wirklichkeit das Ende.‘“ E-Book, Position 5280 An „Die Optimisten“ bin ich aufgrund der positiven Rezensionen mit sehr hohen Erwartungen herangegangen – und seit längerer Zeit ist es das erste Mal, dass mich ein gehyptes Buch nicht enttäuscht, sondern auf ganzer Linie überzeugen konnte. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Im Jahre 1985 begleiten wir Yale dabei, wie er einen Freund nach dem anderen durch Aids verliert und im Jahre 2015 schauen wir Fiona (einer von Yales engsten Freundinnen) dreißig Jahre später dabei über die Schulter, wie sie ihre Tochter in Paris sucht. Beide Geschichten, die lose miteinander verbunden sind, haben mir auf ihre Weise gefallen und ergeben zusammen ein gelungenes Ganzes – mein Herz gehört aber mit Sicherheit dem Erzählstrang in der Vergangenheit. Er war es, der mich berührt, begeistert und am Ende sogar zum Weinen gebracht hat. Er ist der Grund dafür, dass ich nur allzu gerne über kleine Schönheitsfehler (wie z. B. die Tatsache, dass mich die Kapitel in der Gegenwart nicht in gleichem Maße fesseln konnten) hinwegsehe, dass ich diesem Buch fünf Lilien gebe und es hiermit zum Lieblingsbuch erkläre. In „Die Optimisten“ geht es um Homophobie, Liebe, Mutterschaft, Kunst, Vergänglichkeit, Aids, Trauer und Tod. Auch Freunde als Wahlfamilie, wenn einen die eigenen Eltern verstoßen haben, gegenseitige Fürsorge, die Tatsache, dass die Aids-Kranken damals mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden, und ihre Versuche, das durch Proteste zu ändern, werden tiefgründig im Buch behandelt. (Dabei darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass der HI-Virus leider noch immer nicht besiegt ist und in manchen Teilen der Erde immer noch wütet und tötet.) Tragikomische und humorvolle Elemente lockern die Stimmung dabei immer wieder auf gelungene Weise auf. Makkais Buch ist ein Roman der philosophischen Fragen, tragischen Schicksale und der großen Emotionen – und trotz seiner ernsten Themen für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, in das ich immer wieder gern eingetaucht bin. Das Lob, die Preise und die Nominierung für den Pulitzer Preis hat dieser Roman absolut verdient. „Die Optimisten“ ist jedenfalls eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe! Lasst euch dieses Lesehighlight nicht entgehen, denn es wird euch gefallen – da bin ich optimistisch! Wenn euch „Die Optimisten“ gefallen hat, dürft ihr euch „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt (auch im großartigen Eisele Verlag erschienen) keinesfalls entgehen lassen! Es behandelt ähnliche Themen – Aids, Trauer, die 80er-Jahre, Homosexualität, Liebe, Freundschaft – hat mich aber sogar noch mehr (!) berührt als das vorliegende Buch. Eine sehr gut geschriebene Rezension zu den „Optimisten“, die ich euch nur ans Herz legen kann, hat übrigens die ZEIT veröffentlicht. „‘Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.‘“ E-Book, Position 6752 ProtagonistInnen & Figuren (5 Lilien ♥ & 5 Lilien ♥) „[…] er dachte darüber nach, ob dies der beherrschende Faktor seines Lebens war: die Angst, dass ihm das Herz gebrochen werden könnte. Oder besser gesagt, die Notwendigkeit, die Reste seines Herzens zu schützen, die bei jeder Trennung, jedem Scheitern, jeder Beerdigung, jedem Tag auf der Erde in immer kleinere Fetzen gerissen wurden.“ E-Book, Position 1038 Neben dem Schreibstil ist die Figurenzeichnung die größte Stärke dieses Außenseiter-Romans. Bis in die Nebenfiguren sind die Charaktere liebevoll und sehr nuanciert ausgearbeitet. Sie wirken glaubwürdig mit ihren Stärken, Schwächen und Eigenheiten und werden beim Lesen lebendig und greifbar – und gerade das ist der Grund dafür, dass ich so intensiv mit ihnen mitgefühlt und mitgelitten habe und dass sie mir so ans Herz gewachsen sind. Mein absolutes Highlight war neben der jungen Fiona natürlich Yale – nur jemanden mit einem Herz aus Stein würde das Schicksal dieses Pechvogels kaltlassen. „Julians Art, einen anzusehen, machte einen Teil seiner Schönheit aus. Wenn man auf den Boden starrte, konnte es passieren, dass er einem von dort unten in die Augen schaute, weil er sich gebückt hatte, als wollte er einen wieder hochziehen.