Rezension

Cover: Alle Farben des Regens

Alle Farben des Regens

Erscheinungstermin:

Rezension von

Nana S, RezensentIn

Meine Bewertung:

Stark berührende Schicksale in einer sehr emotional spannend aufgebauten Geschichte

Jessica Winter ist eine der Autorinnen, von der ich blind ein Buch lese, ohne den Klappentext vorher zu lesen, ich weiß einfach, dass Sie genau meinen Geschmack trifft und immer wunderschöne aber auch tiefgründige und ergreifende Drama-Romances schreibt. Als ich das neue Buch auf Netgalley gefunden habe, habe ich es gleich angefragt.

Coverbild
Das Cover ist für Jessica Winter typisch. Ein Pärchen umarmt sich und drumherum ist ein bunter Filter gelegt. Der Buchtitel ist in einer Handschrift im unteren Drittel gesetzt. Das Cover haut mich jetzt nicht vom Hocker, aber das ist mir bei Jessicas Büchern eh egal! Aber es passt zum Genre und es hat tatsächlich einen Wiedererkennungswert als ein Buch von Jessica Winter.

Handlung
Kasey und Arya kennen sich von Klein auf, bis plötzlich Kasey verschwindet und Arya ohne Erklärung verlassen hat, genauso wie ihr Vater vorher. Jahre später taucht Kasey wieder in ihrem alten Viertel auf und hat das alte Haus gekauft, in dem Arya mit ihrer Familie gelebt hat und dem sehr viele Erinnerungen mit ihrem Vater und mit Kasey anhaften. 

Aber Kasey ist mit seinen zwei kleinen Kindern alleine, seine Frau ist plötzlich verstorben und er muss sich alleine durchschlagen und ist mehr als überfordert damit. Nicht nur, dass Kasey plötzlich in ihrem alten Haus lebt, sie ist auch die Vorschullehrerin seiner 4 jährigen Tochter, die vom Tod ihrer Mutter sehr traumatisiert ist.

Buchlayout / Haptik
Das Buchlayout ist schlicht aber passend. Die 316 Seiten werden in 33 Kapitel und einem Epilog aufgeteilt. Jedes Kapitel wird mit “Kapitel” und der Nummer, und dem Namen der Perspektive eingeleitet. Rückblenden erhalten noch den zeitlichen Sprung zurück als Zusatz. Ansonsten bleibt es insgesamt schmucklos.

Idee / Plot
Häusliche Gewalt kann zum einen physisch aber auch psychisch durchgeführt werden. Beide Protagonisten erleben eine traumatische Kindheit, jeder auf seine Weise. Und das Einzige, was sie hält ist die Liebe und Zuneigung des anderen. Da sie ja beide die tiefsten Geheimnisse des anderen kennen und wissen, wie der andere denkt und fühlt. Aber diese tiefe Verbundenheit erhält ein jähes Ende, in dem Kasey sang und klanglos verschwindet, ohne Ari eine Begründung zu geben. Und beide leben ein Leben mit Schuldgefühlen und verrennen sich in Beziehungen, die sie nicht erfüllen. 

Das Aufarbeiten der Geschichte ist für beide Protas natürlich sehr schwer, aber Jessica Winter hat hier eine sehr schöne Geschichte um Kasey und Ari geflochten, die mich sehr berührt hat.

“Auch wenn sie älter und reifer klingt als damals. Sie ist mein Donner. Tief in mir drin ahnte ich, dass dieser Moment irgendwann kommen würde.”

Jessica Winter “Alle Farben des Regens”, Pos. 456 (kindle Edition © 2021 Jessica Winter in Selbstpublikation über Tinte & Feder)

Emotionen / Protagonisten
Arya hat große Verlustängste und lebt eine Beziehung mit Peter, in der sie sehr viel zurück steckt, nur aus Angst, er könnte sie verlassen. Sie fühlt sich minderwertig und hat die Verluste, die si in ihrem Leben schon erleben musste, nicht verarbeitet. Ich kann ihr gut nachvollziehen und verstehen, wie sie sich fühlt. Dass dann das Auftauchen von Kasey, sie sehr durcheinander bringt, ist verständlich. Und eigentlich sollte sie böse auf ihn sein, aber sie merkt, in welcher schlimmen Lage Kasey ist. Gerade die Trauerbewältigung seiner kleinen Tochter geht ihr ans Herz, da sie ja auch ihre Vorschullehrerin ist. Sie beginnt sich um die kleine Familie ein bisschen zu kümmern und empfängt wieder mehr Beachtung und Wertschätzung. Ich finde es so toll, wie sie daraus die Kraft schöpft, Peter die Stirn zu bieten!

