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Tal der Schwalben
von Seraina Kobler
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Erscheinungstermin 22.04.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Die Schweiz in naher Zukunft: Die Städte sind zusammengewachsen zur alles beherrschenden »Metropolitane«, während die Alpen für die Stromversorgung zur Sperrzone erklärt wurden. Der junge Wissenschaftler Alesch kehrt in sein Heimatdorf Pradetta zurück, einen abgelegenen Ort im schwindenden Schatten eines Gletschers. Seltsame Wetterphänomene häufen sich am Berg, und schon bald ist Alesch hin- und hergerissen zwischen urwüchsiger Bergwelt und Hoffnung auf Fortschritt. Denn seine so revolutionäre wie gefährliche Forschung könnte die Antwort auf die Energiekrise bergen. Und dann ist da noch seine Jugendliebe Annetta …
Die Schweiz in naher Zukunft: Die Städte sind zusammengewachsen zur alles beherrschenden »Metropolitane«, während die Alpen für die Stromversorgung zur Sperrzone erklärt wurden. Der junge...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783257073775 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
S R, Buchhändler*in
Einst haben die Eltern von Alesch ihr Bergdorf verlassen und auch er lebt mittlerweile in der 'Metropolitane'.
In Zeiten knapper Ressourcen sucht er in der Forschung nach Lösungen. Nach einem missglückten Versuch geht er zurück in die Berge und stösst dort bei Messungen auf Ungereimtheiten und trifft seine Jugendliebe.
Ein etwas spröder Roman, der dann doch seinen eigenen Charme entwickelt.
Ein Heimatroman der möglichen nahen Zukunft und der Sieg der Naturgesetze
.
Was ist Heimat? Ein geografischer Ort oder hat man das in sich? Ist überall Heimat, wo man sich gerade befindet, wo man sich wohlfühlt, wo Erinnerungen aufkommen? Es gibt ein moralisches, aber kein praktisches Recht auf Heimat, so eine Antwort der Autorin.
Recht nüchtern und ohne ideologischen Überbau entwirft die Autorin das Szenario. Neue Zeiten sind angebrochen. Bergstürze, Überschwemmungen, Wüstenbildung, vermutlich durch veränderte klimatische Bedingungen, führen zu Evakuierungen. Die Städte sind zu einer Megalopolis zusammen gewachsen, Wohnraumumwandlung schafft Unterkünfte in Tiefgaragen und sogar Gotteshäusern für all die Umgesiedelten und andere Flüchtlinge. Die Grenzen sind geschlossen, Demos und Übergriffe erfordern ein erhöhtes Polizeiaufgebot und Überwachung. Öffentlich rechtliche Medien sind weggespart. Die monopolistische Stromgesellschaft ist zur Schattenregierung erstarkt. Alpine Brachen sind abgeriegelt
und dienen der Stromversorgung und einem gigantischen Feldversuch auf der Suche nach Alternativen zur Kernenergie. Fluch oder Revolution in der Energieversorgung? Einzig das Heimatdorf Pradetta des jungen Forschers Alesch am Institut für angewandte Fusionsenergie, leistet Widerstand wie die Gallier gegen die Umsiedlung. Sie wollen die Heimat nicht aufgeben, die Berge, den Wald, den Himmel, die Natur und ihre althergebrachten Lebensweise, die Identität bedeutet. Alesch soll sein Dorf überzeugen aufzugeben...
In "Tal der Schwalben" nimmt Seraina Kobler die Leser:innen mit in die Schweiz der nahen Zukunft. Die Städte sind zur "Metropolitane" zusammengewachsen, die Berge sind Sperrgebiet, da dort der Strom erzeugt wird. Viele Menschen haben ihre Dörfer verlassen – so auch Alesch, der Jahre später als Wissenschaftler nach Pradetta zurückkehrt. Angelockt von geheimnisvollen Nachrichten und seltsamen Wetterphänomenen reist er im Auftrag der Stromfirma zurück in seine alte Heimat.
