Rezension
Rezension von
RoXXie S, Rezensent*in
Zwischen funkelnder Idee und erzählerischem Stillstand
Ich habe dieses Buch beendet und wusste erst einmal nicht, in welche gedankliche Schublade ich es stecken soll. Kingdom of Crystal Hearts von Sina Brings hinterlässt bei mir ein widersprüchliches Gefühl, irgendwo zwischen ehrlicher Anerkennung für eine starke Grundidee und deutlicher Ernüchterung über ihre Umsetzung. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man merkt, wie viel Potenzial vorhanden war und wie oft es dennoch liegen gelassen wurde.
Kingdom of Crystal Hearts ♦ Sina Brings - Eine Rezension
Meinung
Zunächst zu den Aspekten, die mir wirklich gefallen haben. Die Weltidee rund um das Magiesystem ist gelungen und besitzt eine angenehme Eigenständigkeit. Magie, die durch verschiedenfarbige Kristalle ermöglicht wird, ist kein völlig neuer Ansatz, wird hier aber sinnvoll in die gesellschaftlichen Strukturen eingebettet. Besonders überzeugend fand ich die Darstellung der sozialen Ungleichheit. Während Adel und Königin von der Macht der Edelsteine profitieren und ihre Fähigkeiten zur Schau stellen, wird die arme Bevölkerung in den Minen ausgebeutet, entrechtet und geopfert. Dieser Kontrast ist klar gezeichnet und wirkt bedrückend realistisch. Auch Elodies Hintergrundgeschichte, der Verlust ihrer Familie in den Minen und ihr Anschluss an eine Rebellengruppe, ist nachvollziehbar und emotional eigentlich stark aufgeladen. In ihrer Grundkonzeption bietet diese Geschichte eine hervorragende Basis für einen düsteren, politischen Fantasyroman.
Leider bleibt es genau dabei: bei der Basis. Denn in der Ausarbeitung verliert sich das Buch für mich immer wieder in langatmigen Passagen, insbesondere in den inneren Monologen der Hauptfigur. Elodies Gedankenwelt nimmt enorm viel Raum ein, oft auf Kosten der Handlung. Statt Spannung aufzubauen oder Konflikte voranzutreiben, drehen sich viele Kapitel gedanklich im Kreis. Zweifel, Ängste und Gefühle werden immer wieder neu formuliert, ohne wirklich an Tiefe zu gewinnen. Das führte bei mir dazu, dass ich zahlreiche Stellen nur noch überflogen habe, weil sie sich inhaltlich schlicht wiederholten.
Mit diesen Monologen geht auch ein deutliches Pacing-Problem einher. Nach etwa der Hälfte des Buches gibt es einen kleinen Handlungsknall, der eigentlich als Wendepunkt dienen könnte. Stattdessen verliert die Geschichte danach spürbar an Schwung. Szenen ziehen sich, Gespräche führen kaum zu neuen Erkenntnissen und das Gefühl entsteht, dass die Handlung auf der Stelle tritt. Dieser Stillstand nimmt dem Buch viel von seiner möglichen Spannung.
Ein weiterer Schwachpunkt sind für mich die Figuren. Elodie blieb mir über weite Strecken fremd. Obwohl ihre Emotionen häufig benannt werden, fühlten sie sich für mich oft aufgesetzt an. Beziehungen entwickeln sich schnell und intensiv, ohne dass ich als Leserin emotional wirklich mitgenommen wurde. Gleiches gilt für die Nebencharaktere, die größtenteils blass bleiben. Ich habe zu keiner Figur eine echte Bindung aufbauen können, was es schwer macht, mit ihnen zu leiden oder ihre Entscheidungen nachzuempfinden.
Auch inhaltlich konnte mich die Geschichte nicht dauerhaft überraschen. Das große Ganze, insbesondere die Richtung des Endes, war für mich relativ früh absehbar. Einzelne Details mögen variieren, doch der grundlegende Verlauf ließ sich erahnen. Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit der Königin. Nach all dem Leid, das sie verursacht hat, gegenüber der Bevölkerung, ihrem eigenen Sohn und der Dienerschaft, erscheint es mir völlig unverständlich, dass sie nahezu ungestraft davonkommt. Die angedeutete Erklärung über ihre Vergangenheit wirkt auf mich wie ein schwacher Versuch der Rechtfertigung und steht in keinem Verhältnis zu ihren Taten. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Schuld und Konsequenzen hätte der Geschichte deutlich mehr Gewicht verliehen.
Zuletzt muss ich noch den Titel ansprechen. Kingdom of Crystal Hearts klingt zwar ansprechend, passt für mich aber nur bedingt zum Inhalt. Kristalle und Magie spielen eine zentrale Rolle, doch kristallene Herzen, egal ob wörtlich oder sinnbildlich, habe ich in der Geschichte nicht wirklich gefunden. Ein Titel, der den Fokus stärker auf die Magie gelegt hätte, wäre aus meiner Sicht treffender gewesen. Für eine Buchbesprechung ist es selten ein gutes Zeichen, wenn der Titel kaum mit der eigentlichen Handlung korrespondiert.
Fazit
Unterm Strich bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. Kingdom of Crystal Hearts überzeugt mit einer starken Weltidee, einem interessanten Magiesystem und relevanten gesellschaftlichen Themen, verliert sich jedoch in langen Gedankenschleifen, schwachem Erzähltempo und Figuren, die emotional auf Distanz bleiben. Deshalb lande ich bei 2,5 Sternen: ein Buch mit vielversprechender Grundlage, das mich aber weder erzählerisch noch emotional vollständig abholen konnte.
