Rezension
Rezension von
RoXXie S, Rezensent*in
Dunkle Weihnachtsromanze mit zu viel Süße – solider, aber nicht fesselnder Auftakt
He Sees You When You’re Sleeping war für mich ein kleiner Ausflug in ein Genre-Mischgebiet, das ich normalerweise eher meide: Weihnachtsromanzen. Schon nach wenigen Seiten fühlte ich mich daran erinnert, warum ich mit typischen Weihnachtsgeschichten so oft fremdle – alles ist mir meist zu süß, zu künstlich, zu glitzernd. Aber ich dachte mir, dass ich bei Dark Romance relativ sicher bin. Ein wenig Bosheit, gebrochene Charaktere, moralische Grauzonen – genau das, was dem üblichen Kitsch seine Spitze nimmt. Und zum Großteil war das hier zum Glück auch so. Die Geschichte hat tatsächlich deutlich dunklere Töne als andere Holiday Stories, und das Fest spielt zwar eine Rolle, aber eher als symbolischer Katalysator für die Backstories der beiden Protagonist*innen und nicht als endlose Parade aus Lichterketten und Lebkuchenherzen.
He Sees You When You’re Sleeping ♦ Alta Hensley - Eine Rezension
Meinung
FMC Chloe ist Influencerin und gewohnt, die Feiertage allein zu verbringen. MMC Jack, Feuerwehrmann mit eigenen Dämonen, trägt eine tiefe Dunkelheit in sich. Das klingt nach der perfekten Grundlage für moralisch komplizierte Dynamiken. Und ja, die Autorin zeigt die Grenzen von Privatsphäre und Konsens relativ deutlich auf, ohne das Thema komplett zu romantisieren. Das Stalking-Element wird nicht einfach dekorativ genutzt, sondern zumindest kritisch beleuchtet. Beide Figuren ringen mit ihrer eigenen Moral und damit, was sie fühlen und warum sie so fühlen. Auf der rein thematischen Ebene funktioniert Dark Romance hier also wirklich gut.
Trotzdem blieb für mich ein Problem: Ich konnte Jack als morally grey Charakter nicht vollständig akzeptieren. Seine Stalking-Aktivitäten stehen so früh und so deutlich im Zentrum, dass ich die spätere emotionale Verbindung zwischen ihm und Chloe nicht auf der Ebene nachvollziehen konnte, wie sie mir verkauft werden sollte. Er war mir zu glatt, fast schon weichgezeichnet, um wirklich als ambivalenter Antiheld zu funktionieren. Ja, er hat Gewissensbisse, ja, man versteht seine innere Zerrissenheit – aber mir war das stellenweise tatsächlich zu süß. Gerade in einem Genre, das mit moralischen Grauschattierungen lebt, hätte ich mir etwas mehr Konsequenz, Härte oder Ambivalenz gewünscht. So fühlte sich vieles eher wie eine dunklere Weihnachtsromanze an, nicht wie echte Dark Romance.
Der Schreibstil ist allerdings angenehm leicht, flüssig, gut konsumierbar. Ich bin sehr schnell durch die Seiten geflogen und habe für das Buch kaum zwei Tage gebraucht. Insofern war es trotz meiner Kritik ein flotter Read, der mich gut unterhalten hat. Es gab ein paar Ungereimtheiten, sowohl in der Handlung als auch in den Motiven der Charaktere, die bis zum Ende nicht richtig aufgelöst wurden. Gerade weil das Buch mit psychologischen Themen spielt, wäre es für die Logik wertvoll gewesen, am Ende etwas mehr Klarheit zu bekommen.
Was mir ebenfalls auffiel, ist, dass das Ende sich ein wenig gehetzt angefühlt hat. Als würde Hensley plötzlich das Tempo erhöhen und die emotionalen Konflikte zu schnell abschließen, um zu einem versöhnlichen Schlusspunkt zu kommen. Für eine Geschichte, die stark auf innere Konflikte setzt, war mir der Bogen hier zu steil.
Fazit
Trotz allem muss ich sagen: Ich bin neugierig auf den Nachfolger He Knows When You’re Awake. Ich habe mehrfach gelesen, dass der zweite Band um Längen besser sein soll und vielleicht jene Tiefe bietet, die mir hier gefehlt hat. Insofern hat das Buch seine Aufgabe erfüllt: Es war unterhaltsam genug, um weiterzulesen, auch wenn es mich nicht vollends überzeugt hat. Für Fans von dunklen Feiertagsgeschichten mit romantischer Note dürfte He Sees You When You’re Sleeping ein passender Quick Read sein. Für eingefleischte Dark Romance-Leser*innen könnte es jedoch etwas zu zahm wirken. Insgesamt solide drei Sterne.