Seraina Kobler erzählt nüchtern und unaufgeregt vor dem Hintergrund einer wenig verlockenden Zukunft. Dabei entwirft sie eine spannende Geschichte, die von den Umständen lebt, ohne diese auf unangenehme Weise in den Vordergrund zu stellen. Auch die Figuren und Schauplätze sind überzeugend gezeichnet: Alesch und die Menschen in Pradetta wirken greifbar und glaubwürdig, und die beschriebenen Orte sind sehr gut vorstellbar.
Obwohl die Welt des Romans dystopische Züge trägt, wirkt die Geschichte nie bedrückend oder übermäßig düster. Gerade die ruhige, präzise Erzählweise schafft eine besondere Atmosphäre, die den Blick stärker auf die Menschen und ihre Entscheidungen richtet.
Das Buch hat mich von Anfang an sehr gefesselt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Für mich ist "Tal der Schwalben" eine eindrückliche, spannende Geschichte, die noch lange nachwirkt.
Rezensent*in 595693
Zwischen Gletscher und Fortschritt
Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind die Städte in der Schweiz zu einer Metroplitane zusammengewachsen und die Alpenregion soll immer mehr gesperrt und für die Energieversorgung herangezogen werden. Für eine wissenschaftliche Arbeit kehrt Alesch in seine Heimat zurück und muss sich wundern über seltsame Wetterphänomene, er ist hin- und hergerissen zwischen der rauen, sich stark verändernden Gletscherwelt und seiner Forschung, welche viele Energieprobleme lösen könnte.
In drei große Abschnitte gegliedert, begleiten wir Alesch durch diese recht nüchtern dargestellte Geschichte, die möglicherweise genau deshalb die Problematik von Naturschutz und Energiegewinnung unterstreicht. Die wenigen, das Geschehen beherrschenden Figuren sind für mich ziemlich unnahbar, sodass es schwer ist, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen. Dennoch wird das Dilemma eindringlich dargestellt: Klimaflüchtlinge und zwangsweise Umgesiedelte drängen sich in den neuen Städten, große Konzerne übernehmen das Kommando und wecken Illusionen, die möglicherweise nie wahr werden können. Die dystopischen Szenen werden allerdings abgelöst von Bildern aus Pradetta, dem Ort, aus dem Alesch stammt und wo man sich zur Wehr setzt gegen die Evakuierung.
Mit ihrer distanzierten Betrachtung gelingt es der Autorin, wertungsfrei zu erzählen und den Leser mitzunehmen in eine Zukunft, die wir vielleicht doch intensiver und engagierter mitgestalten wollen und sollen. Was romanhaft klingt, kann schneller zur Realität werden als wir uns vorstellen können. Das Tal der Schwalben bietet jedenfalls interessante Ausblicke.
Titel Das Tal der Schwalben
Autor Seraina Kobler
ASIN B0G14MFKWY
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Geb. Buch (352 Seiten) und Hörbuch
Erscheinungsdatum 22. April 2026
Verlag Diogenes
Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.
Mir hat besonders gefallen, wie Seraina Kobler in nur wenigen Worten eine Schweiz der nahen Zukunft entstehen lässt, die für uns Leser*innen nachvollziehbar und in einer Weise realistisch ist, die subtilen Schrecken verbreitet.
"Es ist nicht die Landschaft, die bedroht ist. Sie verschwindet nicht, wir verschwinden. Die Natur hat keine Tränen, sie träumt nicht. Sie wird einfach eine andere sein".
Letztlich nimmt die Autorin unsere Gegenwart und denkt sie einfach weiter - genau das macht "Tal der Schwalben" so faszinierend. Die Auswirkungen der Klimakrise werden ebenso wie die gesellschaftlichen, (energie-) politischen und wirtschaftlichen Folgen fast beiläufig in die Geschichte eingewoben - obwohl sie zentral für die Handlung sind.
