Rezension

Fuchsteufelsstill

von
Erscheinungstermin

Rezension von

Devona D, RezensentIn

Aktualisiert am 26.04.2017

Ich empfehle dieses Buch

Vielleicht

Juli ist 27 und Autistin - die Verfasserin des Geschichte ist Asperger-Autistin ( eine etwas "leichtere" Autismus-Form), genauso alt wie Juli und vollbringt das kleine und wirklich interessante Wunder, den Leser die Welt mit Julis Augen sehen zu lassen. Autisten sind "anders" und so sieht der Leser von Anfang an auch alles "anders" und kann ein leises Gespür dafür entwickeln, was Autismus bedeutet, nicht vollumfänglich, aber durchaus erkennend, dass es da doch noch einige andere und sehr spezielle Dinge abseits von Stereotypen wie "rain man" gibt. Vielleicht entdeckt der ein- oder andere sogar ein paar winzige Asperger-Anteile in sich selbst. Das ist spannend und macht das Buch durchaus lesenswert. 

Das war es aber auch bedauerlicherweise schon. Der Plot -oder eher Nicht-Plot- ist dermaßen hanebüchen und sinnbefreit, dass man nur mit dem Kopf schüttelt. Sophie (bipolar) und Phillip (schizophren) wirken beide wie aus einer Klischeekiste für psychisch Gestörte - das wird beiden schweren Krankheiten nicht gerecht und hat mich eher abgestoßen. Während man bei Sophie immerhin noch den Eindruck bekommen kann, sie sei mit ihrer (phasenabhängigen) nervigen Art wie so einige Menschen, die man selber aus dem real life kennt, gleitet Philipp -der die dringend notwendigen Medikamente abgesetzt hat- im weiteren Verlauf der Geschichte in schwere Halluzinationen und Wahnvorstellungen ab, die den Leser zwangsläufig leider hilflos und leicht verstört, statt offen interessiert an dieser Krankheit zurück lassen. Das fand ich schade.

Alle anderen Charaktere sind allzu oberflächliche Staffage, um dieser "wir 3 Verrückten ziehen los und machen was Verrücktes"-Geschichte irgendeinen Rahmen zu geben, der aber leider nicht paßt. Der Anfang und Julis Beginn der Therapie haben Potential. Danach konnte mich die Geschichte nicht mehr überzeugen.

Wen das nicht stört, der kann "Fuchsteufelsstill" ruhigen Gewissens lesen, um einmal mit Julis Augen Probleme zu betrachten, die für einen selber gar keine sind. Im Umkehrschluss nimmt übrigens Juli Probleme, die den Leser bei seiner Weltsicht als solche erscheinen, gar nicht als Problem wahr. Eine kleine Blickwinkelveränderung kann so manches beim Lesen bewirken.

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