He Sees You When You’re Sleeping war für mich ein kleiner Ausflug in ein Genre-Mischgebiet, das ich normalerweise eher meide: Weihnachtsromanzen. Schon nach wenigen Seiten fühlte ich mich daran erinnert, warum ich mit typischen Weihnachtsgeschichten so oft fremdle – alles ist mir meist zu süß, zu künstlich, zu glitzernd. Aber ich dachte mir, dass ich bei Dark Romance relativ sicher bin. Ein wenig Bosheit, gebrochene Charaktere, moralische Grauzonen – genau das, was dem üblichen Kitsch seine Spitze nimmt. Und zum Großteil war das hier zum Glück auch so. Die Geschichte hat tatsächlich deutlich dunklere Töne als andere Holiday Stories, und das Fest spielt zwar eine Rolle, aber eher als symbolischer Katalysator für die Backstories der beiden Protagonist*innen und nicht als endlose Parade aus Lichterketten und Lebkuchenherzen.
He Sees You When You’re Sleeping ♦ Alta Hensley - Eine Rezension
Meinung
FMC Chloe ist Influencerin und gewohnt, die Feiertage allein zu verbringen. MMC Jack, Feuerwehrmann mit eigenen Dämonen, trägt eine tiefe Dunkelheit in sich. Das klingt nach der perfekten Grundlage für moralisch komplizierte Dynamiken. Und ja, die Autorin zeigt die Grenzen von Privatsphäre und Konsens relativ deutlich auf, ohne das Thema komplett zu romantisieren. Das Stalking-Element wird nicht einfach dekorativ genutzt, sondern zumindest kritisch beleuchtet. Beide Figuren ringen mit ihrer eigenen Moral und damit, was sie fühlen und warum sie so fühlen. Auf der rein thematischen Ebene funktioniert Dark Romance hier also wirklich gut.
Trotzdem blieb für mich ein Problem: Ich konnte Jack als morally grey Charakter nicht vollständig akzeptieren. Seine Stalking-Aktivitäten stehen so früh und so deutlich im Zentrum, dass ich die spätere emotionale Verbindung zwischen ihm und Chloe nicht auf der Ebene nachvollziehen konnte, wie sie mir verkauft werden sollte. Er war mir zu glatt, fast schon weichgezeichnet, um wirklich als ambivalenter Antiheld zu funktionieren. Ja, er hat Gewissensbisse, ja, man versteht seine innere Zerrissenheit – aber mir war das stellenweise tatsächlich zu süß. Gerade in einem Genre, das mit moralischen Grauschattierungen lebt, hätte ich mir etwas mehr Konsequenz, Härte oder Ambivalenz gewünscht. So fühlte sich vieles eher wie eine dunklere Weihnachtsromanze an, nicht wie echte Dark Romance.
Der Schreibstil ist allerdings angenehm leicht, flüssig, gut konsumierbar. Ich bin sehr schnell durch die Seiten geflogen und habe für das Buch kaum zwei Tage gebraucht. Insofern war es trotz meiner Kritik ein flotter Read, der mich gut unterhalten hat. Es gab ein paar Ungereimtheiten, sowohl in der Handlung als auch in den Motiven der Charaktere, die bis zum Ende nicht richtig aufgelöst wurden. Gerade weil das Buch mit psychologischen Themen spielt, wäre es für die Logik wertvoll gewesen, am Ende etwas mehr Klarheit zu bekommen.
Was mir ebenfalls auffiel, ist, dass das Ende sich ein wenig gehetzt angefühlt hat. Als würde Hensley plötzlich das Tempo erhöhen und die emotionalen Konflikte zu schnell abschließen, um zu einem versöhnlichen Schlusspunkt zu kommen. Für eine Geschichte, die stark auf innere Konflikte setzt, war mir der Bogen hier zu steil.
Fazit
Trotz allem muss ich sagen: Ich bin neugierig auf den Nachfolger He Knows When You’re Awake. Ich habe mehrfach gelesen, dass der zweite Band um Längen besser sein soll und vielleicht jene Tiefe bietet, die mir hier gefehlt hat. Insofern hat das Buch seine Aufgabe erfüllt: Es war unterhaltsam genug, um weiterzulesen, auch wenn es mich nicht vollends überzeugt hat. Für Fans von dunklen Feiertagsgeschichten mit romantischer Note dürfte He Sees You When You’re Sleeping ein passender Quick Read sein. Für eingefleischte Dark Romance-Leser*innen könnte es jedoch etwas zu zahm wirken. Insgesamt solide drei Sterne.