Fixpunkt ist Alesch, ein junger Wissenschaftler, der in der so genannten Metropolitane gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern nach einer Lösung für die Energieversorgung der Schweiz sucht. Vor Jahren hat er seinen in den Schweizer Bergen liegenden Geburtsort Pradetta (und seine große Liebe Anette) verlassen. Nun wird er zurückgeschickt, um die restlichen Dorfbewohner*innen zu überzeugen, ebenfalls in die Metropolitane umzuziehen.
Detailreich (aber zum Glück nicht ausufernd) beschreibt Seraina Kobler Pradetta, erweckt den Ort und seine Bewohner*innen zum Leben und erschafft einen Kontrast zum Leben in der Metropolitane. Ich habe mich schnell mit dem Ort und den darin lebenden Menschen identifiziert. Und so gelang es der Autorin, dass ich mit den Menschen, deren Lebensweise und mit dem Ort (!) mitfieberte. Würden sie bleiben können und der Ort weiterexistieren oder würde am Ende alles im Namen der Energieversorgung plattgemacht werden von der übermächtigen Stromgesellschaft? Diese Frage entwickelt im Verlauf der Handlung einen ganz eigenen Sog und führt zum Ende hin zu stetig steigender Spannung.
Über all den Geschehnissen - so spannend sie sein mögen - schwebt immer wieder auch die Frage, was genau eigentlich Heimat ist. Diese Frage ist subtil eingearbeitet und wird - wie im echten Leben, so auch von den Romanfiguren - je nach eigenen Erfahrungen jeweils anders beantwortet. Seraina Kobler arbeitet nicht mit dem Holzhammer, sondern webt dieses Handlungselement immer wieder fast beiläufig in die Geschichte ein.
Fazit: Seraina Kobler ist ein vielschichtiger, sehr lesenswerter Roman gelungen, der viele aktuelle Themen zu einer spannenden Geschichte verwoben hat. Empfehlenswert!
Zum Inhalt:
In der Schweiz sind die Städte zu einer Megacity zusammengewachsen, die Alpen sind Sperrgebiet zur Stromversorgung geworden. Der junge Wissenschaftler Alesch kehrt in sein Heimatdorf Pradetta im Schatten des schwindenden Gletschers zurück. Es häufen sich seltsame Wetterphänomene, die Alesch faszinieren, denn seine Forschung könnte die Lösung für die Energiekrise bedeuten ist aber auch gefährlich.
Meine Meinung:
Ich fand das Buch schon ziemlich faszinierend, den das Buch zeichnet ein Bild der Zukunft, dass man sich leider doch vorstellen könnte, vielleicht nicht in den Ausmaßen, aber schon in die Richtung. Das Buch hat dystopische Züge, war aber nicht so düster wie andere Dystopien. Die Beschreibungen der Protagonisten, Orte und Natur waren sehr gut vorstellbar. Der Schreibstil war auch nicht so auf Drama ausgerichtet sondern mehr auf die Sicht der Dinge und die Entscheidungen der Menschen, was mir gut gefallen hat. Am Ende ein Buch, dass noch nachhallen wird.