“ E-Book, Position 2087 Spannung (4 Lilien) & Atmosphäre (5 Lilien ♥) In einigen Rezensionen wurde geschrieben, dass das Buch zu langatmig sei – und mit seinen über 600 Seiten ist es auch ein ganz schöner Brocken. Sicher ist das unaufgeregte, eher ruhige Buch nicht geprägt von atemloser Spannung, aber ich möchte besonders bei den Kapiteln in den 80er-Jahren keine einzige Seite missen. Gerade dadurch, dass sich die Autorin viel Zeit für die Ausgestaltung ihrer Geschichte genommen hat, kann sie in die Tiefe gehen. Außerdem gibt es auch einige sehr gelungene unerwartete Wendungen. An manchen Stellen (besonders in den Kapiteln, die 2015 spielen) hätte ich mir vielleicht etwas mehr Tempo gewünscht, aber das ist wirklich Kritik auf sehr hohem Niveau. Beeindruckend fand ich, wie gut es der Autorin gelingt, die 80er-Jahre und das besondere Viertel „Boystown“ zum Leben zu erwecken. Dafür hat sie sorgfältig recherchiert, und das merkt man. Rebecca Makkai beschreibt sehr atmosphärisch den Zusammenhalt in der schwulen Gemeinschaft, das aufregende Nachtleben und das Lebensgefühl der damaligen Zeit mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten, sodass man nicht nur geschichtliche Fakten dazulernt, sondern sich auch wirklich fühlt, als würde man in eine andere Zeit eintauchen. Feministischer Blickwinkel (5 Lilien) Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): bestanden! Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: Hu++, Tussi Eine feministische Analyse dieses Romans lässt mich zufrieden zurück. Das Buch besteht den Bechdel-Test, bespricht LGBT-Themen, bricht dadurch auch mit Geschlechterstereotypen, ist frei von Slut Shaming und enthält sehr starke, intelligente und interessante Frauenfiguren. Dass das Geschlechterverhältnis durch Yales Freundeskreis etwas unausgeglichen ist, verzeihe ich da gerne. Mein Fazit „Die Optimisten“ ist ein Roman der philosophischen Fragen, tragischen Schicksale und der großen Emotionen – und trotz seiner ernsten Themen für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, in das ich immer wieder gerne eingetaucht bin. Mit ihrem angenehmen Schreibstil, ihren wunderschönen Zitaten, kreativen Vergleichen, nuancierten Schilderungen der Innenwelt ihrer liebevoll ausgearbeiteten Figuren, ihrer tiefgründigen Behandlung ernster Themen, ihren starken weiblichen Figuren, ihrem Brechen mit Geschlechterstereotypen, ihrem (tragikomischen) Humor, ihrer dichten Atmosphäre und ihrer berührenden Geschichte hat sich Rebecca Makkai in mein Herz geschrieben. Da sehe ich über kleine Schönheitsfehler sehr gerne hinweg. Kurz: Den Hype und das Lob (das Buch wurde unter anderem sogar für den Pulitzer Preis nominiert!) hat dieser Roman absolut verdient. „Die Optimisten“ ist jedenfalls eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe! Lasst es euch nicht entgehen, denn es wird euch gefallen – da bin ich optimistisch! Wenn euch „Die Optimisten“ gefallen hat, lest unbedingt auch „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ von Carol Rifka Brunt (auch im großartigen Eisele Verlag erschienen)! Es behandelt ähnliche Themen, ist aber sogar noch berührender. Bewertung Idee: 5 Lilien ♥ Inhalt, Themen, Botschaft: 5 Lilien ♥ Umsetzung: 5 Lilien ♥ Worldbuilding: 5 Lilien ♥ Einstieg: 5 Lilie Ende / Auflösung: 5 Lilien ♥ Schreibstil: 5 Lilien ♥ ProtagonistInnen: 5 Lilien ♥ Figuren: 5 Lilien ♥ Spannung: 4 Lilien Atmosphäre: 5 Lilien ♥ Emotionale Involviertheit: 5 Lilien ♥ Feministischer Blickwinkel: 5 Lilien Insgesamt: ❀❀❀❀❀♥ Lilien Dieses Buch bekommt von mir fünf Lilien und ein Herz – und damit den Lieblingsbuchstatus!