Diese Rezension wird erst am Tag der VÖ auf meinem Blog oder anderen Portalen veröffentlicht!
Ich habe dieses Buch beendet und wusste erst einmal nicht, in welche gedankliche Schublade ich es stecken soll. Kingdom of Crystal Hearts von Sina Brings hinterlässt bei mir ein widersprüchliches Gefühl, irgendwo zwischen ehrlicher Anerkennung für eine starke Grundidee und deutlicher Ernüchterung über ihre Umsetzung. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man merkt, wie viel Potenzial vorhanden war und wie oft es dennoch liegen gelassen wurde.
Kingdom of Crystal Hearts ♦ Sina Brings - Eine Rezension
Meinung
Zunächst zu den Aspekten, die mir wirklich gefallen haben. Die Weltidee rund um das Magiesystem ist gelungen und besitzt eine angenehme Eigenständigkeit. Magie, die durch verschiedenfarbige Kristalle ermöglicht wird, ist kein völlig neuer Ansatz, wird hier aber sinnvoll in die gesellschaftlichen Strukturen eingebettet. Besonders überzeugend fand ich die Darstellung der sozialen Ungleichheit. Während Adel und Königin von der Macht der Edelsteine profitieren und ihre Fähigkeiten zur Schau stellen, wird die arme Bevölkerung in den Minen ausgebeutet, entrechtet und geopfert. Dieser Kontrast ist klar gezeichnet und wirkt bedrückend realistisch. Auch Elodies Hintergrundgeschichte, der Verlust ihrer Familie in den Minen und ihr Anschluss an eine Rebellengruppe, ist nachvollziehbar und emotional eigentlich stark aufgeladen. In ihrer Grundkonzeption bietet diese Geschichte eine hervorragende Basis für einen düsteren, politischen Fantasyroman.
Leider bleibt es genau dabei: bei der Basis. Denn in der Ausarbeitung verliert sich das Buch für mich immer wieder in langatmigen Passagen, insbesondere in den inneren Monologen der Hauptfigur. Elodies Gedankenwelt nimmt enorm viel Raum ein, oft auf Kosten der Handlung. Statt Spannung aufzubauen oder Konflikte voranzutreiben, drehen sich viele Kapitel gedanklich im Kreis. Zweifel, Ängste und Gefühle werden immer wieder neu formuliert, ohne wirklich an Tiefe zu gewinnen. Das führte bei mir dazu, dass ich zahlreiche Stellen nur noch überflogen habe, weil sie sich inhaltlich schlicht wiederholten.
Mit diesen Monologen geht auch ein deutliches Pacing-Problem einher. Nach etwa der Hälfte des Buches gibt es einen kleinen Handlungsknall, der eigentlich als Wendepunkt dienen könnte. Stattdessen verliert die Geschichte danach spürbar an Schwung. Szenen ziehen sich, Gespräche führen kaum zu neuen Erkenntnissen und das Gefühl entsteht, dass die Handlung auf der Stelle tritt. Dieser Stillstand nimmt dem Buch viel von seiner möglichen Spannung.
Ein weiterer Schwachpunkt sind für mich die Figuren. Elodie blieb mir über weite Strecken fremd. Obwohl ihre Emotionen häufig benannt werden, fühlten sie sich für mich oft aufgesetzt an. Beziehungen entwickeln sich schnell und intensiv, ohne dass ich als Leserin emotional wirklich mitgenommen wurde. Gleiches gilt für die Nebencharaktere, die größtenteils blass bleiben. Ich habe zu keiner Figur eine echte Bindung aufbauen können, was es schwer macht, mit ihnen zu leiden oder ihre Entscheidungen nachzuempfinden.
Auch inhaltlich konnte mich die Geschichte nicht dauerhaft überraschen. Das große Ganze, insbesondere die Richtung des Endes, war für mich relativ früh absehbar. Einzelne Details mögen variieren, doch der grundlegende Verlauf ließ sich erahnen. Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit der Königin. Nach all dem Leid, das sie verursacht hat, gegenüber der Bevölkerung, ihrem eigenen Sohn und der Dienerschaft, erscheint es mir völlig unverständlich, dass sie nahezu ungestraft davonkommt. Die angedeutete Erklärung über ihre Vergangenheit wirkt auf mich wie ein schwacher Versuch der Rechtfertigung und steht in keinem Verhältnis zu ihren Taten. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Schuld und Konsequenzen hätte der Geschichte deutlich mehr Gewicht verliehen.
Zuletzt muss ich noch den Titel ansprechen. Kingdom of Crystal Hearts klingt zwar ansprechend, passt für mich aber nur bedingt zum Inhalt. Kristalle und Magie spielen eine zentrale Rolle, doch kristallene Herzen, egal ob wörtlich oder sinnbildlich, habe ich in der Geschichte nicht wirklich gefunden. Ein Titel, der den Fokus stärker auf die Magie gelegt hätte, wäre aus meiner Sicht treffender gewesen. Für eine Buchbesprechung ist es selten ein gutes Zeichen, wenn der Titel kaum mit der eigentlichen Handlung korrespondiert.
Fazit
Unterm Strich bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. Kingdom of Crystal Hearts überzeugt mit einer starken Weltidee, einem interessanten Magiesystem und relevanten gesellschaftlichen Themen, verliert sich jedoch in langen Gedankenschleifen, schwachem Erzähltempo und Figuren, die emotional auf Distanz bleiben. Deshalb lande ich bei 2,5 Sternen: ein Buch mit vielversprechender Grundlage, das mich aber weder erzählerisch noch emotional vollständig abholen konnte.
Diese Rezension wird erst am Tag der VÖ auf meinem Blog oder anderen Portalen veröffentlicht!