Fazit:
Lesenswert
Homo Faber in Derborence: «Tal der Schwalben» von Seraina Kobler
Vor genau einem Jahr, am 28. Mai 2025, hat eine Schutt- und Eislawine Blatten im Lötschental unter sich begraben. Vom kleinen Nesthorn waren sechs Millionen Kubikmeter Gestein und drei Millionen Kubikmeter Eis des Birchgletschers zu Tal gestürzt. Die Ursachen dafür hängen mit der Klimaerwärmung zusammen. Dennoch ist es in der Schweiz erstaunlich still geblieben rund um den Bergsturz. Das ändert jetzt Seraina Kobler mit einem Roman, der in einer zukünftigen Schweiz spielt. In ihrer Geschichte ist die Schweiz zweigeteilt in die «Metropolitane», das Siedlungsgebiet, das aus den zusammengewachsenen Städten im Mittelland besteht, und das «Restland», dem hermetisch abgeriegelten Berggebiet, das aus Sicherheitsgründen zur Sperrzone erklärt worden ist. Im Zentrum der Geschichte steht Alesch. Er stammt aus Pradetta, einem Bergdorf, das, bedroht durch Bergstürze und die Interessen eines mächtigen Stromkonzerns, vor dem Untergang steht. Alesch forscht in Lausanne als Wissenschaftler an einer revolutionären Energietechnologie. Im Auftrag des Stromkonzerns reist er nach Pradetta. Da gerät er zwischen die Fronten von wissenschaftlichem Fortschritt, politischem Machtkalkül und der Verbundenheit zu seiner alpinen Heimat. In meinem 305. Buchtipp sage ich Ihnen diese Woche, warum die Lektüre des Romans gerade jetzt ein packendes Erlebnis ist.
Sicher kennen Sie «Homo Faber» von Max Frisch, seinen Roman über den Ingenieur Walter Faber, der an Technik, Vernunft und Statistik glaubt und Gefühle, Zufälle oder Schicksal ablehnt. Vielleicht kennen Sie auch «Derborence», den Roman des Schweizer Schriftstellers Charles Ferdinand Ramuz aus dem Jahr 1934, der die historischen Bergstürze von Les Diablerets im Kanton Wallis verarbeitet. Man könnte diese beiden Romane als Vorläufer von «Tal der Schwalben» bezeichnen.
Im Unterschied zu «Derborence» und zum Bergsturz von Blatten ist es bei Seraina Kobler nicht nur die Natur, die die Berge für die Menschen unbewohnbar macht, sondern auch die Politik. Energie ist ein knappes Gut. Die Energiekonzerne der Schweiz haben zu einer einzigen, mächtigen Stromgesellschaft fusioniert. Chefin des Unternehmens ist Sofia Malitzky. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Sie will mit allen Mitteln so viel Strom aus den Alpen quetschen, wie technisch möglich ist. Dazu soll die Volksinitiative «Stromexpress» der Stromgesellschaft praktisch staatliche Kompetenzen übertragen. Vor allem aber forschen Wissenschaftler im Auftrag der Stromgesellschaft an neuartigen Energietechnologien.
Einer dieser Wissenschaftler ist Alesch. Er ist Anfang dreissig und arbeitet als Forschungsleiter eines Hochschullabors am Genfersee, das an einer «subthermalen Fusion» arbeitet, eine Energietechnologie, die Teilchenbeschleuniger und tiefe Kühlung kombiniert. Er stammt ursprünglich aus dem Bergdorf Pradetta in der heutigen Sperrzone. Er ist als junger Mann ans andere Ende des Landes ausgewichen, nachdem ihm die Familie der damaligen Geliebten Annetta die Beziehung verunmöglicht hatte.
Alesch lebt in Lausanne. Hier laufen gerade die Vorbereitungen für eine Landesausstellung im Stil von 1964. Auf dem See treiben schwimmende Inseln, am Himmel kreisen Zeppeline, an Land demonstriert das Volk gegen die Ausstellung.
Auf der Rue de Simplon riecht es nach Frühlingssonne und Tränengas. Die Schlange unter den gestreiften Markisen vor der Bäckerei ist an diesem Morgen gerade so lang, dass Alesch sich überwinden kann, sich anzustellen. Er schließt das Herrenrad an einen Laternenpfahl und stellt sich in den gezackten Schatten, den das Blätterkleid der Platanen auf den Asphalt wirft. Jemand spritzt mit einem Schlauch nasse Asche von den halb verkohlten Mülleimern.