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In Die Optimisten verarbeitet Rebecca Makkai auf mitreißende, packende und emotional tief berührende Weise und auf zwei Zeitebenen (Chicago 1985 bis frühe 90er und Paris 2015) Ereignisse rund um die erste Aids-Welle. Ich habe sehr lang für diesen Roman gebraucht, was weder meinem üblicherweise rasanten Lesetempo geschuldet ist, noch der Tatsache, dass dieses Buch mich nicht angesprochen hätte. Im Gegenteil: ich konnte Die Optimisten nicht schnell lesen, weil es sich hier um einen wirklich ganz tollen, gut gemachten Roman handelt, der den Leser allerdings auch oftmals so stark erschüttert und angreift, dass man die Lektüre unterbrechen muss. Die Autorin versteht es ganz hervorragend, die Unsicherheit, das Unwissen, die Angst und das mit einer Aids-Diagnose verbundene Bewusstsein des herannahenden Todes zu transportieren, ohne dabei zu unnötigen Schaueffekten oder übertriebener Dramatik zu greifen. Die Optimisten ist vielmehr ein sehr ruhiger Roman, der zu fesseln versteht, indem er die Furcht und Verzweiflung der ersten Aids-Jahre anhand des äußerst sympathisch gezeichneten, intellektuellen und mitfühlenden Yale personalisiert, den der Leser auf seinem Weg begleitet. Dabei geht es mitnichten nur um die Krankheit, sondern auch um Liebe, Freundschaft, Gemeinschaft, Familie und vor allem Kunst und die Bedeutung von Erinnerung und Vergangenheit. Makkai lässt sich viel Zeit, ein Bild der Zeit heraufzubeschwören, Freundeskreise auszuloten, aber auch die Realität der homosexuellen Community und den noch ungewohnten Alltag auf den Aids-Stationen darzustellen. Durch das gemäßigte Erzähltempo wird auch der Leser Teil dieser Welt und „freundet“ sich sozusagen mit Yale an, leidet und bangt mit ihm. Der Chicago-Teil weist trotz seines Umfangs nicht allzu viele Längen auf und ist in seiner Darstellung der Hilflosigkeit angesichts des Virus regelrecht – in einem positiven Sinne - schmerzhaft. Ebenso beeindruckend ist die Einsamkeit, die Isoliertheit der als Outsider betrachteten gay community, die hier anhand von Yale fast greifbar gemacht wird. Der Paris-Teil hat mich nicht ganz so begeistert, was sicherlich daran liegt, das Fiona, eine Freundin von Yale, als Figur für den Leser schwieriger zu begreifen ist. Dennoch hat dieser Teil für den Romanaufbau seine wesentliche Funktion – auch wenn er sicherlich etwas kürzer hätte sein können - und verfügt durch Fionas Suche nach ihrer Tochter Claire über einen eigenen Spannungsbogen. Die Optimisten ist ein besonderer und gelungener Roman, der mich wegen seiner Geschichte, seines großartig ausgestalteten Protagonisten und seines Erzählstil zutiefst bewegt hat.