Kaseys Schicksal ging mir wirklich sehr nahe. Auch er ist durch seine Kindheitserfahrungen nicht fähig Liebe zu empfinden und weiter zu geben. Hinzu kommt vor allem auch noch die unendliche Angst davor, genauso wie sein Erzeuger zu werden, der auch keine Minute auslässt, seinen Sohn in die psychische Spirale zu ziehen. Kasey ist alleine mit seinen zwei Kindern, die Tochter traumatisiert, und der 6 Monate alte Sohn ein Schreikind. Aber ich finde ihn so toll und mein Herz schnürt sich zu, wenn ich daran denke, dass er es seinen Kindern so schön wie möglich machen möchte - und natürlich dabei keine Hilfe annehmen kann. Aber auch er muss lernen, mit der Situation zurecht zu kommen, und das tut er, in dem er begreift was schief gelaufen ist und sehr stark reflektiert.

“»Stärke bedeutet nicht, andere niederzumachen, zu schlagen, um sich physisch überlegen zu fühlen. Stärke bedeutet, seine Fehler zu erkennen, aufzustehen und es beim nächsten Mal anders zu machen. [..]”

Jessica Winter “Alle Farben des Regens”, Pos. 3714 (kindle Edition © 2021 Jessica Winter in Selbstpublikation über Tinte & Feder)

Mich hat die ganze Geschichte der Beiden sehr stark berührt.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Jessica Winter baut die Handlung diesmal, durch den Perspektivenwechsel und die Rückblicke, ebenfalls auch in wechselnden Perspektiven, sehr geschickt auf und kreiert so auch immer wieder kleine Cliffhanger. Auch werden einige Hintergrundinformationen, die man sich zwar schon denken kann, nur tröpfchenweise ausgegeben, so dass sich das Puzzle langsam zusammenfügt und die emotionale Spannung schön über das gesamte Buch aufrecht gehalten. Trotzdem bleibt die Geschichte in einem Fluss und man spürt und fühlt mit den Protagonisten wunderbar mit.

“Sie hat mein Leben mehr als einmal gerettet, in mehr als einer Hinsicht, bevor ich der Geschichte zwischen uns ein abruptes Ende bereitet habe. Denn der Tag, bevor ich sie verlassen musste, war der Tag, an dem mein größter Albtraum Realität wurde.”

Jessica Winter “Alle Farben des Regens”, Pos. 496 (kindle Edition © 2021 Jessica Winter in Selbstpublikation über Tinte & Feder)



Szenerie / Setting
Jessicas Geschichten spielen oft in sozialen Brennpunkten, wie auch hier. Aber hier ist es eher das, was sich hinter der versteckten Fassade von “gut bürgerlichen” Häusern abspielt. Ich liebe Jessicas sozialkritischen Unterton: Die Vorschullehrerin, die immer einen Pausensnack für die Kinder dabei hat, weil die Eltern entweder kein Geld haben, oder sich schlichtweg nicht dafür interessieren und damit quasi zur Ersatzmutter vieler Kinder wird. Aber auch die Gewaltbereitschaft, sei es physisch gegen Kind und Partner, oder auch psychisch, ist oft ein präsentes Thema bei Jessica. Mir hat das Setting gut gefallen, Amerika das Land der Gegensätze und mit schlechter sozialer Absicherung ist für solche Geschichten prädestiniert.

“Letztlich zucke ich mit den Schultern. »Weil man keine Veränderung erwarten kann, wenn man nicht bereit ist, selbst etwas dazu beizutragen. Obwohl mir manche Geschichten das Herz rausreißen, habe ich das Gefühl, dass das genau deshalb der richtige Platz für mich ist.”

Jessica Winter “Alle Farben des Regens”, Pos. 2427 (kindle Edition © 2021 Jessica Winter in Selbstpublikation über Tinte & Feder)


Sprache / Schreibstil
Wie bei allen Geschichten von Jessica liebe ich ihren Sprachstil. Direkt und eingängig und authentisch. Ihre Texte gehen mir immer tief unter die Haut, ohne zu beschönigen oder zu verfälschen. Die Geschichte wird aus der Multiperspektive abwechselnd von Arya und Kasey aus der Gegenwart und in der Vergangenheit im Präsens erzählt.

FAZIT
Mal wieder ein Buch, welches mich total berührt hat und die Schickslae der Protagonisten mir sehr unter die Haut gegangen ist. Gerade der sehr interessante Handlungsaufbau mit den wechselnden Perspektiven und Rückblenden fand ich extrem gelungen und konnte mich das ganze Buch über sehr fesseln. Absolut empfehlenswert!

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