…
Menteurs, «Lügner», ist in fetten Großbuchstaben über die farbenfrohe Abbildung des Seeufers gesprüht worden, an dem in wenigen Tagen die neue Landesausstellung eröffnet werden soll. Das Plakat wie die Ausstellung selbst: eine stilistische Reminiszenz an die Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Denn je schwärzer die Zukunft, umso besser kann man sich in der Vergangenheit verkriechen. Oder in diesem Fall in einer Zukunft, wie man sie sich früher vorgestellt hat. Vielleicht nicht die originellste Idee, aber verlässlich. Zumindest in technologischer Hinsicht: einfachere Lösungen, einfachere Wartung, einfachere Reparatur. (Seite 17)
Alesch ist mittendrin und steht doch daneben. Er ist ein ehemaliger Bergler aus dem Restland. Mit dieser Vergangenheit wird Alesch konfrontiert, als er mit Professor Wolfheim in einem Grandhotel an einem Strombranchenkongress teilnimmt. An der Rezeption wird ihm anonym ein Umschlag übergeben: die abgerissene Hälfte einer Verlobungsanzeige aus Pradetta. «Seine» Annetta heiratet. Später erhält er ein zweites Päckchen: ein Halstuch aus Pradetta und Buchseiten mit der Sage vom unglücklichen Senn Alesch und seiner toten Geliebten Annetta.
Am Strombranchenkongress tritt auch Sofia Malitzky auf. Die Chefin der Metropolitan-Stromgesellschaft wirkt äusserlich zerbrechlich. Sie ist klein, trägt ein elfenbeinfarbenes Abendkleid und hat Chanel-Rot auf den Lippen. Sie hält die Festansprache und wirbt für ihren «Stromexpress», ein gewaltiges Ausbauprogramm der Wasserkraft in den Bergen, das nur noch durch eine Volksinitiative bewilligt werden muss. Die Art, wie sie spricht, kennen wir nur allzu gut.
Sie spricht von weiteren Ausbauplänen der Wasserkraft – der freundlichsten aller Energiegewinnungsmöglichkeiten – in einer bis auf den letzten Meter genutzten alpinen Brache. Viel zu lange habe niemand mehr in diesem Land eine richtige Vision gewagt. Ihr Blick hakt sich an zufällig ausgesuchten Gesichtern im Saal fest. «Das stimmt nicht!, werden Sie jetzt denken», fährt sie fort. «Und trotzdem ziehen auch Sie nur das in Betracht, was wahrscheinlich, was plausibel ist.» Ihre Stirn kräuselt sich. «Darum möchte ich Sie hier und heute einladen: Denken wir zusammen über unsere Zukunft nach. Es hat viel zu lange Stillstand geherrscht in diesem Land. Wie sollen wir leben? Mit welchen Mitteln schützen wir, was uns wichtig ist? Unser Stromexpress ist Antwort darauf. Dank ihm können wir den Ausbau neuer Technologien direkt und ohne Hindernisse vorantreiben und zu Wissenschaftspionieren werden. Wenn die in einigen Wochen anstehende Volksinitiative angenommen und unsere Arbeit in der Bundesverfassung verankert ist, steht uns nichts mehr im Wege. Ja, meine Damen und Herren, das ist eine Vision, die so gewaltig ist, dass sie über unsere eigenen vergänglichen Schicksale hinaus leuchten wird.» Anschwellender Applaus. Sie hebt ihr Glas. «Darauf trinken wir.» (Seite 61)
Am nächsten Morgen bestellt die Stromchefin Alesch auf ihre Suite. Sie macht ihm ein verführerisches Angebot: Er soll in sein Heimatdorf zurückkehren und die Bewohner von Pradetta überzeugen, ihr Land an die Stromgesellschaft abzutreten, damit das Tal definitiv geräumt werden kann. Als Entschädigung verspricht sie ihm dafür einen eigenen Lehrstuhl in Zürich.