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Tragische Figuren verpackt in bewegenden Schicksalen. Ein unvergessliches Roman, der die damalige schwere Zeit mitreißend beschreibt.

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Yale ist ein junger Kunstexperte aus Chicago. Gerade als es anfängt für ihn gut zu laufen, bei der er einen großen Karriereschub zu erwarten hat wendet sich das Blatt. In Chicagos Boys Town geht ein Virus um sich - Aids. Parallel dazu wird die Geschichte von Fiona erzählt. Sie ist auf der Spur ihrer Tochter, die sich nicht auffinden lässt. Während ihrer Suche wird sie auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Diese führt ins Chicago der 80er Jahre und ist für Fiona äußerst schmerzhaft. Es handelt sich bei „Die Optimisten“ um ein geniales Buch mit einer rasant erzählen Geschichte, die auf zwei Ebenen spielt. Es ist ein Roman, indem es um Freundschaften, Beziehungen, Kunst und um die fürchterliche Krankheit Aids geht. Wenn man das in Corona-Zeiten liest verdeutlichen sich die Ängste und Hilflosigkeit der Krankheit gegenüber auf eine sehr erschreckende Weise.

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"Die Optimisten" von Rebecca Makkai ist in erster Linie ein gefühlsintensiver Roman. So sehr, dass er dem Leser mit einer vollen Wucht entgegenkommt und einiges an Schmerzen bereitet. Und doch ist die Geschichte unglaublich lesenswert, weil wichtige Bestandteile der Kultur- und Sozialgeschichte zum Jahrhundertwechsel preisgegeben werden. Die Handlung dreht sich um eine Pandemie mit tödlichen, grausamen, unaushaltbaren Konsequenzen – aber wir schreiben nicht das Jahr 2020. Der Roman besteht aus zwei ineinander gewobenen Geschichten, von denen jedoch die des in einer Galerie arbeitenden Yale fester an den Herzfesseln reißt. Die Geschichte von Yale spielt in 1985, im Jahr der ersten Aidstests. Yale und sein Partner Charlie führen eine konfliktreiche Beziehung inmitten von Tests, Beerdigungen, Partys und Angst. Wie Yale sich innerhalb der Epidemie fortbewegt, wie Freundschaften und Liebesbeziehungen von der Krankheit zerstört und neu definiert werden, beschreibt Makkai in einer einzigartigen Geschichte – denn parallel geht es ums Thema der Unsterblichkeit der Liebe in der Künstlerszene der 1920er-Jahre und des Ersten Weltkrieges. Die Nuancen dieses Romans sind ungemein groß – doch umso mehr die Handlung sich dem Ende nähert, desto furchtbarer gestalten sich die individuellen Schicksale. Zeitgleich werden die Berührungspunkte und Kontexte der einzelnen Figuren nur klarer. "Die Optimisten" ist ein herzzerreißender, wunderschöner, lehrreicher, besonderer Liebesroman und meinerseits sehr dringend zu empfehlen. Eine ausführliche Rezension erscheint am 23.12. auf https://sandrafalke.com.

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Ich habe dieses Buch auf English gelesen und rezensiert - https://wildwritinglife.blogspot.com/2019/01/book-review-great-believers-by-rebecca.html - deswegen war ich interessiert an die deutsche Übersetzung. Eine sehr gute Variante, Die Sprache behält sehr gut die ursprüngliche Bedeutung. Das macht es zu einem sehr angenehmen Leseerlebnis.

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Dies ist einer dieser wahrhaft großen, amerikanischen Romane, die einen einsaugen, mit deren Protagonisten man Ängste und euphorisches Glück fühlt und sich einige Seiten später vor Verzweiflung die Haare rauft. 2 Erzählstränge: Wir befinden uns zum einen in der schwulen Community von Chicago in den 80er Jahren, in die gerade der Hi-Virus verheerend einbricht. Wir lesen hier über Glück, Liebe, Freundschaft, Wahlfamilien, aber auch über Verrat, Verzweiflung, Tod und Trauer. Die zweite Ebene spielt im heutigen Paris und wir lernen, wie das Leben der Hinterbliebenen und Überlebenden durch die damaligen Ereignisse geprägt wurde. Ein emotionales, intelligentes, sehr gut recherchiertes Buch voller Empathie, das das Zeug hat ein Klassiker zu werden! Absolute Leseempfehlung!

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