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Rezension

Cover: Verlorene Städte (Die Lichter unter London 1)

Verlorene Städte (Die Lichter unter London 1)

Erscheinungstermin:

Rezension von

RoXXie S, Rezensent*in

2 stars
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Rezension zu „Verlorene Städte“ von Anna Herzel – 2 Sterne

Ich hatte große Erwartungen an Verlorene Städte, den ersten Band der Lichter unter London-Reihe von Anna Herzel. Der Klappentext versprach eine düstere, geheimnisvolle Reise in die Tiefe der Londoner Katakomben – ein spannendes Setting voller grotesker Kreaturen, unentdeckter Gefahren und mystischer Geheimnisse. Leider wurde meine Vorfreude recht schnell gedämpft.

Verlorene Städte ♦ Anne Herzel — Eine Rezension

Meinung
Schon der Einstieg ins Buch verlief holprig. Ohne große Einführung wurde ich direkt in die Handlung geworfen, ohne dass ich Gelegenheit hatte, Maeve, die/der Protagonist*in (outet sich im Laufe der Geschichte als non-binär), oder ihre Welt wirklich kennenzulernen. Als Leserin blieb mir kaum Zeit, mich zu orientieren, geschweige denn, eine Verbindung zu Maeve aufzubauen. Stattdessen wurde ich förmlich überrollt von seitenlangen Infodumps über die Flora und Fauna der Unterwelt – von schlingenden Pflanzen bis zu wandernden Steinen. Viele dieser Details waren zwar fantasievoll, wirkten aber eher wie ein Lexikoneintrag als wie organisch in die Geschichte eingebettete Elemente. Besonders frustrierend: Zahlreiche dieser Wesen und Pflanzen tauchten später gar nicht mehr auf, was die anfängliche Überladung an Informationen noch überflüssiger erscheinen ließ.

Ein besonders verwirrender Moment war für mich die Szene mit der sogenannten "Frenzy Plant". Diese Pflanze hält Maeve fest umschlungen, fängt gleichzeitig Feuer – und dennoch scheint Maeve das weder zu spüren noch nimmt das irgendeinen Einfluss auf dey. Im Gegenteil, dey landet später sogar wieder auf dieser Pflanze, als wäre nichts gewesen. Solche Beschreibungen wirken unlogisch und reißen mich als Leserin komplett aus der Handlung. Es fehlt an innerer Logik und Konsequenz – etwas, das bei einem Fantasyroman mit klar gesetzten Regeln der Welt unabdingbar ist.

Auch sprachlich hakte es für mich an einigen Stellen. Besonders irritierend empfand ich die ständige Bezeichnung der Bewohner der Unterwelt als Unterweltler. Das klang für mich eher wie eine Abwertung oder eine satirische Bezeichnung und passte nicht zum ansonsten düster-mystischen Ton des Buches. Warum hier kein eigenständiger, atmosphärisch passender Begriff gewählt wurde, bleibt mir ein Rätsel.

Was die Figuren betrifft: Maeve blieb für mich über weite Strecken leider zu blass. Obwohl dey als Studierende der Katakombenforschung eingeführt wird, agiert dey im Laufe der Handlung erschreckend naiv. Demm fehlte es nicht nur an Tiefe, sondern auch an Glaubwürdigkeit. Demm Reaktionen auf das, was demm widerfährt – von der Konfrontation mit grotesken Wesen bis zur Tatsache, dass dey durch ein mysteriöses Zeichen für immer in der Tiefe gefangen sein soll – wirkten oft unbeteiligt oder schlicht unreflektiert. Das machte es mir schwer, mit ihr mitzufiebern.

Die Handlung selbst zog sich in den ersten 100 bis 150 Seiten wie Kaugummi. Es passierte wenig, außer dass Maeve durch Tunnel stolperte und neue Pflanzenarten beschrieben wurden. Erst mit dem Auftreten von Blaise und weiteren Figuren kam ein Hauch von Spannung auf. Diese neuen Charaktere hatten durchaus Potenzial, wirkten aber leider unterentwickelt. Angesichts ihrer Wichtigkeit für Maeves Überleben hätten sie viel mehr Raum und Tiefe verdient.

Fazit
Was mich letzten Endes doch durchhalten ließ, war das wunderschön gestaltete Cover – atmosphärisch, geheimnisvoll, ein echter Hingucker – in der Hoffnung, es kommt noch ein Knaller. Leider konnte der Inhalt mich am Ende aber nicht abholen. Ob ich den zweiten Band Vergessene Sterne lesen werde? Im Moment steht das wohl – passend zum Titel – wirklich in den Sternen.

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