Zurück in Lausanne wird ihm der Entscheid einfach gemacht: In seiner Abwesenheit ist sein Forschungsprojekt implodiert. Im Labor ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Alesch wird beurlaubt und mit dem Vorwurf «mangelnder wissenschaftlicher Sorgfalt» aus dem Labor verbannt. Professor Wolfheim rät ihm, das Angebot der Stromchefin anzunehmen. Dieser Professor Wolfheim ist die Homo-Faber-Figur im Roman. Er steht für erbitterten Glauben an die Machbarkeit und an die Technik.
Also reist Alesch mit Sack und Pack und einigen Messgeräten nach Pradetta. Das ist gar nicht so einfach. An der Barrikade in Chur ist für reguläre Reisende Endstation. Alesch muss umsteigen in einen Sonderzug für das Personal der Stromgesellschaft. Der fährt auf einem versteckten Gleis.
Selbst mithilfe der Anweisungen in seinen Unterlagen dauert es eine Weile, bis Alesch früh am nächsten Morgen das versteckte Gleis findet. Nichts ist angeschrieben, keine Hinweise. Außer vielleicht die schwer schnaubende Lok, deren Geruch nach Feuerrauch und Maschinenöl ihn schließlich zuverlässiger zum Ziel geführt hat als die Lageskizze der Stromgesellschaft. An der Schnauze wird gerade ein Pflug montiert zum Räumen von Schnee und Steinschutt. Schon seit einer ganzen Weile ist man dazu übergegangen, in gewissen Gebieten wieder dampfbetriebene Maschinen einzusetzen. Die Stromgesellschaft verfügt über ein eigenes Notlager an inländisch abgebauter Steinkohle. Offiziell, weil der Unterhalt der Versorgungsstrecken sonst zu teuer wäre, inoffiziell aber wohl eher, weil es dann keine Steuerung und keine Strommasten braucht, die sabotiert werden können. (Seite 114)
Nein, das ist kein verwunschenes Gleis 9 ¾ und der Zug fährt nicht ein magisches Land, sondern in die von Bergstürzen und Gletscherabbrüchen bedrohte Heimat von Alesch. Kurz vor dem Dorf entgeht der Zug nur knapp der Zerstörung durch einen Erdrutsch. Es ist ein erster Hinweis darauf, dass die Widerstandsbewegung «Resistenza» es in Pradetta nicht beim Verteilen von Flugblättern belässt.
Die Dörfler reagieren mit Misstrauen auf Alesch, mit versteckten und auch offenen Drohungen. Auf dem Friedhof begegnet er Annetta. Sie pflegt heimlich die Gräber der Familien, die weggezogen sind. Sie ist die einzige, die ihm freundlich begegnet. Alesch macht sich Sorgen über seine Messungen: Seine Instrumente zeigen heftige Anomalien. Magnetfelder, Temperatureinbrüche, Druckschwankungen, vor allem, wenn Wind vom Gletscher kommt. Die Daten erinnern ihn an Muster aus dem Hochschullabor.
Gemeinsam mit Annetta steigt Alesch auf den Arabrena-Gletscher, weil er die Quelle der Anomalien finden will. In einer Eishöhle schlagen die Messinstrumente auf Extremwerte aus. Alesch hört ein tiefes, maschinelles Brummen. Alesch ist dem Rätsel von Pradetta auf der Spur.
Seraina Kobler ist mit «Tal der Schwalben» ein spannender Roman gelungen, der frei zwischen Krimi, Steampunk-Science-Fiction, Polit-Groteske und Schweizer Roman oszilliert. Alesch ist ein durchaus klassischer Held auf der Suche nach seiner Identität. Er entwickelt sich vom desillusionierten Forschungsleiter und unfreiwilligen Werkzeug der Stromchefin zum aktiven Widerstandskämpfer, vom Auswanderer über den Heimkehrer zum Wanderer. Sein Schicksal bleibt offen. Darauf spielt auch der Titel des Romans an: Die Schwalben sind Zugvögel, die zwar immer zurückkehren, aber eben auch immer wieder fortziehen.
