Rezension

Cover: Blutige Stufen

Blutige Stufen

Erscheinungstermin:

Rezension von

Sebastian B, Rezensent*in

Meine Bewertung:

Über die Grundcharakteristika der Robert-Hunter-Thriller von Chris Carter muss man mittlerweile wohl kaum noch groß etwas sagen: Fans der Reihe wissen nach elf bisher veröffentlichten Romanen ohnehin wie der Hase läuft und vermutlich werden nur die wenigsten bei einem 12. Band neu in eine Serie einsteigen – auch wenn dies hier wie bei den meisten Carter-Büchern ohne Probleme möglich wäre.

So beginnt auch „Blutige Stufen“ (der Sinn des deutschen Titels erschließt sich wie so häufig nicht) nicht nur wie viele der Hunter-Fälle zuvor, sondern wie wohl die meisten Romane dieses Genres: eine junge, alleinstehende Frau kommt von einem heiteren Abend nach Hause, wird dort von einem/r Unbekannten überrascht und findet in ihren eigenen vier Wänden ein blutiges Ende. Wie es sich für Chris Carter gehört, fällt dieses hier aber besonders unangenehm aus, denn das Opfer wird mit dem zerfetzten Unterkiefer an einem großen Fischerhaken baumelnd aufgefunden – nicht ohne Grund ist dies hier schließlich ein Fall für die „Ultra Violent“-Einheit des Los Angeles Police Department.

Die Zutaten und Abläufe dieses Buches sind also weitestgehend wie bei den vorangegangenen Fällen für die leidgeprüften Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia: ein verstörender Tatort, der mal wieder schlimmer ist als alles, was die Polizeikräfte vor Ort je in ihrer Laufbahn gesehen haben, unappetitliche Details, die für ein unwohles Gefühl in der Magengegend sorgen und ein begnadeter Ermittler mit seinem kongenialen Stichwortgeber, die trotz aller Expertise im Dunkeln tappen, bis der Killer ein weiteres Mal zuschlägt – worauf man auch bei „Blutige Stufen“ selbstverständlich nicht lange warten muss.

Nun kann man von Chris Carters „Schema F“ nach jetzt einem Dutzend Romanen sicherlich ermüdet sein, Fakt ist aber auch, dass die Rezeptur des Bestsellerautors einfach gut funktioniert und an dessen Geschichten handwerklich nicht viel auszusetzen ist. Natürlich hat man es hier nicht mit großer Literatur zu tun, aber es fällt nicht besonders schwer, sich von Carter in einen gewissen Sog ziehen zu lassen. Und auch wenn man die zahlreichen Cliffhanger oft schon aus einer Meile Entfernung kommen sieht, so will man eben doch wissen, wie diese aufgelöst werden  – und weiß genau, dass man dafür mindestens zwei weitere Kapitel lesen muss, da der Autor nach Aussetzen des Köders garantiert erst wieder den Handlungsstrang wechselt, bevor er sein Geheimnis lüftet. 

Es ist also nicht überraschend, dass „Blutige Stufen“ erneut ein packender Thriller mit hohem Suchtfaktor geworden ist, dennoch gelingt es Chris Carter hier auch endlich mal wieder, ein gewisses Extra oben draufzupacken, und zwar ein hohes Maß an Emotionen und Tragik. Nach langer Zeit hat man es hier nämlich nicht einfach nur mit mordlüsternen Soziopathen zu tun, sondern mit einem/r Täter/in, dessen/deren Motivation trotz aller Brutalität in geraumem Maße nachvollziehbar ist, was der Geschichte nicht nur ein überraschendes, sondern eben auch schlüssiges Finale verpasst. Daher ist „Blutige Stufen“ für mich der beste Robert-Hunter-Thriller seit einer Weile und sorgt dafür, dass die Reihe auch nach 12 Bänden trotz immer wiederkehrender Elemente noch längst keine Abnutzungserscheinungen aufweist.

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