Stromchefin Malitzky ist in vielen Belangen seine Gegenspielerin. Sie ist die grosse Drahtzieherin, nicht nur politisch, sondern auch was den Plot angeht. Spannend ist, dass Seraina Kobler sie nicht als bösen Menschen zeichnet, sondern als disziplinierte, einsame Strategin, die ganz rational und wohl nach bestem Wissen Pläne entwickelt.
Während Malitzky ganz rational und machtgetrieben ist, entwickelt sich Annetta, die Jugendliebe von Alesch, zum emotionalen Herz der Geschichte. Die eigenwillige Frau pflegt heimlich die Gräber der Abgewanderten, unterstützt aber auch den Widerstand. Sie schafft es, zwischen den Fronten zu bleiben. Sie entscheidet sich, in Pradetta zu bleiben und so sich und ihrer Haltung treu zu bleiben.
Der Schlüsselsatz für die Steampunk-Zukunft, die Seraina Kobler zeichnet, steht schon ganz am Anfang: «Je schwärzer die Zukunft, umso besser kann man sich in der Vergangenheit verkriechen. Oder in diesem Fall in einer Zukunft, wie man sie sich früher vorgestellt hat. Vielleicht nicht die originellste Idee, aber verlässlich. Zumindest in technologischer Hinsicht: einfachere Lösungen, einfachere Wartung, einfachere Reparatur.» Ich lese das auch als ironisches Augenzwinkern der Autorin, denn uns Lesern gefällt genau deshalb die Welt, in der sie ihre Geschichte angesiedelt hat.
Günter S, Buchhändler*in
Sprachlich überzeugend, Spannung wird aufrechterhalten.
Gegen Ende etwas fahrig, am Ende zu viele Wendungen und Behauptungen statt Erzählung
Maria H, Rezensent*in
Das Buch ist unterhaltsam und interessant geschrieben. Die Geschichte handelt von einem jungen Wissenschaftler der in sein Heimatdorf Pradetta zurückkehrt. Dies ist ein abgelegener Ort am Rand eines Gletschers. Alesch, der Wissenschaftler mag die urwüchsige Bergwelt, hofft aber auch auf den Fortschritt der Forschung eine Lösung für die Energiekrise zu finden. Ein insgesamt unterhaltsamer Roman den ich gerne empfehle.
Die Schweiz unter Strom, ein Blick in die Zukunft:
Alesch arbeitet in einem physikalischen Labor am Genfer See, nachempfunden dem CERN, wo nach schwarzen Löchern geforscht wird. Hier geht es um die Gewinnung von Strom durch neue Methoden. Nach einer heftigen technischen Störung im Labor wird Alesch strafversetzt in sein Heimatdorf Pradetta am Fuße eines ehemaligen Gletschers. Längst sind die Schweizer Alpen Sperrzonen für die Energiegewinnung und die Stromgesellschaft bildet eine mächtige Schattenregierung. Sie kauft sich im wahrsten Sinne des Wortes die wenigen kompetenten Wissenschaftler. Alesch soll an der Staumauer Messungen vornehmen, weil immer wieder Erdrutsche und Gerölllawinen ausgelöst werden. Er weiß nicht, dass auch er manipuliert wird und längst im Inneren des Berges ein menschengemachtes Unheil droht. Letztlich ist es ein weiser alter Mann vom Berg, der die Knoten durchschneidet und eine Katastrophe auslöst, die zur Rettung wird.
Ein sehr spannender Zukunftsroman mit vielen wahrscheinlichen Details und Fakten. Gut eingebettet in ein Geflecht aus menschlichen Beziehungen, die in die Vergangenheit reichen. Und sehr poetisch erzählt. Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen mag.
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